Walhall ist kein Ruhesitz für müde Seelen. Es ist eine Kaserne der Gefallenen: eine gewaltige Halle, in der die tapfersten Toten jeden Tag kämpfen, sterben und wieder auferstehen – Training für den einen Krieg, der alles beendet.
Walhall (altnordisch Valhöll, „Halle der Erschlagenen") ist Odins goldene Halle in Asgard. Hierher bringen die Walküren die Hälfte der ruhmvoll Gefallenen – die andere Hälfte gehört Freyja. Die Bewohner heißen Einherjer, „die allein Kämpfenden".

Snorri und die Grímnismál malen ein Bild von überwältigender Größe: Das Dach ist mit Schilden gedeckt, die Sparren sind Speere, und an den Wänden hängen Brünnen. Vor allem aber ist die Halle riesig – groß genug für ein ganzes Heer.
„Fünfhundert Türen / und vierzig dazu / weiß ich in Walhalls Wänden; / achthundert Einherjer / gehn durch eine Tür, / wenn sie zum Kampf mit dem Wolf ausziehn.“— Grímnismál 23, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Der Alltag in Walhall ist der Traum jedes Wikinger-Kriegers: Tagsüber ziehen die Einherjer aus und kämpfen bis zum Tod – abends stehen alle Wunden geheilt wieder auf und feiern. Sie essen vom Eber Sährimnir, der jede Nacht nachwächst, und trinken den Met, den die Ziege Heidrun aus den Zweigen des Baumes Lärad gibt. Es fließt nie zu wenig.

Hinter dem Fest steht ein ernster Zweck: Odin hortet die besten Krieger für Ragnarök, die letzte Schlacht, in der die Einherjer an seiner Seite gegen die Riesen und den Wolf Fenrir ausziehen. Walhall ist kein Himmel – es ist eine Rüstkammer der Endzeit. Und selbst diese Armee wird den Untergang nicht aufhalten.
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Grímnismál, Vafþrúðnismál, Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Snorri Sturluson, Gylfaginning. Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).