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Bootsbestattung – das Schiff für die letzte Fahrt

Folklore & Glaube Bootsbestattung – das Schiff für die letzte Fahrt

Kaum ein Bild ist so mit den Wikingern verbunden wie das brennende Schiff, das mit dem Toten aufs Meer hinaustreibt. Das Schiff war ihr wertvollster Besitz – und für manche auch das Gefährt, das die letzte Fahrt trug, hinüber in die andere Welt. Doch wie sah die Bootsbestattung wirklich aus? Ein Blick auf eine der eindrucksvollsten Bestattungsformen des Nordens – und darauf, was am Hollywood-Bild dran ist.

Das Schiff als Weg ins Jenseits

Der Tod war eine Reise, und wer eine Reise antritt, braucht ein Gefährt. Für ein seefahrendes Volk lag es nahe, dass dieses Gefährt ein Schiff war. In den prächtigsten Gräbern des Nordens wurde der Tote in einem echten Schiff beigesetzt, ausgestattet für die Fahrt: mit Waffen, Geräten, Vorräten, manchmal mit Tieren und Beigaben von großem Wert. Das Schiff trug ihn nicht über ein Meer aus Wasser, sondern über die Schwelle zwischen den Welten.

Drei Formen der Beisetzung

Die Überlieferung kennt drei Wege. Der erste ist der berühmteste: Ein Schiff segelt brennend mit dem Toten aufs Meer hinaus. So wird in der Mythologie Baldr bestattet, und Ähnliches erwähnt schon der byzantinische Geschichtsschreiber Prokop im 6. Jahrhundert von den Nordseeküsten.

„Sie trugen Baldrs Leichnam hinaus auf das Schiff Hringhorni, das größte aller Schiffe, und zündeten den Scheiterhaufen an." nach der Snorra-Edda, Gylfaginning (gemeinfreie Übersetzungstradition)

Der zweite Weg: Das Schiff wird mit dem Toten an Land verbrannt und die Asche in einem Hügel beigesetzt – so schildert es Saxo Grammaticus. Der dritte: Der Körper wird in einem Schiff bestattet, über das man einen Grabhügel aufwirft; dafür gibt es zahlreiche literarische und archäologische Belege. Dazu kamen Steinsetzungen in Schiffsform – Schiffe aus Findlingen, die die letzte Fahrt sinnbildlich festhielten.

Was die Erde bewahrt hat

Die berühmtesten Bootsgräber sind keine Sage, sondern Fund. Das angelsächsische Schiffsgrab von Sutton Hoo mit seinem Prunkhelm, das norwegische Oseberg-Schiff mit zwei bestatteten Frauen und einer Fülle geschnitzter Kunst, das Gokstad-Schiff mit seinem Häuptling – sie alle wurden im Boden bewahrt, unter einem Hügel. Und ein arabischer Reisender, Ibn Fadlan, wurde um 922 an der Wolga Augenzeuge einer Schiffsverbrennung der Rus und hielt sie in erschütternder Genauigkeit fest. Von der Steinsetzung sind Anlagen wie Ales stenar in Schweden erhalten – ein steinernes Schiff am Horizont.

Warum das Bild uns bis heute packt

Das Schiff verbindet zwei Sehnsüchte: Aufbruch und Heimkehr. Es trägt den Toten fort und bringt ihn zugleich dorthin, wo die Seinen ihn erwarten. Kein anderes Bild fasst die nordische Sicht auf den Tod so schön: nicht Ende, sondern Überfahrt. Wer die Vorstellungen dahinter vertiefen will, findet sie in unseren Beiträgen zu den Bestattungsbräuchen und zur Baumbestattung.

Was gesichert ist

Schiffs- und Bootsgräber sind archäologisch breit belegt: Sutton Hoo (England, 7. Jh.), Oseberg und Gokstad (Norwegen, 9. Jh.), dazu viele kleinere. Ibn Fadlan schildert um 922 als Augenzeuge eine Schiffsverbrennung der Rus an der Wolga. Baldrs Bestattung auf dem brennenden Schiff Hringhorni steht in der Snorra-Edda; Prokop (6. Jh.) und Saxo Grammaticus nennen verwandte Bräuche. Schiffssetzungen aus Stein (z. B. Ales stenar) sind erhalten.

Mythos-Check

Das populärste Bild – das brennende Schiff, das flammend aufs offene Meer hinaustreibt – ist als reale Praxis kaum gesichert. Die meisten Bootsbestattungen waren Erdbestattungen unter einem Hügel oder Brandbestattungen an Land, nicht die filmreife Fahrt in die Wellen. Das flammende Schiff auf See gehört vor allem zum Baldr-Mythos und zu wenigen literarischen Notizen. Die Bootsbestattung als solche ist also echt und eindrucksvoll – die brennende Seefahrt aber ist eher Dichtung als Regel.

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Quellen & Literatur

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