Runenzauber ist historisch belegt, aber anders, als viele glauben: Echte Funde wie der Schädel von Ribe, das Sigtuna-Amulett oder ein Liebeszauber aus Bergen zeigen, dass Menschen Runen für Heilung, Schutz und Fluch ritzten. Die Edda und die Sagas erzählen ausführlich von Odins Runen, Siegrunen und Egills zerspringendem Gifthorn – doch sie stammen aus dem 13. Jahrhundert. Wir trennen Dichtung, Funde und Forschungsstreit und zeigen, was über magischen Runengebrauch wirklich gesagt werden kann.
Ein Trinkhorn zerspringt in der Hand eines Gastes. Eben noch hat er sich in die Handfläche geschnitten, ein paar Zeichen in das Horn geritzt und sie mit seinem Blut gefärbt. Das Bier, das man ihm gereicht hat, war vergiftet. Jetzt liegt es auf dem Boden, zwischen Hornsplittern. So erzählt es die Egils saga, und so stellen sich bis heute viele Menschen Runenzauber vor: Zeichen, die wirken.
Die Wahrheit ist vielschichtiger. Über magischen Runengebrauch sprechen drei sehr verschiedene Quellen: die Lieder der Edda, aufgeschrieben im 13. Jahrhundert; die isländischen Sagas, ebenfalls hochmittelalterlich; und die Funde selbst – Knochen, Kupferplättchen, Goldanhänger und Holzstäbchen, auf denen Menschen tatsächlich Runen ritzten, um zu heilen, zu schützen oder zu verfluchen. Wir gehen alle drei Schichten durch, sauber getrennt. Welche Runen heute als Schutzzeichen gelten, steht in unserem Beitrag Runen für Schutz, Stärke und Mut. Hier geht es um die Frage davor: Was sagen die Quellen über Runenmagie?
Der berühmteste Text über Runen und Magie steht in den Hávamál, den „Sprüchen des Hohen“. In Strophe 138 und 139 spricht Odin selbst: Neun Nächte hing er am windigen Baum, mit dem Speer verwundet, sich selbst geopfert, ohne Brot und Trank. Dann nahm er schreiend die Runen auf und fiel herab. Mehr dazu in unserem Beitrag Das Runatal – die Zauberlieder der Hávamál.
Für unser Thema zählen die Strophen danach. In Hávamál 142 heißt es sinngemäß: Runen wirst du finden und deutbare Stäbe, sehr große, sehr starke Stäbe, die der große Redner färbte und die Götter machten. Das Wort stafr, Stab, meint hier zugleich das Schriftzeichen. Strophe 143 verteilt die Runen auf die Welten: Odin bei den Asen, Dáinn bei den Elfen, Dvalinn bei den Zwergen, Ásviðr bei den Riesen.
Strophe 144 klingt wie eine Prüfung. Eigene Übertragung, sinngemäß: Weißt du, wie man ritzen soll? Wie man deuten, färben, erproben soll? Wie man bitten, opfern, senden, schlachten soll? Die altnordischen Verben lauten rísta, ráða, fá, freista, biðja, blóta, senda, sóa. Ritzen, deuten und färben gehören zum Schreiben, bitten, opfern und schlachten zum Kult – Schrift und Ritual in einem Atemzug. Strophe 145 setzt einen nüchternen Schlusspunkt: Besser ungebeten als zu viel geopfert, denn eine Gabe sieht immer nach Vergeltung.
Ab Strophe 146 zählt Odin achtzehn ljóð auf, Zauberlieder, die er kennt. Die Forschung nennt diesen Teil Ljóðatal; er reicht bis Strophe 163. Es geht um Heilung, um stumpfe Feindesschwerter, gesprengte Fesseln, einen im Flug gestoppten Pfeil, gelöschtes Feuer, beruhigten Sturm, um Zauber gegen nächtliche Zaunreiterinnen und zuletzt um Liebeszauber und ein Geheimnis, das Odin niemandem verrät.
