Uppåkra ist ein archäologischer Fundplatz rund fünf Kilometer südlich von Lund in Schonen, wo vom letzten Jahrhundert vor Christus bis kurz vor das Jahr 1000 einer der reichsten Orte Skandinaviens lag – mit einem kleinen Kulthaus, das über Jahrhunderte immer wieder an derselben Stelle neu errichtet wurde. Kein Chronist hat den Ort erwähnt, kein König, keine Saga. Alles, was wir wissen, stammt aus dem Boden: rund 30.000 registrierte Funde, Goldblechfiguren, ein Prunkbecher, Hunderte absichtlich verbogene Speere. Hier erfährst du, was davon gesichert ist und wo die Deutung beginnt.
Die meisten Orte, über die wir in dieser Reihe schreiben, kennen wir zuerst aus Büchern. Bei Uppåkra ist es umgekehrt. Keine Chronik, keine Saga, kein Runenstein nennt den Ort in seiner Blütezeit. Alles, was wir wissen, haben Pflug, Metallsonde und Spaten zutage gebracht – ein Lehrstück dafür, wie viel Archäologie erzählen kann und wo sie schweigt.
Uppåkra liegt in Schonen (schwedisch Skåne), im äußersten Süden des heutigen Schweden, in der Gemeinde Staffanstorp. Heute steht dort eine Dorfkirche zwischen flachen, fruchtbaren Feldern, rund sechs Kilometer vom Öresund entfernt. Wer die Wikingerzeit verstehen will, muss sich die Landkarte allerdings anders denken: Schonen gehörte im Mittelalter zu Dänemark, und das blieb so bis zum Frieden von Roskilde 1658.
Für die Zeit um 890 haben wir dazu sogar eine zeitgenössische Stimme. Der Seefahrer Wulfstan, dessen Reisebericht am Hof König Alfreds von Wessex in die altenglische Bearbeitung des Orosius eingefügt wurde, segelte von Haithabu nach Osten und zählte auf, welche Länder an Backbord lagen, also zu seiner Linken:
… on bæcbord him wæs Langaland and Læland and Falster and Sconeg; and þas land eall hyrað to Denemearcan.
„… an Backbord hatte er Langeland und Lolland und Falster und Schonen; und diese Länder gehören alle zu Dänemark.“Altenglischer Orosius, Bericht des Wulfstan; eigene Übertragung
Blekinge, Öland und Gotland dagegen, sagt Wulfstan, gehörten zu den Schweden. Wie fest dieses „Gehören“ um 890 war, wissen wir nicht. Aber es zeigt: Wer von „Schweden“ in der Wikingerzeit spricht, sollte Schonen nicht einfach mitzählen. Warum die alten Einteilungen in Dänen, Schweden und Norweger ohnehin grober sind, als man denkt, erklären wir bei Dänen, Schweden, Norweger.

Uppåkra wird gern „Wikingerort“ genannt. Das stimmt nur für das letzte Kapitel. Der größte Teil seiner Geschichte spielt in der Eisenzeit, Jahrhunderte bevor das erste Drachenboot Lindisfarne erreichte. Damit du beim Lesen nicht durcheinanderkommst, hier die Epochen, wie die skandinavische Archäologie sie üblicherweise einteilt. Die Grenzen sind Konventionen, keine Jahreszahlen, die jemand damals gefeiert hätte.
Wenn wir also gleich über „das Kulthaus“ reden, meinen wir ein Bauwerk, das zum größten Teil eisenzeitlich ist. Was die Leute dort taten, sollte man nicht mit dem gleichsetzen, was Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert über heidnische Feste schrieb. Zwischen den ersten Pfosten in Uppåkra und Snorris Schreibpult liegen tausend Jahre.
Dass hier etwas Besonderes lag, war seit 1934 bekannt. Beim Bau eines Hofgebäudes nahe der Kirche stieß man auf Siedlungsreste, und der Archäologe Bror Magnus Vifot führte die erste Grabung durch. Ungefähr zur selben Zeit kartierte Olof Arrhenius den Phosphatgehalt der Böden in Schonen. Phosphat reichert sich dort an, wo über lange Zeit Menschen und Vieh leben, wo Abfall, Mist und Knochen in den Boden gehen. Die Flächen rund um die Uppåkra-Kirche gehörten zu den höchsten Werten der ganzen Provinz. Danach passierte trotzdem jahrzehntelang wenig.
