Wikinger waren nicht nur Plünderer. Im Rhein-Maas-Delta saßen sie mitten im größten Handelsplatz des Frankenreichs – und einer von ihnen regierte Friesland sogar im Auftrag der Kaiser. Die andere, leisere Seite der Wikingerzeit am Niederrhein.
Dorestad (beim heutigen Wijk bij Duurstede) war das große fränkische Handels-Emporium im Rheindelta, reich durch Verbindungen bis nach Byzanz und in die islamische Welt – der Nordsee-Rivale des dänischen Haithabu. Genau dieser Reichtum lockte die Wikinger: 834, 835, 836 und noch mehrfach wurde Dorestad geplündert, 863 schließlich schwer verwüstet.
Der dänische Wikinger Rorik von Dorestad bekam von den Franken Dorestad und große Teile Frieslands als Lehen und regierte dort rund 841–873. Der klassische Fall vom Wilderer, den man zum Förster macht: ein Wikingerfürst, der Friesland für das Reich hielt, um andere Wikinger fernzuhalten. Nach 882 hielt mit dem getauften Gottfried ein zweiter „Wikinger-Herzog“ Friesland.
Schon 862 fuhren Wikinger erstmals den Rhein hinauf und plünderten Köln; 863 nahmen sie Utrecht und Nijmegen, 864 überfielen sie das alte römische Xanten. Wo sie sich festsetzten, blühte aber auch der Handel: Ihre überlegenen Schiffe brachten Waren gegen die starke Rheinströmung – und verbanden Irland, England, die Rus und Skandinavien.

Den großen Bogen spannt der Überblick Germanen, Kelten & Slawen.