Zum zweiten Mal im Jahr sind Tag und Nacht gleich lang – doch nun sinkt das Licht. Es ist die Zeit der Haupternte, der Vorräte und des Dankes, bevor der Winter kommt.
Wann es fällt
Die Herbst-Tagundnachtgleiche fällt um den 22. oder 23. September – dieser Kalender rechnet den genauen Moment aus. Danach werden die Nächte länger als die Tage; das Jahr neigt sich der Dunkelheit zu.
Was die Quellen sagen
Ein eigenständiges Herbst-Äquinoktial-Blót ist für die Wikingerzeit nicht klar belegt; die Praxis bündelt vielmehr Erntedank und Vorbereitung auf den Winter. Beda gibt den Rahmen: Der Oktober hieß bei den Angelsachsen Winterfylleth, „Wintervollmond" (der Winter galt als eröffnet, wenn nach ihm der erste Vollmond stand), und der November Blōtmōnath, der „Opfermonat" – jetzt wurde das Vieh geschlachtet, das den Winter nicht überstehen würde.
Sinn des Festes
Der Herbstpunkt ist das Gegenstück zu Ostara: noch einmal Gleichgewicht, doch die Waage kippt. Es ist ein Fest des Einbringens und des Loslassens – man nimmt, was reif ist, und lässt ziehen, was welkt.
Heute feiern
Ernte einbringen, Vorräte anlegen, innehalten. Ein Fest des Dankes – und des Loslassens dessen, was das Jahr verbraucht hat. Noch einmal Gleichgewicht: eine Kerze in der Dämmerung.
Ein Vers zum Fest
doch nun sinkt das Licht,
die Scheune füllt sich,
das Laub fällt still.
Nimm, was reif ist,
lass, was welkt:
im Loslassen
liegt der Dank.
Und jetzt du: Dichte selbst einen kurzen Vers für dieses Fest – vier, fünf Zeilen genügen, es muss sich nicht reimen. Trag ihn beim nächsten Mal am Feuer oder beim Sumbel vor. Das ist die schönste Ehre, die man einem Fest erweisen kann.
Quellen
Tagundnachtgleiche astronomisch nach Meeus; Beda, De temporum ratione 15 (Winterfylleth, Blōtmōnath). Eigenständiges Herbst-Blót nur schwach belegt (ehrlich gekennzeichnet).
