Lange bevor es Wikinger im Sinne der Sagas gab, war in Südwestjütland schon eine Stadt: Ribe, gegründet um 700, die älteste Stadt Dänemarks. Hier schlug das Herz des Handels – und hier entstanden die ersten Münzen des Nordens, kleine Silberstücke, auf denen ein Gesicht erscheint, das man Wodan nennt. Ein Blick auf den Ort, an dem der nordische Reichtum begann.
Ribe liegt an einem Fluss nahe der Nordseeküste, im Marschland Südwestjütlands. Schon im frühen 8. Jahrhundert war der Platz ein reger Marktort – lange vor den großen Wikingerfahrten. Ausgrabungen zeigen ein geordnetes Handelsviertel mit Parzellen, Handwerkern und Waren aus der Ferne. Die Handelskontakte reichten vor allem nach Friesland und England. Ribe war das Tor, durch das fremdes Silber, Glas und Ideen in den Norden strömten.
Und dieser Handel brauchte Geld. Um das Jahr 720 wurden in Ribe kleine Silbermünzen geprägt, sogenannte Sceattas – die frühesten Münzen, die man mit Skandinavien in Verbindung bringt. Von über 300 solcher Sceattas, die in Dänemark gefunden wurden, stammen allein 216 aus Ribe und seiner Umgebung. Die meisten gehören zum friesischen „Wodan"-Typ.
Auf der einen Seite ein stilisiertes Gesicht mit wildem Haar – „Wodan" genannt –, auf der anderen ein Ungeheuer: so sah das erste Geld des Nordens aus. nach den Ribe-Sceattas des „Wodan/Monster"-Typs, frühes 8. Jahrhundert
Ob das Gesicht wirklich den Gott Wodan – den späteren Odin – zeigen sollte, ist nicht sicher; der Name ist eine moderne Bezeichnung nach dem Münztyp. Aber allein die Vorstellung ist schön: dass das allererste Geld, das im Norden aus der Erde kommt, ein göttliches Gesicht trägt. Mehr über diesen Gott findest du in unserem Beitrag über Odin.
Ribe blieb wichtig, als die Zeiten sich änderten. Um 860 bat der Missionar Ansgar den Dänenkönig, in Ribe eine der ersten Kirchen Skandinaviens errichten zu dürfen. Ausgrabungen fanden hier tausende frühe christliche Gräber aus dem 9. Jahrhundert – ein Zeichen, dass Christen und Heiden lange friedlich nebeneinander lebten, lange vor Harald Blauzahns offiziellem Übertritt. So spiegelt Ribe den ganzen Umbruch der Zeit: vom heidnischen Marktplatz mit Wodan-Münzen zur Bischofsstadt.
Ribe erinnert daran, dass die Wikinger keine Wilden aus dem Nichts waren, sondern Erben einer Stadt- und Handelskultur, die schon um 700 blühte. Und es zeigt, wie eng Handel, Handwerk und Glaube verwoben waren – bis hin zu einem Gott auf einer Münze. Wer ein Stück dieses alten Nordens tragen will, findet die Bilder seiner Götter bis heute – in Silber wie einst, oder in Stein.
Ribe (Südwestjütland) ist die älteste Stadt Dänemarks; schon im frühen 8. Jahrhundert war der Ort ein bedeutender Marktplatz mit Handelskontakten nach Friesland und England. Um 720 wurden dort Sceattas geprägt – die frühesten mit Skandinavien verbundenen Münzen. Von über 300 in Dänemark gefundenen Sceattas stammen 216 aus Ribe, überwiegend vom friesischen „Wodan"-Typ. Um 860 erbat Ansgar den Bau einer der ersten Kirchen Skandinaviens in Ribe; Ausgrabungen fanden tausende christliche Gräber des 9. Jahrhunderts.
Der Name „Wodan-Sceatta" ist eine moderne, typologische Bezeichnung: Ob das dargestellte Gesicht tatsächlich als der Gott Wodan/Odin gemeint war oder nur ein übernommenes friesisches Münzbild ist, lässt sich nicht sicher sagen. Ebenso ist „720" ein gerundeter Richtwert. Sicher ist der Kern: In Ribe entstand früh ein Marktort mit eigener Münzprägung – der Anfang des Geldes im Norden.

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