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Heimdall – Wächter an der Brücke

Götter Heimdall – Wächter an der Brücke

Heimdall ist der Wächter, der niemals schläft – der Gott, der das Gras wachsen und die Wolle auf den Schafen sprießen hört. Aus neun Müttern geboren, steht er am Rand der Welten und wartet auf den einen Augenblick, für den er geschaffen wurde: den Ruf ins Ragnarök.

Heimdall ist der Wächter der Götter. Er wohnt in Himinbjörg („Himmelsberge"), dort, wo die Regenbogenbrücke Bifröst den Himmel mit Midgard verbindet. Sein Standbild ist das eines Gottes, der ganz Auge und ganz Ohr ist – der reglose Türsteher am Tor der Welten.

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Sinne wie kein anderer

Heimdall braucht weniger Schlaf als ein Vogel. Er sieht bei Tag wie bei Nacht hundert Rasten weit. Und er hört das Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen – ein Bild von solcher Feinheit, dass es bis heute in Erinnerung bleibt. Kein Wächter der Weltliteratur ist besser für seinen Posten gemacht.

Das Gjallarhorn

Heimdalls Zeichen ist das Gjallarhorn, das „gellende Horn". Sein Klang trägt über alle Welten. Wenn die Feinde beim Ragnarök heranrücken, wird Heimdall es an die Lippen setzen und die Götter zur letzten Schlacht rufen. Bis dahin liegt es verborgen – manche Quellen sagen: beim Brunnen unter der Weltesche Yggdrasil, gleich neben Odins verpfändetem Auge.

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Neun Mütter und goldene Zähne

Heimdalls Herkunft ist einzigartig: Er wurde von neun Müttern zugleich geboren – neun Schwestern, die viele Forscher als die Wellen des Meeres deuten. Man nennt ihn Gullintanni („Goldzahn"), weil seine Zähne aus Gold sind, und sein Pferd heißt Gulltoppr („Goldmähne").

Vater der Stände

In der Rígsþula wandert ein Gott namens Ríg – nach überlieferter Deutung Heimdall selbst – durch die Welt und zeugt die drei Stände der Menschen: den Knecht (Thräl), den freien Bauern (Karl) und den Edlen (Jarl). Damit wird Heimdall zum Urvater der menschlichen Gesellschaftsordnung – vielleicht der Grund, warum die Völuspá alle Menschen „Heimdalls Söhne" nennt.

„Gehör heisch ich / heiliger Sippen, / hoher und niederer / Söhne Heimdalls.“— Völuspá 1, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)

Loki, sein ewiger Gegner

Heimdall und Loki sind erklärte Feinde. Schon einmal rangen sie – in Robbengestalt – um Freyjas Halsband Brisingamen. Beim Ragnarök treffen sie ein letztes Mal aufeinander: Der Wächter und der Unruhestifter töten einander. Ordnung und Chaos gehen gemeinsam unter.

Beleg & Quellen. Sinne, Himinbjörg, Gjallarhorn: Gylfaginning 27, Grímnismál 13. Neun Mütter: Hyndluljóð 35–37, Heimdalargaldr (Fragment). Ríg & die Stände: Rígsþula. „Söhne Heimdalls": Völuspá 1. Kampf mit Loki: Gylfaginning 51, Skáldskaparmál (Húsdrápa). Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Mythos-Check. Dass Ríg mit Heimdall gleichzusetzen ist, steht nur in einer knappen Prosa-Notiz vor der Rígsþula – sicher belegt ist es nicht. Auch die schöne Deutung „neun Mütter = neun Wellen" ist eine (gut begründete) Forschungsthese, kein Zitat aus der Quelle. Und Vorsicht bei der Popkultur: Der leuchtend-strahlende „weißeste der Asen" der Edda hat mit modernen Verfilmungen wenig gemein.

Weiterlesen bei uns

Die neun Mütter Heimdalls · Loki · Ragnarök · Das Götter-Pantheon.

Quellen & Literatur

Völuspá, Grímnismál, Hyndluljóð, Rígsþula (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Snorri Sturluson, Gylfaginning, Skáldskaparmál. Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

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