Bifröst ist in der nordischen Mythologie die Brücke, die von der Erde in den Himmel der Götter führt – von Midgard nach Asgard. Snorri Sturluson beschreibt sie um 1220 als dreifarbigen Regenbogen, dessen rotes Band brennendes Feuer ist. Bewacht wird sie von Heimdall, und bei Ragnarök zerbricht sie. Wir zeigen dir, was in den Quellen wirklich steht, was der Name bedeutet, wo Snorri deutet statt überliefert und warum die Wikinger echte Brücken für ihr Seelenheil bauten.
Stell dir vor, du baust das schönste Bauwerk der Welt, mit mehr Kunst als an allem anderen. Es verbindet zwei Welten, es leuchtet in drei Farben, und ein Wächter, der das Gras wachsen hört, sitzt an seinem Ende. Und trotzdem weißt du vom ersten Tag an: Es wird zerbrechen.
Genau so erzählt die nordische Überlieferung von Bifröst. Die Brücke ist kein Schlachtfeld, sondern Infrastruktur – der tägliche Weg der Götter zu ihrer Gerichtsversammlung. In ihr steckt ein ganzes Weltbild: Selbst der Weg zwischen Menschen und Göttern ist gebaut, bewacht – und endlich.
Allerdings stammt das bekannte Bild – Regenbogen, drei Farben, rotes Feuer – fast vollständig aus einer einzigen Quelle, der Prosa-Edda des Isländers Snorri Sturluson. Die älteren Lieder der nordischen Mythologie sagen weniger, teils auch etwas anderes. Deshalb gehen wir der Reihe nach vor: Namen, Lieder, Snorri, Deutungen.
Schon beim Namen schwanken die Handschriften. Der wichtigste Textzeuge der Lieder-Edda, der isländische Codex Regius (eine Pergamenthandschrift aus der Zeit um 1270), schreibt Bilröst. Snorri und die Skaldendichtung, also die kunstvolle Hofdichtung der Skalden, verwenden Bifröst. Dazu kommt ein dritter Name: Ásbrú, „Asenbrücke“ oder „Götterbrücke“.
In der Lieder-Edda erscheint die Brücke in nur drei Strophen: als brennende ásbrú in Grímnismál 29, als Bilröst in Grímnismál 44 und Fáfnismál 15. Snorri erklärt in der Gylfaginning, Kapitel 15, Bifröst heiße auch Ásbrú, und führt die Traditionen zusammen – typisch für ihn, wie unser Porträt von Snorri Sturluson zeigt.
Der zweite Teil ist klar: Altnordisch röst bezeichnet eine Wegstrecke, ursprünglich wohl die Entfernung zwischen zwei Rastpunkten, verwandt mit unserem „Rast“. Hübsches Detail: Heimdall sieht nach Snorri hundert rastir weit. Wächter und Brücke werden in derselben Maßeinheit beschrieben.
Beim ersten Teil scheiden sich die Geister. Bif- wird meist zum altnordischen Verb bifa gestellt, „beben, zittern, schwanken“. Rudolf Simek gibt in seinem Lexikon der germanischen Mythologie die Deutung „die schwankende Himmelsstraße“. Andy Orchard denkt eher an das Flimmern des Lichts und übersetzt sinngemäß mit „schimmernder Weg“.
Die Form Bil- führt in eine andere Richtung. Altnordisch bil kann „Augenblick, kurze Weile“ bedeuten, aber auch „Lücke, schwache Stelle“. Bilröst wäre dann die Strecke, die nur einen Moment lang sichtbar ist – oder die Strecke mit der Schwachstelle. Simek hält es für gut möglich, dass Bilröst die ältere Form ist und Bifröst eine spätere Umdeutung. Sicher ist das nicht.
Jede dieser Deutungen passt zu einem Regenbogen – er flimmert, wirkt zerbrechlich und verschwindet nach Minuten. Und jede passt zu einer Brücke, deren Ende vorherbestimmt ist.
In den Grímnismál, den „Reden des Grímnir“, sitzt Odin verkleidet zwischen zwei Feuern und breitet das Wissen über die Götterwelt aus. Strophe 29 lautet im Altnordischen (normalisiert):
Körmt ok Örmt ok Kerlaugar tvær, þær skal Þórr vaða dag hvern, er hann dæma ferr at aski Yggdrasils, því at ásbrú brenn öll loga, heilög vötn hlóa.Grímnismál 29, altnordischer Text nach der normalisierten Ausgabe auf heimskringla.no
Sinngemäß übertragen: Körmt und Örmt und die zwei Kerlaugar muss Thor jeden Tag durchwaten, wenn er zum Gericht an der Esche Yggdrasil geht, denn die Asenbrücke brennt ganz in Flammen, die heiligen Wasser tosen. Karl Simrock schrieb 1851: „Denn die Asenbrücke steht all in Lohe“.
