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Ribe – die älteste Stadt und die ersten Münzen des Nordens

Geschichte & Funde Ribe – die älteste Stadt und die ersten Münzen des Nordens

Ribe an der jütischen Nordseeküste ist die älteste Stadt Dänemarks und eine der ältesten Skandinaviens: Jahrringdaten zeigen, dass ihr Marktplatz um 704–710 planmäßig in Parzellen aufgeteilt wurde. Hier arbeiteten Perlenmacher, Bronzegießer und Kammmacher, hier lagen hunderte kleine Silbermünzen vom „Wodan/Monster“-Typ im Boden – vielleicht die ersten Münzen, die im Norden selbst geprägt wurden. Wir zeigen, was die Grabungen belegen, wo die Forschung streitet und wie Ansgar hier eine der ersten Kirchen des Nordens bauen durfte.

Ein Streifen Sand am Fluss

Wer heute nach Ribe kommt, sieht zuerst den Dom, die schiefen Fachwerkhäuser und die Störche über der Marsch. Die älteste Schicht der Stadt liegt ein paar hundert Meter weiter, auf der Nordseite des Flüsschens Ribe Å. Hier, nur wenige Kilometer vom Wattenmeer entfernt, begann um 700 etwas Neues im Norden: ein Ort, der nicht vom Acker lebte, sondern vom Austausch.

Die Lage war klug gewählt. Ribe Å war für die flachen Schiffe der Zeit befahrbar, und an der Küste entlang ging es nach Süden zu den Friesen und zum großen Rheinhafen Dorestad. Dahinter lag das jütische Bauernland mit seinem Bedarf an Dingen, die man nicht selbst herstellen konnte.

Erst die Ausgrabungen ab den 1970er-Jahren zeigten, wie tief die Geschichte hier reicht. Die Kulturschichten sind stellenweise über zweieinhalb Meter mächtig – ein Glücksfall, denn so lässt sich der Markt fast Jahrzehnt für Jahrzehnt verfolgen.

Um 704–710: Was die Jahrringe verraten

Wie alt ist Ribe wirklich? Die Antwort liefert Eichenholz aus den Grabungen. Die Dendrochronologie vergleicht die Abfolge breiter und schmaler Jahrringe mit regionalen Referenzkurven und kann so das Fälldatum eines Baumes oft auf wenige Jahre genau bestimmen.

Für Ribe ergibt sich daraus ein bemerkenswert präzises Bild. Der Archäologe Claus Feveile, der die Grabungen über Jahrzehnte begleitet hat, datiert die Anlage des regelmäßigen Parzellensystems in die Jahre zwischen etwa 704 und 710. Der Marktplatz wurde teilweise auf einer Lage natürlich angewehten Sandes angelegt; zuvor lag hier offenbar kaum etwas. Das Lexikon Den Store Danske nennt entsprechend „um 705“ als Gründungszeit, das Ribe VikingeCenter rundet auf „um 700“. „Um 700“ ist also eine gerundete Zahl auf solidem Fundament.

Gesicherter Befund: Die regelmäßige Aufteilung des Marktplatzes in Ribe wird dendrochronologisch in die Jahre um 704–710 datiert. Damit ist Ribe die älteste bekannte stadtartige Siedlung Dänemarks und eine der ältesten Skandinaviens.

„Älteste Stadt Skandinaviens“ ist dabei ein Titel mit Sternchen. Was eine „Stadt“ ist, hängt von der Definition ab, und Plätze wie Åhus in Schonen oder Groß Strömkendorf an der Wismarbucht (vermutlich das in fränkischen Quellen genannte Reric) sind ebenfalls früh. Für Dänemark aber gilt: Kein anderer Ort hat eine so lange, ununterbrochene Siedlungsgeschichte, die so früh so dicht belegt ist.

Parzellen, Zäune und eine schmale Straße

Wie sah dieser frühe Markt aus? Stell dir einen langen, schmalen Streifen Land vor, etwa 65 Meter breit und über 200 Meter lang. In der Mitte verlief eine schmale Straße, links und rechts davon lagen schmale, langgestreckte Grundstücke, durch Gräbchen und Flechtzäune voneinander getrennt. Feveile rechnet mit mindestens 40 bis 50 solcher Parzellen.

Diese Ordnung ist das eigentlich Erstaunliche. Jemand hat das Gelände vermessen und aufgeteilt, bevor die ersten Händler kamen – das spricht für eine Autorität, die Land vergeben und Regeln durchsetzen konnte, vielleicht ein früher dänischer König. Einen Namen hat sie nicht; für das frühe 8. Jahrhundert schweigen die Schriftquellen über Jütland fast völlig.

