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Walhall – Odins Halle der Gefallenen zwischen Edda, Skaldenlied und Bildstein

Mythologie Walhall – Odins Halle der Gefallenen zwischen Edda, Skaldenlied und Bildstein

Walhall (altnordisch Valhǫll, „Halle der Gefallenen“) ist in der nordischen Mythologie Odins riesige Halle in Asgard, in die ein ausgewählter Teil der im Kampf Getöteten einzieht, um bis zum Weltende zu kämpfen und zu feiern. So schildern es die Lieder-Edda und Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert. Wir zeigen dir, was die Quellen über den Ort selbst sagen: Dach, Tore, Lage, Gästeliste – und warum „jeder Krieger kommt nach Walhall“ so nie in den Texten steht.

Stell dir vor, du stehst vor einer Halle, deren Dach nicht aus Schindeln besteht, sondern aus Schilden. Die Sparren sind Speerschäfte, auf den Bänken liegen Kettenhemden, und über dem Tor kreist ein Adler. Fünfhundertvierzig Türen führen hinaus, und durch jede passt eine ganze Kriegerschar. Das ist kein Fantasy-Set, sondern der Ort, den die altnordische Dichtung Walhall nennt – die Halle Odins.

Über die Bewohner, die Einherjer, und über die Walküren, die sie auswählen, haben wir eigene Artikel geschrieben. Hier geht es um das Gebäude selbst – vom Namen bis zur Ruhmeshalle an der Donau.

Was bedeutet „Walhall“? Der Name und eine Forschungsthese

Das altnordische Valhǫll setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Valr bezeichnet die Gefallenen auf dem Schlachtfeld, die Toten einer Kampfstätte als Gesamtheit. Verwandt sind altenglisch wæl, althochdeutsch wal und das deutsche „Walstatt“ (Schlachtfeld). Auch die valkyrja, die Walküre, ist wörtlich die „Wählerin der Gefallenen“. Der zweite Teil, hǫll, ist schlicht die Halle. Die übliche Übersetzung lautet daher „Halle der Gefallenen“ oder „Halle der Erschlagenen“.

Ganz so glatt ist die Sache aber nicht. Der Religionshistoriker E. O. G. Turville-Petre und der Wiener Altgermanist Rudolf Simek verweisen auf eine zweite Spur: In Südschweden hießen bestimmte Felsen und Hügel im Volksglauben valhall – Orte, an denen man sich die Toten wohnend dachte. Daraus ergibt sich die These, dass hinter der prächtigen Götterhalle ursprünglich ein „Felsen der Gefallenen“ stehen könnte, also die ältere Vorstellung eines Totenbergs, in den die Verstorbenen eingehen. Das passt zu isländischen Sagas, in denen Tote in einen Berg wie den Helgafell einziehen, und zu Saxo Grammaticus, bei dem der Held Hadding eine Art unterirdisches Totenreich mit kämpfenden Gefallenen besucht.

Stand der Forschung: Die Deutung „Halle der Gefallenen“ ist sprachlich sauber und entspricht dem Bild der Edda. Die Felsen-These ist ernst zu nehmen, aber nicht bewiesen – sie zeigt eher, dass die Vorstellung von Walhall eine Vorgeschichte haben könnte, die älter ist als die vergoldete Halle der Dichter.

Die deutsche Form „Walhall“ ist die eingedeutschte Fassung von Valhǫll; „Walhalla“ und das englische „Valhalla“ sind frühneuzeitliche Gelehrtenformen, die sich über Bücher, Gedichte und später Richard Wagner eingebürgert haben.

Wo liegt Walhall? Gladsheim und die Hallen der Götter

Die wichtigste Quelle für die Lage ist das Eddalied Grímnismál („Das Lied des Grímnir“). Darin sitzt Odin, als Wanderer verkleidet, zwischen zwei Feuern gefangen im Saal des Königs Geirröd und zählt im Fieber der Hitze die Wohnstätten der Götter auf: Ýdalir, Álfheim, Valaskjálf, Sökkvabekk – und als fünfte Gladsheim (Glaðsheimr, etwa „Heim der Freude“ oder „glänzendes Heim“). Dort, so Strophe 8, ragt das „goldhelle“ Walhall weit auf, und dort wählt Odin Tag für Tag die Waffentoten.

