Ein Ulfberht-Schwert ist ein Schwert der Wikinger- und Karolingerzeit, in dessen Klinge der fränkische Personenname +VLFBERH+T (oder eine Variante davon) aus Eisen eingeschweißt ist – rund 170 solcher Klingen sind bekannt, die meisten aus dem 9. bis 11. Jahrhundert. Gefertigt wurden sie nach heutiger Mehrheitsmeinung im Frankenreich, wohl im Rheinland, gefunden werden sie vor allem in Skandinavien. Warum das so ist, was am Stahl wirklich dran ist und welche Rolle zwei Funde aus Rhein und Weser spielen, erfährst du hier.
Wer ein Ulfberht-Schwert frisch aus dem Fluss sieht, sieht zuerst nur eine braune, verkrustete Eisenstange. Erst auf dem Röntgenbild oder nach behutsamer Freilegung tauchen sie auf: Buchstaben, mitten in der Kehlung der Klinge, umrahmt von kleinen Kreuzen. +VLFBERH+T. Ein Name, über tausend Jahre alt, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit Eisen.
Der Schmied legte dünne Stäbchen oder Drähte aus Eisen, teils aus damasziertem, also aus mehreren Lagen verschweißtem Material, in Form der Buchstaben auf die heiße Klinge und verschweißte sie mit dem Grundmaterial. Danach wurde die Oberfläche geschliffen und poliert. Sichtbar wurde die Schrift, weil das eingelegte Eisen anders auf Politur und Ätzung reagiert als der umgebende Stahl: ein heller oder dunkler Schatten im Metall. Bei der Untersuchung des Schwertes aus der Weser (dazu unten mehr) zeigte sich, dass die Buchstaben aus kleinen Stäbchen und Bögen zusammengesetzt und offenbar locker aufgelegt und dann verschweißt wurden – teilweise sind sie dabei verrutscht und überlappen sich.
Wie die Schmiede jener Zeit arbeiteten, steht im Beitrag über die Schmiedekunst der Wikinger. Hier geht es um eine besondere Gruppe von Klingen – und um die Frage, wie viel von ihrem Ruhm Wissenschaft ist und wie viel Fernsehen.

„Die“ Ulfberht-Inschrift gibt es eigentlich nicht. Die norwegische Archäologin Anne Stalsberg hat 2008 die bekannten Klingen systematisch erfasst und die Schreibweisen in Klassen eingeteilt. Die häufigste Form ist +VLFBERH+T – mit einem Kreuz zwischen H und T, was zunächst seltsam aussieht. Die zweithäufigste ist +VLFBERHT+, mit beiden Kreuzen außen. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Verschreibungen: Buchstaben fehlen, sind vertauscht oder spiegelverkehrt, etwa +VLFBEHT+ oder +VLEBERHIT. Und bei vielen Klingen ist die Inschrift so stark korrodiert, dass sich die Variante nicht mehr sicher bestimmen lässt.
Interessant wird es bei der Frage, welche Form „richtig“ ist. Der britische Archäometallurge Alan Williams hielt +VLFBERH+T für die Originalform und brachte sie mit den besten Stählen in Verbindung (dazu gleich). Stalsbergs Datierungen zeigen allerdings, dass gerade die Form +VLFBERHT+ überwiegend in frühen Fundzusammenhängen auftritt, +VLFBERH+T dagegen vor allem später. Der Kieler Materialwissenschaftler Helmut Föll hat deshalb gefragt, ob das mittlere Kreuz nicht eher eine spätere Entwicklung ist – vielleicht sogar ein als Kreuz missverstandenes T. Das ist eine Überlegung, kein Beweis. Aber sie zeigt, wie dünn das Eis ist, wenn man aus einer Schreibweise auf „echt“ oder „falsch“ schließt.
Auf der Rückseite vieler Klingen sitzt übrigens kein Text, sondern ein geometrisches Muster aus Linien und Gittern – eine Art zweites Zeichen. Was es bedeutete, wissen wir nicht. Runen findest du auf Ulfberht-Klingen nicht: Die Inschrift ist in lateinischen Großbuchstaben geschrieben. Wie Runen sonst auf Waffen auftauchen, zeigt unser Beitrag Runen auf Waffen.
