Hoch über der Welt der Menschen, jenseits der brennenden Regenbogenbrücke, liegt Asgard – die befestigte Heimat der Asen. Sie ist Burg, Stadt und Himmel zugleich: ein Ort aus goldenen Hallen, um den eine Mauer läuft, die eine der listigsten Geschichten des Nordens birgt.
Asgard (altnord. Ásgarðr, „Gehege der Asen“) ist über den Weltenbaum Yggdrasil mit den anderen Welten verbunden. In seiner Mitte liegt das Feld Idavöll, wo die Götter ihre Halle bauen, mit goldenen Spielsteinen spielen und Gericht halten. Von hier überblickt Odin auf seinem Hochsitz Hlidskjalf alle neun Welten.
Asgard ist reich an Hallen: Walhall, wo Odin die gefallenen Krieger sammelt; Breidablik, die reinste Halle des Balder; Fensalir der Frigg; Thrudheim/Bilskirnir, die riesige Halle Thors mit ihren angeblich 540 Räumen; Himinbjörg, wo Heimdall die Brücke bewacht; und Fólkvangr, das Reich der Freyja, die ebenfalls einen Teil der Gefallenen empfängt.
Die berühmteste Asgard-Geschichte ist der Bau seiner Schutzmauer. Ein fremder Baumeister bietet an, in nur einem Winter eine uneinnehmbare Mauer zu errichten – als Lohn verlangt er Sonne, Mond und die Göttin Freyja. Auf Lokis Rat nehmen die Götter an, sicher, dass er scheitern wird. Doch der Baumeister hat einen Zauberhengst, Svadilfari, der Nacht für Nacht gewaltige Steine schleppt – und die Mauer wächst gefährlich schnell.
Um die Wette zu retten, verwandelt sich Loki in eine Stute und lockt den Hengst fort. Ohne sein Zugtier verfehlt der Baumeister die Frist; er entpuppt sich als Riese und wird von Thor erschlagen. Loki aber gebiert später das achtbeinige Ross Sleipnir, das schnellste aller Pferde – Odins Reittier. So wird aus einem Betrug ein Kleinod.

Walhall · Bifröst · Die neun Welten · Odin & Sleipnir · Loki · Hlidskjalf & die Kleinode.
Lieder-Edda: Völuspá (Idavöll), Grímnismál (die Hallen). Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Asgard, Hlidskjalf, der Mauerbau; Prolog: Troja-Gleichsetzung), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).