Wikinger Blog / Götter
Aus dem Wissensarchiv

Freyja – die Herrin der nordischen Mythologie zwischen Liebe, Krieg und Zauber

Götter Freyja – die Herrin der nordischen Mythologie zwischen Liebe, Krieg und Zauber

Freyja ist die bedeutendste Göttin der nordischen Mythologie: eine Wanin, Tochter des Meeresgottes Njörðr und Schwester Freyrs, zuständig für Liebe und Begehren, aber ebenso für Krieg, Tod und den Seiðr-Zauber. Ihr Name bedeutet schlicht „Herrin“. Nach der Edda gehört ihr die Hälfte aller Gefallenen, sie fährt mit einem Katzengespann, besitzt das Halsband Brísingamen und weint Tränen aus rotem Gold. Wir zeigen, was die Quellen wirklich über sie sagen – und wo die Legende beginnt.

Riesen wollen sie heiraten, Zwerge schmieden ihr Gold, Loki beleidigt sie vor versammelter Götterrunde, und Odin teilt sich mit ihr die Toten. Keine andere Göttin des Nordens taucht in so vielen Geschichten auf, und keine wird so oft auf ein einziges Etikett verkürzt. „Freya, Göttin der Liebe“ steht auf Kerzen, Tassen und Tattoovorlagen. Das stimmt, aber es ist ungefähr so vollständig, als würdest du Odin den „Gott der Raben“ nennen. Wer die Quellen liest, trifft eine Göttin, die sich nimmt, was sie will, über Leben und Tod gebietet und eine Zauberkunst beherrscht, die selbst der Allvater bei ihr lernt.

Fast alles, was wir über Freyja wissen, stammt aus isländischen Texten des 13. und 14. Jahrhunderts: der Lieder-Edda, Snorri Sturlusons Prosa-Edda und den Sagas. Island war da längst christlich. Erfunden ist deshalb nicht alles – aber bei jeder Aussage zählt, wer sie wann aufgeschrieben hat.

Der Name: „Herrin“ statt Eigenname

Altnordisch Freyja geht auf urgermanisch *frawjōn zurück und bedeutet „Herrin, Gebieterin“. Es ist die weibliche Form zu dem Wort, das im Namen ihres Bruders Freyr steckt: „Herr“. Im Deutschen lebt dieselbe Wortfamilie in Frau weiter, althochdeutsch frouwa, ursprünglich ebenfalls „Herrin“.

Snorri kannte diesen Zusammenhang und erklärt ihn auf seine Weise: Von Freyjas Namen komme der Ehrentitel frú, mit dem vornehme Frauen angeredet werden (Gylfaginning, Kap. 24). In der Ynglinga saga (Kap. 10) ergänzt er, eine Frau, die über ihren Besitz gebiete, heiße deshalb húsfreyja. Sprachhistorisch ist die Richtung umgekehrt – erst gab es das Wort für „Herrin“, dann die Göttin, die so hieß. Viele Forscher vermuten deshalb, dass Freyja ursprünglich ein Titel war, ein ehrfürchtiger Beiname, der einen älteren Eigennamen verdrängt hat. Welcher das gewesen sein könnte, weiß niemand.

Dazu passt, dass Freyja auffallend viele Namen trägt. Snorri zählt in Gylfaginning Kap. 35 auf: Mardöll, Hörn, Gefn und Sýr, außerdem Vanadís, „die Dís der Wanen“. Die Bedeutungen sind teils durchsichtig, teils umstritten: Gefn hängt mit „geben“ zusammen, die Geberin. Sýr heißt „Sau“ – kein Schimpfwort, sondern ein Hinweis auf das Schwein als Tier der Fruchtbarkeit, das auch bei Freyr eine Rolle spielt. Hörn wird oft mit hörr „Flachs“ verbunden, Mardöll vielleicht mit dem Meer (marr) und einem Wort für „glänzen“. Für die letzten beiden gibt es keine gesicherte Deutung.

