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Die Schlacht von Stiklestad 1030 – wie König Olav Haraldsson fiel und als Olav der Heilige wiederkam

Geschichte & Funde Die Schlacht von Stiklestad 1030 – wie König Olav Haraldsson fiel und als Olav der Heilige wiederkam

Die Schlacht von Stiklestad fand nach der Überlieferung am 29. Juli 1030 in Trøndelag statt: König Olav Haraldsson, der aus dem Exil in der Rus zurückgekehrt war, unterlag dort einem Bauernheer unter norwegischen Großen und fiel. Ein Jahr später ließ Bischof Grimkell den Toten als Heiligen verehren. Wir zeigen dir, was über Vorgeschichte, Schlachtverlauf und Gegner wirklich belegt ist, warum die berühmte Sonnenfinsternis nicht zum Datum passt und wie aus einem gescheiterten König Olav der Heilige wurde.

Ein König, den sein eigenes Volk erschlägt. Ein Leichnam, den ein Bauer nachts aus dem Schlachtfeld schmuggelt und im Ufersand verscharrt. Und ein Jahr später ein Bischof, der das Grab öffnet und erklärt: Dieser Tote ist heilig. Die Geschichte von Stiklestad ist eine der seltsamsten Wendungen der nordischen Geschichte. Olav Haraldsson verlor dort alles – Heer, Krone, Leben. Und gewann gerade dadurch eine Macht, die er zu Lebzeiten nie besessen hatte.

Wer war Olaf Haraldsson? Vom Wikinger zum König

Olaf Haraldsson, im Altnordischen Óláfr Haraldsson, später Óláfr inn helgi, kam nach den Sagas um 995 zur Welt, vielleicht etwas früher. Seine Mutter war Ásta Guðbrandsdóttir, sein leiblicher Vater Harald Grenske, ein Kleinkönig im Südosten Norwegens. Aufgewachsen ist er bei seinem Stiefvater Sigurd Sýr in Ringerike. Ein Halbbruder aus dieser zweiten Ehe der Mutter wird später noch wichtig: Harald Sigurdsson, den die Nachwelt Harald Hardrada nennt.

Seine Jugend verbrachte Olaf auf Kriegszügen in der Ostsee, in England und Frankreich. Das Store norske leksikon hält eine Beteiligung am Krieg des Dänenkönigs Sven Gabelbart gegen den englischen König Æthelred für wahrscheinlich. Später diente er Herzog Richard II. von der Normandie und ließ sich um 1013/14 in Rouen taufen. Die Saga-Version, Olaf Tryggvason sei sein Taufpate gewesen, gilt als unsicher.

1015 setzte Olaf mit zwei Schiffen nach Norwegen über. Der Moment war klug gewählt: Eiríkr Jarl, der starke Mann im Land, war mit Knut dem Großen in England beschäftigt. Am Palmsonntag 1016 schlug Olaf bei Nesjar im Oslofjord die Jarlspartei zur See und wurde im selben Jahr auf dem Øreting in Trøndelag zum König ausgerufen. Damit war er das, was vor ihm nur wenige gewesen waren: König über weite Teile Norwegens, von Viken im Süden bis Hålogaland im Norden.

Christianisierung mit Gewalt: Das Kirchenrecht von Moster

Olaf regierte etwa ein Jahrzehnt lang mit Erfolg und Härte. Er setzte Lehnsmänner in die Landesteile, kontrollierte sie über königliche Verwalter (ármenn), zog Höfe ein und prägte Münzen.

Vor allem machte er den Glauben zur Staatssache. Auf dem Thing von Moster in Sunnhordland wurde – nach der Überlieferung 1024, gemeinsam mit seinem englischen Hofbischof Grimkell – ein Christenrecht beschlossen: Kirchen und Priester im ganzen Land, Taufe, Fasten, Begräbnis in geweihter Erde und ein Verbot jeder anderen Religionsausübung. Wer sich nicht fügte, riskierte Besitz und Heimat. Das Thing, die Rechtsversammlung der freien Männer, wurde so zum Werkzeug des Königs. Die erhaltenen Handschriften stammen allerdings erst aus dem 12. Jahrhundert; wie viel wirklich auf Olaf zurückgeht, ist umstritten.

Snorri Sturluson schildert einen König, der heidnische Kultstätten zerschlagen und Widerspenstige verstümmeln, blenden oder vertreiben ließ – und lobt das als Glaubenseifer. Dass Bekehrung im Norden auch Zwang hieß, zeigt unser Beitrag zur Christianisierung der Germanen. Bei Olaf war dieser Zwang Programm.