Der Name selbst ist eindeutig zuzuordnen: Ulfberht ist ein germanischer Personenname fränkischer Form, zusammengesetzt aus wulf („Wolf“) und beraht („glänzend, berühmt“) – derselbe Wortteil steckt in Namen wie Albrecht, Hubert oder Bertram. Ein Skandinavier hätte ihn eher in Runen geschrieben. Die lateinische Schrift und die Kreuze weisen in die christliche, schriftkundige Welt des Frankenreichs.
Damit enden die Gewissheiten. Ein einzelner Schmied kann es nicht gewesen sein: Die Klingen verteilen sich über zwei, wenn man die Spätformen mitzählt, sogar über drei Jahrhunderte. Diskutiert werden mehrere Modelle:
Die Archäometallurgin Ann Feuerbach hat sogar erwogen, ob die Inschrift eher eine Formel als einen Hersteller nennt – eine Minderheitenposition. Die Mehrheit sieht in Ulfberht einen Personennamen, der zum Markenzeichen wurde.
Die gängige Zahl lautet „rund 170“. Sie stammt im Kern aus Stalsbergs Katalog; je nachdem, ob man Fragmente und unsichere Lesungen mitzählt, schwankt sie um ein gutes Dutzend nach oben oder unten. Allein für Finnland kommen Stalsberg und der finnische Forscher Mikko Moilanen zu deutlich unterschiedlichen Zahlen. Die Funde verteilen sich auf über 20 heutige Länder – von Irland bis an die Wolga, von Island bis Spanien und Italien.
Der Schwerpunkt aber ist unübersehbar: Norwegen, Schweden, Finnland, das Baltikum und Russland. Allein Norwegen hat über 40 Ulfberht-Klingen geliefert. Aus dem alten Frankenreich, wo sie wohl hergestellt wurden, kennen wir nur wenige. Das ist vor allem eine Frage der Grabsitten.
Im heidnischen Skandinavien bekamen Männer ihre Waffen mit ins Grab – samt Beifunden, die eine Datierung erlauben. Im christlichen Frankenreich dagegen wurden Waffen im 9. Jahrhundert kaum noch beigegeben. Fränkische Ulfberht-Schwerter kennen wir darum fast nur als Einzelfunde – meist aus Flüssen, aus Baggergut, aus Altarmen. Die Fundkarte zeigt also nicht, wo die Schwerter benutzt wurden, sondern wo sie in den Boden kamen.
Übrigens: Manche Schwerter im Norden wurden vor der Grablegung absichtlich verbogen oder zerbrochen. Was hinter diesem Brauch steckt, erklären wir im Beitrag über rituell zerstörte Waffen.
Die meisten Ulfberht-Klingen gehören ins 9. und 10. Jahrhundert, ein beachtlicher Teil reicht ins 11. Jahrhundert. Stalsberg teilt die datierbaren Stücke grob auf frühe, mittlere und späte Wikingerzeit auf, wobei die mittlere Phase (10. Jahrhundert) am stärksten vertreten ist. Wann genau die ältesten Klingen entstanden, ist umstritten; manche Autoren setzen den Beginn schon ins späte 8. Jahrhundert, sicher belegt ist das für einzelne Stücke nicht. Am anderen Ende stehen Spätformen: Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart verwahrt ein Ulfberht-Schwert, das es ins 12. Jahrhundert datiert, und aus Ostdeutschland ist eine späte Klinge bekannt, die den Namen mit einer christlichen Formel kombiniert. Spätestens hier ist Ulfberht eine Tradition.