Wanin, Geisel und Göttin unter den Asen

Freyja gehört zu den Wanen, dem zweiten Göttergeschlecht neben den Asen. Ihr Vater ist der Meeresgott Njörðr, ihr Bruder ist Freyr. Ihre Mutter bleibt namenlos. Snorri erwähnt in der Ynglinga saga (Kap. 4), Njörðr sei bei den Wanen mit seiner eigenen Schwester verheiratet gewesen, denn das sei dort Sitte gewesen; Freyr und Freyja seien aus dieser Ehe hervorgegangen.

Wie die Wanen zu den Asen kamen, erzählt der Mythos vom Wanenkrieg. Am Ende tauschen beide Seiten Geiseln aus. Nach der Ynglinga saga gingen Njörðr und Freyr zu den Asen; Freyja wird dort eigens genannt: Sie sei Opferpriesterin (blótgyðja) gewesen und habe als Erste bei den Asen den Seiðr gelehrt, der bei den Wanen üblich war. In der Gylfaginning ist sie dann ganz selbstverständlich eine der Göttinnen von Asgard, und in Kap. 35 stellt Snorri sie im Rang gleich neben Frigg: die beiden vornehmsten Göttinnen überhaupt.

Wichtig für das Verständnis: Die Ynglinga saga ist euhemeristisch geschrieben. Snorri behandelt die Götter dort als menschliche Herrscher aus Asien, die erst später verehrt wurden. Er lässt Freyja nach Freyrs Tod die Opfer weiterführen, weil sie als Letzte der Götter noch gelebt habe (Kap. 10). Das ist gelehrte Geschichtskonstruktion eines christlichen Autors – aber die Rolle der Opferpriesterin könnte eine ältere Erinnerung bewahren.

Fólkvangr und Sessrúmnir: die Herrin der Gefallenen

Jetzt kommt das Detail, das die meisten überrascht. Wenn von den ehrenvoll Gefallenen die Rede ist, denken alle an Odin und die Einherjer in Walhall. Doch die Edda sagt ausdrücklich, dass Odin nur die Hälfte bekommt. Die andere gehört Freyja. Im Grímnismál, dem Lied, in dem Odin als Grímnir die Wohnsitze der Götter aufzählt, heißt es in Strophe 14:

Volkwang ist die neunte: da hat Freyja Gewalt
Die Sitze zu ordnen im Saal.
Der Walstatt Hälfte wählt sie täglich;
Odhin hat die andre Hälfte.– Grímnismál 14, Übersetzung Karl Simrock (gemeinfrei)

Fólkvangr lässt sich als „Volksfeld“ oder „Heerfeld“ übersetzen; fólk bedeutet im Altnordischen auch „Kriegsschar“. Snorri greift die Stelle in Gylfaginning Kap. 24 auf: Freyja sei die herrlichste der Göttinnen, ihr Hof heiße Fólkvangr, und wo immer sie zum Kampf reite, gehöre ihr die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte Odin. Ihr Saal heiße Sessrúmnir, „der Sitzgeräumige“, groß und schön.

Wer zu wem kommt, sagt keine Quelle. Dass sie die Toten wählt, rückt sie in die Nähe der Walküren, der „Wählerinnen der Erschlagenen“. Aber die Rangfolge ist bemerkenswert: Eine Göttin, die wir als Liebesgöttin abspeichern, steht bei der Verteilung der tapfersten Toten auf Augenhöhe mit dem Allvater.

Ein zweites Zeugnis zeigt, dass Freyjas Halle nicht nur Kriegern offenstand. In der Egils saga (Kap. 78) will sich Egill nach dem Tod seines Sohnes zu Tode hungern. Seine Tochter Þorgerðr legt sich zu ihm und erklärt, sie habe kein Abendessen gehabt und werde keines haben, bis sie bei Freyja sei. Die List gelingt: Egill dichtet statt zu sterben das Klagelied Sonatorrek. Für die Erzählung des 13. Jahrhunderts war es also eine verständliche Wendung, dass eine Frau nach dem Tod „zu Freyja“ geht. Alter Glaube oder literarische Formel? Das lässt sich nicht entscheiden.

