Echte Wikinger-Namen bestehen meist aus zwei Bausteinen mit eigener Bedeutung – Þorsteinn ist „Thors Stein“, Ásbjǫrn „Gottes Bär“ –, dazu kommen der Vatername auf -son oder -dóttir und oft ein Beiname, den man sich nicht aussuchen konnte. Belegt sind sie auf Runensteinen, in der isländischen Landnámabók und in den Sagas. Hier erfährst du, wie die Namen gebildet wurden, wie die Namengebung ablief, warum so viele Kinder nach Thor oder nach Verstorbenen hießen – und findest je zwanzig Männer- und Frauennamen mit Bedeutung und Beleg.
Ein Hofplatz im Norden, irgendwann im 10. Jahrhundert. Ein Kind ist geboren, der Vater hält es im Arm, gleich bekommt es seinen Namen. Keinen Klang aus der Liste der Saison, sondern einen Namen, der etwas trägt: die Nähe eines Gottes, die Kraft eines Tieres, die Erinnerung an einen Großvater, der im letzten Winter gestorben ist.
Genau das macht Wikinger-Namen so reizvoll. Sie folgen Regeln. Die meisten bestehen aus Bauteilen, die jeder Sprecher des Altnordischen verstand, dazu kommen der Vatername und oft ein Beiname, den die anderen vergaben. Weil Menschen ihre Toten auf Runensteinen nannten und Isländer ganze Siedlerlisten aufschrieben, wissen wir darüber erstaunlich viel – genug, um echte von erfundenen Namen zu unterscheiden. Am Ende dieses Artikels findest du je zwanzig Männer- und Frauennamen mit Bedeutung und Beleg. Noch mehr Auswahl bieten unsere Listen nordischer Jungennamen und nordischer Mädchennamen sowie unsere Seite Namen.
Nicht jeder „Wikinger-Name“ im Netz ist auch einer. Es gibt drei große Fundgruben, und sie sind unterschiedlich nah an der Wikingerzeit (etwa 793 bis 1066).
Die Runeninschriften sind zeitgenössisch, echte Stimmen der Epoche. Auf Tausenden Gedenksteinen, vor allem in Schweden und Dänemark, steht ein immer ähnliches Formular: „X ließ diesen Stein errichten nach Y, seinem Vater.“ Der Text wiederholt sich, die Namen wechseln – darum kennen wir so viele Menschen, die sonst spurlos verschwunden wären. Das schwedische Riksantikvarieämbetet betont, dass vor allem Männer genannt werden und uns deshalb mehr Männer- als Frauennamen bekannt sind. Erfasst sind die Inschriften in der Samnordisk runtextdatabas (Rundata) der Universität Uppsala, die Namen in Lena Petersons Nordiskt runnamnslexikon (2007).
Die Landnámabók, das „Buch der Landnahme“, beschreibt die Besiedlung Islands zwischen etwa 870 und 930. Die erhaltenen Fassungen stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Sie nennen mehr als 3.000 Personen und rund 1.400 Siedlungsstätten – ein Schatz, mit dem Vorbehalt, dass zwischen Ereignis und Niederschrift Jahrhunderte liegen.
Sagas und Edda. Die Isländersagas sind voller Namen, Vaternamen und Beinamen, aber Literatur des 13. Jahrhunderts. Ihre Namen passen meist zu dem, was Runensteine und Landnámabók zeigen. Bei Helden der Heldensage – Sigurd, Brynhild, Gudrun – sind die Namen echt nordisch, ihre Träger aber legendär.
Viele altnordische Namen sind zusammengesetzt, in der Fachsprache zweigliedrig: ein Vorderglied und ein Hinterglied mit je eigener Bedeutung. Das Prinzip ist gemeingermanisch – du kennst es von Gerhard, Siegfried oder Hildegard. Þorsteinn besteht aus dem Gottesnamen Þórr und steinn „Stein“, Ásbjǫrn aus áss „Gott“ und bjǫrn „Bär“, Sigríðr aus sigr „Sieg“ und fríðr „schön, geliebt“.
