Der Freitag ist nach der germanischen Göttin Frija benannt, die im Norden Frigg heißt – Odins Gemahlin, nicht die berühmtere Freya. Der Name ist eine Übersetzung des römischen dies Veneris, des Venustags: Germanen setzten für die römische Liebesgöttin ihre eigene ein. Das zeigen althochdeutsch frîatag, altenglisch frīgedæg und altnordisch frjádagr. Ganz erledigt ist die Sache trotzdem nicht. Denn ob Frigg und Freya einmal eine einzige Göttin waren, darüber streitet die Forschung seit Jacob Grimm.
Freitag. Der Tag, an dem in der Werkstatt in Alsdorf die letzten Schieferplatten des Wochenendes vom Laser kommen und die Kaffeemaschine ein bisschen schneller läuft. In dem Wort steckt eine Göttin, die heute kaum jemand richtig zuordnet. Frag zehn Leute, nach wem der Freitag benannt ist – acht sagen „Freya“. Die Sprachgeschichte sagt etwas anderes. Und wer genau hinsieht, landet in einer der hartnäckigsten offenen Fragen der germanischen Religionsgeschichte.
Die Sieben-Tage-Woche mit Planetennamen ist keine germanische Erfindung. Sie entstand im hellenistischen Raum aus astrologischen Vorstellungen: Jede Stunde und jeder Tag stand unter der Herrschaft eines der sieben damals bekannten „Wandelsterne“ – Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn. Im Römischen Reich war diese Planetenwoche spätestens im 1. Jahrhundert n. Chr. im Alltag angekommen; in Pompeji, das 79 n. Chr. verschüttet wurde, haben sich an Hauswänden Listen der Planetentage erhalten.
Der sechste Tag dieser Woche war der dies Veneris, der Tag der Venus. Die romanischen Sprachen bewahren das bis heute: französisch vendredi, italienisch venerdì, spanisch viernes. Die germanischen Sprachen dagegen haben Venus durch eine eigene Göttin ersetzt.
Wann genau das geschah, weiß niemand. Eine Inschrift oder Urkunde, die den Moment festhält, gibt es nicht. Die meisten Sprachhistoriker vermuten die Übernahme in der Spätantike, etwa im 3. bis 4. Jahrhundert, in der Kontaktzone an Rhein und Donau, wo germanische Söldner, Händler und Siedler täglich mit römischen Kalendern zu tun hatten. Das ist eine begründete Annahme: Die ältesten überlieferten germanischen Wochentagsnamen stehen erst in Handschriften des Frühmittelalters.
Das Verfahren hat einen Namen: interpretatio germanica. Gemeint ist das Gegenstück zur interpretatio romana, mit der römische Autoren fremde Götter in ihre eigenen umdeuteten. Bei den Wochentagen lief derselbe Vorgang in umgekehrter Richtung. Die Germanen fragten nicht „Wie heißt Venus auf Germanisch?“, sondern „Welche unserer Gottheiten entspricht ihr?“
Das Ergebnis ist bemerkenswert stimmig. Der Tag des Kriegsgottes Mars wurde zum Tag des Tiwaz (Ziu, Tyr), der Tag des listigen Seelenführers Merkur zum Tag Wodans, der Tag des blitzschleudernden Jupiter zum Tag Donars. Und für Venus, die römische Göttin der Liebe, wählte man Frija, die Gattin Wodans. Der rekonstruierte Ausgangspunkt ist ein westgermanisches *Frijjōdagaz, „Tag der Frijjō“. Wie die übrigen Tage zu ihren Göttern kamen, zeigen wir ausführlich in unserem Beitrag über die germanischen Wochentage.
Warum ausgerechnet Frija und nicht eine andere Göttin? Die Gleichung war kein Zufall. Ihr Name bedeutet etwa „die Geliebte“, sie war die Hauptgöttin an der Seite des Hauptgottes, zuständig für Ehe, Haus und Nachkommenschaft. Eine Göttin der Liebe in diesem Sinn lag nahe. Die verführerische, eigenwillige Venus der römischen Dichtung passt zwar auf den ersten Blick besser zu Freya. Nur: Auf dem Festland, wo die Wochentagsnamen entstanden, ist eine Freya gar nicht bezeugt.
