Ganz im Norden der Weltordnung, in eisiger Ferne, liegt Niflheim – die „Nebelheimat". Hier herrschen Kälte, Frost und ewiges Zwielicht. Es ist eine der beiden Urwelten, aus deren Begegnung mit dem Feuer überhaupt erst Leben entstand.
Der Name kommt von altnordisch nifl – „Nebel, Dunst, Finsternis" (verwandt mit deutsch „Nebel"). Niflheim ist das kalte Gegenstück zum feurigen Muspelheim; zwischen beiden gähnte am Anfang die Urleere Ginnungagap.
In Niflheim entspringt der Brunnen Hvergelmir („der brausende Kessel"), aus dem alle Flüsse der Welt fließen – auch die eisigen Élivágar. Als deren Gischt auf das Feuer Muspelheims traf, schmolz der Reif und formte den Urriesen Ymir. Unter einer der Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil liegt Hvergelmir, und dort nagt der Drache Nidhöggr mit unzähligen Schlangen an der Wurzel.
„Hvergelmir heißt er, wo alle Wasser
ihren Weg von dannen nehmen."
— nach Grímnismál 26, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)

Ginnungagap – die Urleere · Muspelheim – die Feuerwelt · Ymir · Yggdrasil · Helheim.
Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220). Grímnismál, Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.