Für die Einordnung der Schwerter nutzt die Archäologie zwei Systeme. Die Petersen-Typologie des Norwegers Jan Petersen (1919) ordnet Wikingerschwerter nach der Form von Knauf und Parierstange, also nach dem Griff. Für die Klinge selbst wird oft die später entwickelte Typologie von Ewart Oakeshott verwendet. Ulfberht-Klingen sind überwiegend vom Oakeshott-Typ X: eine lange, zweischneidige Hiebklinge mit breiter, flacher Kehlung (der Längsrille, die Gewicht spart), die sich zur Spitze hin nur leicht verjüngt. Die Griffe dagegen wechseln – Ulfberht-Klingen kommen mit ganz unterschiedlichen Petersen-Griffen vor. Das passt zu einem Handel, bei dem Klingen als Halbfabrikat reisten. Damit stehen sie an der Schwelle vom älteren, oft musterverschweißten Wikingerschwert zum Ritterschwert des Hochmittelalters.
Berühmt wurden die Ulfberht-Klingen nicht wegen ihrer Inschrift, sondern wegen einer Materialstudie. Alan Williams, damals Archäometallurge an der Wallace Collection in London, veröffentlichte 2009 in der Fachzeitschrift Gladius eine Untersuchung von 44 Ulfberht-Schwertern – bei damals rund 100 bekannten Stücken. Er untersuchte winzige Proben unter dem Mikroskop und bestimmte den Kohlenstoffgehalt.
Sein Ergebnis: Die Klingen sind keineswegs gleich. Williams bildete vier Gruppen:
Stahl mit so viel Kohlenstoff und fast ohne Schlackeneinschlüsse sei typisch für Tiegelstahl: Dabei wird Eisen mit Kohlenstoffträgern in einem geschlossenen Tiegel vollständig aufgeschmolzen, die Schlacke trennt sich ab, und es entsteht ein sehr gleichmäßiger, kohlenstoffreicher Stahl. Im Europa des frühen Mittelalters war diese Technik nicht verbreitet; bekannt ist sie aus Zentralasien und dem iranischen Raum. Williams vermutete deshalb, dass die Rohstahl-Barren über die Handelswege an der Wolga in den Norden gelangten – denselben Weg, auf dem arabisches Silber kam. Als dieser Handel im späteren 10. Jahrhundert zurückging, sei auch die Produktion der besten Klingen ausgelaufen. 2012 fasste er seine Forschungen im Buch The Sword and the Crucible zusammen.
Williams selbst formulierte das als wahrscheinliche Erklärung, nicht als Tatsache. Und solcher Stahl ist nur ein Vorteil, wenn er bei niedriger Hitze richtig geschmiedet wird.
Die These vom Orient-Stahl im Frankenschwert hat Fachleute nicht überzeugt – jedenfalls nicht alle. Die wichtigsten Einwände:
Schlackefreiheit ist schwer zu beweisen. Helmut Föll von der Universität Kiel hat darauf hingewiesen, dass Williams nur sehr kleine Probenbereiche zeigt, die schlackefrei sind. Auch Stahl aus dem europäischen Rennofen – dem einfachen Lehmofen, in dem Eisenerz mit Holzkohle reduziert wird, ohne dass das Eisen schmilzt – kann stellenweise sehr kohlenstoffreich und schlackearm sein. Bei mindestens einer Klinge, die Williams als Tiegelstahl einordnet, deuten Strukturen an den Schneiden eher auf gefalteten Rennofenstahl hin.
Hart heißt nicht automatisch besser. Sehr kohlenstoffreicher Stahl kann spröde sein; Gefügebilder allein beweisen keine Überlegenheit im Kampf.
Die Chemie spricht teils für Deutschland. Robert Lehmann (später am Helmholtz-Institut Ulm) hat das 2012 in der Weser gefundene Schwert analysiert und einen Mangangehalt von etwa 1,5 Prozent gemessen. Er verbindet das mit manganreichen Erzen, wie sie etwa im Siegerland vorkommen. Allerdings kennt man dort bisher keine Verhüttungsplätze, die älter als das 10. Jahrhundert sind – die Spur ist also verlockend, aber nicht geschlossen. Auch der Waffenforscher Alfred Geibig, der die Schwerter des Frankenreichs grundlegend bearbeitet hat, rechnet mit heimischem Stahl.