Walhall liegt also in Asgard, dem Bereich der Asen, innerhalb einer Landschaft namens Gladsheim. Mehr Geografie liefern die Lieder nicht. Die Liste in Grímnismál ist ein Katalog, kein Reiseführer – und das ist ein wichtiger Hinweis für alle, die fragen, „wie man nach Walhall kommt“. Die Quellen beschreiben kein Ziel, das man erwandert, sondern einen Ort, in den man aufgenommen wird.

Spannend ist, wer in derselben Liste noch wohnt. Als neunte Halle nennt das Lied Fólkvangr, das „Feld des Heeres“: Dort ordnet Freyja die Sitze und wählt jeden Tag die Hälfte der Gefallenen – die andere Hälfte gehört Odin (Strophe 14). Walhall war demnach von Anfang an nicht das einzige Ziel ehrenvoller Toter. Dazu gleich mehr.

Speerschäfte als Sparren, Schilde als Dach: Grímnismál 8–10

Die Strophen 9 und 10 sind die eigentliche Baubeschreibung, und sie sind erstaunlich konkret. Sinngemäß übertragen heißt es: Leicht zu erkennen ist die Halle für alle, die zu Odin kommen. Aus Speerschäften ist ihr Sparrenwerk, mit Schilden ist der Saal gedeckt, mit Brünnen (Kettenhemden) sind die Bänke bestreut. Und weiter: Ein Wolf hängt vor dem westlichen Tor, und ein Adler schwebt darüber.

Lies das nicht als Bauplan, sondern als dichterisches Bild aus der Welt der Kriegerhallen. Ein Dach aus Schilden ist eine Kenning in Bauform: Der Schild war im Skaldenvers ohnehin das „Dach“ oder die „Halle“ des Kämpfers. In Walhall wird die Metapher wörtlich genommen. Die Brünnen auf den Bänken erinnern an echte Hallen, in denen Waffen und Ausrüstung der Gefolgschaft griffbereit lagen – kostbare Stücke wie die Brynja wurden gezeigt, nicht versteckt.

Schwieriger ist das Bild von Wolf und Adler. Beide sind die klassischen „Tiere des Schlachtfelds“, die in der Dichtung nach dem Kampf die Leichen fressen – zusammen mit dem Raben. Am Tor der Totenhalle wirken sie wie ein Wappen: Wer hier eintritt, kommt vom Schlachtfeld. Ob dahinter auch ein reales Tierbild über einem Halleneingang steht, bleibt offen.

Auch Snorri Sturluson kannte das Motiv der Schilddächer. Ganz am Anfang seiner Gylfaginning („Gylfis Betörung“, um 1220–1230) kommt der schwedische König Gylfi als Wanderer Gangleri in eine gewaltige Halle, deren Dach mit goldenen Schilden wie mit Schindeln gedeckt ist. Snorri stützt das mit einem Vers des Skalden Þjóðólfr aus Hvinir. Die goldenen Schilde, die man in vielen Nacherzählungen auf Walhall findet, stammen also aus dieser Rahmenerzählung, nicht aus Grímnismál selbst.

Valgrind und die 540 Tore: Grímnismál 22–23

Ein zweiter Block von Strophen beschäftigt sich mit dem Zugang. Strophe 22 nennt das Gatter Valgrind (Valgrind, „Gitter der Gefallenen“). Es steht auf dem Feld, heilig vor heiligen Türen; alt ist das Gatter, und nur wenige wissen, wie es verschlossen ist. Das Wort grind meint ein Gitter- oder Lattentor, wie es Weiden und Höfe abschloss. Auffällig ist das Gegenstück im Totenreich der Hel: Dort spricht die Dichtung vom Helgrind, dem Hel-Gatter. Beide Totenwelten haben also ein Tor, und beide Tore sind eine Grenze, die man nicht einfach wieder zurück überschreitet.

Dann folgt die berühmteste Zahl der ganzen Walhall-Überlieferung. Karl Simrock hat die Strophe so übersetzt:

„Fünfhundert Thüren und viermal zehn / Wähn ich in Walhall. / Achthundert Einherier ziehn aus je einer, / Wenn es dem Wolf zu wehren gilt.“— Grímnismál 23, Übersetzung Karl Simrock (gemeinfrei)

540 Tore mal 800 Krieger ergeben 432.000 Kämpfer. Das ist eine verführerische Rechnung, und sie wird gern gemacht. Zwei Dinge solltest du dabei wissen. Erstens kann das altnordische „hundert“ ein „Großhundert“ von 120 meinen, dann wären die Zahlen noch größer. Die Zahl will vor allem eines sagen: unvorstellbar viele.

