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Der Sonnenwagen von Trundholm

Geschichte & Funde Der Sonnenwagen von Trundholm

Ein Pferd, ein goldenes Rad, sechs kleine Speichenräder: Der Sonnenwagen von Trundholm ist eines der schönsten Bilder, die uns die Bronzezeit hinterlassen hat. Er zeigt, wie die Sonne über den Himmel gezogen wird – ein Gedanke, der im Norden erstaunlich zäh ist. Denn genau dieses Motiv taucht rund zweitausend Jahre später in der Edda wieder auf.

Ein Fund aus dem Moor

Im September 1902 pflügte ein Bauer zum ersten Mal das Moor von Trundholm im Nordwesten Seelands – und stieß auf eine kleine Bronzeplastik: ein Pferd, das auf einem Gestell mit Speichenrädern eine große Scheibe zieht. 1998 kehrten Archäologen an den Fundort zurück und bargen 21 weitere Teile, darunter Räder und Speichen. Datiert wird der Wagen auf etwa 1400 v. Chr. Er steht heute im Nationalmuseum in Kopenhagen und ziert die dänische 1000-Kronen-Note.

Die Sonne, die zwei Gesichter hat

Das Kunstvollste ist die Scheibe. Sie ist rund 25 cm groß und nur auf einer Seite vergoldet – auf der rechten, wenn man das Pferd von hinten betrachtet. Beide Seiten sind mit Punzen und Sticheln in Zonen konzentrischer Kreise verziert. Die gängige Deutung: Die Sonne wird tagsüber von Ost nach West gezogen und zeigt der Erde ihre helle, goldene Seite; nachts kehrt sie von West nach Ost zurück und wendet uns die dunkle Seite zu. Der ganze Wagen wurde wohl bei Ritualen umhergefahren, um den Lauf der Sonne am Himmel nachzuspielen.

Sonne, Pferd und Schiff

Das Nationalmuseum bringt es auf den Punkt: In der Religion der nordischen Bronzezeit standen drei Dinge im Zentrum – die Sonne, das Pferd und das Schiff. Das Pferd, das im Norden gerade erst heimisch geworden war, wurde zum Träger der Sonne. Verwandte Vorstellungen kennt man weithin: Der keltische Himmelsgott Taranis trägt ein Speichenrad, im indischen Rigveda fährt die Sonnengöttin auf einem Wagen, und der griechische Helios lenkt sein Sonnengespann über den Himmel. Die Sonne, von Rossen gezogen, ist ein uraltes indogermanisches Bild.

Und dann kehrt es wieder

Genau hier wird es für uns spannend. Rund zweitausend Jahre nach dem Sonnenwagen, in den christlich aufgeschriebenen, aber viel älteren Liedern der Edda, zieht die Sonne noch immer als Ross-Gespann über den Himmel. In der Grímnismál heißt es:

„Arwak und Alswid sollen immerdar / Schmachtend die Sonne führen. / Unter ihre Bugen bargen milde Mächte, / Die Asen, Eisenkühle." Grímnismál 37, Übersetzung Karl Simrock (1851), gemeinfrei

Árvakr („Frühwach") und Alsviðr („Allschnell") heißen die beiden Rosse, die Sól, die Sonne, ziehen; ein Schild namens Svalinn („Kühler") schützt sie vor der Glut. Und weil nichts ohne Gegenspieler bleibt, jagt der Wolf Sköll hinter der Sonne her – bis er sie beim Weltenende verschlingt. Das erzählen wir ausführlich in unseren Artikeln über Sköll und Hati und die heiligen Pferde.

Kein direkter Faden – aber dasselbe Bild

Man muss ehrlich bleiben: Zwischen dem Sonnenwagen (um 1400 v. Chr.) und der Edda (aufgezeichnet ab dem 13. Jahrhundert) liegen über zwei Jahrtausende. Niemand kann eine ungebrochene Linie ziehen. John Lindow deutet das Trundholm-Pferd vorsichtig als bronzezeitlichen Vorläufer von Skinfaxi, dem Pferd, das den Tag über den Himmel zieht. Sicher ist das nicht – aber dass die Menschen des Nordens sich die Sonne über zwei Jahrtausende hinweg als etwas vorstellten, das von einem Pferd gezogen wird, ist ein bemerkenswert langlebiges Bild.

Was gesichert ist

Bronzeplastik aus Pferd, Scheibe und Speichenrädern, 1902 im Moor von Trundholm (Odsherred, NW-Seeland) gefunden, 1998 durch 21 weitere Teile ergänzt. Im Wachsausschmelzverfahren gegossen, ca. 54×35×29 cm; Scheibe ~25 cm, nur einseitig mit Goldblech belegt. Datierung ~1400 v. Chr. (Montelius-Periode II). Heute im Nationalmuseet Kopenhagen. Deutung: rituelle Darstellung des Sonnenlaufs (helle/dunkle Seite). Sonne, Pferd, Schiff = Kernmotive der nordischen Bronzezeit-Religion.

Mythos-Check

Der Sonnenwagen ist kein „Beweis" für die nordischen Götter der Wikingerzeit – dazwischen liegen über zweitausend Jahre, und die Zusammenhänge sind Deutung, nicht Beleg. Auch die verbreitete Idee, die Scheibe verschlüssele exakt einen Kalender (etwa den 19-jährigen Meton-Zyklus), ist eine reizvolle, aber umstrittene These. Gesichert ist das Bild selbst: die Sonne, von einem Pferd gezogen – ein Motiv, das im Norden von der Bronzezeit bis zur Edda nachwirkt.

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Quellen & Literatur

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