Die meisten dieser Zauber sind gesungen, nicht geritzt. Die große Ausnahme ist Strophe 157, der zwölfte Zauber. Eigene Übertragung, sinngemäß:
Das kann ich als zwölftes: Sehe ich oben am Baum einen Erhängten schwanken, so ritze ich und färbe in Runen, dass der Mann geht und mit mir spricht.Hávamál 157, eigene Übertragung nach dem altnordischen Text
Hier ist das Ritzen und Färben von Runen ausdrücklich ein Mittel, einen Toten zum Reden zu bringen – ein Spiegel von Odins eigener Szene am Baum. Eine zweite Strophe ist für uns wichtig, obwohl das Wort „Rune“ fehlt: In Strophe 151 sagt Odin, wenn ihn jemand mit den Wurzeln eines Baumes verwunde, treffe das Verderben den, der ihn verfluchen wollte. Ein Fluch über eine Baumwurzel? Diesem Motiv begegnen wir in der Grettis saga wieder.
Noch ausführlicher wird die Sigrdrífumál. Sigurd weckt auf einem Berg eine schlafende Walküre, Sigrdrífa, die die Völsunga saga mit Brynhild gleichsetzt. Sie reicht ihm Met und unterrichtet ihn. In den Strophen 6 bis 13 (Zählung nach Neckel/Kuhn; Bellows zählt teils anders) nennt sie Runenarten, jede mit Zweck und Ort:
Das liest sich wie ein Handbuch der Runenmagie, und so ist es lange gelesen worden. Doch die Liste ist literarisch gebaut, jede Strophe mit derselben Formel. Nur eine Rune wird beim Namen genannt: Nauð, die „Not“-Rune. Was genau geritzt wurde, erfahren wir nie. Die Sigrdrífumál zeigen, wie sich das Hochmittelalter Runenweisheit vorstellte – eine Gebrauchsanweisung aus der Wikingerzeit sind sie nicht.
Runen konnten in der Dichtung auch schaden. In den Skírnismál wirbt Skírnir für Freyr um die Riesentochter Gerðr. Sie lehnt ab, Geschenke und Schwertdrohungen helfen nicht. Also greift er zum Fluch, in Strophe 36 ganz konkret. Eigene Übertragung, sinngemäß: Einen Þurs ritze ich dir und drei Stäbe: Ergi und Wahnsinn und Unrast. So ritze ich es ab, wie ich es aufritzte, wenn es nötig wird.
Þurs heißt „Riese“ und ist zugleich der Name der Rune ᚦ. Ergi ist ein schweres Schimpfwort für unmännliche, zügellose Schande, æði Raserei, óþoli unerträgliche Unruhe. Entscheidend ist der Nachsatz: Wer ritzt, kann auch abritzen. Der Fluch ist ein Druckmittel, Gerðr gibt nach. Dieselbe Logik – Runen werden durch Abschaben unschädlich – kehrt in der Egils saga wieder, und die Formel selbst taucht auf einem Holzstab aus Bergen wieder auf.
Besonders spannend: Die Formel lebt außerhalb der Dichtung weiter. Auf einem Holzstab aus Bergen aus dem 14. Jahrhundert, zu dem wir gleich kommen, steht eine Drohung mit genau den Wörtern ergi und óþoli. Ob der Schreiber die Skírnismál kannte oder ob beide aus einer gemeinsamen Zaubersprache schöpfen, lässt sich nicht entscheiden.
Kein Sagaheld ist so eng mit Runen verbunden wie Egill Skallagrímsson, Dichter und Krieger des 10. Jahrhunderts. Seine Saga entstand im 13. Jahrhundert, vielleicht durch Snorri Sturluson, was nicht sicher belegt ist.
In Kapitel 44 der isländischen Standardausgabe ist Egill auf dem Hof Atley zu Gast, wo Bárðr ein Fest für König Eiríkr und Königin Gunnhildr ausrichtet. Die beiden mischen Gift in Egills Trank. Egill sticht sich ins Handinnere, ritzt Runen ins Horn und reibt sein Blut darauf. Seine Strophe beginnt sinngemäß: Wir ritzen eine Rune ins Horn, wir röten die Zeichen mit Blut. Das Horn zerspringt. Die Parallele zu den Bierrunen der Sigrdrífumál, die auf dem Horn gegen Gift helfen, ist auffällig. Für eine Praxis im 10. Jahrhundert beweist die Szene nichts; sie zeigt, was man im 13. Jahrhundert einem großen Dichter zutraute.
Die zweite Szene steht in Kapitel 72 (bei W. C. Green 1893 Kapitel 76). In Värmland liegt Helga, die Tochter des Bauern Þorfinnr, lange schwer krank. Ein Nachbarssohn hatte ihr Runen geritzt, um sie zu gewinnen; seitdem geht es ihr schlechter. Egill findet in ihrem Bett ein Stück Walbarte (tálkn) mit Runen, schabt sie ab und ins Feuer, verbrennt das Stück, lässt das Bettzeug lüften und legt neue Runen unter ihr Kissen. Helga erwacht wie aus dem Schlaf, schwach, aber gesund.