Der Konflikt mit Knut dem Großen

Die eigentliche Gefahr kam jedoch über die Nordsee. Knut der Große, seit 1016 König von England und bald auch von Dänemark, betrachtete Norwegen als Teil seines Einflussbereichs. Die alte Dynastie der Jarle von Lade stand ohnehin auf seiner Seite.

1026 verbündete sich Olaf mit dem Schwedenkönig Anund Jakob gegen Knut. An der Helgeå in Schonen kam es zum Kampf, dessen Ausgang unklar ist, der aber Olafs Lage langfristig verschlechterte. Knut arbeitete mit dem, was ihm reichlich zur Verfügung stand: englischem Silber. Nach Snorri und den zeitnahen Skaldenversen ließen sich zahlreiche norwegische Große von Knuts Gesandten beschenken. Olaf selbst machte es ihnen leicht. Er hatte die Küstenaristokratie durch Einziehungen, Handelsbeschränkungen und seine Verwalter niedriger Herkunft gegen sich aufgebracht. Im Dezember 1027 wurde Erling Skjalgsson getötet, der mächtigste Mann Westnorwegens, im Kampf gegen Olafs Leute. Danach brach die Unterstützung weitgehend zusammen.

1028 segelte Knut mit rund fünfzig Schiffen nach Norwegen und ließ sich auf dem Øreting als König huldigen. Olaf floh ohne Schlacht über die Berge nach Schweden.

Exil in Gardarike 1028–1030

Von Schweden ging es weiter nach Garðaríki, wie die Nordleute das Reich der Rus nannten. Dort herrschte Großfürst Jaroslaw der Weise. Seine Frau Ingigerd war eine Tochter des Schwedenkönigs Olof Skötkonung und damit eine Schwester von Olafs eigener Frau Astrid. Mehr über diese Welt der Nordleute im Osten findest du bei den Rus.

In Norwegen setzte Knut seinen Neffen Håkon Eiriksson als Jarl ein. Doch Håkon ertrank 1029 in der Pentland Firth zwischen Schottland und Orkney. Im Frühjahr 1030 brach Olaf auf, ließ seinen kleinen Sohn Magnus bei Jaroslaw zurück und zog über Schweden nach Westen. Anund Jakob gab ihm nach Snorri etwa vierhundert Mann mit, dazu kamen Gefolgsleute, Männer aus Jämtland und eine kleine Truppe unter seinem Halbbruder Harald. Über Jämtland und das Verdal stieg er nach Trøndelag hinab.

Snorri erzählt, Olaf habe Heiden in seinem Heer vor die Wahl gestellt: Taufe oder Heimweg. Einige ließen sich taufen, andere gingen. Schon das ist ein Hinweis darauf, dass die Fronten bei Stiklestad nicht so verliefen, wie es das spätere Bild vom Glaubenskrieg nahelegt.

Die Gegner: Bauernheer, Þórir hundr und Kálfr Árnason

Gegen Olaf stand kein spontaner Aufstand empörter Heiden, sondern ein Aufgebot, das die Spitzen der norwegischen Küstenaristokratie im Sinne Knuts organisierten. Die Quellen nennen es bóndaherr, das Bauernheer. „Bauer“ meint hier den freien, grundbesitzenden Hofherrn, der zum Aufgebot verpflichtet war – nicht den armen Kleinpächter.

Þórir hundr (Thore Hund) von Bjarkøy in Nordnorwegen war einer der reichsten Männer des Nordens und lebte vom Handel mit den Sami. Er war einer von Olafs Lehnsmännern gewesen, wurde aber zum Todfeind, nachdem ein Gefolgsmann des Königs seinen Neffen Ásbjǫrn getötet hatte. Snorri schreibt, Þórir habe von den Finnar – so hießen die Sami bei den Nordleuten – zauberkräftige Rentierfellmäntel anfertigen lassen; in der Schlacht habe Olafs Schwert daran nicht geschnitten, es habe nur gestaubt. Sagaliteratur mit Hang zum Wunderbaren, aber ein schönes Bild davon, wie man sich im 13. Jahrhundert den hohen Norden vorstellte.