Hier wird die Sache überraschend eindeutig. Schau dir die ältesten Formen an:
Alle diese Formen führen auf Frija/Frigg zurück. Eine Form, die zu Freya passen würde – im Althochdeutschen müsste sie etwa *frouwûntag lauten, nach frouwa „Herrin“ – ist nirgends belegt.
Besonders aufschlussreich ist das Altnordische. Wäre der Name dort selbst gebildet worden, müsste er von der nordischen Form des Götternamens ausgehen, also etwa *Friggjardagr. Überliefert ist aber frjádagr, und das passt lautlich nicht zur nordischen Frigg, sondern zu einer südlichen Form wie Frîa. Schon die ältere Handbuchforschung (Hermann Pauls Grundriss der germanischen Philologie, 1900) hat daraus geschlossen, dass die Wochentagsnamen aus dem niederdeutschen Raum in den Norden entlehnt wurden. Die Planetenwoche kam also mit Handel und Mission von Süden her nach Skandinavien – fertig benannt.
Und wo bleibt Freya? Es gibt tatsächlich einzelne mittelalterliche isländische Belege für freyjudagr, etwa in den Breta sögur, der altnordischen Bearbeitung von Geoffrey of Monmouths britischer Königsgeschichte. Das ist aber eine gelehrte Umdeutung eines Schreibers, der den fremd klingenden Tagesnamen mit der bekannten Göttin verband – nicht die Wurzel des Wortes.
Der Name der Göttin geht auf urgermanisch *Frijjō zurück. Dahinter steht eine indogermanische Wurzel, die etwa „eigen, lieb, geliebt“ bedeutet; urverwandt ist altindisch priyā́ „Geliebte, Gattin“. Aus derselben Wortfamilie stammen gotisch frijōn „lieben“, unser Freund, Friede und auch frei. „Frei“ waren ursprünglich die Angehörigen der eigenen, geliebten Sippe.
Dass aus *Frijjō im Norden Frigg wurde, ist ein regelmäßiger Lautwandel. Die Sprachwissenschaft nennt ihn Verschärfung oder Holtzmannsches Gesetz: Ein doppeltes jj wurde im Nordgermanischen zu ggj, im Gotischen zu ddj. Frigg und die festländische Frija sind also derselbe Name in zwei Lautgestalten.
Freyja dagegen heißt schlicht „Herrin“. Das Wort ist die weibliche Entsprechung zu urgermanisch *frawjaz „Herr“, das im Namen ihres Bruders Freyr steckt. Im Deutschen lebt es in Frau weiter (althochdeutsch frouwa, „Herrin“). Freyja ist also ursprünglich ein Titel, kein Eigenname im engeren Sinn. Fast alle Sprachhistoriker halten die beiden Namen für etymologisch getrennt; der Versuch, sie auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführen, ist eine Minderheitenmeinung.
Ein Wochentagsname allein beweist noch keine Göttin. Bei Frija haben wir aber Glück: Es gibt zwei voneinander unabhängige festländische Zeugnisse, die sie als handelnde Göttin zeigen.
Das erste ist der Zweite Merseburger Zauberspruch, erhalten in einer Handschrift des 10. Jahrhunderts in der Merseburger Domstiftsbibliothek; der Text selbst ist vermutlich älter. Er erzählt, wie sich das Fohlen Balders den Fuß verrenkt und mehrere Göttinnen es „besprechen“, bevor Wodan den Heilspruch sagt. In eigener Übertragung:
„Da besprach ihn Sinthgunt, Sunna ihre Schwester; da besprach ihn Frija, Volla ihre Schwester; da besprach ihn Wodan, so wie er es gut konnte.“– Zweiter Merseburger Zauberspruch, eigene Übertragung
Die Volla an Frijas Seite ist die Fulla der nordischen Überlieferung, bei Snorri Friggs Vertraute, die ihr Kästchen und ihre Schuhe hütet. Ein althochdeutscher Text des Frühmittelalters und eine isländische Schrift des 13. Jahrhunderts kennen also dasselbe Paar. Was der Spruch sonst noch über den alten Glauben verrät, haben wir im Beitrag über die Merseburger Zaubersprüche aufgeschrieben.