Wie lässt sich das zusammenbringen? Der Historiker Daniel Föller hat einen Kompromiss vorgeschlagen: Die Franken stellten die Klingen aus heimischem Material her, Werkstätten im Norden oder Osten kopierten sie mit importiertem Tiegelstahl. Auch das ist eine Hypothese. Ehrlich gesagt ist der Stand so: Einige Ulfberht-Klingen bestehen aus außergewöhnlich gutem, kohlenstoffreichem Stahl. Ob das Tiegelstahl ist und woher er kam, ist offen. Einen Überblick über den Forschungsstand bietet der Aufsatz von Ingo Petri in der Zeitschrift History Compass (2019).
Eine Geschichte hat sich besonders hartnäckig gehalten: Die verschriebenen Inschriften seien Fälschungen, billige Nachahmungen schlechter Schmiede, die mit einem berühmten Namen Kasse machen wollten. Ganz falsch ist das nicht. Williams' Gruppen C und D mit abweichenden Schreibweisen bestehen tatsächlich häufiger aus schlechterem Material. Dass ein guter Name kopiert wird, ist so alt wie Handel überhaupt.
Aber das Bild ist zu glatt. Die Gleichung „richtige Schreibweise = guter Stahl“ beruht auf einer begrenzten Stichprobe, und nicht einmal die Originalform ist sicher. Zudem erklärt Stalsberg manche Verschreibungen schlicht damit, dass in den Schmieden Menschen arbeiteten, die nicht lesen konnten – sie setzten Buchstaben als Muster, nicht als Wort. Und „Fälschung“ ist ein moderner Begriff. Eine Werkstatt, die im 10. Jahrhundert ein bewährtes Zeichen übernahm, sah das vielleicht als Tradition, nicht als Betrug. Ulfberht war auch nicht die einzige Klingenmarke: Bekannt ist etwa die kleinere Gruppe mit dem Namen INGELRII, ebenfalls eingeschweißt und ebenfalls fränkisch.
Wenn die Klingen im Frankenreich entstanden – wie kamen sie dann in die Gräber norwegischer Bauern und schwedischer Händler? Ein offener Waffenhandel war jedenfalls nicht vorgesehen. Im Kapitular von Diedenhofen (Thionville) vom Dezember 805, einer Sammlung königlicher Anordnungen Karls des Großen, heißt es über die Kaufleute, die mit Slawen und Awaren handelten, sie sollten arma et brunias – Waffen und Brünnen, also Kettenhemden – nicht zum Verkauf mitnehmen. Wer erwischt wurde, verlor seine gesamte Ware. Das Kapitular nennt sogar die Grenzhandelsplätze, an denen kontrolliert werden sollte, darunter Bardowick, Magdeburg, Erfurt, Forchheim, Regensburg und Lorch an der Enns.
Dieses Verbot richtete sich gegen den Osten, nicht direkt gegen die Skandinavier. Gegen sie wurde Karls Enkel Karl der Kahle deutlicher: Das Edikt von Pîtres (864) untersagte den Handel mit Waffen an die Normannen, und wer ihnen Pferde verkaufte, sollte mit dem Tod bestraft werden. Dass solche Verbote wiederholt wurden, zeigt: Sie wurden gebrochen.
Beute. Im 9. Jahrhundert zogen skandinavische Heere über Jahre durch das Frankenreich, legten Winterlager an Rhein, Maas und Schelde an und plünderten Städte, Klöster und Pfalzen. 881 traf es sogar Aachen, die Lieblingspfalz Karls des Großen – die Geschichte erzählen wir im Beitrag Wikinger in Aachen 881. Wo gekämpft wurde, wechselten Waffen den Besitzer. Wie diese Heere ihre Winter verbrachten, zeigt unser Artikel über die Winterlager am Rhein.
Lösegeld und Tribut. Fränkische Herrscher kauften sich mehrfach mit großen Silbermengen frei. Ob dabei auch Waffen den Besitzer wechselten, ist im Einzelnen nicht überliefert – das Verbot von Pîtres zeigt aber, dass man mit solchen Geschäften rechnete.
