Er stand am Anfang und er steht am Ende: Surtur, der Feuerriese, wacht seit Beginn der Welt an der Grenze der brennenden Welt Muspelheim – und wenn die Zeit reif ist, zieht er mit dem flammenden Schwert aus, um alles zu Asche zu machen. Kaum eine Gestalt des Nordens ist so gewaltig und so wortkarg.
Surtur (altnord. Surtr, „der Schwarze“) ist kein gewöhnlicher Riese, sondern eine Urgewalt. Sein Name meint das Rußgeschwärzte, das Verbrannte. Er gehört zur feurigen Welt Muspelheim, die schon bei der Schöpfung dem eisigen Niflheim gegenüberstand. Aus dem Aufeinandertreffen von Surturs Feuer und dem Eis entstand einst das Leben – dasselbe Feuer wird es am Ende wieder verzehren.
Surtur führt ein Schwert, das heller leuchtet als die Sonne. Damit bewacht er die Grenze Muspelheims. Solange die Welt besteht, bleibt er dort – eine geladene, wartende Drohung am Rand der Schöpfung. Die Völuspá nennt ihn schon lange vor dem Ende beim Namen, als sei sein Kommen von Anfang an gewiss.
„Surtur fährt von Süden
mit dem Zweig des Verderbens,
es scheint von seinem Schwert
die Sonne der Götter.“
— Völuspá, Str. 52 (nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)
Bei Ragnarök bricht Surtur mit den Söhnen Muspels hervor. Unter ihren Hufen zerbricht die Regenbogenbrücke Bifröst. Auf dem Schlachtfeld Vigrid trifft Surtur auf den Fruchtbarkeitsgott Freyr – und dieser fällt, denn er hatte einst sein bestes Schwert aus Liebe fortgegeben. Zuletzt schleudert Surtur Feuer über die ganze Welt: Die neun Welten brennen, und das Meer verschlingt die versengte Erde.

Ragnarök · Was kommt danach? · Freyr · Ginnungagap & Muspelheim · Die neun Welten.
Lieder-Edda: Völuspá (Str. 52), Vafthrúdnismál. Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Muspelheim, Surtur, Ragnarök), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).