Den Durchbruch brachten die 1990er-Jahre. Erste Begehungen mit Metallsuchgeräten zeigten, dass der Pflug jedes Jahr Fundstücke aus den Kulturschichten an die Oberfläche holte – und dabei zerstörte. Ab 1996 lief an der Universität Lund ein großes Forschungsprogramm an, getragen von Lars Larsson und Birgitta Hårdh. Systematische Metallsondenbegehungen förderten in kurzer Zeit eine Menge zutage, die niemand erwartet hatte.
Die Zahlen, die du in der Literatur findest, schwanken je nachdem, was gezählt wird und wann. Ältere Übersichten nennen rund 20.000 Metallsondenfunde, spätere Angaben sprechen von mehr als 28.000 und inzwischen von rund 30.000 registrierten Funden aus Sondengängen, Grabungen und Oberflächenbegehungen zusammen. Die Siedlungsfläche umfasst mindestens 40 Hektar, die Kulturschichten sind stellenweise rund zwei Meter dick. Ausgegraben ist davon weniger als ein Prozent. Uppåkra gilt damit als größte bekannte vorgeschichtliche Siedlung Südschwedens.
Ungewöhnlich ist vor allem die Dauer. Die meisten eisenzeitlichen Dörfer Skandinaviens „wanderten“ alle paar Generationen ein Stück weiter. Uppåkra blieb über tausend Jahre am selben Fleck. Deshalb sprechen Forscher von einem „Zentralplatz“ – einem Ort, an dem Macht, Handwerk, Handel und Kult über Generationen gebündelt waren.
Zwischen 2000 und 2004 grub ein Team um Lars Larsson im Zentrum des Platzes ein Gebäude aus, das nicht zu den übrigen passte. Wohnhäuser der Eisenzeit sind Langhäuser: lang gestreckt, oft 30 Meter und mehr, mit Wohnteil und Stall unter einem Dach. Dieses Haus war klein, rund 13 Meter lang und gut sechs Meter breit. Die Angaben schwanken leicht je nach Bauphase und Messweise; manche Übersichten nennen auch etwa 15 mal 7 Meter.
Was ihm an Länge fehlte, machte es offenbar in der Höhe wett. Vier mächtige Mittelpfosten, nach den Steinpackungen mindestens 70 Zentimeter dick, steckten in mehr als zwei Meter tiefen Gruben; auch die Eckpfosten waren tief gegründet. Die Wände bestanden aus senkrecht gestellten Eichenplanken – eine Stabbauweise, wie man sie später von den ersten Holzkirchen kennt. Drei Eingänge führten hinein, zwei im Süden, einer im Norden.
Wie hoch es war, weiß niemand; Rekonstruktionen mit und ohne Turm über den Mittelpfosten sind beide mit dem Befund vereinbar.
Das Bemerkenswerteste ist die Dauer. Der erste Bau entstand nach Larssons Auswertung im 3. Jahrhundert, also in der römischen Kaiserzeit. Danach wurde das Haus mehrfach erneuert – je nach Zählung sechs- oder siebenmal –, immer an derselben Stelle und fast im gleichen Grundriss. Die letzte Fassung stammt aus der frühen Wikingerzeit. Anders als die großen Hallen nebenan zeigt das Kulthaus nach den bisherigen Auswertungen keine Brandspuren. Bei Holzhäusern, die nach ein, zwei Generationen verrotteten und anderswo neu gebaut wurden, ist diese Treue zum Platz außergewöhnlich. Irgendetwas band dieses Gebäude an genau diesen Fleck.