Die folgende Strophe 24 nennt übrigens dieselbe Zahl 540 noch einmal – für die Räume in Bilskirnir, der Halle Thors. Die Zahl ist also eher ein dichterisches Maß für Übergröße als eine Bauinformation. Und der Zweck der Tore ist klar benannt: Sie öffnen sich, wenn es „dem Wolf zu wehren gilt“ – am Tag von Ragnarök, wenn Fenrir losbricht.

Das Leben in der Halle: Gylfaginning Kapitel 38–41

Snorri baut in der Gylfaginning aus diesen Strophen einen zusammenhängenden Bericht. Er lässt den Fragesteller Gangleri ganz praktische Dinge wissen wollen, und die Antworten haben stellenweise einen trockenen Humor, den man Snorri gern unterschätzt.

In Kapitel 38 (nach gängiger Zählung) fragt Gangleri, wie so viele Menschen in Walhall satt werden. Die Antwort: Der Koch Andhrímnir kocht im Kessel Eldhrímnir den Eber Sæhrímnir, der jeden Abend wieder heil ist. Odin selbst isst nicht; er gibt seine Speise den Wölfen Geri und Freki und lebt nur von Wein. Kapitel 39 widmet sich dem Trinken: Auf dem Dach steht die Ziege Heiðrún und frisst vom Baum Læraðr, aus ihrem Euter fließt so viel Met, dass alle Einherjer genug haben. Snorri lässt Hár dazu sinngemäß bemerken, es wäre ein seltsamer Herr, der Könige und Jarle zu sich lädt und ihnen dann Wasser vorsetzt. Neben der Ziege steht der Hirsch Eikþyrnir, von dessen Geweih die Flüsse der Welt ausgehen.

Kapitel 40 handelt von der Größe der Halle und zitiert die Strophe mit den 540 Toren. Kapitel 41 schließlich beschreibt den Zeitvertreib: Jeden Tag legen die Einherjer ihre Rüstung an, gehen hinaus in den Hof und kämpfen gegeneinander, bis sie sich gegenseitig fällen. Zur Essenszeit reiten sie heim, setzen sich zum Trinken und sind wieder versöhnt.

Belegt durch ältere Dichtung: Das tägliche Kämpfen und anschließende Zechen der Einherjer steht nicht nur bei Snorri, sondern schon im Eddalied Vafþrúðnismál (Strophe 41): Alle Einherjer kämpfen in Odins Gehegen, wählen die Gefallenen, reiten heim vom Kampf und sitzen dann friedlich beisammen.

Wenn Könige ankommen: Eiríksmál und Hákonarmál

Die vielleicht eindrucksvollsten Walhall-Bilder stammen nicht aus der Edda, sondern aus zwei Gedichten des 10. Jahrhunderts, die tatsächlich für echte, historisch fassbare Könige verfasst wurden.

Das Eiríksmál entstand nach dem Tod von Erik Blutaxt, der 954 in England fiel; es wird traditionell mit seiner Witwe Gunnhild in Verbindung gebracht, sein Dichter ist unbekannt. Erhalten ist es nur bruchstückhaft in der Königssagasammlung Fagrskinna. Odin erwacht darin aus einem Traum: Er habe geträumt, er rüste Walhall für die Ankunft gefallener Krieger, lasse die Einherjer aufstehen, die Bänke bestreuen, die Becher spülen und die Walküren Wein bringen. Bragi, der Gott der Dichtkunst, hört ein Dröhnen, als käme ein Tausend heran – und Odin weiß: Es ist Erik. Er schickt die Sagenhelden Sigmund und Sinfjötli hinaus, um den König zu begrüßen. Auf die Frage, warum er Erik gerade jetzt holt, antwortet Odin sinngemäß: Ungewiss ist es, denn der graue Wolf starrt auf die Sitze der Götter.

