Es gibt Werkzeuge, die zur Legende werden. Bei den Wikingern war es ein Schwert – oder besser: eine ganze Gruppe von Schwertern, die alle denselben Namen in der Klinge tragen. Rund 170 von ihnen sind gefunden worden, verstreut über halb Europa, und alle rufen dasselbe Wort: Ulfberht. Ein Blick auf die berühmteste Klinge der Wikingerzeit – und auf das Rätsel ihrer Herkunft.
Das Besondere an diesen Schwertern steht in der Klinge selbst: In das glühende Eisen wurden Buchstaben aus Eisendraht eingeschmiedet, sodass ein Schriftzug entstand. Er lautet, mit kleinen Kreuzen verziert:
+VLFBERH+T Klingeninschrift der Ulfberht-Schwerter (9.–11. Jahrhundert)

„Ulfberht" ist ein fränkischer Personenname. Ob es der Name eines einzelnen Meisters, einer Werkstatt oder einer ganzen Marke über Generationen war, ist bis heute umstritten. Sicher ist: Über zwei Jahrhunderte trugen Klingen diesen Namen – wie ein Gütezeichen.
In einer Zeit, in der die meisten Schwerter aus zusammengeschmiedeten Eisenstäben bestanden (dem sogenannten Damaszieren), waren manche Ulfberht-Klingen aus besonders reinem, kohlenstoffreichem Stahl gefertigt – hart und zugleich elastisch, kaum zerbrechlich. Ein Teil dieses hochwertigen Stahls stammte vermutlich aus fernen Quellen, über die großen Handelswege. Nicht jede Ulfberht-Klinge war gleich gut; die Gruppe umfasst ganz verschiedene Qualitäten. Doch die besten galten als das Beste, was man haben konnte.
Die Form des Namens deutet auf das Frankenreich, und man vermutet die Herkunft im Rheinland – der Kernregion fränkischer Waffenschmiedekunst. Eines der bekanntesten Stücke wurde sogar im Altrhein bei Mannheim gefunden. Für uns im Rheinland ist das ein schöner Gedanke: Die beste Klinge des Nordens hat womöglich Wurzeln vor der eigenen Haustür. Mehr über die Wikinger am Rhein steht in unserem Beitrag über die Silberwirtschaft und den Handel.
Merkwürdig ist, dass die meisten Ulfberht-Schwerter im Norden gefunden wurden, nicht im Frankenreich. Der Grund ist doppelt: Zum einen war der Waffenexport an „Fremde" den Franken per Gesetz verboten – die Klingen kamen also als Beute, Lösegeld oder Schmuggelware in den Norden. Zum anderen legte man im heidnischen Norden dem Toten die Waffen ins Grab, während sie im christlichen Süden fehlen. Deshalb erscheinen die Schwerter dort häufiger, wo man sie bestattete.
Ein Ulfberht war das Versprechen: das Beste, sauber gearbeitet, verlässlich. Genau dieser Anspruch treibt gutes Handwerk bis heute an – ob bei einer Klinge oder bei einer gestochen scharfen Gravur. Die Werkzeuge, mit denen im Norden gearbeitet wurde, zeigt unser Beitrag über die Werkzeugkiste von Mästermyr.
Die Ulfberht-Schwerter sind eine Gruppe von rund 170 mittelalterlichen Schwertern (9.–11. Jh.), deren Klingen die eingeschmiedete Inschrift +VLFBERH+T bzw. +VLFBERHT+ tragen. „Ulfberht" ist ein fränkischer Name; als Herkunft gilt das Rheinland/Frankenreich. Ein Teil der Klingen besteht aus besonders reinem (hypereutektoidem) Stahl. Die meisten Funde stammen aus Nordeuropa – begünstigt durch heidnische Waffengräber; fränkischer Waffenexport an Fremde war verboten (Beute/Lösegeld/Schmuggel). Forschung u. a. Alan Williams (2007/2009) und Anne Stalsberg (2008).
Die Legende „das eine überlegene Wunderschwert aus geheimem Orient-Stahl" ist zu einfach: Die Ulfberht-Gruppe umfasst sehr verschiedene Stahlsorten und Qualitäten, viele Klingen sind ganz normal geschmiedet, und etliche Inschriften sind fehlerhaft (verschrieben) – ein Zeichen für Nachahmungen oder ungeübte Hände. „Ulfberht" ist also weniger ein einzelner Schmied als ein über Generationen benutzter, auch gefälschter Markenname.

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