Ein solcher Name ist kein Satz. Niemand wollte sagen, das Kind sei ein Stein, und Gunnhildr, aus zwei Wörtern für „Kampf“, ist keine Verdopplung aus Begeisterung. Die Glieder wurden nach Mustern kombiniert, oft aus dem Namensvorrat der Familie. In der Sippe von Egill Skallagrímsson läuft der Wolf wie ein roter Faden durch die Generationen: Úlfr, Kveldúlfr („Abendwolf“), Þórólfr („Thor-Wolf“).
Typische Hinterglieder bei Männern: -steinn (Stein), -bjǫrn (Bär), -úlfr/-ólfr (Wolf), -geirr (Speer), -ketill/-kell (Kessel, vielleicht Helm), -mundr (Schutz), -arr (oft aus -herr „Krieger“). Bei Frauen: -hildr und -gunnr (beide „Kampf“), -dís (Göttin, weibliches Schutzwesen), -gerðr (Umfriedung, Schutz), -ríðr/-fríðr (schön, geliebt), -unnr, -laug. Manche Glieder sind bis heute umstritten; -laug wird mal mit „Gelübde“, mal mit „Waschung“ verbunden.
Daneben gab es eingliedrige Namen und Kurzformen. Der dänische Tóki wird meist als Kurzform eines Thor-Namens erklärt – sicher ist das nicht in jedem Fall.
Tiere sind im nordischen Namensschatz allgegenwärtig. Das Nationalmuseum in Kopenhagen nennt Ormr (Schlange), Úlfr (Wolf) und Bjǫrn (Bär) als beliebte Tiernamen; Úlfr war nach dem Forschungsprojekt „Vikings in the East Midlands“ der Universität Nottingham in ganz Skandinavien sehr verbreitet. Dazu kommen Vögel: Hrafn (Rabe, das Tier Odins) und Ari (Adler), getragen von Ari Þorgilsson, dem isländischen Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts.
Warum Raubtiere? Naheliegend ist: Der Name sollte dem Kind etwas von Stärke und Wildheit des Tieres mitgeben. Beweisen lässt sich das nicht, niemand hat uns eine Begründung hinterlassen. In zweigliedrigen Namen war das Tierglied ohnehin längst festes Bauteil. Wir denken bei „Bernhard“ ja auch nicht an einen Bären, obwohl er drinsteckt.
Ein Gott überstrahlt im nordischen Namensschatz alle: Thor. Þorsteinn, Þorbjǫrn, Þórólfr, Þorgeirr, Þorkell, Þorfinnr; bei den Frauen Þóra, Þórdís, Þorgerðr, Þórunn. Das Dänische Nationalmuseum schreibt, in der Wikingerzeit seien viele Jungen nach Thor benannt worden, und nennt Toke, Thorsten und Troels. Rudolf Simek hält im Lexikon der germanischen Mythologie fest, dass Personennamen mit Þórr in der Wikingerzeit sehr häufig belegt sind, aus der Zeit davor dagegen nicht. Er erwägt, sie könnten auch ein Bekenntnis gegen die vordringende Christianisierung gewesen sein – eine These, keine gesicherte Tatsache.
Odin taucht in Personennamen viel seltener auf. Eines der wenigen Beispiele steht auf deutschem Boden: Auf dem kleinen Sigtrygg-Stein von Haithabu nennt sich die Auftraggeberin Ásfríðr eine Tochter des Óðinkárr; auch der dänische Skern-Stein nennt einen Óðinkárr. Warum man Thor vorzog, wissen wir nicht. Eine verbreitete Vermutung: Thor galt als verlässlicher Beschützer der Menschen, Odin als unberechenbar.
Allgemeiner ist das Glied Ás- „Ase, Gott“: Ásbjǫrn, Ásgeirr, Ásmundr, Ásgerðr. Freyr oder Freyja stecken wohl in Freydís, und der Gottesbeiname Yngvi/Ing vermutlich in Ingiríðr und Ingólfr – so hieß der Mann, den die Überlieferung als ersten norwegischen Siedler Islands nennt.
