Asgard (altnordisch Ásgarðr, „Gehege der Asen“) ist in der nordischen Mythologie der umfriedete Wohnsitz der Asen – der Götter um Odin, Thor und Frigg. Hier stehen ihre Hallen, hier tagen sie auf dem Feld Iðavöllr, von hier blickt Odin vom Hochsitz Hliðskjálf über alle Welten. Doch so vertraut der Name klingt: In der Lieder-Edda fällt er nur zweimal. Das meiste, was wir über Asgard „wissen“, stammt von einem einzigen Mann aus dem 13. Jahrhundert – und der verlegte die Götterburg zeitweise nach Troja.
Stell dir einen isländischen Hof um das Jahr 1000 vor: Wohnhaus, Stall, Vorratshaus, rundherum ein Zaun aus Torf und Stein. Drinnen ist Ordnung, Feuer, Gesetz. Draußen beginnt die Wildnis: Moor, Lavafeld, Berge, in denen niemand wohnen will. Genau dieses Bild steckt im Wort Asgard. Die Götter des Nordens wohnen nicht im Paradies, sondern auf einem Hof – einem sehr goldenen, aber eben mit Zaun. Und wer einen Zaun hat, muss ihn verteidigen.
Das altnordische Ásgarðr setzt sich aus zwei Wörtern zusammen. Áss (Mehrzahl æsir) bezeichnet einen Gott aus dem Geschlecht der Asen, also der Götterfamilie um Odin, Thor, Týr, Baldr und Frigg. Garðr bedeutet „Zaun, Einfriedung“ und dann auch „das Eingezäunte“: Hof, Gehöft, umfriedeter Bereich. Das Wort lebt im deutschen „Garten“ und im englischen „yard“ weiter. Asgard heißt also wörtlich „Gehege“ oder „Einfriedung der Asen“ – nicht „Götterhimmel“ und nicht „Götterreich“ im modernen Sinn.
Spannend wird das Wort im Zusammenspiel mit seinen Geschwistern. Midgard (Miðgarðr) ist der „mittlere Zaun“, die umfriedete Welt der Menschen. Útgarðr, „der äußere Zaun“, steht für das Draußen, das Reich der Riesen und des Chaos. Der russische Mediävist Aaron Gurevich hat schon 1969 darauf hingewiesen, dass sich das altnordische Weltbild an genau diesem Gegensatz von „drinnen“ und „draußen“ orientiert: Ordnung innerhalb des Zauns, Bedrohung außerhalb. Asgard ist demnach zuerst ein Begriff: die geschützte Mitte der Götter.
Hier kommt die erste Überraschung. Die Lieder-Edda, jene Sammlung altnordischer Götter- und Heldenlieder, die im Codex Regius aus der Zeit um 1270 überliefert ist, nennt Asgard ausdrücklich nur an zwei Stellen. Weder die Völuspá, das große Lied vom Anfang und Ende der Welt, noch das Grímnismál mit seinem berühmten Hallenkatalog verwenden den Namen.
In der Hymiskviða ist Asgard reiner Startpunkt einer Reise: Die Götter wollen für ein Gelage beim Meeresriesen Ägir Bier brauen und brauchen dafür einen riesigen Kessel. Sinngemäß heißt es: Sie fuhren an diesem Tag eilig dahin, von Asgard kamen sie zu Egils Hof, wo Thor seine gehörnten Böcke zurückließ. Keine Beschreibung, keine Mauern, kein Gold.
Die Þrymskviða ist ergiebiger, und zwar gerade wegen ihres trockenen Humors. Der Riese Þrymr hat Thors Hammer gestohlen und verlangt Freyja als Braut. Freyja weigert sich mit einem Schnauben, das ihren Halsschmuck zerspringen lässt. Also soll Thor selbst im Brautkleid nach Riesenheim fahren. Lokis Antwort, in eigener Übertragung: „Schweig, Thor, mit solchen Worten! Bald werden die Riesen in Asgard wohnen, wenn du deinen Hammer nicht zurückholst.“
Dieser eine Satz verrät viel. Asgard ist hier eine Siedlung, die man besetzen kann. Sie hat Grenzen, und diese Grenzen werden nicht durch Magie gehalten, sondern durch Thors Hammer. Der Göttersitz ist verwundbar – ein Gedanke, der sich durch fast alle Asgard-Geschichten zieht.
