Blog / Die neun Welten

Niflheim

Die neun Welten Niflheim, die Nebel- und Eiswelt

Ganz im Norden der Weltordnung, in eisiger Ferne, liegt Niflheim – die „Nebelheimat". Hier herrschen Kälte, Frost und ewiges Zwielicht. Es ist eine der beiden Urwelten, aus deren Begegnung mit dem Feuer überhaupt erst Leben entstand.

Der Name kommt von altnordisch nifl – „Nebel, Dunst, Finsternis" (verwandt mit deutsch „Nebel"). Niflheim ist das kalte Gegenstück zum feurigen Muspelheim; zwischen beiden gähnte am Anfang die Urleere Ginnungagap.

Der Quell aller Ströme

In Niflheim entspringt der Brunnen Hvergelmir („der brausende Kessel"), aus dem alle Flüsse der Welt fließen – auch die eisigen Élivágar. Als deren Gischt auf das Feuer Muspelheims traf, schmolz der Reif und formte den Urriesen Ymir. Unter einer der Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil liegt Hvergelmir, und dort nagt der Drache Nidhöggr mit unzähligen Schlangen an der Wurzel.

„Hvergelmir heißt er, wo alle Wasser
ihren Weg von dannen nehmen."
— nach Grímnismál 26, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Beleg & Quellen. Niflheim wird fast ausschließlich bei Snorri (Gylfaginning) beschrieben; in den älteren Edda-Liedern taucht eher Niflhel auf – die tiefste, dunkelste Todeswelt. Ob Niflheim und die Totenwelt Helheim ursprünglich dasselbe waren und Snorri sie erst trennte, ist in der Forschung umstritten. Die Grenzen der Kältewelt sind in den Quellen bewusst neblig.

Mythos & Deutung. Niflheim und Muspelheim bilden das kosmische Urpaar: Eis und Feuer, Erstarrung und Verzehr. Aus ihrer Spannung – nicht aus einem von beiden allein – entsteht Leben. Dieses Denken in Gegensätzen, die einander bedingen, zieht sich durch die ganze nordische Mythologie: Ohne Frost kein Ymir, ohne Ymir keine Welt.

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Weiterlesen bei uns

Ginnungagap – die Urleere · Muspelheim – die Feuerwelt · Ymir · Yggdrasil · Helheim.

Quellen & Literatur

Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220). Grímnismál, Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.

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