Das zweite Zeugnis ist die Ursprungssage der Langobarden. Sie steht in der kurzen Origo gentis Langobardorum aus dem 7. Jahrhundert und ausführlicher bei Paulus Diaconus in der Historia Langobardorum (Ende 8. Jahrhundert, Buch I, Kapitel 8). Die Winniler bitten Frea um Hilfe, ihre Feinde Wodan. Frea rät den Frauen der Winniler, sich das Haar wie Bärte vors Gesicht zu binden. Als Godan (Wodan) morgens aus dem Fenster schaut, fragt er: „Wer sind diese Langbärte?“ Frea erwidert, wer einen Namen gebe, müsse auch den Sieg geben. So bekommen die Langobarden ihren Namen und ihren Sieg. Paulus nennt das eine lächerliche Fabel der Alten – und bewahrt doch eine Göttin, die listig ihren Mann lenkt, ganz wie die nordische Frigg. Die ganze Geschichte findest du bei uns unter Die Langobarden.
Wichtig für unsere Frage: Weder im Merseburger Spruch noch in der Langobardensage noch in einer anderen festländischen Quelle tritt eine zweite Göttin namens Freya auf. Wodans Gattin heißt auf dem Kontinent Frija oder Frea. Ob das an der dünnen Quellenlage liegt oder an einer echten Entwicklung im Norden, ist eine der Kernfragen der Debatte.
Die Verwechslung hat Gründe. Erstens ist Freya schlicht die schillerndere Figur. Sie fährt mit einem Katzengespann, trägt das Halsband Brísingamen, besitzt ein Federkleid, wählt die Hälfte der Gefallenen für ihre Halle Fólkvangr und beherrscht den Seiðr, den nordischen Zauber. Frigg sitzt dagegen in ihrer Halle Fensalir, weiß alles und sagt wenig.
Zweitens deuten die heutigen skandinavischen Sprachen ihr fredag gern als „Freyas Tag“, und das klingt lautlich auch plausibel. Dahinter steht aber das entlehnte frjádagr.
Drittens – und das ist der interessante Punkt – ist die Verwechslung vielleicht gar nicht so falsch, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Schon Jacob Grimm bemerkte in seiner Deutschen Mythologie (1835) die „öftere Verwechslung der beiden Göttinnen Freyja und Frigg“. Die Frage ist, ob sie nur in späterer Zeit verwechselt wurden – oder ob sie einmal eins waren.
Seit dem 19. Jahrhundert stehen sich hier grob zwei Positionen gegenüber, mit einer breiten, vorsichtigen Mitte.
Die These vom gemeinsamen Ursprung. Ihr zufolge gab es im Frühgermanischen eine einzige große Göttin an der Seite des Hauptgottes, die Liebe, Ehe, Fruchtbarkeit, Schicksal und Zauber in sich vereinte. Im Norden habe sich diese Gestalt dann in zwei Figuren aufgefächert: in die ehrbare Gattin und Mutter Frigg und die freie, erotische, zauberkundige Freyja. Vertreten haben solche Gedanken in unterschiedlicher Stärke unter anderem Hilda Ellis Davidson (Roles of the Northern Goddess, 1998) und vor allem die schwedische Religionshistorikerin Britt-Mari Näsström. In Freyja – the Great Goddess of the North (Lund 1995) deutet sie Freyja als Erscheinungsform einer umfassenden Göttin, mit der Frigg funktional eng verbunden sei.
Die These von zwei getrennten Göttinnen. Ihre Vertreter verweisen auf die verschiedenen Namen, auf die Zuordnung zu verschiedenen Göttergeschlechtern und darauf, dass das Modell einer „Großen Göttin“ stark von modernen religionswissenschaftlichen Theorien geprägt ist. Rudolf Simek, dessen Lexikon der germanischen Mythologie bis heute das Standardnachschlagewerk im deutschen Sprachraum ist, steht solchen Großkonstruktionen skeptisch gegenüber. Die Mehrheit der Sprachhistoriker lehnt zudem eine gemeinsame Namensherkunft ab.