Nahe der Feuerstelle im Inneren fanden die Ausgräber zwei Gefäße, die man in keinem Bauernhaus erwartet: einen trichterförmigen Becher aus Bronze und Silber, rund 20 Zentimeter hoch, mit Goldblechbändern, auf denen Menschen, Schlangen und Pferde zu sehen sind, und eine zweifarbige Glasschale, die wohl aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres stammt. Beide werden in die Zeit um 500 datiert, also in die Völkerwanderungszeit. Dazu kamen Scherben von rund zehn weiteren Glasgefäßen.
Wer solche Dinge besaß, stand in einem Netz, das bis an den Rand der antiken Welt reichte. Glas war im Norden ein Luxusgut, das fast immer von weit her kam. Becher und Schale sind heute im Historischen Museum der Universität Lund zu sehen.
Dazu kommen zwei große eiserne Türringe, einer davon aus der Verfüllung eines Pfostenlochs. Ringe an Kultgebäuden kennt die spätere Überlieferung als Schwurringe; ob ein Türring in Uppåkra diese Rolle hatte, kann kein Fund beweisen. Mehr dazu bei Die Eidringe.
Im Fußboden des Hauses lagen außerdem Fibeln, Perlen, Keramikscherben und kleine Goldstücke in vielen Schichten übereinander. Das spricht dafür, dass hier über lange Zeit immer wieder etwas niedergelegt wurde – und dass in der Nähe Gold verarbeitet wurde.
Am bekanntesten sind die Guldgubber (schwedisch guldgubbar, „Goldmännchen“): hauchdünne Goldbleche von der Größe eines Fingernagels, in die mit einem Stempel Menschenfiguren gepresst wurden. Manche zeigen einen einzelnen Mann, weniger zeigen eine Frau, einige ein Paar, das sich zugewandt ist oder umarmt.
In Uppåkra wurden sie in großer Zahl gefunden, die meisten in den Wandgräben und Pfostenlöchern des Kulthauses. Die Angaben zur Gesamtzahl gehen auseinander: Eine Meldung der Universität Lund von 2025 spricht von rund 120 Stück, andere Übersichten nennen etwa 180 oder knapp 200 – je nachdem, ob Fragmente und Funde außerhalb des Hauses mitgezählt werden. Unstrittig ist: Es ist die größte Konzentration in Schweden. Nur Sorte Muld auf Bornholm hat mehr geliefert, und einige Stücke aus Uppåkra wurden mit denselben Stempeln geprägt wie Exemplare von dort.
Datiert werden die Bleche in Uppåkra überwiegend ins späte 6. und ins 7. Jahrhundert, also in die Vendelzeit. Röntgenuntersuchungen an der Forschungsanlage MAX IV in Lund haben 2025 gezeigt, dass manche nicht aus reinem Gold, sondern aus Elektrum bestehen, einer Gold-Silber-Legierung. Die Forscher vermuten, dass die Herren von Uppåkra nur begrenzten Zugang zu Gold hatten – ein schönes Beispiel dafür, wie moderne Naturwissenschaft alte Fragen neu stellt.
Wozu dienten sie? Man vermutet, dass sie beim Bau oder bei Erneuerungen des Hauses niedergelegt wurden, vielleicht als Gaben, vielleicht als Zeichen für Bündnisse oder Abmachungen. Was die Figuren darstellen – Götter, Ahnen, ein Brautpaar, eine Szene aus einem Mythos –, ist umstritten.
Nördlich des Kulthauses stießen die Archäologen auf Waffen, die man absichtlich unbrauchbar gemacht hatte. Vor allem Lanzen- und Speerspitzen, nach einer neueren Übersicht rund 300 Stück, viele davon verbogen oder zerbrochen. Dazu kamen Schildteile, Bruchstücke von Schwertern und Helmen, Teile von Pferdegeschirr. Sie lagen teils auf Steinlagen, zusammen mit Tierknochen und einigen Menschenknochen. Auch südlich des Hauses fanden sich Waffen.
Die meisten Niederlegungen stammen aus der römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit, grob aus dem 3. bis 6. Jahrhundert; einzelne Waffenfunde reichen bis um 700. Das erinnert an die großen Heeresbeuteopfer in den dänischen Mooren, an Illerup und Ejsbøl, über die wir bei Das geopferte Heer im Moor schreiben. Dort wurde die Ausrüstung ganzer besiegter Heere zerstört und versenkt.
