Aus dem Wissensarchiv

Bifröst – die Regenbogenbrücke

Orte & Bauwerke Bifröst, die Regenbogenbrücke nach Asgard

Zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Götter spannt sich eine Brücke aus Licht: Bifröst, der Regenbogen. Sie ist das schönste Bauwerk des Nordens – und zugleich eine, die man mit Sorge betrachtet, denn sie wird nicht ewig halten.

Der Name Bifröst (oder Bilröst) bedeutet vermutlich „die bebende, schwankende Strecke“ – die Brücke zittert unter den Hufen. Sie verbindet Midgard mit Asgard. Für die Nordleute war der Regenbogen also kein bloßes Wetterphänomen, sondern der sichtbare Weg der Götter.

Feuer, Wasser und Luft

Snorri erklärt die drei Farbbänder des Regenbogens sinnreich: Bifröst ist aus drei Elementen gebaut, und ihr rotes Band ist loderndes Feuer – es hält die Reifriesen davon ab, die Brücke zu erstürmen. Wer kein Gott ist, verbrennt beim Übertritt. Nur Thor nimmt sie nie: Er watet durch die Flüsse, damit seine Gewitterhitze die Brücke nicht entzündet.

„Sehr stark ist sie gebaut und mit Kunst,
doch wird sie brechen, wenn Muspels Söhne reiten.“
— nach Snorris Gylfaginning (Sinn nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)

Heimdalls Wacht

Am himmlischen Ende der Brücke, bei der Burg Himinbjörg, wacht der Gott Heimdall. Er braucht weniger Schlaf als ein Vogel, sieht hundert Meilen weit bei Tag und Nacht und hört das Gras wachsen. Er ist der Wächter, der Bifröst und damit ganz Asgard schützt – und der bei Ragnarök ins Gjallarhorn stößt, dessen Ton durch alle neun Welten dringt.

Täglich reiten die Götter über Bifröst zu ihrem Thing (Gericht) am Brunnen der Nornen unter dem Weltenbaum. Die Brücke ist also nicht nur Grenze, sondern Alltagsweg – der Ort, an dem Himmel und Erde einander täglich berühren.

Mythos & Deutung & das Ende. Bei Ragnarök reiten die Feuerriesen unter Surtur heran – und unter ihrer Last zerbricht Bifröst. Das schönste Bauwerk fällt. Darin liegt der ganze Ernst der nordischen Weltsicht: Selbst der Weg zwischen den Welten ist vergänglich. Zugleich mahnt uns die rote Feuerkante: Schönheit und Gefahr sind hier eins. (Anmerkung: Manchmal wird Bifröst auch mit der Milchstraße gleichgesetzt – die Quellen selbst meinen aber den Regenbogen.)

Lasergravierte Schieferplatte mit nordischem Weltenmotiv von Glanz & Gravur
Die Wege und Welten des Nordens – als lasergravierte Schieferplatte. Motive im Shop →

Die Brücke zwischen den Welten

Bifröst ist in der nordischen Mythologie die glühende Regenbogenbrücke, die die Welt der Menschen (Midgard) mit der Welt der Götter (Asgard) verbindet. Sie ist eines der schönsten Bilder der ganzen Mythologie – ein Bogen aus Feuer, Luft und Wasser.

Der Wächter Heimdall

Die Brücke wird vom wachsamsten aller Götter gehütet: Heimdall, der weniger Schlaf braucht als ein Vogel, hundert Meilen weit sieht und das Gras wachsen hört. Er bewacht Bifröst gegen die Feinde der Götter – bis zum letzten Tag.

Feuer, das nicht verbrennt

Die rote Farbe des Regenbogens ist nach Snorri loderndes Feuer, das die Brücke vor den Riesen schützt. Nur die Götter dürfen sie überqueren – ein Weg voller Schönheit und zugleich voller Gefahr.

Der Bruch bei Ragnarök

Am Ende der Welt bricht Bifröst: Wenn die Söhne Muspells, die Feuerriesen, zum letzten Kampf heranreiten, zerbirst die Brücke unter ihrem Gewicht. Der Untergang der Regenbogenbrücke ist ein Zeichen, dass die alte Ordnung endet.

Beleg: Bifröst, Heimdall als Wächter und der Bruch bei Ragnarök schildern das Grímnismál, die Fáfnismál und Snorri (Gylfaginning).
Mythos-Check: Ob Bifröst ursprünglich der Regenbogen oder die Milchstraße war, ist umstritten. Und die genaue Ausgestaltung („Feuer, das nicht verbrennt") stammt vor allem von Snorri – die Lieder-Edda ist knapper.
Aus Aachen, für den Norden. Brücken, Welten und Wächter – die großen Bilder des Nordens gravieren wir auf Schiefer, Holz und Glas. Motivplatten unter den Schieferplatten, warmes Licht als Windlicht. Zum Shop.

Weiterlesen bei uns

Heimdall & das Gjallarhorn · Asgard · Die neun Welten · Ragnarök · Surtur.

Quellen & Literatur

Lieder-Edda: Grímnismál, Fáfnismál. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Bau, Farben, Heimdalls Wacht, Ende bei Ragnarök), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus dem Gebiet Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

Die Bildsteine von Gotland

Lange bevor die Edda aufgeschrieben wurde, erzählten die Menschen auf Gotland ihre Geschichten in Stein – in Bildern …

Weiterlesen →

Die Kriegerin von Birka (Bj 581)

Seit 1878 galt das Grab Bj 581 in Birka als Musterbeispiel eines hochrangigen Wikinger-Kriegers – der „ultimative …

Weiterlesen →

Borgring – die fünfte Ringburg, gefunden per Laserscan

Manchmal findet man Geschichte nicht mit dem Spaten, sondern mit dem Computer. Lange kannte man vier von Harald …

Weiterlesen →

Hörnerhelme – doch, aber nicht bei den Wikingern

„Und was denn nun – trugen sie doch Hörnerhelme?" Die ehrliche Antwort ist ein doppeltes Nein und Ja: Die Wikinger …

Weiterlesen →