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Bernstein – das Gold des Nordens

Alltag & Kultur Bernstein – das Gold des Nordens

Ein Stein, der warm ist statt kalt, leicht wie Holz, honiggolden im Licht – und manchmal ein Insekt aus einer Welt vor Millionen Jahren in sich trägt: Bernstein ist der eigenartigste Schatz der Ostseeküste. Von der Steinzeit bis zu den Wikingern war er begehrt, getragen und gehandelt. Ein Blick auf das „Gold des Meeres".

Harz, das zu Gold wurde

Bernstein ist kein Mineral, sondern versteinertes Baumharz – vor Jahrmillionen aus urzeitlichen Wäldern geflossen, im Boden und im Meer gehärtet. An der Ostsee, vor allem am Samland, wird er bis heute an den Strand gespült oder aus blauer Erde gegraben. Er ist warm im Griff, sehr leicht, und lädt sich beim Reiben elektrisch auf – die alten Griechen nannten ihn elektron, daher unser Wort „Elektrizität".

Die Bernsteinstraße

Schon in der Steinzeit trug man Bernstein am Körper. Über Jahrtausende führte die berühmte Bernsteinstraße das Ostsee-Gold bis ans Mittelmeer, nach Rom und weiter. Der Norden hatte damit etwas, das die halbe Welt begehrte – ein Rohstoff, der Handel und Reichtum brachte, lange bevor die Wikinger auf ihre Fahrten gingen.

Was Rom über den Norden schrieb

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus wusste um die Bernsteinsammler an der Ostsee:

„Sie durchsuchen auch das Meer und sammeln als einzige von allen den Bernstein, den sie selbst Glaesum nennen, in den Untiefen und am Strand." Tacitus, Germania 45 (über die Aesten; Übersetzung frei, gemeinfrei)

Bernstein bei den Wikingern

In der Wikingerzeit war Bernstein allgegenwärtig. Aus ihm schnitzte man Perlen, Anhänger, Spielsteine – und kleine Thorshämmer als Schutzamulett. In den Handelsstädten Ribe, Haithabu und Birka fand man ganze Werkstätten mit Bernsteinabfall. Das warme Gold des Meeres war Schmuck, Handelsware und vermutlich auch ein Stück Glücksbringer in einem. Neben Bernstein stand der schwarze Gagat – mehr dazu in unserem Beitrag über den Gagat.

Echtes Naturmaterial – bis heute

Der Reiz ist geblieben: ein warmer, lebendiger Stein aus der Natur, schön am Körper getragen. Was die Wikinger am Bernstein liebten – das Echte, das Gewachsene – ist bis heute das Schönste am Naturschmuck. Wer mag, findet in unserem Beitrag über die Karneol-Perlen weitere Steine des Nordens.

Was gesichert ist

Bernstein ist fossiles Baumharz (überwiegend viele Millionen Jahre alt); an der Ostsee (Samland) wird er angespült und abgebaut. Er ist leicht, warm im Griff und lädt sich elektrostatisch auf (griech. elektron). Bernstein wurde seit der Steinzeit über die „Bernsteinstraße" bis Rom gehandelt. In der Wikingerzeit fertigte man Perlen, Anhänger, Thorshammer-Amulette und Spielsteine; Werkstattfunde stammen u. a. aus Ribe, Haithabu und Birka. Tacitus (Germania 45) beschreibt die Bernsteinsammler an der Ostsee.

Mythos-Check

Bernstein ist streng genommen kein „Edelstein", sondern verhärtetes Harz – ein organisches Material. Die schöne Deutung „Bernstein sind die Tränen der Freyja" ist zudem nicht klar altnordisch belegt: Snorri sagt, Freyja weine Gold, nicht ausdrücklich Bernstein; die Gleichsetzung ist wohl später/dichterisch. Sicher sind die Herkunft, der Handel und der reiche wikingerzeitliche Gebrauch – die Symbolik bleibt Deutung.

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Quellen & Literatur

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