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Steinschiffe – Schiffe aus Stein für die letzte Fahrt

Schiffe & Seefahrt Steinschiffe – Schiffe aus Stein für die letzte Fahrt

Manchmal steht mitten in einer weiten Landschaft ein Schiff – nur besteht es nicht aus Holz, sondern aus aufrecht gestellten Findlingen, die einen schlanken Bootsumriss bilden. Diese „Steinschiffe" oder Schiffssetzungen gehören zu den eindrucksvollsten Denkmälern des Nordens. Sie fahren nirgendwohin und sind doch ganz und gar dem Aufbruch geweiht: dem letzten von allen.

Ein Schiff, das nie segelt

Eine Schiffssetzung ist eine Anordnung von Steinen in Form eines Schiffes: zwei Reihen von Findlingen bilden die Bordwände, zwei größere Steine an den Enden Steven und Heck. Manche sind nur wenige Meter lang, andere gewaltig. Sie stehen einzeln oder in ganzen Gräberfeldern, oft an weithin sichtbaren Plätzen. Über viele Jahrhunderte hinweg errichteten die Menschen des Nordens solche steinernen Schiffe – von der Bronzezeit bis tief in die Wikingerzeit.

Grab und Denkmal

Meist markieren Schiffssetzungen ein Grab. Unter oder in dem steinernen Umriss fanden sich Bestattungen, häufig Brandgräber mit der Asche der Toten. Das Bild ist klar: Das Schiff trägt den Verstorbenen auf seine letzte Fahrt, hinüber in die andere Welt. Es ist derselbe Gedanke, der auch hinter den echten Schiffsgräbern und der Bootsbestattung steht – nur hier in dauerhaftem Stein festgehalten, ein Schiff, das die Zeit überdauert.

„Sie trugen Baldrs Leichnam hinaus auf das Schiff Hringhorni und zündeten den Scheiterhaufen an." nach der Snorra-Edda, Gylfaginning (gemeinfrei)

Die großen Beispiele

Das berühmteste Steinschiff ist Ales stenar an der Südküste Schwedens: 59 mächtige Findlinge formen ein fast siebzig Meter langes Schiff hoch über dem Meer, errichtet vor rund 1400 Jahren. In Anundshög in Mittelschweden liegen Schiffssetzungen neben dem größten Grabhügel des Landes und einem alten Thingplatz. Und in Dänemark, bei Lindholm Høje, steht ein ganzes Gräberfeld voller steinerner Schiffe – ein regelrechter Hafen der Toten. Auch in Jelling gehörte einst eine gewaltige Schiffssetzung zum königlichen Denkmal.

Warum ein Schiff aus Stein?

Für ein seefahrendes Volk war das Schiff das wichtigste, wertvollste Ding überhaupt – das Mittel, mit dem man Meere überquerte, Handel trieb, in die Ferne zog. Kein Wunder, dass es auch das Bild für die größte aller Reisen wurde. Ein Schiff aus Holz vergeht; ein Schiff aus Stein bleibt. Wer seinen Toten ein steinernes Schiff setzte, gab ihm ein Gefährt, das nicht verrottet – und der Landschaft ein Zeichen, das bis heute steht.

Ein Bild, das bleibt

Genau darin liegt ihre stille Kraft. Die Steinschiffe verbinden zwei Sehnsüchte: Aufbruch und Dauer. Sie erinnern daran, dass der Tod im Norden nicht als Ende gedacht war, sondern als Überfahrt – und dass ein gutes Zeichen den Menschen überleben soll. Dieselbe Idee trägt jede Gravur in Stein: etwas Vergängliches in eine dauerhafte Form bringen.

Was gesichert ist

Schiffssetzungen (Steinschiffe) sind schiffsförmige Anordnungen aufrechter Steine, die über einen langen Zeitraum (Bronzezeit bis Wikingerzeit) im gesamten Norden errichtet wurden; sie markieren meist Gräber, oft Brandbestattungen. Bekannte Beispiele: Ales stenar (Schonen, ~59 Steine, ~67 m, errichtet vor ca. 1400 Jahren), die Schiffssetzungen von Anundshög (Mittelschweden, an Grabhügel und Thingplatz) und das Gräberfeld Lindholm Høje (Dänemark). Auch das königliche Monument von Jelling umfasste eine große Schiffssetzung.

Mythos-Check

Steinschiffe sind Grab- und Denkmäler, keine „Kalender" oder astronomischen Observatorien – populäre Deutungen etwa von Ales stenar als „schwedisches Stonehenge" sind nicht gesichert. Die Datierung ist oft schwierig, weil sich die Setzungen kaum direkt datieren lassen; Zeitspannen von der Bronze- bis zur Wikingerzeit sind belegt. Sicher ist der Kern: das Schiff als Bild der Bestattung und der letzten Fahrt, in Stein gesetzt.

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Quellen & Literatur

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