Die „Winternächte" leiten den Winter ein – und im alten Kalender das neue Jahr. Es ist die stillste, häuslichste Zeit des Festkreises, den Ahnen und den Hausgeistern gewidmet.
Wann Vetrnætr fällt
Der Winter beginnt im altisländischen Kalender an einem Samstag zwischen dem 21. und 27. Oktober. Ein älterer Strang legte die Winternächte auf den ersten Vollmond nach der Herbst-Tagundnachtgleiche.
Das Winterblót „til árs"
Snorri zählt zu den drei großen Blóts das Winterblót til árs, „für ein gutes Jahr" (Ynglinga saga 8) – gefeiert „í móti vetri", dem Winter entgegen. Der Jahreswechsel fiel für viele germanische Völker nicht in den Hochsommer, sondern in diese dunkle Schwelle.
Álfablót & Dísablót
In die Winternächte fallen zwei besonders private Feste. Das Álfablót bezeugt der Skalde Sigvatr Þórðarson (Austrfaravísur, um 1019): Auf Reise durch Schweden wird er von Hof zu Hof abgewiesen – man opfere gerade den Alben und lasse keine Fremden ein. Das Dísablót galt den Dísir, weiblichen Ahnen- und Schutzgeistern; in Uppsala war damit das große Dísaþing verbunden. Beides sind Hausrituale, die die Toten und die Schutzmächte der Sippe ehren.
Heute feiern
Ehre die Ahnen und Hausgeister: einen Teller beiseitestellen, eine Kerze anzünden, die beim Namen nennen, die vor dir gingen. Ein stiller, häuslicher Feiertag am Rand der Dunkelheit – der Übergang ins dunkle, nach innen gekehrte Halbjahr.
Ein Vers zum Fest
zum dunklen Jahr
stell ich den Teller,
zünd das Licht.
Ihr, die ihr gingt,
seid heut zu Gast –
das Feuer brennt
auch für euch.
Und jetzt du: Dichte selbst einen kurzen Vers für dieses Fest – vier, fünf Zeilen genügen, es muss sich nicht reimen. Trag ihn beim nächsten Mal am Feuer oder beim Sumbel vor. Das ist die schönste Ehre, die man einem Fest erweisen kann.
Quellen
Snorri, Ynglinga saga 8 (Winterblót til árs, gemeinfrei); Sigvatr Þórðarson, Austrfaravísur (Álfablót, ~1019); Dísablót & Dísaþing (Uppsala); altisländischer Kalender.
