Wie bezahlt man, wenn es kein eigenes Geld gibt? Die Wikinger hatten eine einfache Antwort: mit Silber, gewogen auf der Waage. Ganze Armringe, fremde Münzen und Schmuckstücke wurden bei Bedarf zerhackt, bis das Gewicht stimmte. Dieses „Hacksilber" ist einer der schönsten Schlüssel zum Verständnis der wikingerzeitlichen Wirtschaft – und zu einer Welt, in der Wert nicht aufgedruckt, sondern abgewogen wurde.
In weiten Teilen der Wikingerwelt zählte nicht der Nennwert einer Münze, sondern das reine Gewicht des Silbers. Man sprach von einer Gewichtsgeldwirtschaft. Wer etwas kaufte, legte Silber auf die eine Waagschale, bis es die Gewichte auf der anderen ausglich. Dabei war es gleich, ob das Silber aus einer Münze, einem zerbrochenen Armring oder einem Barren stammte – Hauptsache, das Gewicht und die Reinheit stimmten.
Ein Armring, in Stücke gehackt, eine fremde Münze, ein Barren – auf die Waage gelegt, bis das Gewicht stimmte: so bezahlte man im Norden. Beschreibung der wikingerzeitlichen Gewichtsgeldwirtschaft
Ein großer Teil dieses Silbers kam von weit her. Über die großen Flüsse Osteuropas floss arabisches Silber in den Norden – Millionen von Dirhams, geprägt im Reich der Kalifen, gelangten über den Handel mit dem Osten bis an die Ostsee. Für die Wikinger waren diese Münzen kein „Geld" im heutigen Sinn, sondern schlicht Silber in praktischer, tragbarer Form. Auf den großen Handelsplätzen wie Birka wechselten sie zu Tausenden den Besitzer.
Wer Silber annahm, wollte sicher sein, dass es echt war. Deshalb finden sich auf unzähligen Silberstücken kleine Kerben und Einschnitte – Prüfhiebe, mit denen man testete, ob unter der Oberfläche wirklich Silber steckte und nicht etwa versilbertes Kupfer. Jede dieser Kerben ist ein winziges Zeugnis von Misstrauen und Sorgfalt zugleich: In einer Welt ohne staatliche Münzgarantie musste jeder selbst zum Prüfer werden.
So verschwimmt im Norden die Grenze zwischen Schmuck und Geld. Ein silberner Arm- oder Halsring war zugleich Zierde und Vermögen, das man am Körper trug. Brauchte man einen Teil davon zum Bezahlen, hackte man ein Stück ab. Wer mehr über die großen Silberschätze wissen will, findet sie in unserem Beitrag über die Silberhorte; und wie aus Silber schließlich eigene Münzen wurden, zeigt der Beitrag über Ribes Münzen.
Die Idee, kostbares Material am Körper zu tragen, ist uralt. Ein Ring, ein schönes Stück, das zugleich Wert und Schmuck ist – dieser Gedanke verband die Wikinger mit uns. Auch heute trägt man gern etwas Echtes, Schönes am Handgelenk: nicht mehr als Zahlungsmittel, aber als kleines, sichtbares Zeichen.
In weiten Teilen der Wikingerwelt herrschte eine Gewichtsgeldwirtschaft: Silber wurde nach Gewicht gehandelt, unabhängig von der Form. „Hacksilber" (zerhackte Ringe, Barren und Münzen) und arabische Dirhams sind in Horten und auf Handelsplätzen (z. B. Birka) massenhaft belegt; Klappwaagen und Gewichte gehören zur typischen Ausstattung. Prüfhiebe (Kerben) auf Silberstücken dienten der Echtheitsprüfung. Erst allmählich setzte sich eigene Münzprägung durch (siehe Ribe).
„Die Wikinger kannten kein Geld" ist zu grob: Sie kannten sehr wohl Wert und Bezahlung – nur maßen sie ihn am Gewicht des Silbers, nicht am aufgeprägten Nennwert. Auch war nicht überall dasselbe System in Gebrauch; mancherorts galten Münzen durchaus als Münzen. Sicher ist der Kern: Silber nach Gewicht, geprüft mit Kerben, getragen als Ring – eine Wirtschaft zum Anfassen.

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