Die westlichen Nachbarn der Germanen – und warum Caesars saubere Rhein-Grenze in Wahrheit eine Schnittstelle war.
Die Kelten waren keine Germanen – und doch sind beide enger verwoben, als Caesars berühmte Rhein-Grenze glauben macht. Über Jahrhunderte prägten die hochentwickelten keltischen Kulturen ihre nördlichen Nachbarn: in Handwerk, Kriegswesen und Religion. Viele germanische Lehnwörter stammen aus dem Keltischen.

Archäologisch fassbar werden die Kelten in der Hallstatt- (ca. 8.–6. Jh. v. Chr.) und der La-Tène-Kultur (ca. 450–50 v. Chr.) – Letztere mit ihrer berühmten, verschlungenen Ornamentik. Ihr Gebiet reichte von Iberien über Gallien und die Alpen bis nach Britannien und Kleinasien.
Die Helvetier (Schweizer Mittelland; ihr Auszug 58 v. Chr. löste den Gallischen Krieg aus), die Häduer (Burgund, Roms „Brüder“), die Arverner (Auvergne; Heimat des Vercingetorix), die Senonen (die einst Rom plünderten) und die Carnuten mit dem heiligen Zentrum Galliens, wo sich die Druiden jährlich versammelten.
Die Treverer (Trier) und Nervier beanspruchten laut Tacitus gern germanische Abkunft – er selbst zählte sie aber nicht dazu. Hier, im Grenzraum, verschwammen keltische und germanische Identität.
Die britannischen Stämme leisteten Rom erbitterten Widerstand (Boudicca). In Irland, nie von Rom erobert, hielt sich keltische Kultur und Sprache am längsten – samt einer reichen Sagenwelt.
Anders als bei den Germanen gab es eine gelehrte Priesterkaste: die Druiden, zugleich Richter, Lehrer und Hüter des Wissens. Zu den Göttern zählten Lugus/Lugh (der „Vielkönnende“, im Namen von Lyon/Lugdunum), Taranis (Donnergott mit Rad-Symbol), Teutates („Gott des Stammes“) und der gehörnte Cernunnos.