Strophe 30 nennt die Pferde, auf denen die Asen täglich zum Gericht reiten, darunter Gulltoppr, nach Snorri Heimdalls Pferd. Die Brücke selbst erwähnt sie nicht; dass die Götter über Bifröst reiten, sagt erst Snorri. Strophe 44 schließlich stellt Bilröst als beste der Brücken in eine Reihe mit Yggdrasil, Odin und Sleipnir.
Die dritte Stelle steht in einem ganz anderen Lied. In den Fáfnismál liegt der Drache Fáfnir im Sterben und beantwortet Sigurds Fragen. Gefragt nach der Insel, auf der Surtr und die Asen ihr Blut mischen werden, antwortet er:
Óskópnir hann heitir, en þar öll skulu geirum leika goð; Bilröst brotnar, er þeir á brú fara, ok svima í móðu marir.Fáfnismál 15, altnordischer Text nach heimskringla.no
Eigene Übertragung: Óskópnir heißt sie, dort werden alle Götter mit Speeren spielen; Bilröst bricht, wenn sie auf die Brücke gehen, und die Pferde schwimmen im Strom. Achte auf das „sie“: Gemeint sind nach der üblichen Lesart die Götter selbst. Ein anderes Bild als bei Snorri.
Ausführlich wird erst Snorri Sturluson in seiner Prosa-Edda um 1220, gut zwei Jahrhunderte nach der Christianisierung Islands. Ihr erster Teil, die Gylfaginning („Gylfis Betörung“), ist ein Gespräch: Der verkleidete König Gylfi, der sich Gangleri nennt, fragt, drei Gestalten namens Hárr, Jafnhárr und Þriði antworten.
In Kapitel 13 fragt Gangleri nach dem Weg von der Erde zum Himmel. Hárr lacht und erklärt, die Götter hätten eine Brücke gebaut, Bifröst genannt – sinngemäß: Du wirst sie gesehen haben, vielleicht nennst du sie Regenbogen. Die Brücke habe drei Farben, sei sehr stark und mit mehr Kunst und Können gebaut als andere Werke („með þrimr litum ok mjök sterk ok ger með list ok kunnáttu meiri en aðrar smíðir“).
Und dann kommt, ohne Umschweife, das Ende: Die Brücke werde brechen, wenn die Söhne Muspells über sie reiten. Gangleri reagiert wie jeder vernünftige Bauherr: Dann hätten die Götter nicht in gutem Glauben gebaut, wo sie doch tun können, was sie wollen. Hárrs Antwort gehört zu den härtesten Sätzen der ganzen Prosa-Edda:
Eigi eru goðin hallmælis verð af þessi smíð. Góð brú er Bifröst, en enginn hlutr er sá í þessum heimi er sér megi treystast, þá er Múspellssynir herja.Snorri Sturluson, Gylfaginning 13, altnordischer Text nach heimskringla.no
Eigene Übertragung: Die Götter verdienen keinen Tadel für dieses Werk. Eine gute Brücke ist Bifröst, aber es gibt nichts in dieser Welt, auf das man sich verlassen kann, wenn Muspells Söhne heerfahren. Es ist keine Baumängelrüge, es ist Theologie in einem Satz.
In Kapitel 15 ergänzt Snorri die Einzelheiten. Jeden Tag reiten die Asen über Bifröst, die auch Ásbrú heißt, zum Gericht am Brunnen der Urd unter Yggdrasil, dort, wo die Nornen wohnen. Gangleri fragt, ob über Bifröst Feuer brenne. Antwort: „Þat, er þú sér rautt í boganum, er eldr brennandi“ – was du rot im Bogen siehst, ist brennendes Feuer. Ohne dieses Feuer könnten Reif- und Bergriesen in den Himmel steigen. In Kapitel 17 liegt Himinbjörg, die „Himmelsberge“, dort, wo Bifröst den Himmel erreicht.
