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Die Externsteine – erfundene Kultstätte?

Aufklärung Nebliger Wald im Bergland – Sinnbild für den Teutoburger Wald der Externsteine

Für die einen sind sie ein uraltes germanisches Sonnenheiligtum, für die anderen ein christlicher Wallfahrtsort – die Externsteine im Teutoburger Wald sind vor allem eines: eine riesige Projektionsfläche. Der nüchterne Blick auf die Belege löst den Streit erstaunlich klar.

Die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg in Lippe sind eine natürliche Reihe hoher Sandsteinfelsen – von der Natur geformt, nicht von Menschenhand aufgerichtet. Dass an ihnen im Mittelalter Christen wirkten, ist gut belegt. Alles Weitere ist eine Geschichte von Deutung, Wunschdenken und handfester Ideologie.

Ein Felsen, viele Legenden

Die Felsen wurden nachweislich im Hochmittelalter genutzt: Es gibt eine in den Stein gehauene Grotte (Kapelle), Treppen, eine Höhenkammer und das berühmte Relief. Eine durchgehende „heidnische Kultstätte“ mit Tempel oder Opferbetrieb ist dagegen archäologisch nicht nachgewiesen – so verlockend das Bild auch ist.

Das Kreuzabnahme-Relief (um 1170)

Das große Felsrelief zeigt die Kreuzabnahme Christi – es ist ein christliches Bildwerk, entstanden um 1170, und eines der größten seiner Art nördlich der Alpen. Unter der Figur des Nikodemus, der Christus vom Kreuz löst, steht dieser auf einem seltsam gebogenen Gegenstand. Genau dieses Detail hat die ganze Mythenbildung ausgelöst.

Teudts „gebogene Irminsul“

In den 1920er Jahren deutete der völkische Laienforscher Wilhelm Teudt dieses gebogene Objekt als die gestürzte Irminsul – das sächsische Heiligtum, das Karl der Große zerstört haben soll. Daraus bastelte er die These, die Externsteine seien der Ort der Irminsul gewesen. Fachlich gilt der gebogene Gegenstand aber eher als Fußschemel oder umgeknickter Baum (Palme) im christlichen Bildprogramm. Teudts Deutung ist eine Rückprojektion, kein Befund.

Die NS-Inszenierung

Im Nationalsozialismus wurde daraus Programm: Himmlers Ahnenerbe untersuchte die Steine, es gab Sonnenwendfeiern und Propaganda vom „germanischen Heiligtum“. Die aufrecht stehende, s-förmige „Irminsul“, die man heute auf Aufklebern und in der Esoterik sieht, geht direkt auf Teudts Modell zurück – ein Symbol des 20. Jahrhunderts, kein überliefertes germanisches Zeichen.

Was wirklich belegt ist

Gesichert ist die mittelalterlich-christliche Nutzung. Ob die Felsen schon in vorchristlicher Zeit eine Rolle spielten, ist möglich, aber unbewiesen; eine astronomische Ausrichtung der Höhenkammer wird diskutiert, ist aber umstritten. Kurz: Die Externsteine sind ein faszinierender realer Ort – nur eben nicht der germanische Tempel, zu dem ihn das 20. Jahrhundert machen wollte.

Beleg & Quellen. Kreuzabnahme-Relief: um 1170, christlich, Horn-Bad Meinberg (Lippe). Irminsul-Deutung: Wilhelm Teudt, Germanische Heiligtümer (1929) – Laienforschung, fachlich abgelehnt. NS-Nutzung: SS-Ahnenerbe, Sonnenwendfeiern. Die historische Irminsul: fränkische Reichsannalen, Zerstörung durch Karl den Großen 772 (bei der Eresburg, nicht an den Externsteinen). Überblick: wissenschaft.de, „Mythos Externsteine“.

Mythos-Check. Die Irminsul war real – die fränkischen Quellen nennen sie, und Karl der Große ließ 772 eine Irminsul zerstören. Nur stand sie eben nicht an den Externsteinen; das verknüpft erst Teudt. Und das populäre gebogene/aufrechte Irminsul-Symbol ist eine moderne Erfindung aus der Fehldeutung eines christlichen Reliefs. Echtes Erbe und erfundene Tradition liegen hier nur einen Steinwurf auseinander.

Warum wir das so klar sagen. Uns liegt das echte Erbe unserer Vorfahren am Herzen – gerade deshalb trennen wir Beleg und Legende sauber. Die Externsteine sind einen Besuch wert, die Irminsul ist ein spannendes historisches Thema. Aber wer die Steine als „urgermanischen Tempel“ verkauft, erzählt eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, nicht der Germanen.

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Quellen & Literatur

Wilhelm Teudt, Germanische Heiligtümer (1929, historisch, als Beleg für die Deutungsgeschichte). Forschung/Überblick: Uta Halle, „Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!“ (2002); wissenschaft.de & taz zum „Mythos Externsteine“; Wikipedia „Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen“. Zur Irminsul: fränkische Reichsannalen (772).

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