Die Nachbarn im Osten – von den Sorben der Lausitz bis zum Tempel von Arkona.
Als die germanischen Völker in der Völkerwanderung nach Westen und Süden zogen, rückten von Osten die Slawen nach. Bis etwa 600 erreichten sie die Elbe-Saale-Linie – die jahrhundertelange Grenze zwischen germanisch-deutschem und slawischem Siedlungsgebiet verlief mitten durch das heutige Deutschland.

Die Milzener (Oberlausitz) und Lusici (Niederlausitz) sind die einzigen Polaben-Slawen, die bis heute als Volk fortbestehen. Die Sorben sind eine anerkannte nationale Minderheit Deutschlands mit eigener Sprache (Ober- und Niedersorbisch), Flagge und Hymne – ein lebendiges Stück slawisches Erbe vor der Haustür.
Zwei große Stammesbünde. Die Obodriten im Nordwesten, die Lutizen (Veleten) im Nordosten mit ihrem Heiligtum Rethra. 983 warfen sie in einem großen Aufstand die deutsche Herrschaft und das Christentum für rund 150 Jahre zurück.
Einer der letzten heidnischen Stämme. Ihr Tempel von Arkona mit dem viergesichtigen Gott Svantevit hatte überregionale Bedeutung – bis ihn 1168 die Dänen unter Waldemar I. und Bischof Absalon zerstörten.
Die Heveller um die Havel (Brandenburg) und die Pomoranen entlang der Ostsee. Ihr Land ging in der hochmittelalterlichen Ostsiedlung in deutsche Markgrafschaften über – oft mit Fürsten, die als christliche Vasallen weiterregierten.
Die großen westslawischen Völker weiter östlich gründeten eigene Reiche (Großmähren, Polen unter den Piasten, Böhmen) und wurden früh christianisiert.
Auf das Nachrücken der Slawen folgte ab Karl dem Großen der Gegendruck: der Limes Saxoniae, die Markgrafschaften Gero und Billung, der Wendenkreuzzug 1147 und schließlich die Ostsiedlung. Es war eine fließende Kontaktzone aus Krieg, Mission, Handel und Verschmelzung – kein scharfer „ewiger Volkskampf“.
Die Westslawen sind für ihren ausgeprägten Tempelkult bekannt – anders als die eher hainverehrenden Germanen. Berühmt sind die vielköpfigen Götterbilder: Svantevit (vierköpfig, Arkona), Triglav (dreiköpfig, Stettin) und Svarozhic (Rethra). In Arkona weissagte man mit einem heiligen weißen Pferd.
