Südslawen

Die Slawen, die über die Donau auf den Balkan zogen – und dort eigene Reiche und Kirchen schufen.

Stammbaum

Während West- und Ostslawen sich in Mitteleuropa und der osteuropäischen Ebene ausbreiteten, überquerte eine dritte Gruppe die Donau und besiedelte ab dem späten 6. Jahrhundert den Balkan – teils unter dem Druck der Awaren, teils im Sog des zerfallenden oströmischen Grenzschutzes.

Krieger im Schildwall
Über die Donau auf den Balkan: die Landnahme der Südslawen ab ca. 580.

Sagudaten

Westlich von Thessaloniki, Thermaischer Golf · 7.-10. Jh.

Eine slawische Gruppe des Umlands, die in den Wundern des heiligen Demetrios zweimal auftaucht: um 615 beim Angriff des Chatzon und 676-678 bei der großen Belagerung, beide Male in Verbindung mit Booten. Um 904 nennt Johannes Kaminiates sie als Dorfbewohner, die ihre Steuern nach Thessaloniki zahlen. Zum Artikel

Draguviten

Umland von Thessaloniki / Makedonien · ab 7. Jh.

Eine der slawischen Gruppen vor den Toren Thessalonikis. Die Wunder des heiligen Demetrios nennen sie als jene, die 677 die Belagerungsmaschinen an die Stadtmauer brachten; später führten sie ein eigenes Bistum unter Thessaloniki. Nicht zu verwechseln mit den ostslawischen Dregowitschen am Pripjat. Zum Artikel

Milingen & Ezeriten

Peloponnes / Taygetos · ab 7. Jh.

Zwei slawische Gruppen tief im Süden Griechenlands. Kaiser Konstantin VII. verzeichnet ihre Tributsätze auf das Goldstück genau; die Milingen im Taygetos tauchen noch im 13. und 14. Jahrhundert in den Quellen auf. Zum Artikel

Serben & Kroaten

Westlicher/zentraler Balkan · ab 7. Jh.

Die großen südslawischen Völker des westlichen Balkans. Beide gründeten im Mittelalter eigene Reiche und Kirchen und wurden – Serben orthodox, Kroaten katholisch – Teil unterschiedlicher Kulturkreise.

Slowenen

Ostalpen / Pannonien · ab 6./7. Jh.

Die nordwestlichsten Südslawen, früh im Einflussbereich des Frankenreichs und der Ostalpen. Das frühmittelalterliche Karantanien gilt als einer ihrer Ursprünge.

Bulgaren (slawisiert)

Unterer Donauraum / östlicher Balkan · ab 681

Das Erste Bulgarische Reich (gegr. 681) begann als Herrschaft der turksprachigen Bulgaren über eine zahlreiche slawische Bevölkerung. Im Lauf der Zeit wurden die Bulgaren slawisiert – Volk und Sprache wurden slawisch. Ein Musterbeispiel dafür, dass „slawisch werden“ oft sprachlich-kulturell war, nicht genetisch.

Beleg: Die byzantinischen Quellen (u. a. Prokop, später Konstantin Porphyrogennetos) bezeugen die slawische Landnahme des Balkans im 6.–7. Jahrhundert recht gut. Im Bulgarischen Reich entstand mit der kyrillischen Schrift (nach Kyrill und Method) ein kulturelles Zentrum der Slawen.
Quellenlage: Vom heidnischen Glauben der Südslawen ist am wenigsten überliefert – sie wurden früh christianisiert (Bulgarien um 864, orthodox). Reste alten Glaubens leben höchstens in Volksbräuchen fort; vieles ist nicht sicher rekonstruierbar.

Auch hier bleibt als sichtbares indogermanisches Erbe vor allem der Donnergott-Typus (Perun) – die Klammer, die slawischen, baltischen, germanischen und weiteren Glauben verbindet.

Funde & Orte

Das eindrucksvollste Denkmal ist der Madara-Reiter in Nordostbulgarien: ein monumentales Felsrelief, das einen Reiter über einem erlegten Löwen zeigt, datiert ins frühe 8. Jahrhundert und heute UNESCO-Welterbe. Es entstand im Ersten Bulgarischen Reich, einem Schmelztiegel aus protobulgarischen, slawischen und byzantinischen Traditionen.

Felsrelief des Madara-Reiters in Bulgarien
Der Madara-Reiter – ein in den Fels gehauenes Reiterrelief (frühes 8. Jh.), UNESCO-Welterbe. Foto: PlusUA, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Vorsicht: „Südslawisch" ist hier eine Sammelbezeichnung – frühe Funde mischen slawische, bulgarische und byzantinische Einflüsse; eine saubere ethnische Trennung ist nicht möglich.

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Weiter im Blog

Ausführliche Einzelporträts zu Stämmen, Völkern und Glauben findest du in unseren Blog-Artikeln:

Südslawische Stämme

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