Das Hákonarmál stammt von Eyvindr skáldaspillir und betrauert König Hákon den Guten von Norwegen, der um 961 nach der Schlacht bei Fitjar starb. Hier reiten die Walküren Göndul und Skögul über das Schlachtfeld und verkünden, Hákon solle mit großem Heer zu Odin kommen. In Walhall begrüßen ihn Hermóðr und Bragi. Hákon ist zunächst misstrauisch und will seine Waffen behalten. Pikant: Hákon war am englischen Hof christlich erzogen worden. Das Gedicht holt ihn trotzdem in Odins Halle und lobt ihn dafür, die Heiligtümer der Götter geschont zu haben. Der Schluss ist berühmt: Ungebunden wird der Fenriswolf eher über die Menschenwelt fahren, als dass ein so guter König wieder an seine Stelle tritt.

Warum diese Gedichte so wichtig sind: Eiríksmál und Hákonarmál sind Hofdichtung aus dem 10. Jahrhundert, also aus der Wikingerzeit selbst, nicht erst aus dem 13. Jahrhundert. Sie belegen, dass die Vorstellung einer Odinshalle, in der gefallene Herrscher empfangen werden, schon vor der Christianisierung Norwegens politisch genutzt wurde – als Ehrung und als Legitimation einer Dynastie.

Beachte, wer da ankommt: Könige. Beide Gedichte feiern Herrscher, keine einfachen Bauernkrieger. Walhall war in der Skaldik ein Ort für die Elite, für Fürsten und ihre Gefolgschaft. Das ist ein wichtiger Gegenpol zur heutigen Vorstellung, jeder Wikinger sei auf dem Weg dorthin gewesen.

Walhall auf Stein? Die Bildsteine von Gotland

Gibt es Bilder von Walhall aus der Wikingerzeit? Die heißesten Kandidaten stehen auf Gotland. Die Bildsteine der Insel, große bemalte und reliefierte Kalksteinplatten, zeigen oft Schiffe, Kampfszenen und Reiter. Auf dem Stein von Tjängvide (heute im Historischen Museum Stockholm, ca. 700–900 n. Chr.) reitet ein kleiner Reiter auf einem achtbeinigen Pferd, und eine Frau tritt ihm mit einem Trinkhorn entgegen. Darunter fährt ein großes Segelschiff, und eine Runeninschrift nennt den Toten, dem der Stein gesetzt wurde.

Die verbreitetste Deutung: Ein Toter (oder Odin selbst) reitet auf Sleipnir in die andere Welt, und eine Walküre empfängt ihn mit dem Willkommenstrunk – die Ankunft in Walhall. Gestützt wird das durch Gedichte, in denen Walküren das Trinkhorn reichen, und durch kleine Silberfiguren von Frauen mit Horn. Aber es gibt Alternativen: Manche sehen Sigurd auf seinem Hengst Grani, andere schlicht eine Heimkehr, bei der die acht Beine Geschwindigkeit ausdrücken.

Mythos-Check: „Auf den Bildsteinen ist Walhall abgebildet.“ – Das ist eine Deutung, kein Beleg. Kein Bildstein beschriftet eine Halle als Walhall. Die Szene „Reiter wird mit Horn empfangen“ passt hervorragend zur Dichtung, aber wir lesen die Bilder mit dem Wissen der Edda, die Jahrhunderte jünger ist.

Die echten Vorbilder: Königshallen in Lejre, Uppsala und Borg

Woher hatten die Dichter ihr Bild einer riesigen Halle mit Bänken, Hochsitz und Gelage? Aus der eigenen Welt. Die Archäologie hat in Skandinavien eine ganze Reihe monumentaler Hallen ausgegraben, die zeigen, was ein Fürstensitz der Eisen- und Wikingerzeit war.

In Lejre auf Seeland, dem legendären Sitz der Skjöldungen-Könige, fanden Archäologen eine Halle von 48 Metern Länge und 11 Metern Breite, nach dem Dänischen Nationalmuseum das größte bekannte Gebäude der Wikingerzeit in Dänemark. Die Anlage reicht in ihren Anfängen bis ins 6. Jahrhundert zurück. Aus einem Gebäude in Lejre stammt auch die winzige Silberfigur einer Gestalt auf einem Hochsitz, flankiert von zwei Vögeln – häufig, aber nicht unumstritten, als Odin auf seinem Thron Hliðskjálf gedeutet.

In Gamla Uppsala, dem alten Kult- und Königszentrum der Svear, legten Ausgrabungen eine große Halle der Vendelzeit (vor der Wikingerzeit, um 600–750) auf künstlich angelegten Terrassen frei, dazu gewaltige Pfostenreihen in der Landschaft. Mehr dazu in unserem Artikel über Uppsala. Und in Borg auf den Lofoten stand ein Häuptlingshaus, dessen Fundament 83 Meter lang war – das bisher größte bekannte Gebäude dieser Art in Skandinavien. Es wurde 1983 entdeckt, im 8. Jahrhundert erweitert und um 950 aufgegeben; heute steht dort ein Nachbau.

