Blót-Kalender / Jól · Midwinterblót

Jól · Midwinterblót

Das größte Fest des Jahres – die Wiederkehr des Lichts in der längsten Nacht

Wintersonnenwendeastronomisch berechnetMittwinterblót „til gróðrar"

Jól ist das Herzstück des nordischen Jahres: das Fest der Wintersonnenwende, wenn die Sonne im Süden am tiefsten steht und die Nächte danach wieder kürzer werden. Aus der längsten Dunkelheit heraus feierten die Menschen die Wiederkehr des Lichts – mit Feuer, Festmahl und einem Bund zwischen Sippe, Ahnen und Göttern.

Wann Jól fällt

Astronomisch fällt Jól auf die Wintersonnenwende um den 21. Dezember – dieser Kalender rechnet sie auf die Minute aus. Ursprünglich richtete sich das Fest nach dem Mond; der Angelsachse Beda berichtet, das Jahr habe mit den zwei „Giuli"-Monaten um die Sonnenwende begonnen, und die Nacht auf den 25. Dezember habe Módraniht geheißen – die „Nacht der Mütter". König Hákon der Gute verlegte Jól schließlich fest auf den 25. Dezember und band es an das christliche Weihnachten (Hákonar saga góða 13).

Was die Quellen sagen

Snorri zählt Jól zu den drei großen Blóts: das Mittwinterblót til gróðrar, „für Wachstum" (Ynglinga saga 8). Die Hákonar saga góða (Kap. 14–17) schildert das Julgelage: Tiere und Pferde wurden geopfert, ihr Blut (hlaut) mit Zweigen versprengt, das Fleisch in Kesseln gekocht. Man trank das Óðins full auf den Sieg, das Freys- und Njörðs-full auf ár ok friðr und die minni auf die Ahnen; über dem geweihten Eber schwor man Gelübde. Das Julbier war Pflicht – noch christliche Gesetze schrieben es später als Weihnachtsbier vor.

Mythos & Mythos-Check

Odin trägt den Beinamen Jólnir, „der von Jól"; in den zwölf Nächten zieht die Wilde Jagd über den Himmel, und die Módraniht ehrt die Mütter und Disir. Ehrlich bleibt: Der Weihnachtsmann mit Rentierschlitten ist kein Odin-Erbe – die acht Rentiere und die Geschenke erfand Clement C. Moore 1823. Die Verbindung von Jól, Jólnir und Wilder Jagd ist alt; das rote Rentier-Bild ist modern.

Heute feiern

Zünde in der längsten Nacht ein Windlicht oder eine Kerze an, das bis zum Morgen brennt – ein Licht, das die Sonne zurückruft. Ein langes, warmes Festmahl mit den Liebsten; ein full auf die wiederkehrende Sonne, ein minni auf alle, die dieses Jahr gegangen sind, und ein Vorsatz überm Gelübde-Horn für das neue Jahr.

Ein Vers zum Fest

In längster Nacht,
wenn Licht erlischt,
trag ich die Kerze
dem Kommenden zu.
Was fiel, das ruht –
was ruht, das kehrt:
der Funke wacht,
bis der Morgen währt.

Und jetzt du: Dichte selbst einen kurzen Vers für dieses Fest – vier, fünf Zeilen genügen, es muss sich nicht reimen. Trag ihn beim nächsten Mal am Feuer oder beim Sumbel vor. Das ist die schönste Ehre, die man einem Fest erweisen kann.

Quellen

Snorri Sturluson, Ynglinga saga 8 & Hákonar saga góða 13–17 (Heimskringla, gemeinfrei); Beda, De temporum ratione 15 (Módraniht, Giuli); Sonnenwende astronomisch nach Meeus.