Welcher Name war „die Nummer eins“? Eine verlässliche Rangliste, die man einfach abschreiben könnte, findet sich in frei zugänglichen Quellen nicht. Petersons Lexikon verzeichnet die Namen samt Belegstellen, Rundata erfasst über 6.800 Inschriften aller Epochen. Doch jede Zählung hängt davon ab, wie man Schreibvarianten zusammenfasst und ob man mittelalterliche Inschriften mitzählt. Wer im Netz „die zehn häufigsten Wikingernamen“ mit exakten Zahlen findet, sollte nach der Quelle fragen.
Belastbar ist: Thor-Namen sind in den Runeninschriften sehr häufig. Þorfastr etwa war in schwedischen Inschriften verbreitet, fehlt aber in norwegischen und isländischen Texten völlig – regionale Namensmoden gab es also. Das Riksantikvarieämbetet nennt Erik, Sven, Ragnar, Gunnar und Olav sowie Astrid, Ingrid, Sigrid und Ragnhild als Namen von Runensteinen, die bis heute gebräuchlich sind.
Frauen werden seltener genannt, treten aber selbstbewusst auf – als Auftraggeberinnen, Erbinnen, Mütter. Auf dem Glavendrup-Stein auf Fünen ließ Ragnhildr den Stein für ihren Mann Alli setzen. Auf den Sigtrygg-Steinen von Haithabu ehrt Ásfríðr ihren Sohn, König Sigtryggr.
Das jüngere Futhark hatte nur 16 Zeichen, eine Rune stand oft für mehrere Laute. Þorsteinn erscheint deshalb etwa als þurstin. Wie dein eigener Name in dieser Schrift aussieht, zeigt dir unser Runen-Namensgeber; die Zeichen selbst erklären wir unter Runen und ihre Bedeutung.
Feste Familiennamen kannte die Wikingerzeit nicht. An den Rufnamen hängte man den Namen des Vaters im Genitiv, dazu -son (Sohn) oder -dóttir (Tochter) – ein Patronym, ein Vatername. Leifr, Sohn des Eiríkr, heißt Leifr Eiríksson, seine Halbschwester Freydís Eiríksdóttir, die Tochter des Ósvífr Guðrún Ósvífrsdóttir.
Nicht jeder Name bildet den Genitiv mit -s. Aus Þorbjǫrn wird Þorbjarnarson, aus Bjǫrn Bjarnarson, aus Sigurðr Sigurðarson, aus Ketill Ketilsson. Die Tochter des Þorbjǫrn heißt Þorbjarnardóttir, wie Guðríðr Þorbjarnardóttir aus den Vinland-Sagas.
Seltener wurde nach der Mutter benannt, ein Matronym – etwa wenn sie angesehener war als der Vater. Das berühmteste Beispiel: der dänische König Sveinn Ástríðarson, Sven Estridsen, benannt nach seiner Mutter Ástríðr, der Schwester Knuts des Großen. Die Verbindung zum Königshaus war offenbar mehr wert als der Name seines Vaters Ulf.
Der zweite Name wechselte mit jeder Generation; er war eine Ortsangabe im Stammbaum. In Island lebt das System bis heute: Die meisten Isländer tragen ein Patronym oder Matronym.
Saßen auf einem Thing drei Männer namens Þorsteinn Þorbjarnarson, brauchte es mehr. Dafür gab es den Beinamen (altnordisch viðrnefni oder auknefni). Er beschrieb Aussehen, Herkunft, Charakter oder eine Tat – respektvoll, spöttisch, manchmal derb.