Lange galt Ribe im ersten Dreivierteljahrhundert als Saisonmarkt: Händler und Handwerker kamen im Sommer, schlugen Zelte und leichte Hütten auf und zogen wieder ab; feste Häuser erst um 780/790. Die Grabungen von 2017–18 haben das Bild verschoben – nach Angaben des Ribe VikingeCenter standen auf einigen Parzellen schon um 710 solide Gebäude. Vermutlich gab es beides nebeneinander, Dauerbewohner und Saisongäste.

Handwerk im Akkord: Perlen, Kämme, Gussformen

Was die Leute in Ribe taten, wissen wir aus ihrem Abfall. Und der ist reich. Auf den Parzellen fanden sich Werkstattreste, die zeigen, dass hier nicht nur gehandelt, sondern in großem Stil produziert wurde.

Glasperlen: Im 8. Jahrhundert war Ribe ein Zentrum der Perlenherstellung. Die Handwerker schmolzen bunte Glasstückchen – Tausende davon wurden gefunden –, darunter Mosaiksteinchen, sogenannte Tesserae, die vermutlich aus Norditalien stammen, vielleicht aus alten römischen oder byzantinischen Mosaiken. Aus diesem Rohmaterial wickelten sie über einem Feuer Perlen auf Eisenstäbe. Wie das genau funktionierte, erzählen wir ausführlich im Beitrag über den Perlenmacher.

Bronzeguss: Gussformen aus Ton, Schmelztiegel und Gusszapfen zeigen, dass in Ribe Schmuck gegossen wurde, vor allem Fibeln und Beschläge im skandinavischen Tierstil. Das ist wichtig: Die Handwerker kopierten nicht einfach fremde Waren, sie produzierten den Geschmack ihrer eigenen Kundschaft.

Kämme: Kammmacher verarbeiteten Geweih, darunter Rentiergeweih, das nicht in Jütland wuchs, sondern aus Norwegen kam. Die zusammengesetzten Kämme aus mehreren Platten, vernietet mit Eisenstiften, waren Alltagsgegenstände und zugleich kleine Kunstwerke. Den Weg vom Geweih zum fertigen Kamm zeichnen wir im Artikel über Kammmacher und Beinschnitzer nach.

Dazu kommen Bernstein – Feveile listet knapp 13.000 Bernsteinobjekte und Rohstücke mit zusammen über 6,6 Kilogramm, von Rohklumpen bis zu fertigen Perlen und Spielsteinen (mehr zum Material im Beitrag über Bernstein) –, Leder- und Schuhmacherei, Textilarbeit, Nadeln und Spinnwirtel.

Woher die Waren kamen

Ein Blick auf die Importe zeigt, wohin Ribe schaute. Mehr als 2.000 Bruchstücke von Mahlsteinen aus Basaltlava, zusammen über 150 Kilogramm, stammen aus der Gegend südlich von Köln, aus den Steinbrüchen der Eifel. Sie wurden den Rhein hinunter und wahrscheinlich über Dorestad an die Nordseeküste gebracht. Rund ein Zehntel der Keramik ist importiert: Tatinger Kannen, Badorfer und Mayener Ware, Reliefbandamphoren aus dem Rheinland. Aus dem Norden kamen Specksteingefäße und Gegenstände aus Walknochen.

Die Handelspartner waren vor allem die Friesen, die im 8. Jahrhundert die Nordsee beherrschten, und über sie Frankenreich und England. Ribe war damit ein nördlicher Ableger eines Netzes von Handelsplätzen rund um die Nordsee – Dorestad, Domburg, Quentovic, Hamwic, Lundenwic, Ipswich. Archäologen nennen solche Orte Emporien, nach dem lateinischen Wort für Handelsplatz.

Wie diese Welt mit den späteren Fernrouten nach Osten zusammenhängt, steht im Überblick über den Handel der Wikinger.

Northern Emporium: Ribe unter der Lupe

In den Jahren 2017 und 2018 öffneten die Sydvestjyske Museer und die Universität Aarhus in Ribe noch einmal eine Grabungsfläche, diesmal mit allen Mitteln moderner Archäologie. Das Projekt hieß Northern Emporium, geleitet von dem Archäologen Søren M. Sindbæk gemeinsam mit Claus Feveile. Die Ausgräber dokumentierten jede Schicht dreidimensional, nahmen Bodenproben für Mikromorphologie und Geochemie, sammelten Insektenreste, Pflanzenteile und Tierknochen. Über 100.000 Fundstücke kamen zusammen.

