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Die Kriegerin von Birka (Bj 581)

Geschichte Schildmaid zu Pferd – Sinnbild für die Kriegerin aus dem Birka-Grab Bj 581

Seit 1878 galt das Grab Bj 581 in Birka als Musterbeispiel eines hochrangigen Wikinger-Kriegers – der „ultimative Wikinger" schlechthin. 2017 zeigte eine DNA-Analyse: Die bestattete Person war biologisch eine Frau. Kaum ein Grab hat je so viel Debatte ausgelöst.

Die Handelsstadt Birka auf der Insel Björkö im Mälarsee war das erste städtische Zentrum im heutigen Schweden. Von den über 1.100 dort ausgegrabenen Gräbern enthalten nur 75 überhaupt Waffen – und Bj 581 ist eines von nur zwei mit einem vollständigen Waffensatz. Schon der Ausgräber Hjalmar Stolpe war beeindruckt.

„Vielleicht das bemerkenswerteste aller Gräber auf diesem Feld.“— Hjalmar Stolpe über Bj 581, 1879 (nach Price et al.)

Das Grab Bj 581

In einer unterirdischen Holzkammer lag die verstorbene Person, umgeben von Schwert, Axt, Kampfmesser, zwei Lanzen, zwei Schilden und 25 panzerbrechenden Pfeilen. Zwei Pferde waren beigegeben, eines aufgezäumt zum Reiten. Auf dem Schoß lag ein Beutel mit Spielsteinen, daneben ein Spielbrett – ein Zeichen, das man mit militärischer Führung verbindet. Das Grab liegt exponiert am westlichsten Punkt Birkas, direkt neben der Garnison.

Originaler Grabplan von Bj 581, gezeichnet von Hjalmar Stolpe 1889
Der originale Grabplan von Bj 581, gezeichnet vom Ausgräber Hjalmar Stolpe 1889. Abbildung: gemeinfrei (Wikimedia Commons).

„Der ultimative Wikinger“

Von Anfang an deutete man Bj 581 als Grab eines berittenen Elitekriegers, vielleicht eines Kavallerie-Kommandeurs. Ab den 1960ern wurde es in Fachbüchern zum Archetyp, zur Ikone des Kriegers des 10. Jahrhunderts. Dass es die Bestattung eines Mannes sei, wurde nie hinterfragt – die Waffen galten als Beweis genug.

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Die Überraschung: biologisch weiblich

2017 veröffentlichten Charlotte Hedenstierna-Jonson, Neil Price und Kolleg:innen im American Journal of Physical Anthropology die Genomdaten: Die Person hatte zwei X-Chromosomen – sie war biologisch weiblich. Osteologische Zweifel, ob das richtige Skelett untersucht wurde oder eine zweite Leiche im Grab lag, konnten ausgeräumt werden. Der Befund ist gesichert.

War sie wirklich eine Kriegerin?

Hier werden die Forscher selbst vorsichtig – und das ist die eigentliche Stärke der Studie. Grabbeigaben sind nicht automatisch Beweis dafür, wie ein Mensch gelebt hat: Man findet Waffen auch bei Kindern, die sie nie führen konnten. Vielleicht war die Bestattung symbolisch. Doch der Kontext – voller funktionaler Waffen, neben der Garnison, mit Kommando-Spielset – spricht nach Ockhams Rasiermesser klar für die naheliegende Deutung: eine Frau, die als professionelle Kriegerin lebte und begraben wurde.

Schildmaid oder Mythos?

Bj 581 beweist nicht, dass es Heere von Schildmaiden gab. Aber es zeigt: Mindestens eine Frau der Wikingerzeit führte ein Kriegerleben – und war es wohl nicht allein. Die literarische Figur der Kriegerin, von den Walküren bis zur Schildmaid, hat damit einen realen Anker im Fundmaterial bekommen.

Beleg & Quellen. Grabinventar & Lage: Arbman 1943; Gräslund 1980. Geschlechtsbestimmung: Hedenstierna-Jonson et al., „A female Viking warrior confirmed by genomics", Am. J. Phys. Anthropol. 2017. Ausführliche Deutung & Quellenkritik: Price et al., „Viking warrior women? Reassessing Birka chamber grave Bj.581", Antiquity 2019. Erstausgrabung Hjalmar Stolpe 1878/79.

Mythos-Check. Wichtig ist die Unterscheidung: Biologisches Geschlecht (weiblich, gesichert) ist nicht dasselbe wie soziale Rolle oder Identität. Ob die Person sich als Frau, als Krieger, als etwas dazwischen verstand, lässt sich nicht sagen. Und ein einzelnes Grab trägt keine „Beweislast" für die ganze Gesellschaft. Die reißerische Schlagzeile „die Wikinger-Kriegerin" verkürzt eine sorgfältige Studie – die selbst betont, dass viele Deutungen möglich bleiben.

Weiterlesen bei uns

Walküren · Frauen der Wikingerzeit · Der Schildwall · Haithabu.

Quellen & Literatur

Hedenstierna-Jonson, Kjellström, Zachrisson, Krzewińska, Sobrado, Price, Günther, Jakobsson, Götherström, Storå: A female Viking warrior confirmed by genomics (AJPA 164, 2017). Price, Hedenstierna-Jonson et al.: Viking warrior women? Reassessing Birka chamber grave Bj.581 (Antiquity 93, 2019). H. Arbman, Birka I (1940/43); A.-S. Gräslund, Birka IV (1980).

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