Heimdall ist in der nordischen Mythologie der Wächter der Götter: Er sitzt am Ende des Himmels bei der Brücke Bifröst, braucht weniger Schlaf als ein Vogel, hört das Gras wachsen und wird beim Ragnarök ins Gjallarhorn blasen. So erzählt es Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert. Doch hinter dem klaren Bild steckt eine der rätselhaftesten Gestalten der Edda – Sohn von neun Müttern, Gegner Lokis, vielleicht Stammvater der Menschen. Wir trennen hier sauber, was die Quellen sagen und was die Forschung daraus macht.
Stell dir einen Posten vor, der nie abgelöst wird. Seit Anbeginn der Welt sitzt dort einer und lauscht – so fein, dass er hört, wie auf der Erde die Halme schieben und auf dem Rücken der Schafe die Wolle wächst. Er wartet auf einen einzigen Moment. Wenn der kommt, setzt er ein Horn an die Lippen, und alle Welten hören es.
Das ist Heimdall, altnordisch Heimdallr. Kaum ein Gott ist so leicht zu beschreiben – und so schwer zu fassen. Denn fast alles, was wir über ihn wissen, stammt aus wenigen Strophen, ein paar Sätzen bei Snorri und den Bruchstücken verlorener Dichtung.
Die ausführlichste Beschreibung steht in der Gylfaginning („Gylfis Täuschung“), dem ersten großen Teil der Prosa-Edda, die der Isländer Snorri Sturluson um 1220 verfasste. Im Kapitel 27 heißt es sinngemäß (eigene Übertragung): Heimdall heißt einer der Asen, man nennt ihn den weißen Asen. Er ist groß und heilig. Neun Jungfrauen gebaren ihn als Sohn, und alle waren Schwestern. Er heißt auch Hallinskíði und Gullintanni, denn seine Zähne waren aus Gold. Sein Pferd heißt Gulltoppr. Er wohnt an einem Ort namens Himinbjörg bei Bifröst.
Dann folgt die Stellenbeschreibung: Heimdall ist der Wächter der Götter und sitzt am Ende des Himmels, um die Brücke gegen die Bergriesen zu hüten. Er braucht weniger Schlaf als ein Vogel. Er sieht bei Nacht so gut wie bei Tag, hundert Rasten weit – eine röst ist ein altes Wegemaß, grob die Strecke zwischen zwei Rastpausen. Und er hört, wie das Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen wächst, und alles, was lauter ist. Er besitzt eine Trompete, lúðr, die Gjallarhorn heißt; ihren Schall hört man in allen Welten. Zum Schluss ein merkwürdiger Satz: Heimdalls Schwert wird „Haupt“ genannt, höfuð. Dazu kommen wir noch.
Heimdalls Halle heißt Himinbjörg, „Himmelsberge“ oder „Himmelsburgen“ – das Wort björg kann Felsen wie auch Schutz bedeuten. Die Grímnismál (das „Lied von Grímnir“), in der Odin in Verkleidung die Wohnstätten der Götter aufzählt, nennt sie als achte Halle. In Strophe 13 heißt es sinngemäß: Dort, sagt man, waltet Heimdall über die Heiligtümer; dort trinkt der Wächter der Götter froh im behaglichen Haus den guten Met.
Interessant ist, was hier fehlt: Von Wachsamkeit oder Brücke sagt die Strophe nichts. Heimdall „waltet über Heiligtümer“ (valda véum) – das klingt eher nach einem Gott mit Kultstätten als nach einem Torwächter. Und er trinkt gemütlich Met. Die enge Verbindung mit der Regenbogenbrücke Bifröst stellt vor allem Snorri her. Ein Hinweis aus älterer Zeit kommt allerdings aus der Skaldendichtung: In der Húsdrápa wird Heimdall als Hüter der „Götterbahn“ umschrieben, was viele als Bifröst verstehen.
Der Posten an der Brücke ergibt erzählerisch Sinn. Bifröst verbindet in Snorris Weltbild die Götterwelt mit der Welt der Menschen. Wer dort Wache hält, steht an der Nahtstelle zwischen Ordnung und Bedrohung.
Die Sinnesgaben Heimdalls gehören zu den bekanntesten Bildern der ganzen Mythologie.