Diese Hallen waren Wohnort, Festsaal, Gerichtsort und vermutlich auch Kultraum zugleich. Hier saß der Herrscher erhöht, hier verteilte er Ringe und Waffen, hier bewirtete er seine Gefolgschaft mit Fleisch und Met. Genau dieses Muster findest du in Walhall wieder: Odin als Herr der Halle, die Einherjer als seine Gefolgschaft, Sæhrímnir als Festbraten, Heiðrúns Met als Trunk. Walhall ist das, was ein Wikinger-Fürst gern gehabt hätte – nur unendlich groß, unendlich reich und unendlich lang.

Walhall, Fólkvangr oder Hel? Die Totenreiche im Vergleich

Wer nach Walhall fragt, fragt meist auch: Und wohin gingen alle anderen? Die Quellen kennen mehrere Ziele, und sie sind sich untereinander nicht einig.

Walhall ist Odins Halle für einen Teil der Kampftoten. Snorri schreibt an einer Stelle (Gylfaginning 20), alle, die im Kampf fallen, seien Odins Wunschsöhne und kämen nach Walhall und Vingólf. An anderer Stelle übernimmt er aus Grímnismál, dass Freyja die Hälfte bekommt. Snorri widerspricht sich also selbst.

Fólkvangr ist Freyjas Feld mit der Halle Sessrúmnir. Über das Leben dort erfahren wir fast nichts. Interessant ist eine Szene aus der Egils saga: Egils Tochter Þorgerðr sagt, sie werde nichts mehr essen, bis sie bei Freyja speise – offenbar konnte man sich auch als Frau einen Platz bei Freyja vorstellen, ganz ohne Schlachtfeld.

Hel schließlich ist bei Snorri das Ziel derer, die an Krankheit und Alter sterben, also der allermeisten Menschen. Hel ist dabei kein Ort der Bestrafung, keine christliche Hölle, sondern einfach das gewöhnliche Totenreich. Wer mehr wissen will, findet bei uns einen Artikel über Hel und den direkten Vergleich Walhall oder Helheim.

Wie kommt man nach Walhall? Was die Quellen wirklich sagen

Die Frage wird heute oft gegoogelt, und die ehrliche Antwort ist: Man kommt nicht hin, man wird geholt. In allen Quellen entscheidet Odin oder seine Walküren, nicht der Tote. Der Kampftod ist dabei die wichtigste Voraussetzung, aber keine Garantie – die Walküren „wählen“, und gewählt wird eben nicht jeder.

Snorri bietet in der Ynglinga saga, seiner euhemeristischen Vorgeschichte der schwedischen Könige, zwei weitere Hinweise. Er erzählt, der „historische“ Odin habe als Gesetz eingeführt, die Toten zu verbrennen und ihnen Beigaben mitzugeben; mit dem, was mit ihnen auf den Scheiterhaufen kam, sollten sie nach Walhall gelangen. Und als Odin selbst im Bett starb, habe er sich mit einer Speerspitze zeichnen lassen und sich so alle im Kampf Gefallenen zugeeignet. Das ist spätere Gelehrtenüberlieferung und kein Ritualbericht der Wikingerzeit, aber es zeigt, dass man im Mittelalter über die „Eintrittsbedingungen“ nachdachte.

Ein Beispiel aus der Edda zeigt, wie hoch der Rang zählte: Im zweiten Helgi-Lied wird der gefallene Held Helgi in Walhall von Odin eingeladen, alles mit ihm gemeinsam zu beherrschen. Walhall ist kein Ort der Gleichheit, sondern eine Halle mit Sitzordnung.

Mythos-Check: „Jeder Krieger, der mit dem Schwert in der Hand stirbt, kommt nach Walhall.“ – So steht es in keiner Quelle. Die Lieder sprechen von einer Auswahl durch Odin und die Walküren, Freyja bekommt nach Grímnismál die Hälfte, und die Skaldik zeigt vor allem Könige in Walhall. Das „Schwert in der Hand“ ist ein modernes Motiv aus Romanen, Filmen und Serien.
Mythos-Check: „Walhall ist der Himmel der Wikinger.“ – Nur sehr bedingt. Walhall ist kein Ort ewiger Ruhe, sondern ein Wartesaal mit Training. Die Einherjer sammeln sich für Ragnarök, und dort fallen Odin und viele Götter. Ein Happy End verspricht die Halle nicht.