Die Ergebnisse liegen in zwei Bänden vor (Northern Emporium, 2022 und 2023). Sie zeigen Händler, Seeleute, Weberinnen, Kamm-, Perlen- und Metallhandwerker, dazu Spuren von Möbeln und sogar Musikinstrumenten.

Besonders spektakulär ist die Datierung. In einer Bodenschicht ließ sich die Radiokarbon-Spitze eines gewaltigen Sonnensturms von 775 nachweisen – das Miyake-Ereignis, benannt nach der Physikerin Fusa Miyake. Damit bekam eine Schichtenfolge mit rund 140 Radiokarbondaten einen jahrgenauen Anker (Philippsen u. a., Nature 2022).

Zwei Ergebnisse ließen aufhorchen: Waren aus Norwegen kamen schon um 750 per Schiff nach Ribe. Und um 790, plus/minus zehn Jahre, tauchen plötzlich Massen von Glasperlen aus dem Nahen Osten auf, während die örtliche Perlenproduktion einbricht – genau in der Zeit der ersten Überfälle auf England. Das Seefahrernetz des Nordens war also Jahrzehnte vor den Raubzügen eingespielt.

Die ersten Münzen des Nordens: Sceattas

Ein Markt braucht Geld, und in Ribe liegt es zu Hunderten im Boden. Es handelt sich um Sceattas, kleine, dicke Silbermünzen von meist rund einem Gramm Gewicht, die im späten 7. und im 8. Jahrhundert in England und Friesland geprägt wurden. Das altenglische Wort sceatt bedeutet schlicht „Vermögen, Geld“.

Claus Feveile hat 2008 eine Bilanz gezogen: Aus Dänemark und seiner Umgebung waren damals über 300 Sceattas bekannt, in seiner Tabelle genau 318. Davon stammten 216 aus Ribe oder der unmittelbaren Umgebung. Von den Stücken aus Ribe, deren Typ sich bestimmen ließ, gehörten 164 von 204 – rund 84 bis 85 Prozent – zu einem einzigen Typ: der sogenannten Serie X, auch „Wodan/Monster“-Typ genannt.

Diese Dominanz ist auffällig: In Ribe hatte eine Münzsorte das Feld fast für sich. Nach Feveiles Auswertung beherrschte sie den Umlauf in Ribe etwa von 725 bis 800/820. Das heißt auch: Die Münzen blieben länger in Gebrauch, als viele Forscher früher annahmen.

Das Gesicht auf der Münze: „Wodan“ und das Monster

Was zeigt ein solcher Sceatta? Auf der einen Seite blickt dir ein frontales Gesicht entgegen: große runde Augen, ein Schnurrbart, ein Kranz aus abstehendem Haar oder Strahlen. Auf der anderen Seite windet sich ein Fabeltier mit aufgerissenem Maul – das „Monster“. Numismatiker tauften das Gesicht später „Wodan“ – und so heißt der Typ bis heute.

Mythos-Check: „Das erste Geld des Nordens zeigt Odin.“ Das klingt schön, ist aber nicht belegt. „Wodan“ ist eine moderne Sammlerbezeichnung, keine Inschrift. Auf den Münzen steht kein Name, und es gibt keine zeitgenössische Quelle, die das Bild deutet. Das frontale Gesicht kann ebenso gut auf spätrömische Vorbilder, auf christliche Christus- oder Heiligenbilder oder auf ein schlicht dekoratives Motiv zurückgehen. Ob die Menschen in Ribe darin einen Gott sahen, wissen wir nicht. Was man sagen kann: Das Bild passt gut in die nordische Bildwelt mit ihren starrenden Masken, wie sie auch auf Fibeln und später auf Runensteinen erscheinen.

Verständlich ist die Versuchung trotzdem: Der Name Wodan – altenglisch Wōden, altnordisch Óðinn – war um 700 an der Nordsee lebendig, englische Königshäuser führten ihre Stammbäume auf Woden zurück. Mehr über diesen Gott findest du im Beitrag über Odin.

Geprägt in Ribe oder in Friesland? Eine offene Debatte

Wo die Wodan/Monster-Sceattas geprägt wurden, ist bis heute offen.