Snorri verknüpft also die brennende Asenbrücke aus Grímnismál 29 mit dem Regenbogen und macht das Feuer zum Riegel gegen die Riesen. Elegant – und erkennbar Erklärung, nicht bloße Überlieferung.
Heute zählen wir sieben Regenbogenfarben – eine Einteilung, die auf Isaac Newton im 17. Jahrhundert zurückgeht. Im Mittelalter galt Aristoteles, der in seiner Meteorologie drei Hauptfarben unterschied.
Die Skandinavistin Kirsten Wolf hat 2007 in der Zeitschrift Maal og Minne gezeigt, dass Snorris Dreizahl letztlich auf Aristoteles zurückgeht. Die beiden Farben, die Snorri nicht nennt, waren nach ihrer Analyse wahrscheinlich Grün und Blau. Rot nennt er, weil er es für seine Pointe braucht – das Feuer. Die drei Farben sind also eher mittelalterliche Gelehrsamkeit als Wikingerzeit. Das macht Snorris Bericht nicht wertlos, aber man sollte wissen, woher sie kommen.
Alle Götter reiten täglich zum Gericht, nur Thor nicht. Er watet durch Körmt, Örmt und die beiden Kerlaugar – Flüsse, von denen sonst nichts bekannt ist.
Warum muss der stärkste der Götter nasse Füße bekommen? Die Begründung steht in Grímnismál 29 selbst: „denn die Asenbrücke brennt ganz in Flammen“. Snorri zitiert die Strophe in Kapitel 15, ohne eigene Erklärung.
Uns gefällt das offene Ende besser als jede nachgeschobene Begründung. Thor watet ohnehin gern durch reißende Flüsse, etwa auf dem Weg zum Riesen Geirröd.
Am himmlischen Ende liegt Himinbjörg. Die Grímnismál nennen den Ort in Strophe 13 als achte Götterwohnung: Dort walte Heimdall und trinke in seinem behaglichen Haus froh den guten Met. Der Wächter hat also durchaus Feierabend.
Snorri macht in Gylfaginning 27 daraus eine Art Steckbrief. Heimdall, der „weiße As“, sei von neun Mädchen geboren worden, die alle Schwestern waren. Er brauche weniger Schlaf als ein Vogel, sehe bei Nacht wie bei Tag hundert Rasten weit, höre das Gras auf der Erde wachsen und die Wolle auf den Schafen. Seine Zähne seien aus Gold, daher heiße er Gullintanni, „Goldzahn“. Er sitze in Himinbjörg am Himmelsrand und schütze die Brücke vor den Bergriesen.
Die neun Mütter nennt auch das Eddalied Hyndluljóð (mehr in unserem Beitrag über die neun Mütter Heimdalls). Spöttisch klingt dieselbe Wache im Lokasenna: In Strophe 48 hält Loki Heimdall vor, er müsse mit schmutzigem Rücken (aurgu baki) immer als Wächter der Götter dastehen. Wer je Nachtschicht im Regen geschoben hat, versteht den Stich.
Die einzige gebaute Zugangsstelle zur Götterwelt wird also von dem Wesen bewacht, das am wenigsten schläft und am meisten hört. Mehr in unserem Porträt Heimdall – Wächter an der Brücke.
Zum Wächter gehört ein Alarmsignal: das Gjallarhorn, das „gellende Horn“, nach Snorri in allen Welten zu hören. Die Quellen sind aber nicht deckungsgleich. Die Völuspá sagt in Strophe 27, Heimdalls hljóð sei unter dem heiligen Baum verborgen. Das Wort kann „Gehör“ bedeuten oder „Klang“ – und damit vielleicht das Horn. Ist das Gehör gemeint, hätte Heimdall es als Pfand hinterlegt, wie Odin sein Auge.
Gleich danach trinkt Mímir in der Völuspá jeden Morgen Met aus dem Pfand des Walvaters, also aus Odins Auge. Bei Snorri (Kapitel 15) trinkt er dagegen mit dem Gjallarhorn aus dem Brunnen. Einig sind sich beide beim Ende: In Völuspá 46 bläst Heimdall laut, das Horn in der Luft; bei Snorri (Kapitel 51) weckt er mit dem Gjallarhorn alle Götter. Der Wächter der Brücke ruft das Ende aus.
Das Ende von Bifröst ist von Anfang an mitgedacht. Wer sie zum Einsturz bringt, wird aber unterschiedlich erzählt.