Skalat maðr rúnar rísta, nema ráða vel kunni.Egils saga, Kap. 72 – „Kein Mann soll Runen ritzen, wenn er sie nicht gut zu deuten weiß.“ (eigene Übertragung)
In derselben Strophe sagt Egill, er habe auf dem Walbein zehn geheime Stäbe gesehen, tíu launstafi, die der Frau lange Qual brachten. Der Liebeszauber ist nicht an sich böse, sondern handwerklich missraten. Runenmagie wird hier fast zum Handwerk mit Pfuschern und Meistern – als Gravurwerkstatt schmunzeln wir an dieser Stelle durchaus.
Die finsterste Runenszene gehört der Grettis saga. Der geächtete Grettir lebt zuletzt auf der steilen Insel Drangey im Skagafjord. Sein Feind Þorbjörn öngull holt sich Hilfe bei seiner zauberkundigen Ziehmutter Þuríðr. In Kapitel 79 (bei Magnússon/Morris 1869 Kapitel 81) findet sie am Strand eine Baumwurzel, so groß, wie ein Mann sie auf der Schulter tragen kann. Sie lässt eine glatte Fläche schneiden, ritzt Runen hinein, färbt sie mit ihrem Blut, spricht Zauberworte, geht rückwärts gegen den Lauf der Sonne um den Stamm und lässt ihn ins Meer stoßen. Er treibt nach Drangey.
Grettir lässt das Holz zweimal zurück ins Meer werfen; beim dritten Mal schleppt sein Knecht es als Brennholz hinauf. Grettirs Axt prallt ab und fährt ihm ins Bein. Die Wunde entzündet sich, und seine Feinde können ihn erschlagen.
Ritzen und Blutfärben wie bei Egill, das Gehen gegen die Sonne als Geste schädlichen Zaubers, die verfluchte Wurzel wie in Hávamál 151: Die Szene bündelt, wie man sich Schadenszauber vorstellte, nicht wie er aussah. Sie zeigt auch, dass Runenzauber in den Sagas eng mit der Zauberei alter Frauen verknüpft ist und sich mit dem Seiðr überschneidet; einen scharfen Unterschied zwischen gesungenem Zauber, Seiðr und geritzten Runen machen die Sagas kaum.
Jetzt zu den Gegenständen, dem eigentlichen Prüfstein. Schon im älteren Futhark mit 24 Zeichen (siehe unseren Futhark-Vergleich) tauchen kurze, wiederkehrende Wörter auf, die keinen Satz bilden: Formelwörter. Das häufigste ist alu. Es steht auf Goldbrakteaten, runden Goldanhängern der Völkerwanderungszeit, auf Pfeilschäften aus dem Nydam-Moor, auf dem Elgesem-Stein in Norwegen um 400 und auf Urnen aus Spong Hill in England. Nach dem 8. Jahrhundert verschwindet es.
Was alu bedeutet, ist ungeklärt. „Bier“ läge nahe und passte zum Kultgelage, gilt aber lautlich als schwierig; andere denken an „Schutz“, „Tabu“ oder Ekstase. Wir wissen nur, dass das Wort gern auf getragenen Gegenständen und Grabbeigaben steht.
Ähnlich steht es mit laukaʀ, „Lauch“: Auf dem Brakteatenfragment von Skrydstrup steht laukaʀ alu. Lauch galt als Pflanze des Gedeihens – und in der Sigrdrífumál soll man ihn in den Trank werfen, allerdings rund 700 Jahre später. Das dritte Formelwort, laþu, wird meist als „Einladung“ oder Anrufung gedeutet. Wie eng Runen, Götternamen und Gold auf Brakteaten zusammengehen, zeigt auch der Vindelev-Goldhort.
Ein Paradestück ist das Lindholm-Amulett aus Schonen, ein rippenförmiges Knochenstück, 1840 beim Torfstechen gefunden, heute im Historischen Museum Lund. Zeile eins: ek erilaz sa wilagaz ha[i]teka, „Ich, der Erilaz, heiße der Listige“. Zeile zwei besteht aus Reihen gleicher Runen – acht a, drei z, dazu n und t – und endet mit alu. Ob die Reihen Götter anrufen oder Zahlensymbolik bergen, ist seit fast zwei Jahrhunderten offen.