Die friesische These: Lange galt Serie X als friesische Münze. Dafür spricht, dass Friesland im 8. Jahrhundert die große Münz- und Handelsmacht an der Nordsee war und dass Sceattas nachweislich in friesischen Orten wie Dorestad geprägt wurden. Die schwedische Numismatikerin Brita Malmer und Kenneth Jonsson hielten an dieser traditionellen Zuschreibung fest.

Die Ribe-These: Schon 1984 schlug der Oxforder Numismatiker D. M. Metcalf vor, Serie X könne in Ribe oder in der Nähe geprägt worden sein, und baute die Idee 1993 aus. Damals kannte er nur etwa 30 Funde aus Ribe. Die mehr als 200 Stücke, die seither dazugekommen sind, zeigen nach Feveile dasselbe Muster, nur viel deutlicher. Wenn die Münzen in Ribe entstanden, dann wohl ab etwa 720. Feveile selbst hält das friesische Szenario für weniger überzeugend, lässt die Frage aber ausdrücklich offen.

Der Museumsarchäologe Morten Søvsø ging noch einen Schritt weiter: Er deutete die Wodan/Monster-Münzen als königliche Münze für die drei großen Handelsplätze eines frühen dänischen Herrschers – Ribe, Åhus und Reric. Reizvoll, weil sie zu den geplanten Parzellen passt – belegt ist sie nicht.

Stand der Forschung: Serie X ist der mit Abstand häufigste Münztyp im Ribe des 8. Jahrhunderts. Eine Prägung in Ribe gilt heute vielen Forschern als plausibel; die ältere Zuschreibung nach Friesland ist aber nicht widerlegt. Die oft genannte Jahreszahl „720“ ist ein Richtwert, kein urkundlich belegtes Datum.

Um 820: Größere Pfennige und der Damhus-Schatz

Um 820 änderte sich etwas. In Ribe verschwinden die kleinen, dicken Sceattas und werden durch dünnere, breitere Münzen ersetzt, fast doppelt so groß im Durchmesser. Numismatiker nennen sie Pfennige oder Denare. Ihr Bild knüpft unübersehbar an das Alte an: Auf der Vorderseite erscheint wieder ein frontales Gesicht, fast identisch mit dem „Wodan“ der Sceattas, auf der Rückseite nun ein Hirsch.

Wie groß diese Prägung war, zeigte ein Glücksfund. Im August 2018 fand ein Sondengänger auf einer nassen Wiese bei Ribe eine Münze; die Archäologen der Sydvestjyske Museer bargen danach hunderte weitere, verstreut über etwa 50 mal 15 Meter. Claus Feveile nennt 2021 für diesen Damhus-Schatz 262 Münzen: 258 mit Gesicht und Hirsch, 4 mit Schiff und Hirsch – Letztere womöglich Halbpfennige, eine Neuerung in der dänischen Geldgeschichte.

Noch aufschlussreicher sind die Stempel: Zusammen mit etwa 14 früher bekannten Stücken ließen sich 57 Vorderseiten- und 36 Rückseitenstempel unterscheiden – Hinweis auf eine lange, umfangreiche Prägung. Ob der Schatz als Opfer in die Wiese kam oder als verlorener Beutel, ist offen; das Museum neigt zur Opferdeutung.

Haithabu-Münzen und Malmers Kombinationsgruppen

Weiter südlich, an der Schlei, wuchs im 9. Jahrhundert Haithabu zum wichtigsten Handelsort des Nordens heran; 808 hatte der Dänenkönig Göttrik nach den fränkischen Reichsannalen die Kaufleute aus Reric dorthin umgesiedelt. Auch in Haithabu wurde geprägt.

Um Ordnung in die verwirrende Vielfalt nordischer Münzen des 9. Jahrhunderts zu bringen, entwickelte Brita Malmer 1966 in ihrer Dissertation Nordiska mynt före år 1000 ein System von Kombinationsgruppen, abgekürzt KG. Die Idee: Münzbilder, die auf Vorder- und Rückseite immer wieder miteinander kombiniert wurden, gehören zur selben Prägung. So entstanden Gruppen, die man zeitlich und räumlich ordnen kann. Nach der Zuordnung, die Claus Feveile in jüngeren Arbeiten verwendet, sieht das grob so aus:

Malmer hatte die Gruppen KG 3 bis 6 in die Zeit etwa 825 bis 860 gesetzt und Haithabu als wahrscheinlichsten frühen Münzort betrachtet. Feveile hat 2025 eine große Neubearbeitung vorgelegt, Pennies for the King's Towns, mit 540 Münzen der Gruppen KG 3 bis 6. Er unterscheidet darin klar Ribe- und Haithabu-Prägungen, dehnt die Prägezeit auf den Rest des 9. Jahrhunderts aus und datiert einen Typ sogar ins 10. Jahrhundert. Seine überraschendste These: Ribe und Haithabu bildeten zwei getrennte Währungszonen. Das Geld des einen Ortes lief kaum im anderen um – eine gesteuerte Währung unter königlicher Kontrolle.