Gesichert: Fólkvangr, Sessrúmnir und die Hälfte der Gefallenen stehen in Grímnismál 14 und Gylfaginning 24. Þorgerðrs Satz „bis ich bei Freyja bin“ steht in der Egils saga (Kap. 78). Alle Texte sind im 13. Jahrhundert aufgeschrieben; das Grímnismál gilt als älter, seine Datierung ist aber offen.

Óðr, Hnoss und die Tränen aus rotem Gold

Freyja ist verheiratet, und das wird oft vergessen. Ihr Mann heißt Óðr. Snorri erzählt in Gylfaginning Kap. 35 nur wenige Sätze über ihn: Er sei auf weite Reisen gegangen, und Freyja weine um ihn, und ihre Tränen seien rotes Gold. Auf der Suche nach ihm sei sie durch fremde Völker gezogen und habe sich dort jeweils anders genannt – daher ihre vielen Namen. Ihre gemeinsame Tochter heißt Hnoss, „Kleinod“, so schön, dass alles Kostbare nach ihr hnossir genannt werde. In der Ynglinga saga (Kap. 10) kommt eine zweite Tochter dazu, Gersemi, was ebenfalls „Kostbarkeit“ bedeutet.

In der Dichtersprache kann Gold „Freyjas Tränen“ heißen, und Snorri führt in der Skáldskaparmál Freyja als „das schön weinende Gottwesen“ unter ihren Umschreibungen. Auch die Völuspá kennt den Namen: Beim Bau der Asgardmauer fragen die Götter, wer „Óðs Mädchen“ (Óðs mey) dem Riesengeschlecht versprochen habe – gemeint ist Freyja.

Wer ist Óðr? Sein Name bedeutet „Raserei, Begeisterung, Dichtergeist“ – dasselbe Wort, aus dem auch Óðinn gebildet ist. Daraus ist eine der großen Debatten über Freyja entstanden, auf die wir weiter unten zurückkommen: War Óðr ursprünglich Odin, und war Freyja ursprünglich Frigg? In der Geschichte selbst bleibt Óðr eine Leerstelle: Die Göttin, die jeder will, weint um den einen, der weg ist.

Katzen, Eber und Federgewand: wie Freyja reist

„Wenn sie ausfährt, lenkt sie ihre Katzen und sitzt in einem Wagen“, schreibt Snorri in Kap. 24. Bei Balders Bestattung (Kap. 49) erscheint sie genau so, mit ihrem Katzengespann. Wie das aussah, beschreibt keine Quelle. Warum gerade Katzen, ist offen. Die Katze war in der Wikingerzeit vor allem als Pelztier und Mäusefänger bekannt; mehr dazu in unserem Beitrag über die Katze im Norden.

Mythos-Check: Freyjas Katzen hätten Namen, etwa „Bygul“ und „Trjegul“? Diese Namen stehen in keiner mittelalterlichen Quelle. Sie sind eine moderne Erfindung, die sich im Internet verselbstständigt hat. Die Edda nennt die Tiere nur „ihre Katzen“.

Zum Katzenwagen kommt ein Eber. Im Hyndluljóð (Str. 7) reitet Freyja auf Hildisvíni, dem „Kampfschwein“, mit goldenen Borsten, geschmiedet von den Zwergen Dáinn und Nabbi. Das erinnert an Freyrs goldborstigen Eber Gullinbursti.

Und Freyja kann fliegen, oder zumindest besitzt sie die Mittel dazu. In der Þrymskviða, dem Lied von Thors gestohlenem Hammer, leiht sich Loki ihr Federgewand (fjaðrhamr, Str. 3), um nach Jötunheim zu fliegen und den Dieb zu suchen. In der Skáldskaparmál borgt sich Loki ihr Falkengewand (valshamr), um die entführte Iðunn zurückzuholen. Ein ganz ähnliches Gewand besitzt übrigens auch Frigg, denn in der Geschichte von Thors Fahrt zu Geirröðr fliegt Loki in Friggs Falkengewand – ein kleines Detail, das in der Freyja-Frigg-Debatte gern angeführt wird.

