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Die Aunjetitzer Kultur & die Himmelsscheibe von Nebra

Geschichte Bronzezeitlicher Goldhort – Sinnbild für die Aunjetitzer Kultur und die Himmelsscheibe von Nebra

Fast 1.500 Jahre bevor die ersten Germanen in römische Geschichtsbücher gerieten, blühte im Herzen Mitteleuropas eine hochentwickelte Kultur der frühen Bronzezeit – mit Fernhandel, einer wohlhabenden Elite und dem vielleicht berühmtesten archäologischen Fund Deutschlands: der Himmelsscheibe von Nebra.

Die Aunjetitzer Kultur (nach dem Fundort Únětice bei Prag) bestand etwa von 2300 bis 1600 v. Chr. Sie erstreckte sich über weite Teile Mitteleuropas – das heutige Sachsen und Sachsen-Anhalt, Thüringen, Böhmen und Mähren, Polen sowie Teile Bayerns und Österreichs. Gerade Mitteldeutschland war ein Zentrum.

Mitteldeutschland als Zentrum

In dieser Region liegen einige der bedeutendsten Fundplätze der europäischen Bronzezeit: das Fürstengrab von Leubingen, das Ringheiligtum von Pömmelte (oft „deutsches Stonehenge" genannt) – und natürlich der Fundort der Himmelsscheibe bei Nebra. Es ist eine Landschaft, in der vor rund 4.000 Jahren Macht, Handel und Sternenkunde zusammenkamen.

Die Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe von Nebra – eine bronzene Scheibe mit goldenen Auflagen für Sonne bzw. Vollmond, Mondsichel und Sterne (darunter die Plejaden) – gilt als eine der ältesten konkreten Himmelsdarstellungen der Welt. Sie wird mit der späten Aunjetitzer Kultur verbunden und dürfte um 1600 v. Chr. niedergelegt worden sein. Sie zeigt: Diese Menschen beobachteten den Himmel systematisch, wohl um Sonnen- und Mondjahr abzugleichen.

Elite, Handel und Metall

Typisch für die Aunjetitzer Kultur sind früh entwickelte Bronzeverarbeitung, reich ausgestattete Hügel- und Flachgräber, Fernhandel mit Metallen und Schmuck sowie deutliche soziale Hierarchien mit einer wohlhabenden Elite. Bronzeäxte und Dolche, Goldschmuck und Prunkbeigaben zeugen von Reichtum – und von Netzwerken, die halb Europa umspannten (das Zinn für die Bronze kam von weit her).

Wer waren diese Menschen?

Körperlich unterschieden sich die Träger der Aunjetitzer Kultur – wie schon die Schnurkeramiker – nicht wesentlich von der heutigen mitteleuropäischen Bevölkerung. Manche Sprachwissenschaftler nehmen an, dass sie indogermanische Dialekte sprachen. Der Indogermanist Wolfram Euler vertritt die (umstrittene) These, die südliche Gruppe habe Vorformen keltischer, die nördliche Vorformen germanischer Sprachen gesprochen – eine faszinierende Brücke zu den späteren Völkern.

Das Ende

Nach 1600 v. Chr. löste die Hügelgräberbronzezeit die Aunjetitzer Kultur ab. Ihre Technologien, Waffenformen und Handelswege lebten in den Nachfolgekulturen weiter. Die Aunjetitzer Kultur markiert damit den Übergang von der Stein- zur Bronzezeit in Mitteleuropa – ein echter Aufbruch.

Beleg & Quellen. Datierung ~2300–1600 v. Chr.; Namengeber Únětice/Aunjetitz bei Prag. Himmelsscheibe von Nebra: Fund 1999 am Mittelberg bei Nebra (Sachsen-Anhalt), Niederlegung um 1600 v. Chr., zugeordnet der späten Aunjetitzer Kultur. Fürstengrab Leubingen, Ringheiligtum Pömmelte. Standardwerk: Harald Meller (Hrsg.), Der geschmiedete Himmel (2004).

Mythos-Check. Die Echtheit der Nebra-Scheibe war anfangs umstritten (sie wurde 1999 illegal ausgegraben), gilt heute aber als gesichert. „Älteste Himmelsdarstellung der Welt" meint: die älteste bekannte konkrete Darstellung realer Gestirne – ältere abstrakte Sonnensymbole gibt es durchaus. Und Vorsicht bei der Sprache: Dass die Aunjetitzer schon „Vor-Germanen" oder „Vor-Kelten" waren, ist eine sprachwissenschaftliche Hypothese, kein Fund. Das benachbarte Sonnenobservatorium von Goseck ist übrigens viel älter (jungsteinzeitlich, um 4900 v. Chr.) und gehört nicht zur Aunjetitzer Kultur.

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Germanen & Stämme · Die Donareiche · Die Externsteine.

Quellen & Literatur

Harald Meller (Hrsg.): Der geschmiedete Himmel. Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren. Theiss, Stuttgart 2004. Landesamt für Denkmalpflege & Archäologie Sachsen-Anhalt (Nebra, Pömmelte, Leubingen). Zur Sprach-Hypothese: W. Euler zu prä-germanischen/prä-keltischen Idiomen.

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