Kálfr Árnason von Egge in Inn-Trøndelag war ein früherer Gefolgsmann Olafs. Noch 1027 stand er auf der Seite des Königs. Bei Stiklestad führte er nach Snorri das Bauernheer an, und die spätere Tradition hat ihn als Verräter gebrandmarkt. Als dritter Anführer erscheint Hárekr ór Þjóttu (Hårek von Tjøtta) aus Helgeland. Was diese Männer verband, war kein gemeinsamer Glaube, sondern gemeinsame Interessen: Sie wollten ihre alte Machtstellung behalten, und Knut versprach ihnen genau das.

Wie groß waren die Heere?

Snorri gibt dem Bauernheer über 7.000 Mann, Olaf rund 3.600. Solche Zahlen gehören zu den Teilen der Saga, denen die Forschung am wenigsten traut. Das Store norske leksikon referiert die heutige Einschätzung, der König habe vermutlich nur einige Hundert Mann gehabt. Sigvatr bestätigt immerhin in einer Strophe, dass Olaf deutlich unterlegen war und die Bauern etwa doppelt so viele zählten.

Noch nüchterner klingen frühe Quellen von außen. Die Angelsächsische Chronik meldet knapp, Olaf sei von seinem eigenen Volk erschlagen worden. Adam von Bremen spricht um 1075 von einem Hinterhalt. Die große Feldschlacht mit Tausenden Kriegern taucht in dieser Ausführlichkeit erst im 13. Jahrhundert auf. Es gab eine Schlacht – aber ihre Größe kennen wir nicht, und archäologische Funde vom Schlachtfeld fehlen bisher.

Der 29. Juli 1030: Verlauf der Schlacht

Der Kampf fand bei Stiklestad statt, einem Hof im Verdal, nordöstlich von Trondheim. Snorri erzählt die Nacht davor als geistliches Vorspiel: Olaf träumt von einer Leiter, die bis in den Himmel reicht, und ist schon auf der obersten Sprosse, als man ihn weckt. Das ist Heiligenlegende in Reinform – der König weiß, dass er sterben wird, und nimmt es an.

Das Schlachtgeschrei, das Snorri überliefert, ist berühmt geworden: Olafs Männer riefen Fram, fram, Kristsmenn, krossmenn, konungsmenn! – „Vorwärts, vorwärts, Christusmänner, Kreuzmänner, Königsmänner!“ Die Bauern antworteten mit Fram, fram, bóndmenn! Ob diese Rufe wirklich so fielen, weiß niemand. Sie fassen aber genau die Deutung zusammen, die die Saga transportieren will: hier die Gefolgschaft Christi, dort die Bauern.

Militärisch scheint die Sache rasch entschieden gewesen zu sein. Olafs kleineres Heer griff an, wurde aber von der Übermacht gestoppt, wohl in der Art, wie wir sie beim Schildwall beschreiben: Reihe gegen Reihe, Schild an Schild, und wer zuerst weicht, hat verloren.

Über Olafs Tod gibt es mehrere Fassungen. Sigvatr nennt Þórir hundr als den, der den tödlichen Stoß führte. Das norwegische Ágrip af Nóregskonungasǫgum (um 1190) lässt den König zuerst von einem Mann Kálfs am Knie verwundet werden; er sinkt nieder, betet, wirft das Schwert fort, dann töten ihn Þórir hundr und Þorsteinn knarrarsmiðr („der Schiffbauer“). Snorri macht daraus drei Wunden: Bein, Speerstoß in den Leib durch Þórir, Hieb an den Hals durch Kálfr. Je jünger die Quelle, desto genauer die Choreografie.

Nach Olafs Tod soll Dag Hringsson, ein Verwandter des Königs, mit seinem nachrückenden Haufen noch einmal angegriffen haben. Snorri nennt das den „Dagsturm“. Auch dieser Vorstoß brach zusammen.

Gesichert: Olaf Haraldsson fiel um 1030 bei Stiklestad im Kampf gegen norwegische Große und ihr Aufgebot, die im Interesse Knuts des Großen handelten. Þórir hundr und Kálfr Árnason gehören in allen wichtigen Quellen zu seinen Gegnern. Das Jahr 1030 gilt heute als weitgehend gesichert, auch wenn frühe Annalen zwischen 1028 und 1034 schwanken.

Harald Hardrada: ein Fünfzehnjähriger bei Stiklestad

Im Heer des Königs kämpfte ein Junge, der Geschichte schreiben sollte. Harald Sigurdsson, Olafs Halbbruder, war nach Ágrip fünfzehn Jahre alt, „ein schöner Mann von großer Statur“. Snorri erzählt, Olaf habe ihn im Lager lassen wollen, Harald aber habe darauf bestanden mitzukämpfen. Er wurde verwundet, versteckte sich bei einem Bauern und entkam über Schweden in die Rus, später nach Konstantinopel in die Warägergarde. Mehr dazu in unserem Artikel über Harald Hardrada: König von Norwegen ab 1046/47, gefallen 1066 bei Stamford Bridge. Sechsunddreißig Jahre liegen zwischen beiden Schlachten – ein ganzes Kriegerleben.

