Die Nachbarn im Osten – von den Sorben der Lausitz bis zum Tempel von Arkona.
Als die germanischen Völker in der Völkerwanderung nach Westen und Süden zogen, rückten von Osten die Slawen nach. Bis etwa 600 erreichten sie die Elbe-Saale-Linie – die jahrhundertelange Grenze zwischen germanisch-deutschem und slawischem Siedlungsgebiet verlief mitten durch das heutige Deutschland.

Der Verband, gegen den Karl der Große 789 ein Reichsheer über Elbe und Havel führte. Einhard nennt sie Welatabi und merkt an, dass die Franken sie Wilzi nannten; der Fürst Dragowit unterwarf sich in seiner befestigten Hauptburg, deren Lage bis heute strittig ist. Ob die Lutizen des 10. Jahrhunderts ihre Nachfolger waren oder eine Neubildung, ist offen. Zum Artikel →
Die Milzener (Oberlausitz) und Lusici (Niederlausitz) sind die einzigen Polaben-Slawen, die bis heute als Volk fortbestehen. Die Sorben sind eine anerkannte nationale Minderheit Deutschlands mit eigener Sprache (Ober- und Niedersorbisch), Flagge und Hymne – ein lebendiges Stück slawisches Erbe vor der Haustür.
Zwei große Stammesbünde. Die Obodriten im Nordwesten, die Lutizen (Veleten) im Nordosten mit ihrem Heiligtum Rethra. 983 warfen sie in einem großen Aufstand die deutsche Herrschaft und das Christentum für rund 150 Jahre zurück.
Einer der letzten heidnischen Stämme. Ihr Tempel von Arkona mit dem viergesichtigen Gott Svantevit hatte überregionale Bedeutung – bis ihn 1168 die Dänen unter Waldemar I. und Bischof Absalon zerstörten.
Die Heveller um die Havel (Brandenburg) und die Pomoranen entlang der Ostsee. Ihr Land ging in der hochmittelalterlichen Ostsiedlung in deutsche Markgrafschaften über – oft mit Fürsten, die als christliche Vasallen weiterregierten.
Die großen westslawischen Völker weiter östlich gründeten eigene Reiche (Großmähren, Polen unter den Piasten, Böhmen) und wurden früh christianisiert.
Die nördlichste Gruppe der pomoranischen Sprachfamilie: evangelisch geworden, von den katholischen Kaschuben östlich davon getrennt und im 19. Jahrhundert sprachlich untergegangen. Nach 1945 verließ die große Mehrheit die Region. Die Slowinzen sind der Fall, an dem man am genauesten sehen kann, wie eine slawische Sprachinsel im Nordwesten verschwand – dokumentiert durch Friedrich Lorentz, erinnert im Museumsdorf Kluki. Zum Artikel →
Das führende Volk des Lutizenbundes und Träger des Heiligtums von Riedegost, das Thietmar von Merseburg beschreibt. Treibende Kraft des großen Slawenaufstands von 983, der die ottonische Ostpolitik für zwei Jahrhunderte zurückwarf. Ein Bund ohne Fürsten: Entschieden wurde auf der Versammlung. Im Bruderkrieg von 1057 verlor die Redarier-Seite gegen die Zirzipanen – die Führungsrolle war damit dahin. Zum Artikel →
Eines der vier Teilvölker des Lutizenbundes, benannt nach dem Fluss Tollense im Raum Altentreptow–Demmin. Erstmals fassbar 955 in den St. Galler Annalen, zuletzt groß im Blick beim Bruderkrieg der Lutizen 1057. Nicht zu verwechseln mit dem bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollensetal – das ist rund zweitausend Jahre älter. Zum Artikel →
Auf das Nachrücken der Slawen folgte ab Karl dem Großen der Gegendruck: der Limes Saxoniae, die Markgrafschaften Gero und Billung, der Wendenkreuzzug 1147 und schließlich die Ostsiedlung. Es war eine fließende Kontaktzone aus Krieg, Mission, Handel und Verschmelzung – kein scharfer „ewiger Volkskampf“.
Die Westslawen sind für ihren ausgeprägten Tempelkult bekannt – anders als die eher hainverehrenden Germanen. Berühmt sind die vielköpfigen Götterbilder: Svantevit (vierköpfig, Arkona), Triglav (dreiköpfig, Stettin) und Svarozhic (Rethra). In Arkona weissagte man mit einem heiligen weißen Pferd.

Bei den Westslawen ragt der heidnische Kult heraus. Auf der Insel Rügen stand in Arkona ein Tempel des viergesichtigen Gottes Svantevit, den die Dänen 1168 zerstörten (überliefert beim Chronisten Saxo Grammaticus). Berühmt ist außerdem das Zbrucz-Idol, eine mehrere Meter hohe Steinsäule mit vier Gesichtern, oft auf Svantevit bezogen.

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