In Uppåkra liegt der Unterschied im Ort: Die Waffen landeten nicht in einem abgelegenen Moor, sondern mitten im Zentralplatz, neben dem Kulthaus. Das passt zu einer Verschiebung der Opferpraxis in der Eisenzeit, weg von Mooren in der Landschaft, hin zu den Hallen der Mächtigen. Dass hier Kriegsbeute geopfert wurde, ist naheliegend, aber nicht bewiesen.
Das Kulthaus stand nicht allein. Ringsum lagen große Hallen, in der Völkerwanderungszeit errichtet und bis in die Wikingerzeit immer wieder erneuert; die größte war mindestens 40 Meter lang. Einige brannten ab, in einer Halle des 5. Jahrhunderts fand man drei Tote. Ob Unglück oder Überfall, sagt der Befund nicht eindeutig.
Werkstattabfälle, Gussformen und Halbfabrikate zeigen, dass hier Bronze, Silber und Gold verarbeitet wurden; spätestens in der Merowingerzeit arbeiteten offenbar ständig Schmiede am Platz. Münzen aus weiten Teilen Europas und Asiens zeigen, wie weit die Verbindungen reichten.
Seit 2022 untersucht ein Projekt der Universität Lund unter Mats Roslund und Torbjörn Ahlström die große Halle neu. Gut möglich, dass einige Zahlen in diesem Artikel bald überholt sind. Bei Uppåkra ist das der Normalzustand.
Unter den jüngsten Funden ist ein Stück, das man oft als Brosche bezeichnet. Genauer handelt es sich um einen durchbrochen gearbeiteten, rundum vergoldeten Beschlag aus Kupferlegierung, 7,5 Zentimeter lang und gut 50 Gramm schwer. Er wurde im September 2011 an der Giebelseite der jüngsten Halle gefunden, offenbar absichtlich in eine Schicht aus Brandsteinen gelegt. Auf der Rückseite sitzen drei Eisennieten, Abnutzungsspuren fehlen – er war wohl nie montiert. Nach dem Stil, einem Ringkettenmotiv im Borrestil, gehört er in die Zeit um 950–1000, also in die späte Phase des Platzes.
Er zeigt eine menschliche Gestalt mit gefiederten Flügeln und Vogelschwanz. Schon während der Grabung kam die Idee auf, darin Völund den Schmied zu sehen; die Archäologin Michaela Helmbrecht hat das Stück 2012 in Fornvännen veröffentlicht und die Deutung begründet. In der eddischen Völundarkviða entkommt der gelähmte Schmied nach seiner Rache an König Níðuðr in die Luft; in der späteren Þiðreks saga trifft sein Bruder Egil mit einem Pfeil eine Blutblase unter Völunds Arm.
Wir finden die Deutung überzeugend, aber sie bleibt eine Deutung. Geflügelte und verwandelte Gestalten gibt es in der nordischen Überlieferung mehrere, und der Beschlag trägt keine Inschrift. Die Religionswissenschaftlerin Torun Zachrisson hat 2017 trotzdem darauf hingewiesen, wie gut ein Schmiedemythos an einen Ort passt, an dem über Jahrhunderte Gold und Bronze verarbeitet wurden.
Larsson hat das kleine Gebäude in der Zeitschrift Antiquity 2007 als erstes skandinavisches Bauwerk bezeichnet, das man mit Recht „Tempel“ nennen dürfe. Das war bewusst zugespitzt, denn es berührt eine der großen Streitfragen der Religionsgeschichte: Hatten die vorchristlichen Skandinavier überhaupt eigene Kultgebäude?