Brísingamen und der Zorn der Göttin

Freyjas berühmtester Besitz ist das Halsband (oder der Halsschmuck) Brísingamen. Snorri erwähnt es in Kap. 35 nur kurz. Wie sie es bekam, erzählt erst der Sörla þáttr, eine Erzählung in der Flateyjarbók aus dem späten 14. Jahrhundert: Vier Zwerge schmieden das Kleinod, und Freyja erhält es, indem sie mit jedem von ihnen eine Nacht verbringt. Loki stiehlt es im Auftrag Odins, und Freyja bekommt es nur zurück, weil sie einen ewigen Krieg zwischen zwei Königen entfacht. Der Text ist spät und christlich geprägt – als Zeugnis heidnischen Glaubens taugt er nur mit Vorsicht.

Älter ist eine andere Spur. Der Skalde Úlfr Uggason beschreibt in der Húsdrápa (um 985) einen Kampf zwischen Loki und Heimdall in Robbengestalt; Snorri deutet ihn so, dass es dabei um Brísingamen ging. Und das altenglische Beowulf-Epos nennt ein Brosinga mene, einen kostbaren Halsschmuck. Ob das derselbe Gegenstand ist, bleibt umstritten.

Die eindrucksvollste Szene steht in der Þrymskviða. Der Riese Þrymr hat Thors Hammer und will ihn nur gegen Freyja als Braut herausgeben. Als Loki ihr das ausrichtet, wird sie so zornig, dass die Hallen der Asen erbeben und Brísingamen zerspringt (Str. 13). Sinngemäß sagt sie: Man würde sie für die mannstollste aller Frauen halten, wenn sie mit nach Jötunheim führe. Am Ende fährt Thor selbst im Brautschleier – und trägt dabei Brísingamen.

Das Motiv zieht sich durch die Mythologie: Der Baumeister der Asgardmauer verlangt Freyja, Sonne und Mond als Lohn (Gylfaginning Kap. 42). Der Riese Hrungnir prahlt betrunken, er werde Freyja und Sif mitnehmen; bezeichnenderweise ist Freyja in dieser Szene der Skáldskaparmál die einzige, die sich traut, ihm einzuschenken. Freyja ist das Begehrte schlechthin, aber nie bloße Beute: Die Götter geben sie gerade nicht her.

Lokis Vorwürfe in der Lokasenna

Wo so viel begehrt wird, wird auch gelästert. In der Lokasenna, dem Streitgespräch beim Gelage des Meeresriesen Ægir, nimmt sich Loki einen Gott nach dem anderen vor. Freyja mischt sich in Strophe 29 ein: Loki sei wahnsinnig, seine eigenen Untaten aufzuzählen; Frigg kenne alle Schicksale, auch wenn sie schweige.

Loki antwortet in Strophe 30, sinngemäß: Schweig, Freyja, ich kenne dich genau. Von allen Asen und Alben hier im Saal sei jeder schon ihr Liebhaber gewesen. Freyja kontert in Strophe 31, seine Zunge sei falsch und werde ihm Unglück bringen; Götter und Göttinnen seien zornig auf ihn. Darauf legt Loki in Strophe 32 nach: Sie sei eine Hexe (fordæða) voller Bosheit, die Götter hätten sie bei ihrem Bruder ertappt, und dabei habe sie – ein derber Witz – einen Wind fahren lassen. Ihr Vater Njörðr springt ihr in Strophe 33 bei: Es sei kein großer Schaden, wenn eine Frau neben ihrem Mann einen Liebhaber habe; schlimm sei eher ein Gott wie Loki, der selbst Kinder geboren habe.