Schon Runensteine kennen Beinamen. Der Glavendrup-Stein nennt Alli mit einem Zusatz, der meist als „der Bleiche“ gedeutet wird, mit Fragezeichen; andere dänische Steine nennen einen Karl „den Guten“ oder einen Tosti „den Scharfen“. Die berühmtesten Beinamen stammen aber aus späteren Sagas und Königsgeschichten, besonders aus Snorri Sturlusons Heimskringla (um 1230):
Einen Beinamen suchte man sich nicht aus, man bekam ihn – und wurde ihn kaum wieder los. Ein Name, der Nachruhm trug, war das Höchste, was man erreichen konnte:
„Es stirbt das Vieh, es sterben die Verwandten, du selbst stirbst ebenso; doch der Ruhm stirbt niemals, wenn einer sich guten erwirbt.“Hávamál 76 („Deyr fé, deyja frændr …“), eigene Übertragung
Ein Name wurde verliehen. Die Sagas beschreiben dafür eine feste Formel: Das Kind wurde mit Wasser begossen, altnordisch ausa vatni, und erhielt dabei seinen Namen. In der Egils saga (Kapitel 31) wird der Erstgeborene Skalla-Grímrs mit Wasser begossen und Þórólfr genannt; wenig später heißt es vom jüngeren Bruder, er sei mit Wasser begossen worden und habe den Namen Egill bekommen. In der Heimskringla wird Óláfr Tryggvason auf der Flucht seiner Mutter geboren, mit Wasser begossen und nach seinem Großvater benannt.
Auch die Edda kennt den Brauch. In der Rígsþula, dem Lied über die Entstehung der Stände, werden der neugeborene Knecht Þræll und später Jarl, der Stammvater der Adligen, mit Wasser begossen und benannt. In den Hávamál (Strophe 158) zählt Odin einen Zauber auf, der wirkt, wenn er einen jungen Mann mit Wasser begießt: Der soll im Kampf nicht fallen.
Ob der Ritus wirklich heidnisch ist, bleibt umstritten. Die Ähnlichkeit zur Taufe ist offensichtlich, und alle Texte wurden von Christen aufgeschrieben. Manche Forscher sehen in ausa vatni eine Rückprojektion der Taufe, andere einen eigenständigen vorchristlichen Brauch. Für die zweite Sicht spricht, dass die Texte ihn sprachlich von der Taufe (skírn) unterscheiden.
Weithin angenommen wird, dass das Kind mit der Namengebung als Mitglied der Familie anerkannt war; ein Aussetzen, das die Überlieferung als heidnischen Brauch kennt, war danach nicht mehr denkbar. Zum Namen gehörte oft ein Geschenk, die nafnfesti („Namensbefestigung“): In der Heldendichtung erhält Helgi von der Walküre Sváva mit seinem Namen ein Schwert. Verwandt ist das tannfé, die Gabe zum ersten Zahn – laut den Grímnismál bekam Freyr in uralter Zeit Álfheimr als Zahngabe. Mehr über Feste rund ums Leben steht in unserem Artikel über heidnische Lebensfeiern.
Woher nahm man einen Namen? Sehr oft von Verstorbenen der eigenen Familie. Die Egils saga liefert das Paradebeispiel: Skalla-Grímrs Bruder Þórólfr war in Norwegen erschlagen worden. Der erstgeborene Sohn bekam seinen Namen, und alle sagten, er werde dem Onkel, nach dem er benannt war, sehr ähnlich. In den Königsfamilien wechseln Haraldr, Sveinn, Knútr, Óláfr und Magnús über Generationen.
Viele Forscher vermuten dahinter mehr als Pietät: Mit dem Namen sollte etwas von Glück und Wesen des Toten auf das Kind übergehen, jene hamingja, von der wir unter Fylgja und Hamingja erzählen. Die Edda spielt selbst mit dem Gedanken: Eine Prosanotiz am Ende des zweiten Helgi-Lieds sagt, man habe in alter Zeit geglaubt, Menschen würden wiedergeboren, Helgi und Sváva seien wiedergeboren worden. Der Schreiber fügt trocken hinzu, das gelte nun als Altweiberglaube.
