Blog / Die neun Welten

Muspelheim

Die neun Welten Muspelheim, die Feuerwelt, Glut und Flammen

Im Süden der Weltordnung lodert Muspelheim – die Welt des Feuers. Glut, Funken und Flammen, so heiß, dass nur ihre eigenen Bewohner sie ertragen. An ihrer Grenze sitzt seit Anbeginn der Feuerriese Surtur mit dem flammenden Schwert und wartet auf das Ende.

Muspelheim (altnordisch Múspellsheimr) ist das feurige Gegenstück zum eisigen Niflheim. Aus der Begegnung von Frost und Feuer über der Urleere Ginnungagap entstand das erste Leben.

Funken werden zu Sternen

Als die Götter die Welt ordneten, fingen sie – so Snorri – die Funken und Glutbrocken aus Muspelheim und setzten sie an den Himmel: So entstanden Sonne, Mond und Sterne. Das Feuer, das die Welt bedroht, gibt ihr zugleich ihr Licht. Am Ende der Zeit aber reiten die Söhne Muspells in glänzender Schar über die Regenbogenbrücke Bifröst – und sie zerbricht unter ihrem Gewicht.

„Surt fährt von Süden mit dem Zweig der Zweige,
es scheint von seinem Schwert die Sonne der Götter."
— Völuspá 52, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Beleg & Quellen. Das Wort Múspell ist rätselhaft und begegnet auch im Kontinentalgermanischen: Das altsächsische Heliand und das althochdeutsche Muspilli (9. Jh.) verwenden es für den Weltenbrand am Jüngsten Tag. Das legt nahe, dass die Vorstellung eines endzeitlichen Feuers alt und weit verbreitet war – möglicherweise mit christlichem Einfluss vermengt. Die Ausgestaltung als eigene „Welt" stammt vor allem von Snorri.

Mythos & Deutung. Muspelheim ist Anfang und Ende in einem: Sein Feuer weckt das Leben (Ymir) und vernichtet es (Ragnarök). Dass ausgerechnet die Söhne des Feuers die Brücke der Götter zerbrechen, ist kein Zufall – die Ordnung trägt ihr Ende von Beginn an in sich. Für die Forschung ist offen, wie viel davon heidnisches Erbe und wie viel christliche Endzeit-Färbung ist.

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Surtur – der Feuerriese · Niflheim – die Eiswelt · Ginnungagap · Ragnarök · Bifröst.

Quellen & Literatur

Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220). Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Althochdeutsches Muspilli (9. Jh.). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.

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