Die Lokasenna ist Schmähdichtung, jeder Vorwurf zielt auf die Pointe. Trotzdem fällt auf, dass der Geschwistervorwurf zu dem passt, was Snorri über die Wanen-Ehe von Njörðr und seiner Schwester schreibt. Und das Wort fordæða, Unheilszauberin, zielt auf Freyjas Ruf als Zauberkundige.

Hyndluljóð: Freyja und ihr Schützling Óttarr

Das Hyndluljóð ist das Lied, in dem Freyja am meisten selbst handelt. Es ist nur in der Flateyjarbók überliefert, einer Sammelhandschrift aus der Zeit um 1400, und wird meist für vergleichsweise jung gehalten; Henry Adams Bellows setzte es nicht viel vor das 12. Jahrhundert, mit älterem Stoff darin.

Die Handlung: Freyja weckt die Riesin Hyndla in ihrer Höhle und bittet sie, mit ihr nach Walhall zu reiten. Freyja sitzt auf Hildisvíni, und Hyndla durchschaut sofort, dass dieser Eber in Wahrheit Freyjas Günstling Óttarr ist. Óttarr streitet um ein Erbe und muss seine Abstammung lückenlos nachweisen. Freyja will ihm helfen, und zwar aus einem genannten Grund: Er habe ihr einen hörgr aus Steinen errichtet, einen Kultplatz, den er so oft mit Opferblut gerötet habe, dass das Gestein zu Glas geworden sei (Str. 10), und er habe stets an die Göttinnen geglaubt.

Hyndla zählt daraufhin lange Ahnenreihen auf; mittendrin steckt ein eingeschobenes Stück, das als „kurze Völuspá“ bekannt ist. Am Ende verlangt Freyja einen Erinnerungstrunk, damit Óttarr die ganze Genealogie im Kopf behält. Hyndla verweigert sich und beleidigt Freyja: Sie sei Óðr nachgelaufen, und unter ihrer Schürze seien schon viele andere gekrochen; nachts springe sie umher wie die Ziege Heiðrún bei den Böcken. Freyja droht, Hyndla mit Feuer einzuschließen, und setzt sich durch.

Das Lied zeigt eine Seite, die in Snorris Handbuchton untergeht: Freyja als Schutzgöttin eines einzelnen Mannes, die für ihn kämpft, weil er ihr opfert.

Seiðr: die Zauberin unter den Göttern

Bleibt die Rolle, die Freyja von allen anderen Göttinnen abhebt: die der Zauberin. Nach der Ynglinga saga (Kap. 4) brachte sie den Seiðr zu den Asen. Seiðr war eine Form von Zauber und Wahrsagung, die mit Schicksal, Geistern und dem Erkennen verborgener Dinge zu tun hatte. In Kap. 7 schreibt Snorri, Odin habe diese Kunst beherrscht, aber mit ihr sei so viel ergi verbunden – Unmännlichkeit, Schande –, dass Männer sich ihrer schämten; sie sei deshalb den Priesterinnen gelehrt worden.

Wenn der höchste Gott also eine Technik von Freyja lernt, die als typisch weiblich gilt, dann sagt das viel über ihren Rang. Und es verbindet sie mit den Völvas, den Seherinnen, die in den Sagas von Hof zu Hof ziehen. Die berühmteste Beschreibung steht in der Eiríks saga rauða (Kap. 4): Die Seherin Þorbjörg trägt eine Kapuze aus Lammfell, innen mit weißem Katzenfell gefüttert, und Handschuhe aus Katzenfell. Katzen bei Freyja, Katzenfell bei der Seherin – ein direkter Beleg für eine Verbindung ist das nicht, aber ein Zusammenklang, den viele Forscher bemerkt haben.

Auch Lokis Schimpfwort fordæða gehört in diesen Zusammenhang. Manche Forscher setzen Freyja zudem mit Gullveig gleich, die in der Völuspá dreimal verbrannt wird und als Heiðr Seiðr betreibt – eine Deutung, kein Befund.