Die vorsichtige Mitte. Stephan Grundy hat in seinem Aufsatz „Freyja and Frigg“ (in: The Concept of the Goddess, hg. von Sandra Billington und Miranda Green) die Argumente beider Seiten gesammelt. Sein Befund ist ehrlich: Die Frage sei schwer zu entscheiden, man könne vor allem die Argumente dafür und dagegen sichten. Das Grundproblem ist die Quellenlage. Über germanische Göttinnen vor der Wikingerzeit wissen wir sehr wenig, und fast alles Ausführliche über Frigg und Freyja stammt aus isländischen Texten des 13. Jahrhunderts, also aus christlicher Zeit. John McKinnell hat in Both One and Many (1994) zudem gezeigt, wie häufig die nordische Mythologie Figuren verdoppelt und spiegelt – was Ähnlichkeiten erklären kann, ohne gleich eine Ur-Göttin vorauszusetzen.
Eine zusätzliche Unsicherheit bringt die Frage, ob die strikte Trennung in Asen und Wanen überhaupt alt ist. Simek hat 2010 in einem viel diskutierten Beitrag („The Vanir – An Obituary“) bezweifelt, dass es die Wanen als eigene, klar umrissene Göttergruppe in heidnischer Zeit gab; vieles davon könne auf Snorris Systematik zurückgehen. Das ist umstritten, bedeutet aber: Das Argument „Freyja ist Wanin, Frigg ist Asin, also sind sie verschieden“ steht auf weicherem Grund, als es scheint. Den Hintergrund erklären wir im Beitrag über Asen und Vanen.
Warum die These vom gemeinsamen Ursprung nicht totzukriegen ist, zeigt ein Blick auf die Motive, die beide Göttinnen in den Quellen teilen:
| Motiv | Frigg | Freyja |
|---|---|---|
| Gemahl | Óðinn | Óðr, der in die Ferne zieht |
| Trauer um einen Mann | weint um ihren Sohn Baldr (Völuspá, Gylfaginning) | weint goldene Tränen um Óðr (Gylfaginning) |
| Vogelgewand | Loki fliegt mit Friggs Falkengewand zu Geirröd (Skáldskaparmál) | Loki leiht Freyjas Federkleid (Þrymskviða; Þjazi-Erzählung in Skáldskaparmál) |
| Schicksalswissen und Zauber | „kennt alle Schicksale“ (Lokasenna 29) | lehrt die Asen den Seiðr (Ynglinga saga 4) |
| Vorwurf der Untreue | mit Odins Brüdern Vili und Vé (Lokasenna 26; Ynglinga saga 3) | mit allen Asen und Alben (Lokasenna 30) |
| Gier nach Gold und Schmuck | raubt Gold von Odins Standbild (Saxo, Gesta Danorum I) | erwirbt Brísingamen (Sörla þáttr) |
Am schwersten wiegt die Parallele der Ehemänner. Óðinn und Óðr gehen auf dieselbe Wurzel zurück, die „Raserei, Ekstase, dichterische Begeisterung“ bedeutet. Beide Göttinnen sind also mit einem Mann verheiratet, dessen Name „der Rasende“ oder „die Raserei“ meint. Freyjas Óðr verschwindet und lässt sie weinend zurück; Odin ist bekanntlich ständig unterwegs. Mehr zu dieser rätselhaften Gestalt steht in unserem Beitrag über Óðr, Freyjas verschwundenen Gemahl.
Auch die Lokasenna ist aufschlussreich. In diesem Lied der Lieder-Edda beschimpft Loki beim Gelage des Ægir reihum die Götter. Als er Frigg ihre Untreue vorwirft, springt ausgerechnet Freyja ihr bei und warnt ihn: Frigg kenne alle Schicksale, auch wenn sie selbst nicht davon spreche (Strophe 29, sinngemäß). Die beiden stehen hier wie Schwestern nebeneinander. Wie das ganze Götterschelten abläuft, liest du bei uns unter Lokasenna.
So verführerisch die Liste ist, die Gegenargumente sind gewichtig.