Die Sonnenfinsternis: Snorris Verknüpfung und die Debatte

Kein Detail von Stiklestad wird so oft erzählt wie dieses: Mitten in der Schlacht färbt sich der Himmel rot, dann wird es dunkel wie in der Nacht. Snorri schildert diese Verfinsterung ausführlich und stützt sich auf eine Strophe Sigvats. Dort heißt es sinngemäß, es sei kein geringes Wunder gewesen, dass die Sonne an jenem Tag nicht wärmte und der Tag keine rechte Farbe hatte.

Das Problem: Am 29. Juli 1030 gab es keine Sonnenfinsternis über Norwegen. Es gab aber eine am 31. August 1030, am frühen Nachmittag, gut sichtbar in Trøndelag. Der norwegische Astronom Christopher Hansteen hat das in den 1830er-Jahren nachgerechnet und daraus gefolgert, die Schlacht habe am 31. August stattgefunden. Diese These hat bis heute Anhänger.

Die Mehrheit der Historiker sieht es anders. Sigvatr war bei der Schlacht nicht dabei; nach der Überlieferung war er auf Pilgerfahrt nach Rom. Seine Gedenkdichtung, die Erfidrápa, entstand Jahre danach, als die Olavslegende sich schon formte. Eine verdunkelte Sonne beim Tod eines Heiligen ist zudem ein vertrautes Bild – bei der Kreuzigung Christi verfinstert sich nach den Evangelien die Sonne. Wahrscheinlich ist die reale Finsternis vom August 1030 in der Erinnerung mit dem Todestag verschmolzen. Das Jahr stimmt also sehr wahrscheinlich, der Tag ist kirchliche Überlieferung, und die Finsternis gehört zur Legende.

Mythos-Check: „Während der Schlacht von Stiklestad gab es eine totale Sonnenfinsternis.“ – Nicht haltbar. Die einzige Finsternis des Jahres 1030 in Norwegen fiel auf den 31. August, über einen Monat nach dem überlieferten Schlachtdatum. Entweder ist das Datum falsch oder die Finsternis wurde nachträglich mit Olafs Tod verbunden. Die Forschung neigt überwiegend zur zweiten Lösung.

Der Tote im Sand und die ersten Wunder

Was nach der Schlacht mit Olafs Leichnam geschah, kennen wir wieder vor allem aus Snorri. Ein Bauer, Þorgils Hálmuson, und sein Sohn Grímr sollen den Toten heimlich geborgen und nach Nidaros gebracht haben, dem heutigen Trondheim. Dort begruben sie ihn im Sand am Ufer der Nidelva – genau an der Stelle, über der später der Nidarosdom entstand.

Schon auf dem Schlachtfeld beginnen in der Saga die Wunder. Þórir hundr selbst habe den Leichnam versorgt, dabei sei Blut des Königs in eine Wunde an seiner Hand geraten, und die Wunde sei sofort verheilt. Ein Blinder, der sich Blut des Königs an die Augen rieb, habe wieder sehen können. Das sind klassische Motive der Heiligenlegende, wie sie in ganz Europa erzählt wurden. Sie zeigen, wie die Tradition selbst Olafs Mörder zu Zeugen seiner Heiligkeit macht.

Heiligsprechung 1031: Bischof Grimkell und Nidaros

Knut setzte nach Stiklestad seinen jungen Sohn Sven und dessen Mutter Ælfgifu von Northampton (altnordisch Álfífa) als Regenten ein. Neue Abgaben und strengere Gesetze machten sie rasch verhasst. Die Großen, die gegen Olaf gekämpft hatten, merkten, dass sie unter Knut nicht freier waren als unter ihm.

In dieser Lage öffnete Bischof Grimkell, Olafs englischer Hofbischof, im Sommer 1031 das Grab. Snorri gibt den Zeitpunkt mit einem Jahr und fünf Tagen nach dem Tod an, also dem 3. August. Der Leichnam sei unversehrt gewesen, Haare und Nägel nachgewachsen. Grimkell erklärte Olaf zum Heiligen, und der Tote wurde in einem Schrein auf den Hochaltar der Klemenskirche in Nidaros gestellt. Der 3. August blieb als Fest der Übertragung (translatio) im Kalender.

