Wenn die Sonne verschlungen ist, wenn Feuer und Flut die Welt genommen haben – dann ist noch nicht alles zu Ende. Zwei Menschen überleben Ragnarök, verborgen im Holz des Weltenbaums: Lif und Lifthrasir. Aus ihnen wird die Erde neu bevölkert.
Die Namen tragen die Botschaft schon in sich: Líf heißt „Leben", Lífþrasir etwa „der nach Leben Strebende" oder „Lebenskraft". Sie sind der menschliche Same der neuen Welt.
Während draußen die Welt vergeht, verbergen sich Lif und Lifthrasir in Hoddmimis holt – dem „Holz des Hort-Mimir", meist als der Weltenbaum Yggdrasil selbst gedeutet. Sie nähren sich vom Morgentau und überdauern den Untergang. Als die Erde grün und neu aus dem Meer steigt, treten sie hervor, und von ihnen stammt ein neues Menschengeschlecht. Über ihnen leuchtet eine neue Sonne – die Tochter der alten, die der Wolf verschlang.
„Lif und Lifthrasir, sie bleiben verborgen
im Holze des Hoddmimir;
Morgentau ist ihre Nahrung;
von ihnen stammen die Geschlechter."
— Vafþrúðnismál 45, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei)
Líf und Lífþrasir sind in der nordischen Mythologie die beiden Menschen, die den Weltuntergang Ragnarök überleben. Während Feuer und Flut die Welt verschlingen, finden sie Zuflucht und werden zu Stammeltern eines neuen Menschengeschlechts.
Nach dem Vafþrúðnismál verbergen sich die beiden in Hoddmimirs Holz – wohl dem Weltenbaum selbst. Dort überstehen sie den Untergang, genährt vom Morgentau. Der Baum, der die Welt trägt, wird zum Ort der Rettung.
Schon ihre Namen sind ein Versprechen: „Líf" bedeutet „Leben", „Lífþrasir" etwa „der nach Leben Strebende" oder „Lebenskraft". In ihnen steckt die Zuversicht, dass nach dem größten Ende ein neuer Anfang steht.
Aus Líf und Lífþrasir soll die neue Menschheit hervorgehen, die die erneuerte, grünende Welt nach Ragnarök bevölkert. So endet die nordische Weltsicht nicht in Verzweiflung, sondern in Hoffnung – der Kreislauf beginnt von Neuem.

Ragnarök · Was kommt nach Ragnarök? · Yggdrasil · Ask & Embla · Die neun Welten.
Vafþrúðnismál, Völuspá (Lieder-Edda), deutsch gemeinfrei: Karl Simrock (1851). Snorri Sturluson, Gylfaginning. Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology.
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