Die bekanntesten Haithabu-Motive sind Schiffe mit hohem Steven und Mast, manchmal mit Segel, außerdem Hirsche, Gesichter und stark abstrahierte Nachahmungen karolingischer Schriftbilder. Solche Münzen reisten weit: Man findet sie auch in Birka am Mälaren, nicht selten gelocht und als Anhänger getragen – Feveile betont, dass Münzen entweder als Zahlungsmittel dienten oder zu Schmuckanhängern umgearbeitet wurden.

Vom Münzgeld zum Hacksilber

Ab der Mitte des 9. Jahrhunderts wird es ruhiger in Ribe. Die Aktivität auf dem alten Marktgelände nimmt ab, spätestens um 900 endet sie dort weitgehend. Feveile verbindet das mit den Wirren im Frankenreich und den Wikingerangriffen auf die friesischen Partnerhäfen in den 830er- und 840er-Jahren. Dorestad, der wichtigste Handelspartner, verlor in dieser Zeit seine Bedeutung.

Mit dem Niedergang des Münzumlaufs setzte sich im Norden Silber nach Gewicht durch: Dirhams, zerschnittene Armringe und Barren, abgewogen auf kleinen Klappwaagen – mehr dazu im Beitrag über Hacksilber. Die lokal kontrollierten Münzen von Ribe wirken daneben wie ein frühes Experiment mit gezähltem Geld, lange bevor im 10. Jahrhundert wieder regelmäßig geprägt wurde.

Ein Graben um die Stadt

Um 800 oder in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erhielt Ribe eine Grenze: einen Graben, nach Feveile nur anderthalb bis zwei Meter breit und höchstens einen Meter tief. Das war keine Befestigung, sondern eine Markierung – hier beginnt der Markt mit seinen Regeln. Die umschlossene Fläche wird mit rund zwölf Hektar angegeben; möglicherweise bestand der Graben nur kurze Zeit.

Später entstand ein deutlich größerer Wassergraben, sieben bis acht Meter breit, mit einem Wall auf der Innenseite. Bisher ließ er sich nur grob zwischen etwa 850 und 1000 einordnen. Eine Studie um Sarah Croix und Søren Sindbæk aus dem Jahr 2019 kombinierte jedoch fünf Datierungsmethoden – Fundtypologie, Münzen, Radiokarbon an Pflanzenresten und an Bodensubstanz sowie statistische Modellierung – und kam zu einem anderen Ergebnis: Die Befestigung wurde zwischen 889 und 974 angelegt, war mindestens 50 Jahre in Gebrauch und wurde spätestens Mitte des 11. Jahrhunderts zugeschüttet. Das passt zu den frühen Wällen von Haithabu und Aarhus und vielleicht zu einem koordinierten Verteidigungsprogramm, wie es auch am Danewerk sichtbar wird.

Ansgar und die Kirche in Ribe

In die Schriftquellen tritt Ribe erst spät – und zwar durch einen Missionar. Ansgar, Mönch aus Corbie und Corvey, später Erzbischof von Hamburg-Bremen, verbrachte sein Leben mit dem Versuch, Dänen und Schweden zum Christentum zu bringen. Sein Schüler und Nachfolger Rimbert schrieb nach Ansgars Tod 865 die Vita Anskarii, die Lebensbeschreibung des Heiligen.

Im 32. Kapitel berichtet Rimbert, dass Ansgar mit dem jungen Dänenkönig Horik II. verhandelte. Der König gestattete, in Haithabu die Kirche wiederherzustellen, und gab in einem anderen Hafenort seines Reiches, Ripa, Land für eine weitere Kirche und erlaubte, dass dort ein Priester wohnte. Das geschah in den 850er-Jahren; die oft genannte Zahl „um 860“ ist ein Annäherungswert. Diese Stelle ist zugleich die älteste schriftliche Erwähnung Ribes.

Wo genau diese Kirche stand, ist nicht sicher. Viele vermuten sie unter oder neben dem heutigen Dom, der ab etwa 1150 auf älteren Vorgängerbauten errichtet wurde. Ein Bischof von Ribe ist erst für 948 bezeugt: Leofdag.

