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Die Skuldelev-Schiffe – fünf Wikingerschiffe aus dem Fjord

Schiffe & Seefahrt Die Skuldelev-Schiffe – fünf Wikingerschiffe aus dem Fjord

Um das Jahr 1070 versenkten die Bewohner von Roskilde absichtlich mehrere alte Schiffe in einer engen Fahrrinne ihres Fjords – als Sperre gegen Angreifer von See. Fast neunhundert Jahre später hob man sie wieder: fünf sehr verschiedene Wikingerschiffe, vom plumpen Hochsee-Frachter bis zum schlanken Kriegsschiff. Die Skuldelev-Schiffe sind bis heute unser bester Blick in den Schiffbau der späten Wikingerzeit.

Eine Sperre im Fjord

Die Fahrrinne Peberrenden bei Skuldelev, rund zwanzig Kilometer nördlich von Roskilde, war die wichtigste Zufahrt zur Stadt. Genau dort versenkte man um 1070 mehrere alte, ausgediente Schiffe, füllte sie mit Steinen und machte so aus ihnen eine Barriere – eine frühe Form der „Blockschiffe". Feindliche Flotten sollten sich an dem Hindernis festfahren. Über Jahrhunderte lagen die Wracks im Schlick, bis Taucher sie wiederfanden.

Von 1957 bis 1962 barg das dänische Nationalmuseum die Reste. Der Höhepunkt: 1962 wurde die Fundstelle mit einem Spundwand-Kasten trockengelegt und leergepumpt, sodass man die Hölzer im Trockenen bergen konnte. Heute stehen die fünf Schiffe im Wikingerschiffsmuseum von Roskilde.

Fünf Schiffe – und die Sache mit der Nummer vier

Die Nummerierung sorgt bis heute für Verwirrung. Zunächst dachte man, es seien sechs Schiffe. Dann stellte sich heraus, dass „Skuldelev 2" und „Skuldelev 4" zu ein und demselben Schiff gehörten. Statt alles umzunummerieren, strich man die Nummer 4 einfach – so blieb es bei fünf Schiffen mit den Nummern 1, 2, 3, 5 und 6.

Vom Frachter zum Kriegsschiff

Und diese fünf könnten kaum verschiedener sein. Skuldelev 1 ist ein robuster Hochsee-Frachter, wohl vom Typ Knörr: rund 16 Meter lang, aus dickem Kiefernholz, um 1030 im westnorwegischen Sognefjord gebaut. Mit ihm konnte man Nordsee und Nordatlantik befahren. Skuldelev 3 dagegen ist ein kleiner, eichener Küstenfrachter, um 1040 in Dänemark gebaut – mit 75 Prozent erhaltener Substanz das besterhaltene der fünf Schiffe.

Dann die Kriegsschiffe. Skuldelev 5 ist ein kleines Langschiff vom Typ Snekkja, rund 17 Meter lang; seine oberste Planke hat Löcher für die Riemen der Schilde. Der Star aber ist Skuldelev 2: ein etwa 30 Meter langes Kriegsschiff für 65 bis 70 Mann, um 1042 nachweislich im Raum Dublin aus irischer Eiche gebaut. Es ist eines der längsten je gefundenen Wikingerschiffe. Skuldelev 6 schließlich, ein kleineres Boot aus Westnorwegen, diente wohl zuerst dem Fischfang, später als Küstenfrachter.

Was uns die Wracks erzählen

Zusammen ergeben die fünf ein erstaunlich buntes Bild. Da ist kein „das" Wikingerschiff, sondern eine ganze Palette: schwere Frachter für Ozean und Küste, schlanke Schnellsegler für den Krieg, ein Fischerboot. Und zwei der Schiffe waren nicht einmal dänisch – Skuldelev 2 kam aus dem wikingischen Dublin. Schon dieser eine Fund zeigt, wie weit die Netze der Wikingerwelt gespannt waren. Über das große Kriegsschiff selbst erzählen wir mehr in unserem Beitrag über die Langschiffe.

„Am Abend lobe den Tag, das Weib auf dem Scheiterhaufen, / die Klinge, wenn sie erprobt, … das Schiff, wenn es die Fahrt vollbracht." Hávamál 81, nach Karl Simrock (gemeinfrei)

Wieder auf dem Wasser

Das Museum in Roskilde hat von allen fünf Schiffen genaue Nachbauten gefertigt. Der berühmteste ist die „Havhingsten fra Glendalough" (Seehengst von Glendalough), die Rekonstruktion von Skuldelev 2. In fast vierzigtausend Arbeitsstunden entstanden, segelte sie 2007 von Roskilde bis nach Dublin – zurück in die Stadt, in der ihr tausend Jahre altes Vorbild einst gebaut worden war. Ein Schiff, versenkt als Hindernis, wurde so zum besten Lehrmeister für die Kunst des Wikingerschiffbaus.

Was gesichert ist

Die fünf Skuldelev-Schiffe wurden 1957–1962 aus dem Roskilde-Fjord (Fahrrinne Peberrenden bei Skuldelev) geborgen; 1962 legte man die Fundstelle mit einem Spundwand-Kasten trocken. Alle datieren ins 11. Jahrhundert und waren um 1070 als Sperre versenkt worden. Es sind fünf Typen: Hochsee-Frachter (Skuldelev 1, Westnorwegen, um 1030), Küstenfrachter (Skuldelev 3, Dänemark, um 1040, besterhalten), kleines Langschiff/Snekkja (Skuldelev 5), großes Kriegsschiff (Skuldelev 2, ~30 m, Dublin um 1042) und ein Fischer-/Kleinfrachter (Skuldelev 6). Sie stehen im Wikingerschiffsmuseum Roskilde; von allen fünf gibt es Nachbauten (Skuldelev 2 = „Havhingsten fra Glendalough").

Mythos-Check

Die Skuldelev-Schiffe sind keine im Kampf gesunkene Flotte, sondern bewusst versenkte Altschiffe – eine Sperranlage. Und „das Wikingerschiff" gibt es nicht: Der Fund zeigt fünf sehr verschiedene Fahrzeuge für Handel, Krieg und Fischfang. Dass zwei davon (Skuldelev 2) im irischen Dublin gebaut wurden, widerlegt das Bild von rein dänischen Schiffen und zeigt die weite Vernetzung der Wikingerwelt.

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