Zwei Söhne hat der stärkste Gott: Magni („der Starke") und Modi („der Mutige/Zornige"). Sie sind mehr als Randfiguren – denn sie gehören zu den wenigen, die das Ende der Welt überleben.
Magni ist der Sohn Thors und der Riesin Járnsaxa. Als Thor den Riesen Hrungnir erschlägt, fällt dessen gewaltiges Bein auf den betäubten Gott, und keiner der Asen kann es heben. Da kommt der erst drei Nächte alte Magni und hebt das Bein mühelos beiseite – mit den Worten, hätte man ihn früher gerufen, hätte er den Riesen gleich mit der Faust erschlagen. Thors Stärke lebt in ihm weiter.
Nach Ragnarök, wenn die alte Götterwelt untergeht, gehören Magni und Modi zu den Überlebenden. Sie erben den Hammer Mjöllnir und tragen ihn in die neue, grüne Welt. So bleibt selbst nach dem Weltuntergang die schützende Kraft des Donnergotts erhalten.
„Modi und Magni sollen Mjöllnir führen, / wenn Vingnir im Kampfe fällt.“— nach Vafþrúðnismál 51, Karl Simrock (gemeinfrei)
Magnis Mutter ist die Riesin Járnsaxa – ein Zeichen, wie eng Asen und Riesen verwoben sind. Seine übermenschliche Kraft zeigt sich schon in der Wiege: Nur er kann Hrungnirs Bein heben, das selbst dem betäubten Thor auf dem Hals liegt.
Der eigentliche Grund, warum diese beiden Söhne so wichtig sind, liegt aber am Ende der Zeit. Nach Ragnarök steigt eine neue, grüne Welt aus dem Meer, und eine Handvoll Götter kehrt zurück: Baldr und Höd, Vidar und Vali – und Magni und Modi, die den Hammer Mjöllnir tragen. Die schützende Kraft des Donnergotts überdauert also selbst den Weltuntergang. Das ist die tröstliche Grundmelodie des nordischen Mythos: Nach dem Ende kommt kein Nichts, sondern ein Neuanfang.
Thor · Mjöllnir · Ragnarök · Was danach kommt.
Snorri, Skáldskaparmál (17); Vafþrúðnismál 51 (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei Karl Simrock. Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.