Auffällig ist die Auswahl. Gras und Wolle, also Weide und Schaf. Das ist kein Zufall, meinen manche Forscher. Der Religionswissenschaftler Rudolf Simek und andere verweisen darauf, dass in den þulur – das sind gereimte Namenslisten der Skalden, die Snorris Lehrbuch angehängt sind – sowohl heimdali als auch hallinskíði als Bezeichnungen für den Widder auftauchen. Der Widder wacht über die Herde, trägt gebogene Hörner und frisst Gras. Goldene Zähne? Bei älteren Schafen verfärben sich die Zähne mitunter gelblich – eine Beobachtung, die in der Literatur gern angeführt wird, aber natürlich keine Beweiskraft hat.
Dass Heimdall von neun Müttern geboren wurde, ist kein später Einfall. Snorri zitiert dazu zwei Zeilen aus dem verlorenen Heimdalargaldr, in denen der Gott selbst spricht: „Níu em ek mæðra mögr, níu em ek systra sonr“ – sinngemäß: Von neun Müttern bin ich der Spross, von neun Schwestern bin ich der Sohn.
Noch älter ist wohl die Anspielung in der Húsdrápa des Skalden Úlfr Uggason, die gegen Ende des 10. Jahrhunderts entstand. Dort heißt Heimdall „Sohn von acht Müttern und einer“ – eine typische Skalden-Umschreibung, die die neun Mütter verrätselt, aber eindeutig bestätigt.
Namen bekommen die Mütter nur an einer Stelle: im sogenannten „kurzen Völuspá“, einem Abschnitt innerhalb des Eddaliedes Hyndluljóð. Dort werden neun Riesinnen aufgezählt, die einen Gott „am Rand der Erde“ gebaren: Gjálp, Greip, Eistla, Eyrgjafa, Úlfrún, Angeyja, Imðr, Atla und Járnsaxa. Gestärkt wurde der Junge, so das Lied, mit der Kraft der Erde, dem eiskalten Meer und dem Blut des Són – ob damit ein Opfereber oder das Metgefäß aus dem Mythos vom Dichtermet gemeint ist, ist umstritten. Der Name Heimdall fällt in diesen Strophen nicht; die Zuordnung ergibt sich aus den neun Müttern und ist in der Forschung allgemein akzeptiert.
Wer sind diese neun? Die beliebteste Deutung sieht in ihnen Wellen des Meeres – Heimdall wäre dann ein Gott, der aus der Brandung am Weltrand geboren wurde. Gestützt wird das durch Namen wie Angeyja („die Bedrängende“?) oder Eistla („die Tosende“?), deren Übersetzungen allerdings selbst unsicher sind. Gegen eine schlichte Gleichsetzung spricht, dass Snorri die neun Töchter des Meeresriesen Ægir, die ausdrücklich Wellen sind, ganz anders benennt. Und Gjálp und Greip kennen wir sonst als Töchter des Riesen Geirröðr, Járnsaxa als Geliebte Thors. Die Mütter sind also zumindest Riesinnen – der „weiße Ase“ hätte damit eine ausgesprochen riesische Abstammung.
Snorri macht Heimdall außerdem zum Sohn Odins – in den Skáldskaparmál, seinem Lehrbuch der Dichtersprache, heißt es knapp, er sei „auch Odins Sohn“. Eine Erzählung dazu gibt es nicht. Wie die neun Mütter und ein Vater zusammenpassen, bleibt offen.
Gleich in der ersten Strophe der Völuspá, der „Weissagung der Seherin“, fällt Heimdalls Name. Die Seherin bittet um Gehör: „Hljóðs bið ek allar helgar kindir, meiri ok minni mögu Heimdallar.“ In eigener Übertragung: Gehör erbitte ich von allen heiligen Geschlechtern, den größeren und kleineren Söhnen Heimdalls.
Die „Söhne Heimdalls“ sind hier offenbar die Menschen, hoch wie niedrig. Warum ausgerechnet Heimdall als ihr Ahnherr gilt, erklärt die Völuspá nicht. Die naheliegende Brücke ist die Rígsþula, zu der wir gleich kommen.
Spannender noch ist Strophe 27 (nach der Zählung der Ausgabe von Neckel/Kuhn). Dort weiß die Seherin, dass Heimdallar hljóð verborgen liegt „unter dem himmelgewohnten heiligen Baum“, also unter Yggdrasil. Sie sieht einen Strom aus Odins Pfand herabfließen. Die nächste Strophe erzählt dann von Odins Auge im Brunnen des Mímir.