Ein Heer für das Ende: Warum Odin sammelt

Walhall ist eine Rüstkammer der Endzeit: Die Einherjer üben, weil Odin weiß, dass Fenrir sich losreißen wird. Und genau darin liegt die Tragik. Die Quellen erzählen nicht, dass das Heer siegt. In der Völuspá wird Odin vom Wolf verschlungen. Walhall bereitet auf einen Kampf vor, der trotzdem verloren wird – zumindest für die alte Götterwelt.

Von der Edda an die Donau: Walhalla und Wagner

Im 19. Jahrhundert erlebte Walhall eine zweite Karriere. Kronprinz Ludwig von Bayern fasste 1807 die Idee zu einer Ruhmeshalle für bedeutende Deutsche. Als König Ludwig I. ließ er sie nach Plänen von Leo von Klenze oberhalb der Donau bei Donaustauf, unweit von Regensburg, errichten. Gebaut wurde von 1830 bis 1842, eröffnet am 18. Oktober 1842. Architektonisch ist sie ein griechischer Tempel nach dem Vorbild des Parthenon; nordisch ist nur die Idee einer Halle der „Helden“. Zur Eröffnung zählte man 96 Büsten, heute sind es rund 130 Büsten und etwa 65 Gedenktafeln.

Noch größer war der Einfluss von Richard Wagner. In seinem Ring des Nibelungen lässt Wotan im Rheingold die Burg Walhall von den Riesen Fasolt und Fafner bauen und zahlt dafür einen hohen Preis. In der Götterdämmerung geht Walhall in Flammen auf. Wagner mischte Edda, Völsunga saga und Nibelungenlied frei. Viele Bilder, die heute mit „Walhall“ verbunden werden – die Burg auf dem Wolkengipfel, der Untergang im Feuer –, stammen eher aus der Oper als aus der Edda.

Was uns an Walhall bewegt

Wenn wir in unserer Werkstatt in Alsdorf ein Motiv rund um Walhall gravieren – ein Trinkhorn, einen Schildwall, einen Spruch für ein Erinnerungsstück –, dann geht es selten um Schlachtromantik. Es geht um das, was die alten Gedichte im Kern meinen: dass ein Mensch, der mutig gelebt hat, nicht vergessen wird. Dass jemand ihn empfängt. Dass am Tisch ein Platz frei bleibt. Das Eiríksmál ist im Grunde ein Trauergedicht, gedichtet für eine Witwe, die ihren Mann in eine würdige Halle eintreten sehen wollte. Diese Sehnsucht ist zeitlos.

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Häufige Fragen

Was bedeutet Walhall? Altnordisch Valhǫll bedeutet „Halle der Gefallenen“, von valr (die Toten des Schlachtfelds) und hǫll (Halle). Eine Forschungsthese sieht dahinter zusätzlich einen älteren „Felsen der Toten“.

Wer kommt nach Walhall? Nach den Quellen ein Teil der im Kampf Gefallenen, ausgewählt von Odin und den Walküren. Die Hälfte der Gefallenen geht nach Grímnismál an Freyja, und wer an Alter oder Krankheit stirbt, kommt nach Snorri zu Hel.

Wie viele Türen hat Walhall? Grímnismál 23 nennt 540 Türen, durch jede ziehen 800 Einherjer aus. Die Zahl ist dichterische Übergröße, kein Bauplan.

Was ist der Unterschied zwischen Walhall und Walhalla? Inhaltlich keiner: Walhall ist die deutsche Form des altnordischen Namens, Walhalla eine latinisierte Gelehrtenform. Walhalla heißt außerdem die Ruhmeshalle Ludwigs I. bei Donaustauf, eröffnet 1842.

Wo liegt Walhall? In Asgard, in einem Bereich namens Gladsheim, so das Eddalied Grímnismál. Vor der Halle steht das Gatter Valgrind.

Kommen Frauen nach Walhall? Die Quellen nennen nur Männer als Einherjer; Frauen erscheinen dort als Walküren, die das Trinkhorn reichen. Für Frauen deutet die Egils saga eher einen Platz bei Freyja an.

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