Eine päpstliche Heiligsprechung im späteren Sinn gab es 1031 nicht; Heilige wurden damals regional durch Bischöfe und Volksverehrung „gemacht“. Eine Bestätigung durch Papst Alexander III. 1164 wird mitunter genannt, ist aber nicht sicher belegt.

Das stärkste Zeugnis für den frühen Kult ist ein Gedicht: die Glælognskviða („Lied von der Meeresstille“) des isländischen Skalden Þórarinn loftunga. Sie ist an Sven Knutsson gerichtet, entstand also in den frühen 1030er-Jahren. Das Gedicht beschreibt den unverwesten Leichnam, wachsende Haare und Nägel, Glocken, die von selbst läuten, und Kerzen über dem Altar – und fordert Sven auf, Olaf um Beistand für sein Land zu bitten. Der Historiker Matthew Townend sieht darin keinen Widerspruch: Knut förderte in England gezielt die Kulte heiliger Könige. Erst später wurde Olafs Kult zur Waffe gegen die dänische Herrschaft.

Diese Waffe wirkte. 1034/35 holten ausgerechnet Kálfr Árnason und Einarr þambarskelfir Olafs Sohn Magnus aus der Rus. Sven und Ælfgifu mussten fliehen, und nach Knuts Tod 1035 zerfiel das Nordseereich. Magnus der Gute bestieg als etwa Elfjähriger den Thron – als Sohn eines Heiligen.

Die Quellen und ihr Abstand zur Schlacht

Zeitgenössische Skaldendichtung: Sigvatr Þórðarson, Olafs Hofskalde und Marschall, dichtete die Erfidrápa Óláfs helga, ein Gedenklied auf den König. Er war nicht in Stiklestad, kannte aber die Beteiligten. Þórarinn loftungas Glælognskviða stammt aus den frühen 1030er-Jahren und ist das älteste erhaltene Zeugnis für Olafs Heiligkeit. Beide Gedichte sind nur als Zitate in späteren Sagas überliefert.

Norwegische und lateinische Werke des späten 12. Jahrhunderts: Die Passio Olavi, die lateinische Leidensgeschichte mit Wundersammlung, vermutlich unter Erzbischof Eystein Erlendsson entstanden; Theodoricus Monachus mit seiner Historia de antiquitate regum Norwagiensium um 1180; das Ágrip um 1190.

Isländische Königssagas des 13. Jahrhunderts: die sogenannte Legendarische Olafssaga, dann Snorri Sturlusons eigene Óláfs saga helga und deren Fassung in der Heimskringla, um 1230. Etwa ein Drittel der Heimskringla ist Olaf gewidmet. Snorris Darstellung ist meisterhaft erzählt, aber rund zweihundert Jahre von der Schlacht entfernt. Wer mehr über den Autor wissen will: Snorri Sturluson.

Die Faustregel ist einfach: Je älter die Quelle, desto knapper der Bericht und desto größer das Gewicht auf dem Wunder; je jünger die Quelle, desto mehr Namen, Zahlen, Reden und Schlachtordnung. Die farbigen Details von Stiklestad sind fast alle Snorri.

Olavskult in ganz Europa

Aus dem Grab im Ufersand wurde einer der bekanntesten Heiligen des Nordens. 1152/53 wurde Nidaros Sitz eines eigenen Erzbistums, der Dom über Olafs Grab das große Pilgerziel Skandinaviens. Die mittelalterlichen Pilgerwege werden heute als Olavswege wieder begangen. Norwegens Könige regierten nach dieser Vorstellung im Namen eines anderen: Olaf war rex perpetuus Norvegiae, der „ewige König Norwegens“.

Die früheste bekannte Kirchenweihe an Olaf steht in England. Die Angelsächsische Chronik berichtet zu 1055, Earl Siward sei in York gestorben und in der Kirche in Galmanho begraben, die er zu Ehren des heiligen Olaf habe bauen lassen; St Olave’s steht noch heute dort. In London gibt es St Olave Hart Street, in Novgorod hatten skandinavische Kaufleute ihre Olavskirche, und in Tallinn ragt der Turm der Oleviste-Kirche über die Altstadt. Auf den Färöern ist der 29. Juli als Ólavsøka bis heute Nationalfeiertag.

