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Hnefatafl – das Wikingerschach

Alltag & Kultur Hnefatafl – das Wikingerschach

Lange bevor das Schach in den Norden kam, saßen die Menschen am langen Winterabend über einem anderen Brett: Hnefatafl, dem „Königsspiel". Es war kein Spiel Gleicher gegen Gleiche, sondern ein ungleicher Kampf – ein König, der aus der Umzingelung entkommen muss, gegen eine Übermacht, die ihn fangen will. Ein Blick auf das Lieblingsspiel der Wikinger.

Ein ungleiches Spiel

Hnefatafl (von hnefi, „König", und tafl, „Brett" oder „Spiel") wird auf einem gerasterten Brett gespielt. In der Mitte steht der König mit seinen wenigen Verteidigern; um sie herum, an den Rändern, sitzt die doppelt so große Schar der Angreifer. Die beiden Seiten haben ganz verschiedene Ziele: Der König versucht, an den Rand oder in eine Ecke zu fliehen, die Angreifer versuchen, ihn von allen Seiten einzuschließen. Ein Spiel über Ausbruch und Umzingelung – anders als jedes Spiel, das wir heute kennen.

Steine, Bretter und Bildzeugnisse

Von diesem Spiel ist erstaunlich viel erhalten. In Gräbern fanden sich Sätze von Spielsteinen aus Glas, Bein und Bernstein, dazu ein besonders schön markierter „König"-Stein. In Irland kam ein hölzernes Spielbrett zutage. Und auf dem schwedischen Ockelbo-Runenstein sind zwei Männer abgebildet, die über einem Brett sitzen – ein Bild des Spiels aus der Zeit selbst. Auch in den Sagas wird immer wieder „tafl" gespielt.

Sie spielten Tafel im Grase, / waren froh; / ihnen mangelte nichts von Golde. Völuspá 8 (Übersetzung Karl Simrock 1851, gemeinfrei) – die Götter beim Brettspiel im goldenen Zeitalter

Vom Königsspiel zum Schach

Sogar die Edda erzählt, dass die Götter im goldenen Zeitalter mit goldenen Spielsteinen im Gras saßen – ein Bild von Frieden und Muße. Über Jahrhunderte war Hnefatafl das große Brettspiel des Nordens. Erst als das Schach über die Handelswege nach Skandinavien kam, verdrängte es allmählich das alte Königsspiel. Beide teilen denselben Gedanken: ein König, den man schützen oder fangen muss – nur ist beim Schach der Kampf gleich verteilt.

Am langen Winterabend

Man muss sich das Leben im Norden vorstellen: lange, dunkle Winter, das Feuer in der Halle, draußen der Sturm. Ein Brettspiel war da mehr als Zeitvertreib – es war Geselligkeit, Wettstreit und ein Stück Würde. Wer gut spielte, galt als klug. So gehörte das Tafl zum Bild des vollendeten Menschen, neben Schwimmen, Reiten und Dichten.

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Was gesichert ist

Hnefatafl war ein asymmetrisches Brettspiel der Wikingerzeit: ein König mit wenigen Verteidigern in der Mitte gegen eine doppelt so starke Angreiferschar am Rand; Ziel des Königs ist die Flucht zum Rand/in die Ecke, Ziel der Angreifer die Einschließung. Belegt durch Spielsteine (Glas, Bein, Bernstein) und den hervorgehobenen König-Stein in Gräbern, ein hölzernes Brett aus Irland (Ballinderry) und die Darstellung auf dem Ockelbo-Runenstein; „tafl" wird in den Sagas oft gespielt. Mit dem Schach verdrängt.

Mythos-Check

Die genauen Regeln sind NICHT vollständig überliefert – die heute gespielten Fassungen sind Rekonstruktionen aus verstreuten Hinweisen (u. a. einer späten Aufzeichnung des Linné-Schülers). Auch die Brettgrößen schwanken. Sicher ist das Prinzip (König gegen Übermacht, Flucht gegen Einschluss) und die Fundlage; die genauen Zugregeln bleiben Deutung.

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