Das Problem steckt in einem einzigen Wort. Hljóð kann „Schall, Laut“ bedeuten, aber auch „Gehör, Aufmerksamkeit“ – in Strophe 1 heißt es eindeutig „Gehör, Schweigen“. Zwei Lesarten stehen sich gegenüber:
Eine Entscheidung ist nicht möglich – aber ein Wächter, der sein Gehör opfert, um mehr zu hören, wäre ein Bruder im Geiste des Gottes, der ein Auge gab.
Mit Strophe 46 der Völuspá kommt der große Auftritt. Die Söhne Mímirs geraten in Bewegung, das Schicksal entbrennt „beim alten Gjallarhorn“. Dann, sinngemäß: Laut bläst Heimdall, das Horn ist in der Luft. Odin spricht mit Mímirs Haupt, die Esche Yggdrasil bebt. Es ist das Signal: Das Ragnarök hat begonnen.
Snorri macht daraus in Gylfaginning 51 eine klare Szene: Heimdall steht auf und bläst mit aller Kraft ins Gjallarhorn und weckt alle Götter, damit sie Rat halten. Dann reitet Odin zu Mímirs Brunnen.
Der Name Gjallarhorn wird meist als „gellendes, lärmendes Horn“ erklärt, von gjalla, „gellen, schallen“. Der Anglist Andy Orchard hat eine andere Möglichkeit ins Spiel gebracht: „Horn der Gjöll“ – Gjöll ist der Grenzfluss zur Unterwelt. Beide Deutungen sind sprachlich möglich.
Und welches Horn ist es? Snorri nennt es lúðr, also ein Blasinstrument, lässt aber Mímir an anderer Stelle daraus trinken. Ein Trinkhorn, das zugleich Signalhorn ist? Für einen Mythos kein Widerspruch.
Einmal darf Heimdall in der Lieder-Edda richtig mitspielen – ausgerechnet in einer Komödie. In der Þrymskviða hat der Riese Þrymr Thors Hammer gestohlen und verlangt Freyja als Braut. Freyja lehnt ab, und zwar so heftig, dass ihr Halsband zerspringt. Die Götter beraten. In Strophe 15 heißt es dann: Da sprach Heimdall, der weißeste der Asen; er wusste gut voraus, wie die anderen Wanen.
Sein Vorschlag: Man solle Thor das Brautleinen anlegen, ihm das Brísingamen umhängen, Schlüssel an den Gürtel binden und ihn verschleiert nach Riesenheim schicken.
Zwei Dinge sind hier bemerkenswert. Erstens: hvítastr ása, „der weißeste der Asen“. „Weiß“ kann hell, strahlend, glänzend bedeuten – ob damit Reinheit, Licht oder einfach eine helle Erscheinung gemeint ist, bleibt offen. Zweitens: „wie die anderen Wanen“. Damit wird Heimdall plötzlich zu den Wanen gezählt, der zweiten Göttergruppe neben den Asen, zu der Njörðr, Freyr und Freyja gehören. Der US-Skandinavist John Lindow merkt an, dass es dafür sonst keinen Hinweis gibt. Vielleicht ein dichterischer Ausrutscher, vielleicht ein Rest einer anderen Überlieferung, vielleicht ist vanir hier allgemeiner gemeint. Die Seher-Gabe, die das Lied ihm zuschreibt, passt jedenfalls zum Gott, der alles hört.
Die Rígsþula („Das Lied von Rígr“) ist nicht im berühmten Codex Regius überliefert, sondern im Codex Wormianus, einer Handschrift der Snorra-Edda aus dem 14. Jahrhundert; ihr Schluss ist verloren. Sie erzählt, wie ein Wanderer namens Rígr nacheinander drei Häuser besucht. Jedes Mal isst er mit dem Paar, schläft drei Nächte zwischen den Eheleuten und zieht weiter. Neun Monate später kommen drei Söhne zur Welt: Þræll, der Knecht, im ärmlichen Haus; Karl, der freie Bauer, im ordentlichen Hof; Jarl, der Edle, in der vornehmen Halle. Jarl lernt später von Rígr selbst die Runen, und sein jüngster Sohn Konr ungr – ein Wortspiel auf konungr, König – übertrifft sie alle.
