Sie sind weit mehr als geflügelte Kriegerinnen der Oper: Die Walküren entscheiden, wer im Kampf fällt – und wer nach dem Tod in Odins Halle aufgenommen wird. Sie sind Todesboten und Ehrengarde zugleich, schön und schrecklich.
Walküren (altnordisch valkyrja, „Wählerin der Erschlagenen") sind Odins dienende Schlachtjungfrauen. Sie reiten über die Schlachtfelder, bestimmen den Ausgang des Kampfes und geleiten die tapfersten Gefallenen nach Walhall. Dort reichen sie den Einherjern das Trinkhorn.

Ihr Name sagt alles: Sie wählen die Toten. Wer auf dem Schlachtfeld stirbt, stirbt, weil eine Walküre ihn erwählt hat. Das macht sie zu einer der ambivalentesten Gestalten der Mythologie – lebensrettend für den einen, todbringend für den anderen. In Walhall aber legen sie das Grausame ab und werden zu Mundschenkinnen der gefallenen Helden.
„Hrist und Mist / mir das Horn bringen sollen, / Skeggöld und Skögul, / Hild und Thrud, / Hlökk und Herfjötur, / Göll und Geirönul, / Randgrid und Radgrid / und Reginleif: / die reichen den Einherjern das Ale.“— Grímnismál 36, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Die ältesten Quellen zeigen die Walküren dunkler, als die Romantik es wollte: Im Darraðarljóð weben sie das Schicksal der Schlacht auf einem Webstuhl, dessen Kette aus Gedärmen besteht und dessen Gewichte Menschenköpfe sind. Sie sind keine lieblichen Engel, sondern Werkzeuge von Odins unerbittlichem Sammeln für den letzten Krieg.

Die berühmteste Walküre ist Brünhild (Sigrdrífa): Weil sie im Kampf eigenmächtig den falschen König siegen ließ, stach Odin sie mit dem Schlafdorn und verurteilte sie, als sterbliche Frau zu leben. Ihr Erwachen und ihre Runenweisheit für den Helden Sigurd gehören zu den schönsten Szenen der Lieder-Edda.
Die Walküren (valkyrjur, „Wählerinnen der Erschlagenen") gehören zu den eindrucksvollsten Gestalten der nordischen Mythologie. Als Odins Dienerinnen entscheiden sie über Sieg und Tod auf dem Schlachtfeld und geleiten die tapfersten Gefallenen nach Walhall.
Im Auftrag Odins reiten die Walküren über die Schlachtfelder und wählen jene aus, die als Einherjer in Walhall aufgenommen werden. Dort reichen sie den Kriegern beim ewigen Fest Met und Trank – Kriegerinnen und Gastgeberinnen zugleich.
Die ältesten Bilder der Walküren sind düster: Im Darraðarljóð weben sie das Kriegsschicksal aus Därmen und Köpfen der Gefallenen. Später wurden sie zu edlen, schildtragenden Jungfrauen – ein Wandel vom Schreckbild zur heroischen Gestalt.
Manche Walküren treten aus ihrer Rolle heraus und werden zu tragischen Heldinnen: Brynhild und Sigrun lieben sterbliche Helden und trotzen dem Willen Odins. So verbinden die Walküren Krieg, Schicksal und Liebe in einer einzigen Gestalt.
Walhall · Odin · Sigurd · Das Götter-Pantheon.
Grímnismál, Sigrdrífumál, Darraðarljóð (Lieder-Edda / Skaldik), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Snorri Sturluson, Gylfaginning. Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; Neil Price, The Viking Way (2019).
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