Tief unten, jenseits eines dunklen Flusses und einer goldgedeckten Brücke, liegt Helheim – das Reich der Toten. Nicht die glänzende Halle der gefallenen Krieger, sondern der Ort, an den fast alle anderen kommen: die an Krankheit und Alter Gestorbenen. Über sie herrscht Hel, die Tochter Lokis.
Helheim (oder schlicht Hel, wie die Göttin selbst) ist die stillste der neun Welten. Kein Feuer, kein Frost, kein Krieg – nur die lange Ruhe. Der Weg dorthin führt niðr ok norðr, „hinab und nach Norden".
Am eindrücklichsten schildert die Edda den Weg nach Helheim beim Tod Baldrs: Der Bote Hermod reitet neun Nächte auf Odins Ross Sleipnir durch finstere Täler, bis er an den Fluss Gjöll kommt. Über ihn führt die goldene Brücke Gjallarbrú, bewacht von der Riesin Modgud. Dahinter liegt das Totengitter Nágrind und Hels hohe Halle Éljúðnir, wo Baldr auf dem Ehrenplatz sitzt – und doch nicht zurück darf, weil nicht alle Wesen um ihn weinen.
„Da ritt Hermod, bis er kam zur Brücke,
die mit hellem Gold gedeckt ist über Gjöll."
— nach Gylfaginning (Baldrs Tod), Motiv nach der Prosa-Edda; Simrock-Tradition, gemeinfrei

Hel – Herrin der Toten · Balders Tod · Walhall & die Einherjer · Niflheim · Was kommt nach Ragnarök?.
Snorri Sturluson, Gylfaginning (um 1220). Völuspá, Baldrs draumar (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; Hilda R. E. Davidson, The Road to Hel.