Und Heimdall? Er wird im Liedtext selbst nicht genannt. Nur eine kurze Prosa-Einleitung sagt: Man erzählt in alten Geschichten, dass einer der Asen, der Heimdall hieß, auf Reisen ging und sich Rígr nannte.
Die vielleicht älteste Heimdall-Geschichte ist zugleich die mit den wenigsten Details. Um 985 trug der isländische Skalde Úlfr Uggason die Húsdrápa („Hausgedicht“) bei einem Fest im Hof Hjarðarholt vor. Nach der Laxdæla saga beschrieb er darin Bilder, die in die Holzverkleidung der neuen Halle des Óláfr pái geschnitzt waren. Von dem Gedicht haben sich nur Strophen erhalten, die Snorri zitiert.
Eine davon schildert Heimdall, der bei Singasteinn („Singstein“, ein sonst unbekannter Ort, vielleicht eine Schäre im Meer) mit Loki ringt. Der „Sohn von acht Müttern und einer“ gewinnt dabei als Erster einen kostbaren „Meeresnieren“-Stein – eine Umschreibung für das Halsband Brísingamen. Snorri ergänzt in den Skáldskaparmál, beide seien dabei in Gestalt von Robben gewesen, und Heimdall heiße deshalb auch „Besucher von Vágasker und Singasteinn“ und „Wiederbringer von Freyjas Halsband“.
Wie es dazu kam, dass Loki das Halsband hatte, erzählt keine alte Quelle. Die ausgeschmückte Geschichte vom Diebstahl in Freyjas Schlafgemach stammt aus dem Sörla þáttr, einer viel späteren Erzählung aus dem 14. Jahrhundert, in der Heimdall nicht vorkommt. Was bleibt, ist ein Bild: zwei Götter als Robben im Meer, ringend um ein Schmuckstück.
Dass Loki und Heimdall Feinde sind, zeigt auch die Lokasenna, das Streitgespräch, in dem Loki beim Gelage des Meeresriesen Ægir alle Götter beleidigt. Heimdall wirft ihm vor, betrunken und von Sinnen zu sein. Loki gibt zurück (Strophe 48, sinngemäß): Dir wurde in Urzeiten ein hässliches Leben bestimmt; mit schmutzigem Rücken musst du stets stehen und Wache halten für die Götter.
Der Spott sitzt: Der ewige Wächter wird zum Lakaien, der draußen bei jedem Wetter stehen muss, während drinnen gefeiert wird. Snorri nennt Heimdall in seiner Liste der Umschreibungen schlicht „Lokis Feind“.
Beim Weltende schließt sich der Kreis. In Gylfaginning 51 heißt es: Loki kämpft gegen Heimdall, und jeder wird zum Töter des anderen. Die Völuspá selbst erwähnt diesen Zweikampf übrigens nicht – er steht nur bei Snorri. Ob er ihn aus einer verlorenen Quelle hatte oder ob er die Feindschaft zum symmetrischen Abschluss führte, bleibt offen.
Jetzt zum seltsamsten Satz. In der Gylfaginning steht, Heimdalls Schwert heiße „Haupt“. In den Skáldskaparmál erklärt Snorri, man nenne das Schwert „Heimdalls Haupt“, denn es werde erzählt, dass Heimdall von einem Menschenhaupt durchbohrt worden sei. Davon handle das Heimdalargaldr, und seitdem heiße das Haupt Heimdalls mjötuðr – ein Wort, das „Schicksal, Verderben“ oder „Maßgeber“ bedeuten kann.
Was soll das heißen? Ein Gott, getötet von einem Kopf? Wir wissen es nicht, weil das Heimdalargaldr verloren ist. Von ihm kennen wir genau zwei Zeilen – die über die neun Mütter. Die Forschung hat verschiedene Brücken gebaut. Wenn Heimdall ursprünglich mit dem Widder verbunden war, wäre der „Kopf“ als Waffe das Gehörn, mit dem ein Widder zustößt. Andere denken an eine verlorene Erzählung, vielleicht sogar an Lokis Tod oder Heimdalls eigenen beim Ragnarök. Alles davon ist Spekulation, und wir markieren es auch so.