Freyja oder Frigg: ursprünglich eine Göttin?

Damit zur großen Frage. Freyja und Frigg sind in der Überlieferung klar getrennt: Frigg ist Odins Frau, Mutter Balders, Herrin von Fensalir; Freyja ist die Wanin, Tochter Njörðrs. Und doch gibt es auffällige Parallelen:

Daraus entstand die Hypothese, beide gingen auf eine gemeinsame germanische Göttin zurück, die sich erst im Norden in zwei Gestalten aufgespalten habe. Vertreten haben das unter anderem Stephan Grundy und, vorsichtiger, Hilda Ellis Davidson. Ein starkes Argument dafür: Auf dem Festland ist keine Freyja belegt. Dort kennen wir nur Frija – im Zweiten Merseburger Zauberspruch und als Frea in der Ursprungssage der Langobarden, wo sie Wodans listige Gattin ist.

Gegenargumente gibt es ebenso. Die Namen sind sprachlich nicht verwandt: Frigg geht auf *Frijjō „die Geliebte“ zurück, Freyja auf *frawjōn „Herrin“. Freyja hat einen festen Platz in einer eigenen Familie, den Wanen, mit Vater, Bruder und Kultgeschichte. Und Motivähnlichkeiten zwischen Göttinnen sind in vielen Religionen normal. Die Mehrheit der Fachleute behandelt sie deshalb weiterhin als zwei Gestalten, hält die Frage aber für offen.

Kultspuren: Ortsnamen, Dísablót und ein silbernes Figürchen

Wurde Freyja tatsächlich verehrt? Die Ortsnamenforschung liefert Hinweise. In Schweden gelten Namen wie Frövi (aus Freyjuvé, „Freyjas Heiligtum“) als Kandidaten, und Namen wie Härnevi in Uppland werden auf Hörn zurückgeführt, einen von Freyjas Beinamen. In Norwegen wird Frøihov als Freyjuhof, „Freyjas Tempelhof“, gedeutet. Solche Deutungen sind im Einzelfall oft umstritten, weil Frö- auch zu Freyr gehören kann und alte Namensformen fehlen.

Ein zweiter Strang sind die Dísen, weibliche Schutzgeister, denen man im Herbst oder Winter ein Dísablót darbrachte. Die Ynglinga saga (Kap. 29) lässt den schwedischen König Aðils bei einem Dísablót in Uppsala vom Pferd stürzen und sterben, auch die Víga-Glúms saga kennt ein Dísablót zu Beginn des Winters. Freyjas Beiname Vanadís hat viele Forscher vermuten lassen, sie sei so etwas wie die Dís schlechthin gewesen und diese Opfer hätten auch ihr gegolten. Belegt ist das nicht – keine Quelle nennt Freyja als Empfängerin eines Dísablóts.

Archäologisch ist Freyja schwer zu fassen, denn Götterbilder tragen keine Namensschilder. Immer wieder genannt wird ein kleiner wikingerzeitlicher Silberanhänger aus einem Frauengrab in Aska (Hagebyhöga, Östergötland): eine Frauenfigur mit einem auffällig großen Halsschmuck. Ihn als Freyja mit Brísingamen zu deuten, liegt nahe, bleibt aber eine Deutung.

Freyja heute: Freitag, Nationalhymne und Wagner

Die bekannteste moderne Spur ist eigentlich keine.

Mythos-Check: Der Freitag sei „Freyas Tag“? Sprachgeschichtlich spricht fast alles dagegen. Althochdeutsch frîatag, altenglisch frīgedæg und altnordisch frjádagr führen auf Frija/Frigg zurück, die Gattin Wodans, die man mit der römischen Venus gleichsetzte. Eine Freyja ist auf dem Festland, wo die Wochentagsnamen entstanden, gar nicht belegt. Die ganze Geschichte erzählen wir in Freya oder Frigg – wem gehört der Freitag?

