Tief unten, jenseits eines dunklen Flusses und einer goldgedeckten Brücke, liegt Helheim – das Reich der Toten. Nicht die glänzende Halle der gefallenen Krieger, sondern der Ort, an den fast alle anderen kommen: die an Krankheit und Alter Gestorbenen. Über sie herrscht Hel, die Tochter Lokis.
Helheim (oder schlicht Hel, wie die Göttin selbst) ist die stillste der neun Welten. Kein Feuer, kein Frost, kein Krieg – nur die lange Ruhe. Der Weg dorthin führt niðr ok norðr, „hinab und nach Norden".
Am eindrücklichsten schildert die Edda den Weg nach Helheim beim Tod Baldrs: Der Bote Hermod reitet neun Nächte auf Odins Ross Sleipnir durch finstere Täler, bis er an den Fluss Gjöll kommt. Über ihn führt die goldene Brücke Gjallarbrú, bewacht von der Riesin Modgud. Dahinter liegt das Totengitter Nágrind und Hels hohe Halle Éljúðnir, wo Baldr auf dem Ehrenplatz sitzt – und doch nicht zurück darf, weil nicht alle Wesen um ihn weinen.
„Da ritt Hermod, bis er kam zur Brücke,
die mit hellem Gold gedeckt ist über Gjöll."
— nach Gylfaginning (Baldrs Tod), Motiv nach der Prosa-Edda; Simrock-Tradition, gemeinfrei
Helheim ist in der nordischen Kosmologie das Reich der Toten, benannt nach seiner Herrscherin Hel, der Tochter Lokis. Es liegt tief unten, im kalten Norden der Welt, jenseits dunkler Täler und Flüsse.
Anders als es das Klischee will, war Helheim nicht die „Hölle": Hierher kamen der Vorstellung nach vor allem jene, die an Krankheit oder Alter starben – nicht als Strafe, sondern als natürlicher Weg. Die im Kampf Gefallenen dagegen erwartete Walhall oder Folkvangr.
Der Weg dorthin führt über die goldene Brücke Gjallarbrú und an der Wächterin Modgudr vorbei, hinab durch neun finstere Welten. Diesen Ritt legte der Gott Hermod zurück, um den toten Baldr zurückzuholen.
In Helheim liegt auch Náströnd, der „Leichenstrand", wo der Drache Nidhöggr die Toten quält – ein Ort für Meineidige und Mörder. Doch dieser strafende Zug trägt möglicherweise schon christliche Färbung.

Hel – Herrin der Toten · Balders Tod · Walhall & die Einherjer · Niflheim · Was kommt nach Ragnarök?.
Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220). Völuspá, Baldrs draumar (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; Hilda R. E. Davidson, The Road to Hel.
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