Die Schriftquellen machen es einem nicht leicht. Im Altnordischen gibt es Wörter wie hof und hörgr. Ein hörgr war wohl ursprünglich ein Steinhaufen oder Altar unter freiem Himmel, ein hof in den Sagas ein Haus, in dem Opfermahlzeiten stattfanden. Die Sagas wurden aber im 13. Jahrhundert von christlichen Isländern aufgeschrieben, die sich heidnische „Tempel“ leicht nach dem Vorbild ihrer eigenen Kirchen ausmalten. Mehr dazu bei Blót-Orte: Hörgr, Hof und Kulthalle.
Die berühmteste Beschreibung stammt von Adam von Bremen, der um 1075 über den Tempel von Uppsala schrieb – selbst gesehen hat er ihn nie:
In hoc templo, quod totum ex auro paratum est, statuas trium deorum veneratur populus …
„In diesem Tempel, der ganz mit Gold geschmückt ist, verehrt das Volk die Bilder dreier Götter …“Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum IV, 26; eigene Übertragung
Adam nennt Thor in der Mitte, daneben Wodan und Fricco – meist als Freyr gedeutet – und ein großes Opferfest alle neun Jahre. Der dänische Archäologe Olaf Olsen kam 1966 in seiner Studie Hørg, hov og kirke zu einem nüchternen Schluss: Eigenständige Tempel ließen sich archäologisch nicht nachweisen; der Kult habe in den Hallen der Großbauern und Häuptlinge stattgefunden, ein „Hof“ sei also eher ein Hof im wörtlichen Sinn gewesen. Für Jahrzehnte galt das als Lehrmeinung.
Uppåkra hat diese Debatte verschoben, ohne sie zu entscheiden. Das kleine Haus ist kein freistehender Tempel, sondern Teil eines Herrensitzes zwischen Hallen und Werkstätten – insofern bestätigt es Olsens Grundidee, dass Kult und Macht zusammengehörten. Zugleich zeigt es, dass es neben der Halle ein eigenes Gebäude geben konnte, das nicht zum Wohnen diente. Vergleiche mit Alt-Uppsala und Gudme auf Fünen liegen nahe. Adams goldglänzenden Tempel sollte man aber nicht einfach über die Pfostenlöcher von Uppåkra legen: Er ist Jahrhunderte jünger und betrifft einen anderen Ort.
Die Frage liegt auf der Hand: Wenn das Haus ein Kultbau war, welche Feste fanden dort statt? Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Kein Fund nennt ein Datum oder einen Festnamen. Was die Schriftquellen über blót, Jul oder Winternächte berichten, stammt aus deutlich späterer Zeit und meist aus Norwegen und Island. Was davon belastbar ist, haben wir bei Germanische Feste und heidnische Feiertage zusammengetragen.
Was die Archäologie zeigt, ist bescheidener, aber konkret. Westlich des Hauses lagen hitzegesprungene Steine, Tierknochen und eine gepflasterte Fläche – Spuren von Feuer und Mahlzeiten. Ein Prunkbecher und eine Glasschale sind Trinkgefäße, keine Arbeitsgeräte. Zusammen mit den Waffen und Goldblechen ergibt das ein Bild von Gemeinschaftsmählern, Trankopfern und Niederlegungen in einem sehr exklusiven Rahmen. Wer genau eingeladen war und welchem Gott man dabei zutrank, bleibt offen.
Wie Uppåkra regiert wurde, wissen wir ebenfalls nicht. Ein Ort dieses Reichtums setzt eine Elite voraus, vielleicht einen Herrscher, der von hier aus einen Teil Schonens kontrollierte. Einen Namen, einen Titel oder ein Reich liefert kein Fund. Auch eine direkte Linie zu Völkern der älteren Überlieferung, etwa den Gauten oder den Dänen der Beowulf-Welt, lässt sich nicht ziehen.
Kurz vor dem Jahr 1000 geht Uppåkra als Zentralplatz zu Ende. Fast gleichzeitig entsteht fünf Kilometer weiter nördlich Lund. Die ältesten Anlagen dort werden nach dendrochronologischen Daten, also nach Jahresringen im Bauholz, um 990 datiert; manche Darstellungen setzen die Anfänge um 980 an. Lund wurde rasch zum wichtigsten Ort des dänischen Ostens, mit Münzstätte und zahlreichen Kirchen, und ab 1103/04 zum Sitz des ersten Erzbischofs für ganz Skandinavien.
