Blót-Kalender / Þorrablót

Þorrablót

Das Fest im Herzen des Winters – dem härtesten Monat mit einem Fest die Stirn bieten

Beginn des Monats ÞorriBóndadagur · Fr 19.–25. Januar13. Winterwoche

Mitten im Kernwinter, wenn Kälte und Dunkelheit am schwersten wiegen, beginnt der altisländische Monat Þorri – und mit ihm ein Fest, das dem Winter nicht ausweicht, sondern ihn beehrt. Þorrablót ist heute Islands großes Winterfest.

Wann Þorrablót fällt

Þorrablót eröffnet den Monat Þorri, die dreizehnte Woche des Winters im alten isländischen Kalender. Sein erster Tag ist Bóndadagur, der „Bauerntag", ein Freitag zwischen dem 19. und 25. Januar. Der Monat trägt seinen Namen nach „Þorri" – einer Gestalt der Kalendersage, mancherorts als Winterkönig, mancherorts (umstritten) mit Þórr verbunden.

Was die Quellen sagen

Der Monatsname Þorri ist alt und gut belegt; ein heidnisches „Þorrablót" als eigenes Fest ist für die Wikingerzeit dagegen nicht direkt bezeugt – die Vorstellung stützt sich vor allem auf den Namen. Das Fest, wie wir es kennen, ist eine bewusste Wiederbelebung: 1873 richteten isländische Studenten in Kopenhagen, mitten in der Unabhängigkeitsbewegung, das erste moderne Þorrablót aus, um die alten Bräuche neu zu beleben.

Mythos-Check: viel „Tradition" ist jung

Das berühmte Trog-Essen þorramatur – fermentierter Hai (hákarl), gekochter Schafskopf (svið), eingelegte Widderhoden (hrútspungar) – wurde erst 1958 von einem Reykjavíker Restaurant als „urtümliches" Winterbuffet zusammengestellt. Es spiegelt echte alte Konservierungsmethoden, ist als Fest-Speisenfolge aber neuzeitlich. Wir feiern hier also weniger ein Wikinger-Ritual als einen lebendigen Winter-Brauch mit tiefen Wurzeln.

Heute feiern

Richte ein herzhaftes Winteressen aus – mit Musik, Gedichten und Geschichten, so wie es die Studenten 1873 wiederbelebten. Ehre die, die den Haushalt durch den Winter tragen, und hebe das Horn auf das Durchhalten. Der Winter ist ein Gast, den man beehrt, nicht verflucht.

Ein Vers zum Fest

Der Winter wohnt
als Gast am Herd,
wir reichen ihm
das volle Horn.
Kein Fluch dem Frost –
ein Gruß dem Frost:
wer ihn beehrt,
übersteht den Sturm.

Und jetzt du: Dichte selbst einen kurzen Vers für dieses Fest – vier, fünf Zeilen genügen, es muss sich nicht reimen. Trag ihn beim nächsten Mal am Feuer oder beim Sumbel vor. Das ist die schönste Ehre, die man einem Fest erweisen kann.

Quellen

Altisländischer Kalender (Þorri, 13. Winterwoche); Wiederbelebung 1873 in Kopenhagen; þorramatur als Restaurant-Menü 1958 (Guide to Iceland; World Religions & Spirituality Project).