Blog / Götter

Balder – der lichte Gott

Götter & Göttinnen Balder, der lichte und reinste der Asen

Er war der Schönste, der Mildeste, der Reinste – und ausgerechnet ihn traf der Tod. Die Sage von Balder ist die ergreifendste Geschichte der ganzen nordischen Mythologie: ein Licht, das erlischt, und die vergebliche Trauer einer ganzen Welt.

Balder (altnord. Baldr) ist der Sohn Odins und Friggs, Gemahl der Nanna und Vater des Forseti. Snorri beschreibt ihn als so strahlend, dass Licht von ihm ausgeht; er ist der Weiseste, Freundlichste und Beredteste der Asen – aber, fügt Snorri fast wehmütig hinzu, keines seiner Urteile hat Bestand. Seine Halle heißt Breidablik („Breitglanz“), der reinste Ort, an dem nichts Unreines geschehen kann.

Die bösen Träume

Die Geschichte beginnt mit Schlaf: Balder quälen düstere Träume von seinem eigenen Tod. Die Götter beraten. Frigg nimmt daraufhin allen Dingen der Welt einen Eid ab, Balder niemals zu schaden – Feuer und Wasser, Eisen und Erz, Steine, Krankheiten, Tieren und Schlangen. Nur eine junge Pflanze übergeht sie, die Mistel, weil sie ihr zu jung und unbedeutend scheint.

Weil nun nichts mehr Balder verletzen kann, machen die Götter ein Spiel daraus: Sie werfen mit allem nach ihm, und alles prallt harmlos ab. Ein heiteres Bild von der Unverwundbarkeit des Lichts – bis Loki die eine Lücke entdeckt.

Der blinde Höðr und die Mistel

Loki fertigt aus der Mistel einen Pfeil (oder Zweig) und drückt ihn dem blinden Gott Höðr, Balders Bruder, in die Hand. Arglos wirft Höðr, von Loki geführt – und die Mistel durchbohrt Balder. Der lichte Gott fällt tot zu Boden. Es ist der größte Schmerz, der je über Götter und Menschen kam. Nanna, seine Frau, stirbt aus Kummer und wird mit ihm auf dem Schiff Hringhorni verbrannt; Odin legt ihm den Ring Draupnir auf den Scheiterhaufen.

„Ich sah dem Balder,
dem blutenden Gott,
Odins Kinde,
das Schicksal verborgen.“
— Völuspá, Str. 31 (nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)

Der Ritt nach Hel und die eine Träne

Frigg gibt nicht auf. Der Bote Hermod reitet auf Odins Ross Sleipnir hinab zu Hel, um Balder zurückzuholen. Hel stellt eine Bedingung: Weint alles in der Welt um Balder, darf er zurück. Und fast alles weint – Menschen, Tiere, Steine, Bäume. Nur eine Riesin namens Thökk (Loki in Verkleidung) bleibt hart: „Thökk weint mit trockenen Tränen.“ So bleibt Balder im Totenreich – bis nach Ragnarök.

Mythos & Deutung. Balders Tod ist der Wendepunkt der ganzen Mythologie: Von hier an ist der Untergang der Götter besiegelt. Zugleich trägt die Geschichte einen Hoffnungskern – denn in der neuen Welt nach Ragnarök kehrt Balder aus Hel zurück und herrscht mit den Überlebenden. Forscher haben in ihm einen sterbenden und wiederkehrenden Lichtgott gesehen; die auffälligen Parallelen zur christlichen Erlösungshoffnung sind alt und werden bis heute diskutiert. Der dänische Chronist Saxo erzählt Balder übrigens ganz anders – als sterblichen Kriegshelden, der um eine Frau kämpft.

Quelle. Balders Tod schildert Snorri ausführlich in Gylfaginning (Prosa-Edda, um 1220); die Lieder-Edda spricht in Völuspá und Baldrs draumar davon. Eine abweichende, „heroische“ Version gibt Saxo Grammaticus (Gesta Danorum, um 1200). Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Graviertes Windlicht von Glanz & Gravur
Ein Licht, das bleibt – zur Erinnerung: unsere gravierten Windlichter aus Kristallglas. Windlichter im Shop →
Aus Aachen, für den Norden. Erinnerung, Licht und Nachruhm – gerade die stillen, würdevollen Motive gravieren wir mit Sorgfalt auf Glas, Schiefer und Holz. Windlichter in den Windlichtern, Gedenkmotive unter den Schieferplatten. Zum Shop.

Weiterlesen bei uns

Frigg · Hel · Loki · Sigyn & Lokis Strafe · Was kommt nach Ragnarök? · Draupnir & die Kleinode.

Quellen & Literatur

Lieder-Edda: Völuspá (Str. 31–33), Baldrs draumar. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Balders Tod, Hermods Ritt), um 1220. Saxo Grammaticus, Gesta Danorum (heroische Version), um 1200. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Murder and Vengeance among the Gods (1997).

Zum Shop Mehr Beiträge