Es liegt nahe, eine Verlagerung zu sehen: Die Rolle des heidnisch geprägten Zentralplatzes geht an eine christliche Stadt unter königlicher Kontrolle über. Viele Forscher sehen es so, wie direkt der Übergang war, ist aber offen. Die Gründung Lunds wird oft mit Sven Gabelbart verbunden; beweisen lässt sich das nicht. Uppåkra blieb ein Dorf mit Kirche und erscheint nach dem dänischen Lexikon 1085 in der Schenkungsurkunde Knuts des Heiligen für den Lunder Dom unter den königlichen Gütern.
Wer Mauern oder rekonstruierte Hallen erwartet, wird überrascht: Uppåkra ist in erster Linie ein Feld. Das Uppåkra Arkeologiska Center an der Stora Uppåkravägen 101 bei Staffanstorp bietet Führungen mit Archäologen an (Tickets online), dazu Wanderwege mit Infotafeln, eine Audioguide-App auf Schwedisch und Englisch und ein Modell des Kulthauses im Maßstab 1:3. Öffnungszeiten wechseln mit der Saison.
Die schönsten Funde, darunter Becher und Glasschale, zeigt das Historische Museum der Universität Lund. Feld am Vormittag, Museum am Nachmittag – so siehst du, wie nah der alte und der neue Zentralort beieinanderliegen.
Archäologisch belegt: die Siedlung von etwa 100 v. Chr. bis kurz vor 1000, das immer wieder erneuerte Kulthaus mit Becher, Glasschale und Goldblechfiguren, die zerstörten Waffen, die Hallen, das Edelmetallhandwerk, der geflügelte Beschlag.
Zeitgenössisch belegt: nur der Rahmen – Wulfstan zählt Schonen um 890 zu Dänemark. Uppåkra selbst nennt keine Quelle seiner Blütezeit.
Spätere Überlieferung: Adam von Bremen schreibt um 1075 über Uppsala, nicht über Schonen. Völunds Flucht und Freyrs Werbung stehen in Handschriften des 13. Jahrhunderts.
Moderne Deutung: der Begriff Tempel, die Bedeutung der Guldgubber, Völund als Flügelfigur, ein Herrscher von Uppåkra und die Verlagerung nach Lund.
Was bleibt, ist ein Ort, der tausend Jahre lang wichtig war und von dem niemand schrieb – und ein kleines Haus, das man immer wieder an dieselbe Stelle baute, weil es genau dorthin gehörte.

Wo liegt Uppåkra? In Schonen im Süden Schwedens, in der Gemeinde Staffanstorp, rund fünf Kilometer südlich von Lund. In der Wikingerzeit gehörte Schonen zu Dänemark.
Wie alt ist Uppåkra? Die Siedlung beginnt um 100 v. Chr. und endet als Zentralplatz kurz vor dem Jahr 1000. Der größte Teil ihrer Geschichte gehört damit in die Eisenzeit, nur die letzte Phase in die Wikingerzeit.
War das Kulthaus von Uppåkra ein Tempel? Der Ausgräber Lars Larsson nennt es so, andere sprechen lieber von Kult- oder Zeremonialhaus. Unstrittig ist, dass es kein Wohnhaus war und über Jahrhunderte am selben Ort neu gebaut wurde.
Wie viele Funde gibt es aus Uppåkra? Je nach Zählung über 20.000 Metallsondenfunde und inzwischen rund 30.000 registrierte Funde insgesamt. Ausgegraben ist trotzdem weniger als ein Prozent der Fläche.
Was hat Uppåkra mit Lund zu tun? Lund entstand um 990 wenige Kilometer nördlich, als Uppåkra seine Rolle verlor. Die meisten Forscher sehen Lund als Nachfolger des alten Zentralplatzes.
Kann man Uppåkra besichtigen? Ja. Das Archäologische Zentrum bietet Führungen, Wanderwege und ein Kulthausmodell; die wichtigsten Funde zeigt das Historische Museum in Lund.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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