Das ausgemalte Bild von Asgard verdanken wir Snorri Sturluson (1179–1241), dem isländischen Gelehrten, Dichter und Politiker. In seiner Prosa-Edda, entstanden um 1220, lässt er im Teil Gylfaginning („Gylfis Täuschung“) einen schwedischen König namens Gylfi nach Asgard reisen, um die Asen auszufragen. Gylfi sieht dort eine Halle, so hoch, dass er kaum ihr Dach erkennen kann – und das Dach ist mit goldenen Schilden gedeckt wie mit Schindeln.
Im neunten Kapitel erzählt Snorri dann den Bau der Welt. Nachdem Odin und seine Brüder aus dem Leib des Urriesen Ymir Erde, Meer und Himmel geschaffen und Midgard als Schutzwall für die Menschen errichtet haben, heißt es (nach Brodeurs gemeinfreier Übersetzung, eigene Übertragung): Danach bauten sie sich eine Burg in der Mitte der Welt, die Asgard heißt; die Menschen nennen sie Troja. Merk dir diesen Nebensatz, er wird uns noch beschäftigen.
Im selben Kapitel stellt Snorri den Hochsitz Hliðskjálf vor: Wenn Allvater dort sitzt, überblickt er alle Welten und sieht, was jeder tut. Hliðskjálf kennen auch die Lieder. In der Prosa-Einleitung zum Grímnismál sitzen Odin und Frigg gemeinsam darauf und blicken über die Welt; im Skírnismál setzt sich Freyr unerlaubt auf den Sitz, erblickt die Riesin Gerðr und verliebt sich unsterblich.
Im 14. Kapitel versammeln sich die Götter auf dem Feld Iðavöllr „in der Mitte der Burg“. Dort bauen sie die Halle Glaðsheimr mit einem Hochsitz für Allvater und zwölf weiteren Sitzen, innen und außen wie aus Gold – nach Snorri das beste Haus der Welt. Für die Göttinnen entsteht Vingólf. Dazu eine Schmiede, in der die Götter Werkzeuge und Schmuck aus Gold fertigen. Snorri nennt diese Epoche ausdrücklich das „Goldene Zeitalter“, und es endet, als Frauen aus Riesenheim auftauchen.
Hier stützt sich Snorri auf die Völuspá. Deren siebte und achte Strophe erzählen, wie die Asen sich auf dem Iðavöllr treffen, Altar und Tempel bauen, Essen schmieden, Gold verarbeiten und fröhlich auf der Wiese Brettspiel spielen – bis drei mächtige Riesenmädchen kommen. Den Namen Asgard nennt die Völuspá dabei nicht. Snorri verbindet das Feld der Götter und ihre Burg zu einem einzigen, schlüssigen Ort.
Das Grímnismál ist ein seltsames Lied. Odin sitzt, als Wanderer Grímnir verkleidet, acht Nächte gefoltert zwischen zwei Feuern in der Halle des Königs Geirröðr und offenbart in einer Art Trance das Wissen über die Götterwelt. Ein Kernstück ist die Liste der Göttersitze, durchnummeriert wie ein Grundbuch. Den Namen Asgard verwendet Odin dabei nicht. Die Wohnstätten liegen in einem „heiligen Land nah bei Asen und Alben“. Die Forschung, etwa Rudolf Simek, ordnet die meisten von ihnen dennoch Asgard zu – mit Vorsicht.
Schon diese Liste zeigt, warum man Asgard nicht zu wörtlich als ummauerte Stadt verstehen sollte. Þrymheimr liegt nach den übrigen Geschichten im Gebirge, in Riesenland – Skaði ist ja selbst eine Riesin. Njörðrs Nóatún liegt am Meer, Ullrs Eibentäler klingen nach Wald. Das Grímnismál beschreibt eine Götterlandschaft, keinen Burghof. Snorri hat sie später in sein Asgard eingepasst und um Bauten wie Gimlé ergänzt, die schönste Halle am Südende des Himmels.
Wer Asgard erreichen will, braucht einen Weg. Bei Snorri ist das die Brücke Bifröst. Im 13. Kapitel der Gylfaginning heißt es, die Götter hätten eine Brücke von der Erde zum Himmel gebaut; sie ist dreifarbig, sehr stark und mit mehr Kunst gebaut als andere Werke. Und doch wird sie brechen, wenn die Söhne Muspells über sie reiten. Am Brückenkopf, „am Ende des Himmels“, steht Heimdalls Himinbjörg; er wacht dort gegen die Bergriesen.
Täglich reiten die Asen über Bifröst zu ihrer Gerichtsstätte am Brunnen Urðarbrunnr unter einer der Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil. Nur Thor muss zu Fuß gehen und durch Flüsse waten, weil die Brücke sonst unter seinem Donner in Flammen aufginge.