1973 fanden Archäologen im dänischen Ribe ein Stück menschliche Schädeldecke, etwa 6 mal 8,5 Zentimeter, mit Bohrloch und Runen, datiert um 725. Gelesen werden die Namen Ulfr und Odin, ein oft als „Hoch-Týr“ gedeuteter Gott, das Wort für Hilfe und eine Wendung gegen einen Zwerg – Zwerge galten auch als Krankheitsbringer. Jonas Nordström hat die Runen 2021 mikroskopisch neu gelesen und deutet sie als Formel gegen einen Zwerg und eine Zwergin. Einzelheiten sind umstritten, der Charakter als Heilformel weithin anerkannt. Das Bohrloch zeigt kaum Abnutzung; vielleicht wurde das Stück nie getragen.
Aus dem 11. Jahrhundert stammen Kupferplättchen, die man um den Hals trug. Das Sigtuna-Amulett I, 1931 in Sigtuna gefunden, spricht einen Krankheitsgeist direkt an: einen þurs des Wundfiebers, einen Herrn der Riesen. Er soll fliehen, denn er ist entdeckt; auf der Rückseite folgen drei Qualen und neun Nöte. Die „neun Nöte“ erinnern an die Nauð-Rune der Sigrdrífumál.
Das Kvinneby-Amulett von Öland, ein etwa fünf Zentimeter großes Kupferquadrat mit eingeritztem Fisch (um 1050–1130), beginnt nach verbreiteter Lesung mit „Hier ritze ich dir Schutz, Bófi“ und ruft Thor an, der den Träger mit dem Hammer schützen soll. Vieles ist unsicher; die Deutungen reichen vom heidnischen Gebet bis zum Schutzzauber eines Getauften. Mehr zu Thor als Beschützer im Beitrag zum Thorshammer.
Ein Verwandter steht auf Pergament: die Canterbury-Formel, im späten 11. Jahrhundert in Runen an den Rand einer angelsächsischen Handschrift geschrieben (British Library, Cotton Caligula A.xv). Sie richtet sich gegen eine eiternde Wunde, erklärt den Krankheitsdämon für entdeckt und ruft: Thor weihe dich. Die Nähe zum Sigtuna-Amulett spricht für eine gemeinsame Formeltradition. Mehr im Beitrag über den Canterbury-Zauberspruch.
Nach dem Brand von 1955 legten Archäologen im Bergener Hafenviertel Bryggen rund 670 Runeninschriften frei, meist auf Holzstäbchen des 12. bis 14. Jahrhunderts. Die meisten sind herrlich alltäglich: Besitzmarken, Handelsbriefe, lateinische Gebete, „Küss mich“. Runen waren hier Alltagsschrift.
Umso mehr fällt N B257 auf, ein vierseitiger Stab, meist ins 14. Jahrhundert datiert. Sinngemäß: Ich ritze Heilrunen, ich ritze Schutzrunen, einfach gegen Elfen, zweifach gegen Trolle, dreifach gegen Riesen. Dann wird einer Frau Ergi und Unrast angedroht, und zuletzt soll sie den Ritzer lieben wie sich selbst. McKinnell, Simek und Düwel halten für möglich, dass alles ein Zauber ist: Segen bei Gegenliebe, Fluch ohne. Die Nähe zu Skírnismál 36 springt ins Auge.
Rund 300 Jahre nach der Christianisierung ritzt also jemand in einer Hansestadt einen Liebeszwang, der wie ein Eddalied klingt. Ob dahinter Glaube, literarische Bildung oder Volksmagie steht, bleibt offen. Dass Runen für Zauber genutzt wurden, belegen diese Stäbe klarer als jede Saga. Mehr zu solchen Formeln in der Heilkunde der Wikinger.
Im frühen 20. Jahrhundert dominierte die „magische Schule“: Forscher wie Magnus Olsen oder Wolfgang Krause sahen in vielen Inschriften Zauber und Zahlenmagie, mit Edda und Sagas als scheinbarem Schlüssel.
