Blog / Götter

Frigg – die höchste Göttin

Götter & Göttinnen Frigg, Königin von Asgard und Gemahlin Odins

Über allen Asinnen steht eine: Frigg, Odins Gemahlin und Königin von Asgard. Sie kennt das Schicksal aller Wesen – und schweigt darüber. Diese Verbindung aus Macht, Wissen und tiefer Trauer macht sie zur eindringlichsten Frauengestalt des Nordens.

Frigg (altnord. Frigg) ist die vornehmste Göttin des Asengeschlechts, Herrin des Himmels und Mutter des lichten Baldr. Snorri nennt sie die erste unter den Asinnen. Ihr Name gehört zur selben Wurzel wie „frei“ und „Freude“ – manche verbinden ihn mit „die Geliebte“. Der Wochentag Freitag (engl. Friday) trägt ihren Namen: Freyjatag/Friggtag, die interpretatio germanica der römischen Venus.

Königin, Seherin, Herrin von Fensalir

Frigg wohnt in Fensalir („Sumpfhallen“). Als Einzige darf sie neben Odin auf dem Hochsitz Hlidskjalf sitzen und über alle neun Welten blicken. Ihre größte Gabe ist zugleich ihre schwerste Last: Sie kennt das Schicksal aller, spricht es aber nie aus.

„Das Schicksal kennt Frigg alles,
doch sagt sie es selber nicht.“
— nach Lokasenna, Str. 29 (Sinn nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)

Um sie versammelt sich ein eigener Kreis dienender Göttinnen: Fulla, ihre Vertraute, die das Kästchen und die Geheimnisse hütet; Gná, die auf dem Ross Hófvarpnir Botschaften durch die Welten trägt; Hlín, die Schützerin. Frigg regiert also nicht allein, sondern als Mittelpunkt eines weiblichen Hofstaats.

Quelle. Frigg erscheint in der Lieder-Edda (Völuspá, Vafthrúdnismál, Lokasenna) und ausführlich in Snorris Prosa-Edda (Gylfaginning, um 1220). Tacitus’ Erwähnung einer germanischen Göttin und die Langobarden-Sage bei Paulus Diaconus (dort „Frea“) zeigen: Der Kult ist weit älter als die isländischen Texte. Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Baldrs Tod – die trauernde Mutter

Friggs berühmteste und tragischste Geschichte ist der Tod ihres Sohnes Baldr. Von bösen Träumen gewarnt, nimmt sie allen Dingen der Welt den Eid ab, Baldr nichts anzutun – Feuer, Wasser, Eisen, Krankheit, Tier und Stein. Nur die junge Mistel übergeht sie, weil sie sie für zu unbedeutend hält. Genau diesen einen Fehler nutzt Loki: Aus der Mistel wird das Geschoss, das Baldr tötet. Friggs Fürsorge, so grenzenlos sie war, konnte das Schicksal nicht aufhalten – ein zutiefst menschlicher Kern in einer Göttergeschichte.

Frigg oder Freyja? In der Forschung wird diskutiert, ob Frigg und Freyja ursprünglich eine einzige Göttin waren, die sich später in zwei Gestalten aufspaltete. Beide sind mit Liebe und Fruchtbarkeit verbunden, beiden werden Zauberkünste (seiðr) zugeschrieben, ihre Namen ähneln sich. Sicher belegbar ist das nicht – in der überlieferten Edda sind sie klar zwei Personen: Frigg die Ehefrau und Königin, Freyja die Wanin der Liebe und des Todes. Wir trennen sie hier bewusst, wie die Quellen es tun.

Spindel und Himmel

Frigg gilt als Meisterin der Spinnkunst. Ihr wird das Sternbild zugeordnet, das im Norden „Friggs Rocken“ (Friggs Spinnrocken) hieß – ein Teil des Oriongürtels. Das Spinnen war Frauenarbeit von höchstem Rang: Wer die Fäden zieht, hat Macht über Werden und Vergehen – eine feine Brücke zu den Nornen, die das Schicksal weben.

Lasergravierte Schieferplatte mit nordischem Göttermotiv von Glanz & Gravur
Götter und Göttinnen des Nordens – bei uns als lasergravierte Schieferplatte. Motive im Shop ansehen →
Aus Aachen, für den Norden. Die Zeichen der alten Götter gravieren wir auf Schiefer, Glas und Holz. Motivplatten findest du unter den Schieferplatten, feinen Naturschmuck in der Edelstein- & Naturschmuck-Welt. Zum Shop.

Weiterlesen bei uns

Das Götter-Pantheon (Asen & Wanen) · Freyja · Odin (Wotan) · Yggdrasil & die Nornen · Die Schätze der Götter.

Quellen & Literatur

Lieder-Edda: Völuspá, Vafthrúdnismál, Lokasenna. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Frigg, Fensalir, Baldrs Tod), um 1220. Paulus Diaconus, Historia Langobardorum (Frea-Sage). Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

Zum Shop Mehr Beiträge