Alle Namen sind durch Runeninschriften, Landnámabók oder Sagas belegt. Die Bedeutungen folgen der gängigen Forschungsmeinung; Unsicheres ist markiert.
| Altnordisch | Heute | Bedeutung | Beleg |
|---|---|---|---|
| Þorsteinn | Thorsten | Thor + Stein | Runeninschriften (þurstin), Landnámabók |
| Þorbjǫrn | Torbjörn | Thor + Bär | Runeninschriften, Gísla saga |
| Þórólfr | Thorolf | Thor + Wolf | Egils saga |
| Þorfastr | Torfast | Thor + fest | schwedische Runeninschriften |
| Þorkell | Torkel | Thor + Kessel (Helm?) | Þorkell inn hávi, um 1010 in England |
| Bjǫrn | Björn | Bär | König in Birka, Vita Anskarii (9. Jh.) |
| Úlfr | Ulf | Wolf | in ganz Skandinavien verbreitet |
| Ormr | Orm | Schlange | Runeninschriften, Sagas |
| Sveinn | Sven | Bursche, junger Mann | Haithabu-Steine |
| Eiríkr | Erik | „allein“ (?) + mächtig | Erik-Stein von Haithabu |
| Haraldr | Harald | Heer + Herrscher | Jelling-Steine |
| Gormr | Gorm | unsicher | Jelling-Steine |
| Óláfr | Olaf | Ahn + Erbe | Heimskringla |
| Leifr | Leif | Erbe, Nachkomme | Vinland-Sagas |
| Ketill | Ketil | Kessel | Landnámabók |
| Grímr | Grim | Maske, Helm | Egils saga |
| Egill | Egil | unsicher | Egils saga |
| Gunnarr | Gunnar | Kampf + Krieger | Njáls saga, Runensteine |
| Ragnarr | Ragnar | Rat/Götter + Krieger | Runensteine |
| Hákon | Håkon | hoch + Nachkomme | Heimskringla |
Frauennamen sind auf Runensteinen seltener, Landnámabók und Sagas sind reich an ihnen. Sanfter waren sie nicht – lies die Hinterglieder.
| Altnordisch | Heute | Bedeutung | Beleg |
|---|---|---|---|
| Ástríðr | Astrid | Liebe + schön | Runensteine, Heimskringla |
| Ásfríðr | Asfrid | Gott + schön | Sigtrygg-Steine, Haithabu |
| Auðr | Aud | Reichtum | Landnámabók |
| Bergþóra | Bergthora | Hilfe + Thor | Njáls saga |
| Brynhildr | Brünhild | Brünne + Kampf | Edda, Heldensage |
| Freydís | Freydis | Freyr/Freyja + Göttin | Vinland-Sagas |
| Guðríðr | Gudrid | Gott + schön | Vinland-Sagas |
| Guðrún | Gudrun | Gott + Geheimnis | Laxdæla saga, Edda |
| Gunnhildr | Gunhild | Kampf + Kampf | Heimskringla |
| Hallgerðr | Hallgerd | Fels + Schutz | Njáls saga |
| Helga | Helga | heilig | Gunnlaugs saga |
| Hildr | Hild | Kampf | Edda |
| Ingiríðr | Ingrid | Ing + schön | Runensteine |
| Ragnhildr | Ragnhild | Rat/Götter + Kampf | Glavendrup-Stein |
| Sigríðr | Sigrid | Sieg + schön | Runensteine |
| Þóra | Tora | weibl. zu Thor | Sagas |
| Þórdís | Tordis | Thor + Göttin | Gísla saga |
| Þorgerðr | Torgerd | Thor + Schutz | Laxdæla saga |
| Þórunn | Torunn | Thor + (umstritten) | Landnámabók |
| Þyri/Þórví | Thyra | Thor + Heiligtum (?) | kleiner Jelling-Stein |
Brynhildr und Hildr stammen aus Heldensage und Mythos, die Namen waren aber auch im Alltag gebräuchlich. Thyra, die Frau Gorms des Alten, kennen wir vom kleinen Stein in Jelling.