Die zweite Verbindung ist der Weltenbaum selbst. Im Grímnismál reichen seine drei Wurzeln zu Hel, zu den Reifriesen und zu den Menschen; Snorri setzt eine davon „bei den Asen“ an. Wie die Götterwelt in das Gefüge der neun Welten passt, ist in den Quellen also nicht einheitlich geregelt. Die bekannten Schaubilder mit Asgard ganz oben im Baum sind eine moderne Zusammenschau, kein Originalplan.
Die berühmteste Asgard-Geschichte ist die vom Mauerbau, die Snorri im 42. Kapitel der Gylfaginning erzählt. Ganz am Anfang, als die Götter Midgard eingerichtet und Walhall gebaut hatten, kam ein Handwerker und bot an, ihnen eine Burg zu bauen – so fest, dass Bergriesen und Reifriesen sie nicht überwinden könnten. Sein Lohn: Freyja zur Frau, dazu Sonne und Mond.
Die Götter berieten und stimmten zu, aber nur unter einer Bedingung: Er solle die Burg in einem einzigen Winter bauen, ohne fremde Hilfe. Wäre am ersten Sommertag noch etwas unfertig, verfiele der Lohn. Der Baumeister erbat sich nur die Hilfe seines Hengstes Svaðilfari – und auf Lokis Rat wurde ihm das gewährt. Der Hengst schleppte nachts Felsbrocken heran, die doppelt so groß waren wie das, was der Meister selbst bewegte. Drei Tage vor Sommerbeginn reichte die Mauer schon fast bis an das Burgtor.
Nun bekamen es die Götter mit der Angst zu tun und gaben Loki die Schuld. Der verwandelte sich in eine Stute, lockte den Hengst in den Wald, und die Arbeit stockte. Als der Baumeister merkte, dass er es nicht schaffen würde, geriet er in Riesenzorn – nun war klar, dass er ein Bergriese war. Die Asen riefen Thor, der gerade im Osten Trolle erschlug, und der zahlte den Lohn mit dem Hammer aus. Loki aber brachte einige Zeit später ein graues Fohlen mit acht Beinen zur Welt: Sleipnir, das beste Pferd bei Göttern und Menschen. Die ganze Geschichte mit allen Wendungen erzählen wir in unserem Beitrag zum Mauerbau um Asgard.
Snorri belegt die Erzählung mit zwei Strophen der Völuspá, in denen die Götter beraten, wer die Luft mit Unheil vermischt und Óðs Mädchen den Riesen gegeben habe – und in denen Thor Eide bricht. Die Völuspá selbst erzählt den Mauerbau aber nicht; die Verbindung stellt erst Snorri her. Interessant ist eine andere Völuspá-Strophe: Im ersten Krieg der Welt, dem Krieg zwischen Asen und Vanen, wird „die Bretterwand der Asenburg“ zerbrochen. Möglich, dass die Mauerbaugeschichte genau dieses Loch erklären oder füllen sollte. Sicher wissen wir das nicht.
Jetzt zu dem Nebensatz, den du dir merken solltest: „Die Menschen nennen sie Troja.“ Snorri war Christ, schrieb für ein christliches Publikum und brauchte eine Erklärung dafür, warum die Vorfahren so lange an Odin und Thor geglaubt hatten. Seine Lösung heißt Euhemerismus, benannt nach dem griechischen Schriftsteller Euhemeros (um 300 v. Chr.): Die alten Götter seien in Wahrheit herausragende Menschen gewesen, die nach ihrem Tod als Götter verehrt wurden.
Im Prolog der Prosa-Edda baut Snorri das breit aus. Nahe der Mitte der Welt lag eine große Stadt namens Troja, im Land, das „wir Tyrkland nennen“, mit zwölf Königreichen und einem Oberkönig. Ein Enkel des Priamos namens Trór, „den wir Thor nennen“, eroberte Thrakien – das man Þrúðheimr nenne. Aus seinem Geschlecht stammt Odin, der mit großem Gefolge nach Norden zog: über Saxland nach Reiðgotaland (Jütland) und schließlich nach Schweden, wo König Gylfi ihm Land überließ und Odin die Stadt Sigtuna gründete. Die Einwanderer hießen Asen, weil sie aus Asien kamen – eine Volksetymologie, die sprachlich falsch ist, für Snorri aber wunderbar passte.
Das Ende der Gylfaginning zieht den Rahmen zu: Als Gylfi alles gehört hat, steht er plötzlich auf einer offenen Ebene, keine Halle, keine Burg. Alles war Sinnestäuschung. Nach Snorris Nachwort erzählten die Asen die Geschichten so, dass man sie für die echten Götter halten sollte, und übertrugen Namen aus der Troja-Sage auf ihre eigenen Leute. Der Leser des 13. Jahrhunderts durfte also schmunzeln: Gylfi wurde getäuscht – du nicht.
