Westgermanen

Die Stämme zwischen Rhein, Elbe und Donau – und die Vorfahren, deren Spuren bis vor unsere Haustür reichen.

Stammbaum

Wenn von „den Germanen“ der Antike die Rede ist, sind meist die Westgermanen gemeint: jene Vielzahl von Stämmen zwischen Rhein, Elbe und Donau, die Caesar und Tacitus beschrieben – und mit denen Rom Krieg führte, handelte und Bündnisse schloss. Aus ihnen gingen später Deutsche, Niederländer, Engländer und Friesen hervor.

Germanischer Krieger vor dem Heer
Roms gefürchtete Nachbarn – und doch viel mehr als nur Krieger: Bauern, Händler, Handwerker.

Sueben

Mittel-/Nordostdeutschland · 1. Jh. v. Chr. – 6. Jh. n. Chr.

Kein einzelner Stamm, sondern ein riesiger Verband mit gemeinsamer Sprache und gemeinsamen Kulten, erkennbar am Suebenknoten. Ihr Anführer Ariovist wurde 58 v. Chr. von Caesar geschlagen. Ein Zweig gründete später sogar ein Königreich in Galicien. Die Sueben gingen in Alemannen und Bajuwaren auf – ihr Name lebt in „Schwaben“ weiter.

Franken

Unterer/mittlerer Rhein · ab 3. Jh. n. Chr.

Ein Bündnis von Rheinstämmen, das zum eigentlichen Erben des römischen Galliens wurde. Chlodwig I. einte die Franken um 500, trat zum Christentum über und begründete die Merowinger. Aus dem Frankenreich entstanden Frankreich und Deutschland.

Sachsen

Untere Elbe, dann ganz Nordwestdeutschland · 2.–9. Jh.

Seefahrer und Bauern, hartnäckig heidnisch – ihr Stammesheiligtum war die Irminsul. Ein Teil zog nach Britannien (Angelsachsen), der Rest wurde von Karl dem Großen in den Sachsenkriegen (772–804) unterworfen und gewaltsam christianisiert. Widerstandsführer war Widukind.

Chatten

Hessen · Späteisenzeit – 6. Jh.

Tacitus rühmt sie als ungewöhnlich disziplinierte Infanterie mit Schanzwerkzeug und Proviant. Sie gingen in den Franken auf; die Herleitung Chatten → „Hessen“ ist sprachlich gut begründet.

Cherusker

Mittlere Weser · 1. Jh. v.–1. Jh. n. Chr.

Heimat des Arminius, der 9 n. Chr. drei römische Legionen unter Varus vernichtete (Varusschlacht) – das Ende der römischen Ausdehnung nach Osten. Danach zerrieb sich der Stamm in inneren Kämpfen.

Friesen

Nordseeküste Rhein–Ems · ab ca. 12 v. Chr.

Viehzüchter auf Wurten (Wohnhügeln), tributpflichtig, aber aufständisch. In der Völkerwanderung leerte sich ihr Land durch die steigende See.

Markomannen & Hermunduren

Böhmen / Thüringen-Raum · 1.–4. Jh.

Suebische Völker. Die Markomannen unter Marbod bauten das erste Germanenreich nördlich der Donau und lösten später die Markomannenkriege aus. Die Hermunduren waren ein bevorzugter römischer Handelspartner.

Bataver, Ubier, Chauken & weitere

Rheindelta, Köln, Nordseeküste · 1.–3. Jh.

Die Bataver (Rheindelta) stellten Roms beste Hilfstruppen und probten 69 n. Chr. den Aufstand. Die romfreundlichen Ubier gaben mit ihrem Hauptort den Ursprung Kölns. Die Chauken zwischen Ems und Elbe lobte Tacitus als „edelstes der germanischen Völker“ – und sie zählten zu den frühesten Seeräubern.

Der Glaube der Westgermanen

Hier verehrte man Wodan (Mercurius), Donar/Thunar (Hercules), Tiw/Ziu (Mars) und Frija (Venus) – die Wochentage Dienstag bis Freitag tragen bis heute ihre Namen. Tacitus beschreibt die Erdmutter Nerthus, deren Wagen sieben Stämme gemeinsam verehrten.

Regionaler Beleg: Den härtesten Beweis liefern die rheinischen Matronensteine – Hunderte Weihaltäre für dreifache Muttergöttinnen, am dichtesten um Köln, Bonn und in der Eifel (Nettersheim). Genau hier, fast vor unserer Haustür, mischten sich germanischer, keltischer und römischer Glaube. Dazu die Merseburger Zaubersprüche (die einzigen heidnischen Verse in deutscher Sprache) und das altsächsische Taufgelöbnis, das „Thunaer, Uuoden und Saxnot“ abschwört.
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