Echte Nachwirkung gibt es dennoch. Die dänische Nationalhymne Der er et yndigt land von Adam Oehlenschläger (1819) nennt Dänemark in der ersten Strophe „Frejas Saal“. Richard Wagner machte im Rheingold aus ihr die Göttin Freia, die den Riesen als Lohn für den Bau Walhalls versprochen wird – eine Mischung aus Freyja und dem Mauerbau-Mythos, angereichert mit Iðunns goldenen Äpfeln. Wagners Freia ist hilflos – die Freyja der Edda nicht. Und Namen wie Freya, Freja oder Frøya sind heute in Skandinavien wie in Deutschland verbreitete Mädchennamen.

Freyja als Gravur: unsere Ideen aus der Werkstatt

In unserer Werkstatt in Alsdorf gehört Freyja zu den Motiven, nach denen am häufigsten gefragt wird. Wir zeigen dabei gern mehr als eine hübsche Frau mit langen Haaren, denn die Quellen geben genug her: das Katzengespann, die Falkenfedern, das Halsband, der Eber mit den goldenen Borsten, die Tränen aus Gold. Auf Schiefer wirken klare Linien und kräftige Flächen, auf Glas eher feine Details wie Federn oder Halsschmuck. Schlichter geht es mit einem ihrer Namen in Runen – Freyja, Vanadís oder Gefn. Sie passt zur Hochzeit ebenso wie zur Erinnerung an einen geliebten Menschen, denn auch das ist Freyja: die Göttin, zu der man nach dem Tod gehen wollte.

Schieferplatte mit Freyja, lasergraviert | Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: die lasergravierte Schieferplatte „Freya, Göttin der Liebe“. Im Shop →
Windlicht mit Freyja, lasergraviert | Glanz & Gravur
Passend dazu: das Kristallglas-Windlicht „Freya“ aus der Tordensønn-Kollektion. Im Shop →

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Freyja? Freyja heißt „Herrin“. Es ist die weibliche Form zu Freyr („Herr“) und mit dem deutschen Wort „Frau“ verwandt; wahrscheinlich war es ursprünglich ein Titel.

Wofür ist Freyja die Göttin? Für Liebe, Begehren und Fruchtbarkeit, aber auch für Krieg und Tod – ihr gehört die Hälfte der Gefallenen – und für den Seiðr-Zauber, den sie den Asen beibrachte.

Sind Freyja und Frigg dieselbe Göttin? In den überlieferten Quellen nein: Frigg ist Odins Frau, Freyja eine Wanin. Ob beide auf eine gemeinsame ältere Göttin zurückgehen, ist in der Forschung umstritten.

Wer ist Freyjas Mann? Óðr, der auf lange Reisen ging und nicht zurückkam. Freyja weint um ihn Tränen aus rotem Gold; ihre Töchter heißen Hnoss und Gersemi.

Wie heißen Freyjas Katzen? In den Quellen gar nicht. Namen wie „Bygul“ und „Trjegul“ sind moderne Erfindungen.

Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Weiterlesen bei uns

Hel · Walküren · Freyr · Die Wanen · Walhall · Das Götter-Pantheon.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus dem Gebiet Götterkunde

Alle Götterkunde-Artikel →

Freyr und die Wanen

Freyr ist der Gott, dem die Wikinger für gutes Wetter, reiche Ernte und Frieden opferten – der „vornehmste der Asen" …

Weiterlesen →

Frigg – die höchste Göttin

Über allen Asinnen steht eine: Frigg, Odins Gemahlin und Königin von Asgard. Sie kennt das Schicksal aller Wesen – und …

Weiterlesen →

Heimdall – Wächter an der Brücke

Heimdall ist der Wächter, der niemals schläft – der Gott, der das Gras wachsen und die Wolle auf den Schafen sprießen …

Weiterlesen →

Hel – Herrin der Totenwelt

Nicht jeder Tote kam nach Walhall. Die meisten Menschen – alle, die an Krankheit und Alter starben – gingen zu Hel. Sie …

Weiterlesen →