Ganz so exotisch, wie es heute wirkt, war die Troja-Idee damals nicht. Seit dem frühen Mittelalter führten sich halb Europas Völker auf Troja zurück: Die Franken bei Fredegar im 7. Jahrhundert, die Briten über den sagenhaften Brutus, prominent bei Geoffrey von Monmouth (um 1136). Snorris Asgard-Troja ist also kein Rest heidnischen Glaubens, sondern ein Stück gelehrter europäischer Geschichtsschreibung – und eine elegante Methode, die alten Mythen aufzuschreiben, ohne ihnen zu glauben.
Noch deutlicher wird das in Snorris Königsgeschichte Heimskringla (um 1230). Ihr erster Teil, die Ynglinga saga, beginnt mit einer Erdbeschreibung. Ein Fluss, früher Tanakvísl oder Vanakvísl genannt – gemeint ist der Don, der antike Tanais –, trennt Europa und Asien und fließt ins Schwarze Meer. Das Land westlich davon heißt Vanaheim, die Heimat der Vanen. Östlich davon, in Asien, liegt Asaland oder Asaheim, und dessen Hauptstadt heißt Asgard.
In diesem Asgard herrscht Odin als mächtiger Häuptling, umgeben von zwölf Tempelpriestern, die Opfer leiten und Recht sprechen; man nennt sie díar oder drótnar. Es gibt einen Krieg mit den Vanen, Geiseln werden getauscht – Njörðr und Freyr kommen zu den Asen. Dann wandert Odin aus: zuerst nach Westen ins Gardarike (Russland), dann nach Süden ins Sachsenland, schließlich über Fünen nach Schweden an den Mälarsee, wo er in „Alt-Sigtuna“ seinen Sitz nimmt. Seine Brüder Vili und Vé lässt er in Asgard zurück. Odin stirbt am Ende im Bett, wird verbrannt, und die Schweden glauben, er sei ins alte Asgard zurückgekehrt und lebe dort ewig.
Das ist euhemeristische Geschichtsschreibung in Reinform. Aus dem Göttersitz wird eine Stadt am Don, aus dem Asen-Vanen-Krieg ein Grenzkonflikt, aus Odin ein Einwanderer-König, der mit Zauberei und Charisma ein Reich gründet.
Wo also liegt das „echte“, mythische Asgard? Die ehrliche Antwort: Das lässt sich aus den Quellen nicht widerspruchsfrei bestimmen. Snorri selbst sagt beides. In Kapitel 9 baut man Asgard „in der Mitte der Welt“, wobei Midgard rundherum liegt und dahinter, am Rand des Meeres, das Land der Riesen. In Kapitel 17 dagegen liegen Breiðablik, Glitnir und Himinbjörg ausdrücklich „im Himmel“, und Bifröst führt „von der Erde zum Himmel“.
Die Forschung liest das unterschiedlich. Eine Richtung nimmt die horizontale Ordnung ernst: Mitte gegen Rand, Hof gegen Wildnis, wie es die Namen Asgard, Midgard und Utgard nahelegen. Die vertikale Ordnung mit Göttern oben im Himmel halten viele für ein Erbe des christlichen Weltbildes, das Snorri vertraut war, denn in der älteren Dichtung findet sie sich kaum. Der norwegische Religionswissenschaftler Eldar Heide hat 2014 dafür argumentiert, dass die nordische Kosmologie zwar widersprüchlich wirkt, aber dennoch eine eigene Logik hat. Andere Forscher warnen davor, überhaupt eine einheitliche „Karte“ zu suchen: Mündliche Traditionen über Jahrhunderte und Regionen hinweg mussten nicht geographisch zusammenpassen.
Und gab es Asgard als gelebte Vorstellung? Darauf deuten die Hallen hin. Archäologen haben in Skandinavien große Hallenbauten der Eisen- und Wikingerzeit ausgegraben, etwa in Lejre auf Seeland, in Uppåkra in Schonen oder in Gudme auf Fünen – Zentren von Macht und Kult, in denen Herrscher feierten, Recht sprachen und opferten. Viele Forscher vermuten, dass Walhall, Glaðsheimr und Bilskirnir aus dieser Welt der Fürstenhallen gespeist sind – Asgard als vergoldete Fürstenhalle.