Die Gegenbewegung eröffnete der Däne Anders Bæksted 1952 mit Målruner og troldruner, „Sprachrunen und Zauberrunen“: Viele angeblich magische Inschriften seien gewöhnliche Sprache, und Sagas taugten nicht als Handbuch für frühere Jahrhunderte. Der britische Runologe Raymond I. Page wurde zur Leitfigur der Skeptiker. Er warnte davor, jede unverständliche Inschrift für Magie zu erklären; die meisten seien Namen, Besitzvermerke, Gedenktexte.
Klaus Düwel vertritt in seiner Runenkunde eine abwägende Linie: Magie ist keine Grundeigenschaft der Runen, aber ein möglicher Gebrauch, der sich im Einzelfall an Text, Objekt und Fundzusammenhang begründen lassen muss. Sigtuna, Canterbury und Bergen erfüllen das gut, ein gewöhnlicher Gedenkstein nicht. Mindy MacLeod und Bernard Mees (Runic Amulets and Magic Objects, 2006) betonen wieder stärker die magische Sprache vieler Inschriften – die Kraft liegt für sie im Wortlaut, nicht im Einzelzeichen.
Der breiteste Konsens heute: Runen waren zuerst eine Schrift. Wie lateinische Buchstaben auf Amuletten konnten sie Segen, Heilung und Fluch tragen. Magisch war meist der Text, nicht das Alphabet. Einen Einstieg bieten unsere ehrliche Einführung in die Runen und die Abhandlung zur Runenkunde.
Moderne esoterische Deutungen von „Runenmagie“, mit Runenorakeln, Zuordnungen zu Planeten oder Chakren und festen Bedeutungslisten, sind nicht historisch, sondern Erfindungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Das muss niemandem die Freude daran nehmen, aber es gehört ehrlich gesagt.
Was bleibt, ist eindrucksvoll genug: Über tausend Jahre ritzten Menschen Runen in Knochen, Gold, Kupfer und Holz, um Fieber zu vertreiben, sich vor Trollen zu schützen oder Liebe zu erzwingen. Bei uns in der Werkstatt in Alsdorf denken wir oft an Egills Satz: Niemand soll Runen ritzen, der sie nicht zu deuten weiß. Deshalb gravieren wir Runen mit Quelle und Sinn. Welche Zeichen sich eignen, zeigt Welche Rune soll ich gravieren lassen?.

Was ist Runenzauber? Mit Runenzauber meint man den Gebrauch von Runen für Schutz, Heilung, Liebe oder Fluch. Belegt ist er in mittelalterlicher Dichtung (Edda, Sagas) und auf echten Funden wie dem Sigtuna-Amulett, der Canterbury-Formel oder Holzstäben aus Bergen.
Haben die Wikinger mit Runen gezaubert? Teilweise ja. Kupferamulette des 11. Jahrhunderts mit Formeln gegen Wundfieber zeigen, dass Runen für Heil- und Schutzzauber genutzt wurden. Die meisten Runeninschriften sind aber ganz nüchtern: Namen, Gedenktexte, Besitzvermerke.
Was bedeutet alu auf Runeninschriften? Alu ist das häufigste Formelwort der frühen Runenzeit, vor allem auf Goldbrakteaten. Seine Bedeutung ist ungeklärt; diskutiert werden „Bier“, „Schutz“ oder ein Wort für Ekstase.
Wo steht in der Edda etwas über Runenmagie? Vor allem in den Hávamál (Str. 138–145 und das Ljóðatal 146–163, besonders Str. 157), in der Sigrdrífumál (Str. 6–13) und in Skírnismál 36.
Ist moderne Runenmagie historisch? Nein. Runenorakel und feste magische Bedeutungslisten sind moderne esoterische Deutungen und lassen sich nicht aus den mittelalterlichen Quellen belegen.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Runen & ihre Bedeutung · Der Vindelev-Goldhort · Die Goldhörner von Gallehus · Nordische Symbole: echt oder erfunden? · Welche Rune gravieren?.
Es gibt Runensteine, die berühren über tausend Jahre hinweg. Der Skarpåker-Stein in Södermanland ist so einer: Ein …
Weiterlesen →Ein dänischer Stein aus dem frühen 9. Jahrhundert trägt zwei Rätsel auf einmal: ein Symbol aus drei ineinander …
Weiterlesen →Ein Runenstein aus Jütland verrät, wie eng der Norden mit der Südküste der Ostsee verflochten war – über eine …
Weiterlesen →Der Übergang vom heidnischen zum christlichen Norden geschah nicht über Nacht – und manchmal stehen beide Welten auf …
Weiterlesen →