Die glänzenden Schwerter, die feinen Fibeln, die geschnitzten Schiffe – hinter all dem stand ein Handwerker mit seinem Werkzeug. Wie dieses Werkzeug aussah, zeigt ein einzigartiger Fund von der Insel Gotland: die Werkzeugkiste von Mästermyr, die größte, die aus der Wikingerzeit erhalten ist. Ein Blick in den Kasten eines Mannes, der Metall und Holz beherrschte.
1936 pflügte ein Bauer ein trockengelegtes Moor bei Mästermyr im Westen Gotlands – dort, wo einst ein flacher See lag. Sein Pflug stieß auf einen schweren Klumpen aus Eisen und Holz. Was er geborgen hatte, war eine hölzerne Kiste, verschlossen mit einem Schloss, und darin, über tausend Jahre bewahrt, das komplette Werkzeug eines Handwerkers.
Der Kasten enthielt rund zweihundert Gegenstände – so viele, dass sich daraus fast eine ganze Werkstatt ergibt. Da lagen Hämmer und Ambosse, Zangen und Feilen, Schmiedewerkzeug für die Metallarbeit. Daneben Werkzeug für Holz: Äxte, Bohrer, Ziehmesser, Hobel, Sägen und Raspeln. Dazu Schlösser, Schellen, Kessel, Nieten und Rohlinge. Der Besitzer war offenbar beides: Schmied und Holzhandwerker – ein Mann, der ein Schloss ebenso bauen konnte wie ein Fass oder ein Schiffsdetail.
Hämmer, Zangen und Feilen für das Eisen; Äxte, Bohrer und Hobel für das Holz – in einer Kiste die ganze Werkstatt eines Handwerkers. Beschreibung des Werkzeugfundes von Mästermyr (Gotland, geborgen 1936)
Warum die Kiste im Moor landete, weiß niemand sicher. Vielleicht verlor ein reisender Handwerker sie beim Übersetzen über den See; vielleicht wurde sie versenkt oder als Gabe niedergelegt. Sicher ist nur: Ein solches Werkzeugset war ein Vermögen. Wer es besaß, konnte reisen und überall arbeiten – ein wandernder Meister, der sein Können in einer Kiste bei sich trug.
Mästermyr erinnert an eine einfache Wahrheit: Die berühmten Kunstwerke der Wikingerzeit entstanden nicht von selbst. Hinter jedem Schwert, jeder Fibel, jedem geschnitzten Drachenkopf stand geduldige Arbeit mit Hammer, Feile und Auge. Das Werkzeug war der stille Partner der Kunst. Wer mehr über die Materialien wissen will, mit denen im Norden gearbeitet wurde, findet das in unserem Material-Vergleich.
Zwischen dem Handwerker von Mästermyr und einer heutigen Werkstatt liegt mehr als tausend Jahre – und doch verbindet beide dasselbe: gutes Werkzeug, eine ruhige Hand und die Freude, aus Metall und Holz etwas Bleibendes zu machen. Diese Haltung tragen wir bis heute in jede Gravur.
Die Werkzeugkiste von Mästermyr wurde 1936 in einem trockengelegten Moor im Westen Gotlands beim Pflügen gefunden. Sie ist die größte erhaltene Werkzeugsammlung der Wikingerzeit und enthält rund 200 Objekte – Schmiede- und Holzbearbeitungswerkzeug (Hämmer, Zangen, Feilen, Äxte, Bohrer, Hobel, Sägen), dazu Schlösser, Kessel und Rohlinge. Der Besitzer war offenbar sowohl Metall- als auch Holzhandwerker. Datierung in die Wikingerzeit; heute im Historischen Museum Stockholm.
„Der Handwerker von Mästermyr" ist eine Deutung – wir kennen weder seinen Namen noch, ob die Kiste einem einzigen Mann gehörte. Auch der Grund für die Niederlegung im Moor (Verlust, Opfer, Versteck) ist offen. Sicher ist allein der Befund: ein außergewöhnlich vollständiges Werkzeugset aus der Wikingerzeit. Alles Weitere ist vorsichtige Rekonstruktion.

Lasergravur auf Naturschiefer · Schiefer, Holz oder Glas? · Schieferplatte pflegen · Wikinger-Schmuck.