Handel und Schmuggel. Handelsplätze wie Dorestad am Niederrhein und Haithabu an der Schlei verbanden das Frankenreich mit dem Norden. Dass Ulfberht-Klingen mit ganz unterschiedlichen, teils skandinavischen Griffen auftauchen, spricht für genau diesen Weg: Die Klinge reiste nackt, der Griff wurde vor Ort angesetzt.
Ein schöner Hinweis auf den Ruf fränkischer Klingen kommt aus der arabischen Welt. Der Gesandte Ibn Faḍlān, der 921/922 an der Wolga auf skandinavische Händler traf, die er Rūs nennt, beschreibt ihre Bewaffnung sinngemäß so: Jeder trage eine Axt, ein Schwert und ein Messer, und ihre Schwerter seien breit, gerillt und von fränkischer Art. Ob darunter Ulfberht-Klingen waren, wissen wir nicht. Den ganzen Bericht kannst du in unserer Leseausgabe von Ibn Faḍlān nachlesen. Mehr über die Netzwerke des Nordens steht im Beitrag zum Handel der Wikinger.
Ein Schwert war im Norden kein Alltagsgegenstand. Speer, Axt und Messer besaß fast jeder freie Mann, ein Schwert nur, wer es sich leisten konnte oder es geschenkt bekam. Wer in der vorderen Reihe des Schildwalls stand, trug zwar oft den Speer als Hauptwaffe, aber das Schwert an der Seite zeigte, wer er war.
In den isländischen Sagas, die erst im 13. Jahrhundert aufgeschrieben wurden, haben gute Schwerter Namen und Lebensläufe. Skofnung, das Schwert des sagenhaften Dänenkönigs Hrólfr kraki, wird in der Laxdæla saga aus dessen Grabhügel geholt und weitergegeben. Fótbítr („Beinbeißer“) wechselt in derselben Saga den Besitzer und wird zur Waffe in einer tödlichen Familienfehde. In der Gísla saga wird aus den Bruchstücken des Schwertes Grásíða eine Speerspitze geschmiedet, mit der später ein Mord geschieht. Und in der Heldendichtung tragen Waffen wie Sigurds Gram oder das Fluchschwert Tyrfing ganze Schicksale. Tyrfings Geschichte steht in Hervör weckt den Toten, Sigurds Schwert begegnet dir in der Völsungensage.
Wichtig ist die Trennung: Kein einziges Saga-Schwert lässt sich mit einer bestimmten Ulfberht-Klinge verbinden. Die Sagas spiegeln Vorstellungen des Hochmittelalters über die Vorzeit. Aber sie zeigen, wie man im Norden über Schwerter dachte: als Erbstücke, die Ehre, Herkunft und manchmal Unheil weitertrugen. Eine Klinge, deren Name schon im Stahl stand, passte sehr gut in diese Welt.
Gemessen an Norwegen ist Deutschland fundarm – aber es gibt Ulfberht-Schwerter auch hierzulande, und gerade diese Funde sind für die Frage der Herkunft wertvoll. Die Übersichten nennen gut ein Dutzend Stücke.
Mannheim. 1960 wurde im Altrhein bei der Friesenheimer Insel in Mannheim ein Ulfberht-Schwert gefunden, das heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg liegt. Ausgerechnet dieses Stück trägt eine verschriebene Inschrift, +VLFBEHT+ – ein R fehlt. Das Fundstück vom Rhein, also aus dem mutmaßlichen Herstellungsgebiet, ist demnach eine der „falschen“ Schreibweisen. Ein gutes Beispiel dafür, wie vorsichtig man mit dem Etikett „Fälschung“ sein sollte.
Großenwieden an der Weser. Im Frühjahr 2012 kam bei Baggerarbeiten in der Weser bei Großenwieden (Stadt Hessisch Oldendorf, Landkreis Hameln-Pyrmont) ein vollständiges Schwert zutage. Das Land Niedersachsen erwarb es 2013, das Landesamt für Denkmalpflege untersuchte es gründlich. Das Schwert ist 96 Zentimeter lang, die Klinge 81 Zentimeter. Es trägt die Inschrift +VLFBERH+T, auf der Rückseite ein geometrisches Zeichen, und hat einen Griff des Petersen-Typs V, der in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts weist. Parierstange und Knauf waren verzinnt, am Knauf haben sich sogar Reste von Leder erhalten. Die Ergebnisse erschienen 2015 in den Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte. Es ist dieses Schwert, an dem Robert Lehmann den hohen Mangangehalt maß.