In der Kunst wurde Olaf nach Maria zum meistdargestellten Heiligen des Nordens. Sein Zeichen ist die Axt, oft steht er auf einem Untier mit Menschenkopf. Die Axt wanderte im 13. Jahrhundert in die Pranken des norwegischen Wappenlöwen und blieb dort bis heute. Mehr zur Waffe selbst: die Wikinger-Axt.

Die Reformation beendete den Kult abrupt. Der Schrein wurde um 1540 zerschlagen, rund 95 Kilo Silber gingen nach Kopenhagen, und 1568 ließ man die Gebeine in Nidaros anonym begraben. Wo sie liegen, weiß niemand.

Stiklestad heute: Olsok und Spelet om Heilag Olav

Stiklestad liegt heute in der Gemeinde Verdal nordöstlich von Trondheim. Die Steinkirche aus dem 12. Jahrhundert soll nach der Tradition dort stehen, wo Olaf fiel; ein Stein, an den er sich gelehnt haben soll, ist in ihr eingemauert – ob es wirklich dieser Stein ist, lässt sich nicht beweisen.

Der Todestag heißt in Norwegen Olsok, von altnordisch Ólafsvaka, „Olafswache“ – die Vigilnacht vor dem Fest. Seit 1930 ist der 29. Juli offizieller Flaggentag. Jedes Jahr um Olsok wird im natürlichen Amphitheater von Stiklestad das Freilichtspiel Spelet om Heilag Olav aufgeführt, geschrieben von Olav Gullvåg, mit Musik von Paul Okkenhaug. Uraufgeführt 1954, läuft es seit 1960 jedes Jahr; nach dem Store norske leksikon sehen es 12.000 bis 15.000 Menschen. Es zeigt Olaf in den letzten Tagen vor der Schlacht und mischt Geschichte mit freier Dichtung.

Mythos-Checks: Was Stiklestad nicht war

Mythos-Check: „Bei Stiklestad kämpften Christen gegen Heiden.“ – So nicht. Die Anführer auf beiden Seiten waren Christen, und nach Snorri fanden sich gerade in Olafs Heer ungetaufte Männer. Es ging um Königsmacht, Besitz und das Verhältnis zu Knut. Die Deutung als Glaubensschlacht entstand mit dem Heiligenkult.
Mythos-Check: „Olaf brachte als sanfter Heiliger das Christentum nach Norwegen.“ – Weder noch. Norwegen hatte schon unter Håkon dem Guten und Olaf Tryggvason christliche Könige erlebt. Und Olaf setzte den Glauben nach allen Quellen mit harter Hand durch. Seine Heiligkeit ist eine Deutung seines Todes, nicht seines Regierungsstils.

Was bleibt, ist trotzdem gewaltig: Ein König, der 1028 ohne Schwertstreich sein Reich verlor, wurde durch seinen Tod zum Fundament der norwegischen Monarchie und Kirche. Die großen Herrscher dieser Epoche findest du bei unseren Königen der Wikingerzeit.

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Häufige Fragen

Wann war die Schlacht von Stiklestad? Nach der kirchlichen Überlieferung am 29. Juli 1030. Das Jahr gilt als weitgehend gesichert, der genaue Tag beruht auf der Festtradition, und manche Forscher bringen wegen der Sonnenfinsternis den 31. August 1030 ins Spiel.

Wer hat Olav den Heiligen getötet? Die Quellen nennen vor allem Þórir hundr, dazu Þorsteinn knarrarsmiðr und Kálfr Árnason. Der zeitnahe Skalde Sigvatr schreibt den tödlichen Stoß Þórir hundr zu.

Warum wurde Olaf Haraldsson heiliggesprochen? Nach seinem Tod wurden Wunder berichtet, und die Unzufriedenheit mit der dänischen Herrschaft wuchs. 1031 ließ Bischof Grimkell das Grab öffnen und erklärte Olaf zum Heiligen.

Gab es bei Stiklestad wirklich eine Sonnenfinsternis? Nicht am 29. Juli. Die nächste Finsternis über Norwegen fand am 31. August 1030 statt und wurde in der Legende wahrscheinlich mit Olafs Tod verbunden.

War Harald Hardrada bei Stiklestad dabei? Ja. Als etwa Fünfzehnjähriger kämpfte er auf der Seite seines Halbbruders, wurde verwundet und floh über Schweden in die Rus.

Was ist Olsok? Der Gedenktag Olafs am 29. Juli, abgeleitet von altnordisch Ólafsvaka. In Stiklestad wird um diesen Tag das Freilichtspiel Spelet om Heilag Olav aufgeführt.

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