Wikinger-Namen auf deutschem Boden gibt es aus erster Hand. Bei Haithabu nahe Schleswig wurden vier Runensteine gefunden. Auf den beiden Sigtrygg-Steinen, um 940, ehrt Ásfríðr, Tochter des Óðinkárr, ihren Sohn König Sigtryggr, Sohn des Gnúpa; geritzt hat die Runen ein Gormr. Den Erik-Stein, um 995, setzte Þórulfr, ein Gefolgsmann Sveins, für seinen Gefährten Eiríkr, der starb, „als Krieger Haithabu belagerten“. Auf dem Skarthi-Stein ehrt König Sveinn – sehr wahrscheinlich Sven Gabelbart – seinen Gefolgsmann Skarði, der nach Westen gezogen und bei Haithabu gestorben war. Neun Namen auf vier Steinen, alle aus dem 10. Jahrhundert.
Das nordische Namensmuster wirkte im Norden lange nach. Im Herzogtum Schleswig, bis 1864 an die dänische Krone gebunden, waren wechselnde Vaternamen auf -sen noch im 18. Jahrhundert üblich; ein königliches Reskript vom 1. November 1771 sollte feste Familiennamen durchsetzen, was lange dauerte. Petersen, Jensen oder Hansen sind solche erstarrten Vaternamen – allerdings aus christlichen Vornamen, nicht aus Wikingernamen.
Als Vornamen kamen einige Klassiker bei uns an. Thorsten gehörte zwischen 1960 und 1980 zu den häufigsten Jungennamen in Deutschland. Sven war vor 1950 hierzulande kaum verbreitet, stand in den 1970er Jahren aber mehrfach unter den zehn häufigsten Jungennamen eines Jahrgangs. Knut, Olaf, Björn, Ingrid, Astrid, Sigrid und Helga sind ebenfalls lange heimisch. Wer heute Thorsten heißt, trägt einen Namen, der vor tausend Jahren auf Runensteinen stand.
Seit der Serie „Vikings“ sind zwei Namen besonders gefragt. Beide verdienen einen nüchternen Blick.
Die Faustregel für alle Namen aus Film und Spiel: Taucht ein Name weder auf Runensteinen noch in Landnámabók oder Sagas auf, ist er wahrscheinlich modern.
Ein Wikinger-Name war ein kleines Archiv. Er erinnerte an Verstorbene, stellte das Kind unter den Schutz eines Gottes, lieh ihm die Stärke von Bär oder Wolf und verortete es im Stammbaum. Der Beiname kam später – und erzählte, was ein Leben daraus gemacht hatte. In unserer Werkstatt in Alsdorf gravieren wir solche Namen auf Schiefer, Holz und Glas. Schick uns deinen, wir schauen gern mit dir nach, woher er stammt.

Was ist der häufigste Wikinger-Name? Eine verlässliche Rangliste mit Zahlen ist frei nicht verfügbar. Sicher ist, dass Thor-Namen wie Þorsteinn sowie Úlfr, Bjǫrn und Sveinn in Runeninschriften häufig vorkommen.
Was bedeuten -son und -dóttir in Wikinger-Namen? Es sind Vaternamen: Leifr Eiríksson ist „Leif, Sohn des Erik“, Freydís Eiríksdóttir „Freydis, Tochter des Erik“. Feste Familiennamen gab es nicht.
Welche Wikinger-Namen gibt es für Mädchen? Zum Beispiel Astrid, Ingrid, Sigrid, Ragnhild, Gudrun, Thora oder Gunhild – alle auf Runensteinen, in der Landnámabók oder in Sagas belegt.
Hat es Lagertha wirklich gegeben? Das ist nicht belegt. Sie erscheint nur bei Saxo Grammaticus um 1200 und gilt als legendäre Figur.
Wie wurden Kinder bei den Wikingern benannt? Nach den Sagas wurde das Kind mit Wasser begossen und erhielt dabei seinen Namen, oft den eines verstorbenen Verwandten. Ob der Brauch rein heidnisch war, ist umstritten.
Ist Thorsten ein Wikinger-Name? Ja. Thorsten geht auf altnordisch Þorsteinn zurück, „Thor + Stein“, in Runeninschriften als þurstin belegt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Runen & ihre Bedeutung · Vegvísir & Ægishjálmr · Ragnar Lodbrok · Egill Skallagrímsson · Die Bildsteine Gotlands.
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