Christen vor Harald Blauzahn: Die Gräber am Dom

Zwischen 2008 und 2012 stießen Archäologen rund um den Dom auf einen großen christlichen Friedhof: Gräber nach Osten ausgerichtet, ohne Beigaben, die Toten in Holzsärgen. Aufgegeben wurde er um 1050; insgesamt rechnet man mit 1.500 bis 2.000 Bestattungen.

Eine Korrektur unserer früheren Fassung: Es sind nicht „Tausende Gräber des 9. Jahrhunderts“. Die frühesten Gräber datieren um 850, zur ältesten Phase gehören mindestens 60, wahrscheinlich etwa 75 Bestattungen. Trotzdem eine Sensation: Christen wurden hier rund hundert Jahre begraben, bevor Harald Blauzahn auf dem großen Jellingstein verkündete, er habe die Dänen zu Christen gemacht. Strontiumanalysen deuten an, dass viele Tote aus der Gegend stammten – nicht nur fremde Kaufleute.

Ribe heute erleben

Wer Ribe besucht, sollte zwei Orte einplanen. Das Museum Ribes Vikinger, 1995 eröffnet, zeigt die Originalfunde: Perlen, Gussformen, Kämme und Münzen.

Ein paar Kilometer südlich liegt das Freilichtmuseum Ribe VikingeCenter bei Lustrupholm. Nachgebaut sind dort unter anderem ein Teil des Marktplatzes der Zeit um 710 bis 750, die Stadt „Ripa“ im Jahr 825 mit Häusern nach Grabungsbefunden und seit 2017 Ansgars Kirche – nach dem Vorbild eines frühen Holzkirchenbefunds aus Tostedt bei Hamburg, mit der Nachbildung einer Glocke, die 1978 im Hafen von Haithabu gefunden wurde. Weitere Ziele findest du in unserem Überblick Wikinger erleben.

Warum Ribe uns angeht

Ribe räumt mit einem Bild auf, das sich hartnäckig hält: dass die Wikinger 793 aus dem Nichts über Lindisfarne herfielen. Hundert Jahre vorher wurde an der jütischen Westküste schon vermessen, parzelliert, produziert und gehandelt. Es gab Münzen, Werkstätten, Kontakte nach Italien und in den Orient. Die Schiffe, die um 790 auf England zusteuerten, segelten auf Wegen, die längst bekannt waren.

Und Ribe zeigt, wie nah sich Handel, Handwerk und Glaube waren: ein Gesicht auf der Münze, ein Jahrhundert später eine Holzkirche, dazwischen Menschen, die Perlen wickelten und Kämme sägten. Für uns in der Werkstatt in Alsdorf eine schöne Erinnerung: Gute Handarbeit war im Norden immer mehr als Ware.

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Häufige Fragen

Ist Ribe die älteste Stadt Dänemarks? Ja. Der Marktplatz wurde nach Jahrringdaten um 704–710 angelegt; kein anderer Ort in Dänemark hat eine so früh belegte, durchgehende Stadtgeschichte.

Wurden in Ribe die ersten Münzen Skandinaviens geprägt? Wahrscheinlich, aber nicht sicher. Die Wodan/Monster-Sceattas (Serie X) sind in Ribe extrem häufig, und viele Forscher halten eine Prägung dort ab etwa 720 für plausibel; die ältere Zuschreibung nach Friesland ist nicht widerlegt.

Zeigen die Wodan-Münzen wirklich Odin? Das ist nicht belegt. „Wodan“ ist ein moderner Name der Münzsammler; die Münzen tragen keine Inschrift, und niemand weiß, wen das Gesicht darstellen sollte.

Was ist ein Sceatta? Eine kleine, dicke Silbermünze von meist rund einem Gramm, wie sie im späten 7. und 8. Jahrhundert in England und Friesland – und vermutlich auch in Ribe – geprägt wurde.

Wann wurde die erste Kirche in Ribe gebaut? In den 850er-Jahren, als König Horik II. dem Missionar Ansgar Land in Ribe gab und einen Priester zuließ. Die Quelle ist Rimberts Vita Anskarii.

Was kann man in Ribe über die Wikinger sehen? Das Museum Ribes Vikinger mit den Originalfunden und das Freilichtmuseum Ribe VikingeCenter mit Nachbauten von Marktplatz, Stadthäusern und Ansgars Kirche.

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