Die Namen sind verschieden. „Die Geliebte“ und „die Herrin“ sind zwei Wörter aus zwei Wurzeln. Man kann sich vorstellen, dass „Herrin“ einmal ein Beiname der Geliebten war und sich dann verselbständigte. Belegen lässt sich das nicht.
Snorri trennt sie. In seinem Katalog der Göttinnen in der Gylfaginning nennt Snorri Frigg als ranghöchste und sagt von Freyja, sie sei neben Frigg die vornehmste – eindeutig zwei Gestalten. In der Edda tauchen sie oft gemeinsam auf, etwa wenn in den Oddrúnargrátr eine Gebärende Frigg und Freyja zugleich angerufen werden.
Kult und Ortsnamen sind ungleich verteilt. In Norwegen und Schweden gibt es einige Ortsnamen, die auf Frigg gedeutet werden, in Dänemark keine. Für Freyja werden mehr Ortsnamen in Anspruch genommen, viele Deutungen sind aber unsicher, weil sich Freyr und Freyja in Ortsnamen oft nicht sauber trennen lassen. Freyja wirkt fester im Kult verankert, Frigg eher als Figur der Dichtung.
Das Festland kennt nur Frija. Das spricht für eine einzige Göttin, aus der sich im Norden eine zweite löste – oder schlicht dafür, dass wir über den Kontinent zu wenig wissen.
Unser Fazit aus dem Stand der Forschung: Der Wochentagsname gehört sprachlich klar zu Frija/Frigg. Ob hinter Frigg und Freyja einmal eine einzige Göttin stand, ist offen – und wird es bei der heutigen Quellenlage wohl bleiben. Beide Göttinnen stellen wir in eigenen Porträts ausführlich vor: Frigg – die höchste Göttin und Freyja – weit mehr als Liebe. Die festländische Seite beleuchtet unser Beitrag zu Frija.
Mit dem Christentum bekam der Freitag eine zweite Bedeutung, die mit Liebesgöttinnen nichts zu tun hat. Als Tag der Kreuzigung wurde er schon früh zum Buß- und Fastentag. Die Didache, eine frühchristliche Kirchenordnung wohl um 100 n. Chr., weist die Gläubigen an, mittwochs und freitags zu fasten. Der Karfreitag – von althochdeutsch kara, „Klage, Trauer“ – ist der Höhepunkt dieser Tradition.
In Island führte das zu einer kleinen Kalenderreform. Bischof Jón Ögmundsson von Hólar (Bischof 1106–1121) wollte nach seiner Lebensbeschreibung, der Jóns saga helga, nicht länger, dass die Tage nach heidnischen Göttern benannt werden. Statt Týsdagr, Óðinsdagr und Þórsdagr setzten sich nüchterne Zählnamen durch: þriðjudagur („dritter Tag“), miðvikudagur („Mittwoch“), fimmtudagur („fünfter Tag“). Aus dem frjádagr wurde der föstudagur, der „Fastentag“, und aus dem Saturntag der laugardagur, der „Waschtag“, den es als Name schon vorher gab.
Dass das allein auf Jón zurückgeht, wissen wir nur aus seiner Heiligenvita. Fest steht: Isländisch ist bis heute die einzige skandinavische Sprache, deren Woche keine Götternamen mehr trägt. Dänisch, Norwegisch und Schwedisch blieben beim fredag, Färöisch beim fríggjadagur.
Gesponnen wurde trotzdem weiter. In Schweden und Teilen Deutschlands nannte man die drei Gürtelsterne des Orion volkstümlich den Spinnrocken einer Göttin – in Schweden mal Friggerock, mal Frejerock. Selbst am Nachthimmel konnte man sich also nicht recht entscheiden, welche der beiden dort ihren Faden zieht.