Bei Snorri ist die Sache klar. In Kapitel 51 der Gylfaginning spaltet sich im Getöse von Ragnarök der Himmel, und die Söhne Muspells reiten heran, angeführt von Surtr, vor und hinter ihm brennendes Feuer. Wenn sie über Bifröst reiten, bricht die Brücke – „wie zuvor gesagt wurde“, verweist Snorri auf Kapitel 13 zurück. Muspell ist die feurige Welt im Süden.
In den Fáfnismál dagegen sind es nach der üblichen Lesart die Götter selbst, die auf die Brücke gehen, um nach Óskópnir zur Schlacht zu ziehen. Die Brücke bricht unter ihnen, und ihre Pferde müssen durch den Strom schwimmen. Und in der Völuspá (Strophe 51) kommen die Leute Muspells gar nicht über eine Brücke, sondern über das Meer, in einem Schiff, das Loki steuert.
Snorri hat diese Fäden verknüpft: Die Feinde reiten über die Brücke, die gegen sie gebaut ist, und das Feuer nützt nichts mehr. Erzählerisch stark – aber „die“ Geschichte von Bifröst ist eine Komposition.
Im Kampf töten Heimdall und Loki einander (Kapitel 51). Schon in der Húsdrápa des Skalden Úlfr Uggason vom Ende des 10. Jahrhunderts rangen die beiden in Robbengestalt um das Halsband Brísingamen. Von einer neuen Brücke in der Welt danach ist übrigens nirgends die Rede.
Snorri meint klar den Regenbogen. Aber war das schon die Vorstellung der älteren Dichtung? Diskutiert werden drei Antworten.
Der Regenbogen. Dafür sprechen Snorris ausdrückliches Zeugnis und die Etymologie. Dagegen spricht, dass die Lieder-Edda das Wort nicht verwendet. Möglich ist beides: dass Snorri eine alte Vorstellung aufschrieb oder dass er eine rätselhafte „brennende Brücke“ mit dem naheliegendsten Himmelsbogen gleichsetzte.
Die Milchstraße. Mehrere Forscher haben vorgeschlagen, ursprünglich sei das helle Band der Milchstraße gemeint gewesen; Standardwerke wie die Lexika von Simek und Lindow referieren diese Ansicht. Ein Argument: Ein Weg, den die Götter täglich benutzen, sollte immer am Himmel stehen, nicht nur nach dem Regen. Ein direkter Quellenbeleg fehlt allerdings. Kein altnordischer Text setzt Bifröst mit der Milchstraße gleich.
Das Nordlicht. Gelegentlich wird das Polarlicht ins Spiel gebracht, weil es flackert, mehrfarbig ist und rot leuchten kann. Dafür gibt es weder Quellenbeleg noch breite Unterstützung in der Fachliteratur.
Jetzt wird es handfest. In einer Landschaft voller Sümpfe und Furten war eine Brücke ein Großprojekt. Vor allem im schwedischen Uppland tragen zahlreiche Runensteine des 11. Jahrhunderts Inschriften nach dem Muster: Jemand ließ diesen Stein setzen und diese Brücke bauen – für die Seele eines Verstorbenen. Brückenbau galt in der Zeit der Christianisierung als fromme Tat, die der Seele und dem Ruf der Familie nützte.
Das bekannteste Beispiel ist Jarlabankes Brücke in Täby nördlich von Stockholm. Der Damm ist rund 116 Meter lang und 6,4 Meter breit. Auf den Steinen U 164 und U 165 an beiden Enden steht, Jarlabanke habe sie zu Lebzeiten zu seinem eigenen Gedenken errichten lassen und diese Brücke für seine Seele gebaut – und dass er ganz Täby allein besessen habe. Bescheidenheit war offenbar nicht vorgesehen.
Noch poetischer ist der Sälna-Stein (U 323) in Skånela. Drei Brüder setzten ihn für ihren Vater, bitten Gott um Gnade für seine Seele und sagen sinngemäß: Immer wird sie liegen, solange Menschen leben, die Brücke, fest gegründet und breit, nach dem Guten. Ein besseres Wegmal könne es nicht geben.
Eine direkte Verbindung zwischen diesen christlich geprägten Seelenbrücken und Bifröst lässt sich nicht beweisen. Beide zeigen aber, dass die Brücke das sichtbarste Zeichen für einen möglichen Übergang war. Die nordische Überlieferung kennt übrigens eine zweite mythische Brücke, die Gjallarbrú auf dem Weg ins Totenreich. Der Religionswissenschaftler John Lindow hat beide als Gegenstücke gelesen: Bifröst führt nach oben, Gjallarbrú nach unten. Mehr dazu im Beitrag Der Weg nach Hel.
