Blót-Kalender / Frühlings-Tagundnachtgleiche · Ostara

Frühlings-Tagundnachtgleiche · Ostara

Tag und Nacht im Gleichgewicht – das Licht gewinnt die Oberhand

Frühlings-Tagundnachtgleicheum den 20. Märzastronomisch berechnet

An der Frühlings-Tagundnachtgleiche sind Tag und Nacht gleich lang – und von nun an wächst das Licht. Es ist der Kipppunkt des Jahres, ein Fest des Neubeginns, des Säens und des Aufbruchs.

Wann es fällt

Die Frühlings-Tagundnachtgleiche fällt um den 20. März – dieser Kalender berechnet den genauen Moment auf die Minute. An diesem Tag steht die Sonne senkrecht über dem Äquator; überall auf der Erde sind Tag und Nacht fast gleich lang.

Woher der Name Ostara kommt

Der Name geht allein auf Beda zurück (De temporum ratione 15): Der angelsächsische Monat Éosturmonath sei nach einer Göttin Éostre benannt, der man in ihm geopfert habe. Jacob Grimm rekonstruierte daraus 1835 eine germanische Göttin *Ostara. Die Beleglage ist dünn – Beda ist die einzige Quelle, und ob es die Göttin wirklich gab, ist umstritten.

Belege & Mythos-Check

Ein möglicher archäologischer Anhaltspunkt liegt im Rheinland: die Matronae Austriahenae, rund 150 Weihesteine aus Morken-Harff bei Köln (um 150–250 n. Chr.), deren Name manche mit „Éostre / Morgenröte / Osten" verbinden – ein regionaler Bezug, aber ebenfalls unsicher. Klar falsch ist dagegen die beliebte Gleichung Ostern = Ishtar: Sie ist reine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Sprachlich hängt „Ostern/Ostara" mit „Osten" und der Morgenröte zusammen – dem Ort, an dem das Licht aufgeht.

Heute feiern

Der Punkt des Gleichgewichts lädt zum Neubeginn: Fenster auf, das Alte ausräumen, etwas pflanzen, Samen säen. Merke dir den gleich langen Tag und die gleich lange Nacht; ein kleines Feuer oder eine Kerze im Morgengrauen ehrt das aufsteigende Licht.

Ein Vers zum Fest

Gleich stehn nun
Licht und Nacht,
auf der Waage
wiegt das Jahr.
Streu den Samen,
öffne das Tor:
was du säst,
das erntest du.

Und jetzt du: Dichte selbst einen kurzen Vers für dieses Fest – vier, fünf Zeilen genügen, es muss sich nicht reimen. Trag ihn beim nächsten Mal am Feuer oder beim Sumbel vor. Das ist die schönste Ehre, die man einem Fest erweisen kann.

Quellen

Beda, De temporum ratione 15 (Éostre – einzige Quelle, umstritten); Jacob Grimm, Deutsche Mythologie 1835 (*Ostara); Matronae Austriahenae, Morken-Harff (Rheinland). Tagundnachtgleiche astronomisch nach Meeus.