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Guldgubber – die winzigen Goldgötter des Nordens

Funde & Schätze Guldgubber – die winzigen Goldgötter des Nordens

Sie sind so klein und so dünn, dass man sie kaum in der Hand halten kann, ohne sie zu knicken: die Guldgubber, „Goldmännchen", winzige Figuren aus geprägtem Goldblech. Rund dreitausend sind bekannt, und die meisten stammen von wenigen heiligen Orten des Nordens. Ein Blick auf eines der rätselhaftesten Fundstücke der germanischen Eisenzeit – und darauf, warum niemand sicher weiß, wozu sie dienten.

Goldmännchen aus den Dünen

Den Namen gaben ihnen die Bauern. Schon 1791 berichtete der schwedische Altertumsforscher Nils Henrik Sjöborg, dass man in den Dünen bei Ravlunda immer wieder kleine Goldbleche fand, die die Leute guldgubbar nannten – Goldmännchen. Der Name blieb. Gemeint sind ein bis zwei Zentimeter kleine Figuren, in dünnstes Goldblech gepresst, oft auf viereckigen Plättchen.

Die meisten entstanden in der germanischen Eisenzeit ab etwa 375 n. Chr. und wurden bis in die Wikingerzeit verwendet; ihren Höhepunkt erreichte die Herstellung in der Vendelzeit (550–800). Gefertigt wurden sie teils mit einer Prägeform (Patrize) – aus Schonen kennt man sogar ein winziges Bronzeplättchen, das offenbar zum Prägen solcher Figuren diente.

Wo man sie findet – und wie viele

Rund dreitausend Stück sind bekannt, verteilt auf etwa dreißig Fundorte in Norwegen, Schweden und Dänemark. Doch sie liegen nicht gleichmäßig verstreut, sondern ballen sich an den „Reichtumszentren" der Zeit – den großen Hallen- und Kultplätzen. Der mit Abstand größte Fund stammt von Sorte Muld auf Bornholm: allein 2594 Figürchen. Weitere reiche Plätze sind Uppåkra bei Lund, Slöinge in Halland, Helgö im Mälarsee, die Burg Eketorp auf Öland und im Norden bis hinauf nach Borg auf den Lofoten.

Auffällig ist, wo genau sie zum Vorschein kommen: oft rund um die Pfostenlöcher großer Hallen, an Plätzen, denen man eine herausgehobene, auch religiöse Bedeutung zuschreibt. Das Gold lag also nicht im Grab, sondern im Heiligtum.

Was sie zeigen

Das Bild ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen, so fein ist es. Drei Hauptmotive lassen sich unterscheiden: einzelne Menschen, umarmende Paare und Tiere. Die Einzelfiguren tragen Attribute – Männer mit einem Stab, Frauen, die ein Trinkhorn reichen. Auf Bornholm gibt es sogar Schweine und andere Tiere. Das berühmteste Motiv aber ist das „Liebespaar": ein Mann und eine Frau, die sich umarmen, sie in mehrlagigem Gewand mit großer Fibel, er im knielangen Rock.

„Gerd heißt sie, die Tochter Gymirs, / des grimmigsten Manns … / ihrer Arme Glanz erhellte / die Luft und alle Wasser." Skírnismál (Lieder-Edda), nach Karl Simrock (gemeinfrei)

Genau dieses umarmende Paar hat man als „Heilige Hochzeit" gedeutet, als Bild eines Götterpaares – nicht selten an Freyr und die Riesentochter Gerd erinnernd, deren Werbung das Eddalied Skírnismál erzählt. Mehr zu diesem Gott findest du in unserem Beitrag über Freyr.

Wozu dienten sie?

Und hier beginnt das Rätsel. Sicher weiß es niemand. Die Figuren sind so zart, dass sie kaum zum ständigen Tragen gedacht waren – nur wenige sind zum Annähen durchbohrt. Die verbreitetste Deutung: Opfergaben oder eine Art rituelles „Tempelgeld", niedergelegt an einem heiligen Ort. Dafür spricht, dass die Fundplätze fast immer Zentren von Herrschaft und Kult waren. Andere denken an Bilder der Götter oder der Vorfahren, an Zeugen einer Handlung – vielleicht eines Bündnisses oder einer Hochzeit.

Kunst im Kleinsten

Wie man es auch dreht: Die Guldgubber gehören zur ältesten und feinsten Goldschmiedekunst des Nordens. Auf einer Fläche kleiner als ein Fingernagel erkennt man Falten im Gewand, Frisuren, den Griff einer Hand um die andere. Es ist dieselbe Freude am winzigen, sorgfältig gesetzten Detail, die auch eine gute Gravur ausmacht: möglichst viel Bedeutung auf möglichst kleinem Raum.

Was gesichert ist

Guldgubber sind ein bis zwei Zentimeter kleine Figuren aus geprägtem Goldblech, bekannt an rund dreißig Fundorten in Skandinavien, insgesamt etwa dreitausend Stück; allein von Sorte Muld (Bornholm) stammen 2594. Sie entstanden ab etwa 375 n. Chr., mit einem Höhepunkt in der Vendelzeit (550–800). Die Motive zeigen Einzelfiguren (u. a. Männer mit Stab, Frauen mit Trinkhorn), umarmende Paare und Tiere. Sie treten gehäuft an zentralen Hallen- und Kultplätzen auf, oft nahe Pfostenlöchern.

Mythos-Check

Wozu die Guldgubber genau dienten, ist ungeklärt – „Opfergabe", „Tempelgeld" oder „Götterbild" sind Deutungen, keine Gewissheit. Auch die Gleichsetzung des umarmenden Paares mit Freyr und Gerd oder die Deutung eines stabhaltenden Mannes als Thor sind Hypothesen. Sicher ist nur der Befund: winzige Goldbilder, gehäuft an heiligen Orten. Alles Weitere ist begründete Vermutung.

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Quellen & Literatur

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