Brücken zwischen den Welten kennt nicht nur der Norden. Einige gut belegte Beispiele:
Daraus sollte man keine gemeinsame Urerzählung basteln, wie es das 19. Jahrhundert gern tat. Die Ähnlichkeiten zeigen eher, wie naheliegend das Bild ist: Wer den Übergang in eine andere Welt beschreibt, greift zum schwierigsten Übergang des eigenen Lebens – dem Fluss mit der Brücke darüber.
Seine bekannteste Bühnenfassung bekam Bifröst bei Richard Wagner, auch wenn der Name dort nicht fällt. Am Ende von Das Rheingold (Uraufführung München 1869) schwingt Donner seinen Hammer, und Froh lässt eine Regenbogenbrücke entstehen: „Zur Burg führt die Brücke, leicht, doch fest eurem Fuß“. Über sie ziehen die Götter in Walhall ein. In den Quellen führt Bifröst allerdings nicht nach Walhall, sondern zum Gericht an Yggdrasil.
Das heute verbreitetste Bild stammt von Marvel. Dort gehört der Bifrost seit den 1960er-Jahren zu den Thor-Comics, und im Kinofilm Thor von 2011 wird er zum kosmischen Transportstrahl, den die Wissenschaftlerin Jane Foster als Einstein-Rosen-Brücke, also Wurmloch, beschreibt.
Drei Gedanken stecken in Bifröst, und sie gehören zusammen.
Nähe. Der Regenbogen ist sichtbar. Wer ihn sieht, sieht den Weg der Götter. Die andere Welt ist nicht unendlich weit weg, sondern liegt am Ende einer Strecke, die man mit den Augen abfahren kann. Und die Götter nutzen sie nicht für Triumphzüge, sondern für ihren Arbeitsweg zum Thing unter dem Weltenbaum. Sie regieren nicht per Befehl. Sie tagen.
Gefahr. Das rote Band ist Feuer. Wer den Weg unbefugt betritt, verbrennt. Schönheit und Bedrohung sind dieselbe Sache aus zwei Blickwinkeln.
Vergänglichkeit. Ein Regenbogen hält Minuten. Hárrs Satz, dass man sich auf nichts verlassen kann, wenn Muspells Söhne kommen, ist nüchterne Weltkenntnis. Und trotzdem haben die Götter gebaut, mit mehr Kunst als an allem anderen. Das ist vielleicht die nordischste Haltung überhaupt.

Was ist Bifröst in der nordischen Mythologie? Bifröst ist die Brücke, die von der Erde (Midgard) zum Himmel der Götter (Asgard) führt. Die Götter reiten täglich darüber zum Gericht an der Weltenesche Yggdrasil, bewacht wird sie von Heimdall.
Was bedeutet der Name Bifröst? Röst bedeutet „Wegstrecke“, verwandt mit „Rast“. Bif- wird meist zu bifa „beben, schwanken“ gestellt, also etwa „schwankende Himmelsstraße“; die Nebenform Bilröst könnte „kurzlebige Strecke“ bedeuten. Die Deutung ist umstritten.
Ist Bifröst ein Regenbogen? So beschreibt es Snorri Sturluson um 1220: dreifarbig, mit einem roten Band aus Feuer. Die ältere Lieder-Edda nennt nur eine brennende Brücke; ob dort schon der Regenbogen gemeint war, ist in der Forschung offen.
Wer bewacht die Regenbogenbrücke? Heimdall, der in Himinbjörg am oberen Ende wohnt. Er braucht nach Snorri weniger Schlaf als ein Vogel, hört das Gras wachsen und kündigt mit dem Gjallarhorn Ragnarök an.
Warum darf Thor nicht über Bifröst gehen? Nach Grímnismál 29 watet Thor durch vier Flüsse, weil die Asenbrücke in Flammen steht. Die oft gelesene Erklärung, seine Hitze oder sein Gewicht würde sie zerstören, steht nicht in den Quellen.
Was passiert mit Bifröst bei Ragnarök? Nach Snorri reiten die Söhne Muspells unter Surtr über die Brücke, und sie bricht. In den Fáfnismál bricht sie unter den Göttern selbst, als sie in die letzte Schlacht ziehen.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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