Sie verwalteten den Hof, konnten erben und sich scheiden lassen – und doch ist die Wahrheit über die Wikingerfrau differenzierter, als moderne Mythen glauben machen.
Frauen hatten in der Wikingerzeit eine im europäischen Vergleich bemerkenswert starke Stellung – wenn auch keine gleichberechtigte im heutigen Sinn.
Wenn die Männer auf See oder im Feld waren, führte die Hausherrin den Hof. Zeichen ihrer Stellung war der Schlüssel zur Vorratstruhe, oft am Gürtel getragen. Frauen konnten erben, eigenes Vermögen besitzen und sich unter bestimmten Bedingungen scheiden lassen – Rechte, die anderswo lange undenkbar waren.
Das Weben war Frauensache und von hoher wirtschaftlicher Bedeutung: Aus Wolle entstand das Tuch für die Segel, ohne die kein Schiff fuhr. Auf Märkten wie Birka sind auch Frauen als Händlerinnen belegt.
Berühmt wurde ein reich mit Waffen ausgestattetes Kriegergrab in Birka, das sich durch eine DNA-Untersuchung als das einer Frau erwies. Ob sie tatsächlich Kriegerin war oder die Waffen symbolischen Rang anzeigten, wird bis heute diskutiert – ein gutes Beispiel dafür, wie vorsichtig man Funde deuten muss.
Geschichten von Schildmaiden und Walküren gehören zur Sagenwelt; den Alltag der meisten Frauen prägte harte, geachtete Arbeit. Beides gehört zur Wahrheit dieser Zeit.