So sieht die Götterwoche im Ganzen aus:
| Lateinisch | Deutsch | Englisch | Altnordisch | Germanische Gottheit |
|---|---|---|---|---|
| dies Solis | Sonntag | Sunday | sunnudagr | Sonne (Sunna/Sól) |
| dies Lunae | Montag | Monday | mánadagr | Mond (Máni) |
| dies Martis | Dienstag | Tuesday | týsdagr | Tiwaz/Ziu/Tyr |
| dies Mercurii | Mittwoch | Wednesday | óðinsdagr | Wodan/Odin |
| dies Iovis | Donnerstag | Thursday | þórsdagr | Donar/Thor |
| dies Veneris | Freitag | Friday | frjádagr | Frija/Frigg |
| dies Saturni | Samstag/Sonnabend | Saturday | laugardagr | keine (Saturn bleibt im Englischen und Niederländischen) |
Zwei Besonderheiten im Deutschen: Der Mittwoch (althochdeutsch mittawehha) hat Wodan verdrängt, vermutlich unter kirchlichem Einfluss, während Englisch und Niederländisch (Wednesday, woensdag) ihn behielten. Und der Dienstag geht nach verbreiteter Deutung auf den Mars Thingsus zurück, einen Beinamen des Tiwaz als Schützer des Things, belegt auf einer römerzeitlichen Inschrift am Hadrianswall.
Bleibt noch der berühmteste Freitag überhaupt. Im Netz liest man, der Unglücksfreitag stamme aus heidnischer Zeit, etwa weil die Kirche den Tag der Liebesgöttin verteufelt habe. Eine Quelle aus germanischer oder wikingerzeitlicher Zeit gibt es dafür nicht.
Was belegt ist, sieht so aus. Dass der Freitag allein ein ungünstiger Tag für Reisen und neue Vorhaben sei, findet sich im späten Mittelalter; Geoffrey Chaucer lässt in der Erzählung des Nonnenpriesters aus den Canterbury Tales (spätes 14. Jahrhundert) ein Unglück ausdrücklich an einem Freitag geschehen. Die übliche Erklärung ist christlich: Am Freitag starb Christus am Kreuz.
Die Unglückszahl 13 ist ein eigener Aberglaube, den man gern mit den dreizehn Personen beim letzten Abendmahl verbindet. Die Kombination „Freitag der 13.“ als besonderer Unglückstag ist erst im 19. Jahrhundert greifbar. In einem französischen Theaterstück von 1834 klagt eine Figur, sie sei an einem Freitag, dem 13. Dezember geboren. Die früheste bekannte englische Erwähnung steht in H. Sutherland Edwards’ Rossini-Biografie von 1869; der Komponist starb ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. November 1868. Populär machte den Begriff dann 1907 der Roman Friday, the Thirteenth von Thomas W. Lawson, in dem ein Börsenmakler den Aberglauben für eine Panik an der Wall Street ausnutzt.

Ist der Freitag nach Freya oder nach Frigg benannt? Sprachlich nach Frigg, die auf dem Festland Frija hieß. Althochdeutsch frîatag und altenglisch frīgedæg enthalten ihren Namen; eine alte Form mit Freya gibt es im Deutschen und Englischen nicht.
Was bedeutet der Name Freitag? „Tag der Frija“. Der Name der Göttin bedeutet etwa „die Geliebte“ und ist verwandt mit Freund, Friede und frei. Er ersetzt den römischen dies Veneris, den Tag der Venus.
Wann bekam der Freitag seinen Namen? Vermutlich in der Spätantike, etwa im 3. bis 4. Jahrhundert, als Germanen die römische Planetenwoche übernahmen. Ein genaues Datum ist nicht überliefert.
Waren Frigg und Freya dieselbe Göttin? Das ist eine offene Forschungsfrage. Es gibt auffällige Parallelen, etwa die Ehemänner Óðinn und Óðr, aber auch verschiedene Namen und eine getrennte Behandlung bei Snorri.
Warum heißt der Freitag auf Isländisch föstudagur? Weil im 12. Jahrhundert, nach der Jóns saga helga auf Betreiben von Bischof Jón Ögmundsson, die Götternamen aus der Woche verschwanden. Föstudagur heißt „Fastentag“.
Hat Freitag der 13. germanische Wurzeln? Nein. Der Freitag als Unglückstag ist spätmittelalterlich und christlich begründet, die Kombination mit der 13 erst seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Freya – Göttin der Liebe · Frigg – Herrin von Asgard · Frija – die westgermanische Göttin · Alle nordischen Göttinnen · Die germanischen Wochentage · Odin · Alle Götter im Überblick.
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