Der Name ist nicht sicher gedeutet. Der erste Teil, heimr, bedeutet „Welt, Heim“. Beim zweiten, -dallr, wird es schwierig. Eine verbreitete Herleitung verbindet ihn mit einem poetischen Wort für einen prächtigen, blühenden Baum und mit dem altenglischen deall, „stolz, strahlend“. Daraus ergäben sich Deutungen wie „der die Welt Erhellende“ oder auch „Weltbaum“. Letzteres hat manche zu der Idee geführt, Heimdall sei eine Verkörperung der Weltachse selbst – passend zu einem Gott, dessen Gehör unter Yggdrasil liegt. Eine sichere Grundlage hat das nicht.
Auffällig ist die Parallele zu Mardöll, einem Beinamen Freyjas, der dasselbe Element zu enthalten scheint und oft als „die das Meer Erhellende“ gelesen wird. Rudolf Simek hält eine Verbindung für möglich.
Die übrigen Namen:
Im Gegensatz zu Thor, Odin oder Freyr gibt es für Heimdall praktisch keine sicheren Ortsnamen und keine Weiheinschriften aus der Wikingerzeit. Er scheint ein Gott der Dichtung gewesen zu sein, nicht der breiten Verehrung – oder wir haben die Spuren schlicht verloren.
Ein kleiner Fund verdient trotzdem Beachtung: der Spinnwirtel von Saltfleetby in Lincolnshire, 2010 von einer Sondengängerin gefunden. Auf dem Bleistück steht eine Runeninschrift, die der Archäologe John Hines 2017 als Anrufung von Óðinn, Heimdallr und einer dritten Gestalt (Þalfa) deutete, die jemandem helfen sollen. Die Runenforscherin Judith Jesch hat die Lesung des ersten Namens bezweifelt und datiert die Inschrift ins 12. Jahrhundert. Sollte die Lesung „Heimdallr“ stimmen, wäre es eine der ganz wenigen Nennungen außerhalb der isländischen Literatur.
Wenn du Heimdall auf Schiefer, Holz oder Glas haben möchtest, lohnt es sich, an den Quellen zu bleiben. Die stärksten Motive sind die, die wirklich überliefert sind:
Was wir nicht machen: Heimdall mit Hörnerhelm oder als goldgepanzerte Filmfigur. Der Heimdall der Edda ist ein Wächter mit goldenen Zähnen und einem Horn – das reicht völlig. Für individuelle Entwürfe sprich uns einfach an; wir schauen uns Quelle und Zeile gern gemeinsam mit dir an.


Was ist Heimdall für ein Gott? Heimdall ist der Wächter der Asen in der nordischen Mythologie. Er wohnt in Himinbjörg an der Brücke Bifröst, hat übermenschliche Sinne und kündigt mit dem Gjallarhorn das Ragnarök an.
Was ist das Gjallarhorn? Das „gellende Horn“ Heimdalls. Laut Snorri hört man seinen Klang in allen Welten; beim Ragnarök bläst Heimdall hinein und weckt die Götter. An anderer Stelle trinkt Mímir daraus aus seinem Brunnen.
Warum hat Heimdall neun Mütter? Das sagen das verlorene Heimdalargaldr, die Húsdrápa und das Hyndluljóð übereinstimmend; eine Erklärung geben die Quellen nicht. Häufig werden die Mütter als Meereswellen gedeutet, die überlieferten Namen weisen aber eher auf Riesinnen.
Wer tötet Heimdall beim Ragnarök? Nach Snorris Gylfaginning kämpfen Loki und Heimdall gegeneinander und töten sich gegenseitig. Die Völuspá selbst nennt diesen Zweikampf nicht.
Ist Heimdall der Stammvater der Menschen? Völuspá 1 nennt die Menschen „Söhne Heimdalls“, und die Prosa-Einleitung zur Rígsþula setzt Heimdall mit Rígr gleich, dem Vater von Knecht, Bauer und Edlem. Im Lied selbst fällt Heimdalls Name aber nicht.
Was bedeutet der Name Heimdall? Der Name ist ungeklärt. Der erste Teil heißt „Welt“, der zweite wird oft mit „strahlend“ oder einem Wort für „Baum“ verbunden – also etwa „der die Welt Erhellende“.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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