Kein Zaun hält ewig. Beim Weltuntergang Ragnarök reiten die Söhne Muspells über Bifröst, die Brücke bricht, Odin fällt gegen den Fenriswolf, Thor stirbt am Gift der Midgardschlange, und Surtrs Feuer verschlingt die Welt. Ein eigenes Kapitel über die Zerstörung Asgards gibt es in den Quellen nicht. Aber Snorri lässt im 53. Kapitel eine aufschlussreiche Bemerkung fallen: Nach dem Untergang wohnen Víðarr und Váli auf dem Iðavöllr, „wo früher Asgard war“. Thors Söhne Móði und Magni bringen den Hammer, Baldr und Höðr kehren aus der Unterwelt zurück.
Die Völuspá malt dieselbe Szene: Die Götter treffen sich wieder auf dem Iðavöllr, sprechen über die alten Taten und finden im Gras die goldenen Spielfiguren, mit denen sie in der Urzeit gespielt hatten. Der Kreis schließt sich auf demselben Feld, auf dem alles anfing. Asgard als Burg ist verschwunden – der Ort aber bleibt, und mit ihm die Erinnerung. Wie es danach weitergeht, liest du in unserem Beitrag Was kommt nach Ragnarök?
Weltweit bekannt wurde der Name durch Marvel. Thor trat erstmals 1962 in „Journey into Mystery“ Nr. 83 auf, und spätestens seit den Kinofilmen ab 2011 denken viele bei Asgard an eine glitzernde Science-Fiction-Stadt im All, die in „Thor: Ragnarok“ (2017) explodiert. Mit den Quellen hat das wenig zu tun. Was Marvel richtig und was frei erfunden hat, nehmen wir im Marvel-Thor-Faktencheck auseinander.
Bei uns in Alsdorf landet Asgard oft auf Schiefer, und zwar selten als Fantasy-Stadt. Viel stärker wirkt, was die Quellen selbst hergeben: eine Hallenreihe mit Giebelbalken, die an die großen Langhäuser erinnert, darüber der Bogen von Bifröst. Oder ein Zaun als Motiv – ein umlaufendes Flechtband, in dessen Mitte ein Name oder ein Hausspruch steht. Das passt besonders gut als Türschild oder Hausplakette, denn genau das war Asgard ja: ein Gehöft mit Grenze, das Schutz versprach.
Wer es textlich mag, wählt einen Satz aus den Quellen: Lokis Warnung aus der Þrymskviða als augenzwinkernde Hausregel, Snorris „Burg in der Mitte der Welt“ für den Familientisch oder die Namen der Hallen – Breiðablik, Glitnir, Fólkvangr – als Hausnamen. Schiefer gibt dabei den richtigen dunklen, steinernen Grund; wie wir mit dem Laser auf Naturstein arbeiten, erklären wir auf der Seite zur Schieferplatten-Gravur. Für Fans von Odin auf Sleipnir, dem Fohlen aus dem Mauerbau, haben wir ein eigenes Motiv.

Was bedeutet Asgard? Der Name kommt von altnordisch Ásgarðr und bedeutet „Gehege“ oder „Einfriedung der Asen“. Garðr ist der Zaun um ein Gehöft, verwandt mit unserem Wort „Garten“.
Wer lebt in Asgard? Die Asen, also Odin, Frigg, Thor, Týr, Baldr, Heimdall und ihre Familien. Nach dem Asen-Vanen-Krieg leben dort auch Vanen wie Njörðr, Freyr und Freyja als Geiseln und Verbündete.
Ist Walhall dasselbe wie Asgard? Nein. Walhall ist eine Halle Odins, die nach dem Grímnismál in Glaðsheimr steht und laut Snorri in Asgard liegt. Asgard ist der gesamte Göttersitz mit vielen Hallen.
Wo liegt Asgard in der nordischen Mythologie? Snorri setzt es einmal in die Mitte der Welt, an anderer Stelle in den Himmel, erreichbar über die Brücke Bifröst. Eine einheitliche Karte geben die Quellen nicht her.
Warum setzt Snorri Asgard mit Troja gleich? Als christlicher Gelehrter deutete er die Götter als vergöttlichte Menschen aus Asien und knüpfte an die europäische Mode an, die eigene Herkunft auf Troja zurückzuführen. Das ist gelehrte Konstruktion des 13. Jahrhunderts, kein alter Glaube.
Wird Asgard bei Ragnarök zerstört? Indirekt ja: Nach Snorri wohnen die überlebenden Götter danach auf dem Iðavöllr, „wo früher Asgard war“. Die Burg ist verschwunden, das Feld bleibt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Walhall · Bifröst · Die neun Welten · Odin & Sleipnir · Loki · Hlidskjalf & die Kleinode.
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