Manchmal findet man Geschichte nicht mit dem Spaten, sondern mit dem Computer. Lange kannte man vier von Harald Blauzahns berühmten Ringburgen. Dass es eine fünfte geben musste, verriet erst ein Muster auf der Landkarte – und moderne Messtechnik legte sie frei: Borgring bei Køge auf Seeland. Ein Kreis, der tausend Jahre im Boden schlummerte.
Der dänische Archäologe Søren Sindbæk arbeitete an einem großen Buch über die Ringburg Aggersborg, als ihm ein Muster auffiel: Haralds Trelleborg-Burgen liegen jeweils etwa eine Tagesreise – rund fünfzig Kilometer – voneinander entfernt. Genau im Osten Seelands aber klaffte eine Lücke. Dort musste, rein rechnerisch, eine Burg fehlen.
Eine Ringburg fehlte im Osten Seelands – genau eine Tagesreise von Trelleborg entfernt. Forschungsansatz zur Entdeckung von Borgring (Sindbæk u. a., 2014)
2014 nahmen sich Forscher des Danmarks Borgcenter, der Universität Aarhus und mit Hilfe von Helen Goodchild aus York einen alten, längst verpflügten Wall bei Lellinge nahe Køge vor. Mit geophysikalischen Messungen und Laserabtastung des Geländes machten sie im Boden einen perfekten Kreis sichtbar – und dann, genau dort, wo man sie erwartete, die Tore einer Trelleborg-Burg. Erst danach setzte man den Spaten an. Die Anlage misst rund 145 Meter im Durchmesser und ist damit eine der größten dänischen Ringburgen.
Was die Grabung fand, machte die Sache spannend: verbrannte Reste der Tore. In der namengebenden Burg Trelleborg bei Slagelse hatte man einst Pfeilspitzen im Inneren entdeckt – Zeichen von Kampf. Auch bei Borgring könnten die verbrannten Tore von kriegerischen Ereignissen erzählen. Die Datierung weist ins 10. Jahrhundert, in die Zeit um 970 bis 980 – die Regierung Harald Blauzahns, der auch als Bauherr der übrigen Ringburgen gilt. Mehr zu diesen Anlagen und dem König findest du in unseren Beiträgen über Trelleborg und Thyra Danebod.
Trotz des strengen geometrischen Plans sind die Tore von Borgring nicht ganz exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet – sie weichen um etwa elf Grad ab. Wahrscheinlich passte man die Burg bewusst der Landschaft an, damit sie nicht schief im Gelände wirkte. Ein schönes Detail: Selbst die planvollen Wikinger machten Kompromisse, wenn das Auge es verlangte.
Bis 2014 war Borgring nur eine Randnotiz – ein Wall, den man für ein Relikt der Römerzeit hielt. Heute gehört die Burg, gemeinsam mit Trelleborg, Aggersborg, Fyrkat und Nonnebakken, seit 2023 zum UNESCO-Welterbe. So schließt sich der Kreis von Haralds Ringburgen – gefunden mit einer Technik, von der die Wikinger nicht einmal träumen konnten.
Borgring (auch Vallø Borgring) ist eine wikingerzeitliche Ringburg bei Køge auf Seeland, kreisrund, rund 145 m im Durchmesser, mit 10–11 m breitem Wall und Palisade; die Tore weichen etwa 11° von den Himmelsrichtungen ab. 2014 wurde sie durch geophysikalische Messungen und Geländescans (Danmarks Borgcenter, Universität Aarhus, Helen Goodchild/York) als fünfte dänische Trelleborg-Burg bestätigt; verbrannte Tore wurden gefunden. Datierung ins 10. Jahrhundert (um 970–980, Zeit Harald Blauzahns). Seit 2023 UNESCO-Welterbe (mit den vier anderen Ringburgen). Ergebnisse u. a. in Antiquity (2017).
Borgring galt lange als römerzeitlicher Wall – erst 2014 wurde es als Wikingerburg erkannt. Dass Harald Blauzahn der Bauherr war, ist wegen der Ähnlichkeit und Datierung sehr wahrscheinlich, aber noch nicht endgültig „bewiesen" (eine punktgenaue Datierung stand teils noch aus). Und die verbrannten Tore belegen Feuer, nicht zwingend eine große Schlacht. Sicher ist der Befund: eine echte, geometrische Ringburg des 10. Jahrhunderts.

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