Hamburg. Bereits 1970 veröffentlichte der Archäologe Michael Müller-Wille ein neu gefundenes Ulfberht-Schwert aus Hamburg. Williams zählte es später zu seinen Tiegelstahl-Kandidaten – Föll dagegen sieht an den Schneiden Hinweise auf gefalteten Rennofenstahl.
Dazu kommen Spätformen wie das Stuttgarter Exemplar. Für uns hier im Rheinland, nicht weit von Aachen, ist der Gedanke reizvoll, dass die berühmteste Klinge des Nordens ihre Wurzeln womöglich im Frankenland zwischen Rhein und Weser hat. Mehr über die Franken und ihr Reich findest du in unserem Stammesporträt.
Zieht man die Fernsehlegende ab, bleibt immer noch eine erstaunliche Geschichte: ein fränkischer Name, ins Eisen geschweißt, kopiert, verschrieben, mit neuen Griffen versehen und schließlich begraben oder im Fluss verloren. Manche Klingen waren Spitzenprodukte, andere Durchschnitt. Alle zusammen erzählen von Handel trotz Verbot, von Raubzügen und davon, dass schon vor über tausend Jahren ein Name im Stahl ein Versprechen sein sollte.
Wie man ein solches Schwert am Körper trug, zeigt unser Beitrag über Schwertscheide und Trageweise.
Bei uns in der Werkstatt ist die Ulfberht-Inschrift ein Motiv, das ohne große Erklärung funktioniert: klare lateinische Großbuchstaben, zwei Kreuze, eine Zeile. Auf Schiefer wirkt sie wie aus dem Stein geschlagen, auf Glas fast wie die Ätzung auf einer Klinge. Wir halten uns an die belegten Formen und setzen auf Wunsch deinen eigenen Namen in derselben Schrift dazu – wie die alten Schmiede. Was wir dagegen nicht machen: erfundene „Runen-Ulfberhts“ oder Fantasiezeichen, die es auf keiner Klinge gibt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Was bedeutet Ulfberht? Ulfberht ist ein fränkischer Personenname aus „Wolf“ und „glänzend, berühmt“. Auf den Schwertern steht er als +VLFBERH+T oder in Varianten und diente wohl als Werkstatt- oder Qualitätszeichen.
Wie viele Ulfberht-Schwerter gibt es? Bekannt sind rund 170 Klingen oder Klingenfragmente. Die genaue Zahl schwankt je nach Zählweise, weil manche Inschriften nur bruchstückhaft lesbar sind.
Waren Ulfberht-Schwerter aus Tiegelstahl? Einige Klingen bestehen aus sehr kohlenstoffreichem Stahl, den Alan Williams als Tiegelstahl deutet. Das ist umstritten: Andere Forscher halten europäischen Rennofenstahl für möglich, und viele Ulfberht-Klingen sind aus ganz gewöhnlichem Material.
Woher kommen die Ulfberht-Schwerter? Name und Schrift weisen ins Frankenreich, die meisten Fachleute denken an das Rheinland oder das weitere fränkische Kerngebiet. Eine konkrete Werkstatt ist nicht nachgewiesen.
Gibt es Ulfberht-Schwerter in Deutschland? Ja, gut ein Dutzend, darunter Funde aus dem Altrhein bei Mannheim (heute in Nürnberg), aus der Weser bei Großenwieden (2012) und aus Hamburg.
Waren Ulfberht-Schwerter die besten Wikingerschwerter? Die besten Ulfberht-Klingen gehörten zu den hochwertigsten Schwertern ihrer Zeit. Die Gruppe als Ganzes war aber sehr uneinheitlich, und „das beste Schwert der Welt“ ist eine moderne Zuspitzung.
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