Svartalfheim (altnordisch Svartálfaheimr, „Heim der Schwarzalben“) ist in der nordischen Mythologie der unterirdische Ort, an dem Zwerge wohnen und arbeiten – doch der Name taucht in den mittelalterlichen Quellen nur zweimal auf, beide Male bei Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert. Dorthin schicken die Götter Skírnir, um die Fessel Gleipnir zu bestellen, und Loki, um dem Zwerg Andvari sein Gold abzupressen. In keinem Edda-Lied steht Svartalfheim auf einer Liste der neun Welten. Wir zeigen dir, was belegt ist, was später ergänzt wurde und warum diese Welt trotzdem so stark wirkt.
Stell dir vor, du suchst auf einer Landkarte nach einem Land, von dem alle reden – und findest am Ende nur zwei Fußnoten. So ähnlich geht es jedem, der Svartalfheim in den Quellen aufspüren will. In Büchern, Spielen und Filmen ist es fest gesetzt: eine der neun Welten am Weltenbaum, düster, voller Schmieden, bevölkert von Zwergen oder dunklen Elfen. In der altnordischen Überlieferung dagegen ist Svartalfheim ein Ort, an den man geschickt wird, wenn man etwas braucht, das nur die Zwerge herstellen oder besitzen. Keine Beschreibung, keine Herrscher, keine Lage am Baum.
Kein Grund zur Enttäuschung: Gerade weil die Belege so knapp sind, zeigt Svartalfheim wunderbar, wie viel unserer Mythologie wir einem einzigen isländischen Gelehrten verdanken.
Svartálfaheimr setzt sich aus drei Teilen zusammen: svartr („schwarz“), álfar („Alben, Elfen“, Genitiv Plural álfa) und heimr („Heim, Welt, Wohnbereich“). Wörtlich heißt das also „Welt der Schwarzalben“. Gebildet ist der Name genau wie Álfheimr, das Heim der Alben, oder Jǫtunheimr, die Welt der Riesen.
„Svartalfheim“ ist die vereinfachte moderne Schreibung, daneben liest man „Schwarzalbenheim“. Greifbar ist bei Snorri vor allem der Ortsname; als Gruppe stellt er dagegen die dǫkkálfar („Dunkelalben“) vor – dazu gleich mehr. Mehr zu den Alben selbst findest du in unserem Beitrag über die Alben (Elfen).
Die erste Stelle steht in der Gylfaginning („Gylfis Täuschung“), dem ersten großen Teil von Snorris Edda, entstanden um 1220. Dort erzählt Snorri, wie die Götter den Wolf Fenrir binden wollen. Zwei Ketten, Lœðingr und Drómi, zerreißt das Tier mühelos. Da greift Odin – Snorri nennt ihn hier Alfǫðr, „Allvater“ – zu einer anderen Lösung. Im altnordischen Text heißt es, er sandte Skírnir, den Boten Freyrs, „ofan í Svartálfaheim til dverga nǫkkurra“: hinab nach Svartalfheim, zu einigen Zwergen. Dort ließ er die Fessel anfertigen, die Gleipnir heißt.
„Allfather sent him who is called Skírnir, Freyr's messenger, down into the region of the Black Elves …“Gylfaginning 34, englische Übersetzung von Arthur Gilchrist Brodeur (1916, gemeinfrei)
Gleipnir besteht aus sechs Dingen, die es nicht gibt: dem Geräusch eines Katzentritts, dem Bart einer Frau, den Wurzeln eines Berges, den Sehnen eines Bären, dem Atem eines Fisches und dem Speichel eines Vogels. Deshalb, so Snorri trocken, mache die Katze heute keinen Laut beim Gehen. Das Ergebnis ist glatt und weich wie ein Seidenband und hält trotzdem. Den Preis zahlt Tyr, der seine Hand als Pfand in das Maul des Wolfes legt und verliert.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens das Wörtchen ofan, „hinab“: Svartalfheim liegt unten, unter der Welt der Götter und wohl auch unter der Erde. Zweitens die Formulierung „zu einigen Zwergen“. Snorri nennt keine Namen. Die Schmiede von Gleipnir bleiben anonym, und Svartalfheim ist schlicht der Ort, an dem man solche Spezialisten findet.
Die zweite Stelle steht in den Skáldskaparmál („Sprache der Dichtkunst“), Snorris Lehrbuch für Skalden. Dort erklärt er, warum man Gold dichterisch „Otterbuße“ nennen kann. Odin, Loki und Hœnir sind unterwegs, Loki erschlägt einen Otter mit einem Stein – doch der Otter ist Otr, Sohn des Hreiðmarr, der in Tiergestalt Lachse fing. Hreiðmarr verlangt Wergeld: Der Otterbalg soll mit Gold gefüllt und ganz bedeckt werden.
Woher nehmen? Snorri schreibt: „Þá sendi Óðinn Loka í Svartálfaheim, ok kom hann til dvergs þess, er heitir Andvari“ – Odin schickte Loki nach Svartalfheim, und er kam zu dem Zwerg namens Andvari. Andvari lebt in Fischgestalt im Wasser. Loki fängt ihn mit bloßen Händen und verlangt als Lösegeld alles Gold, das der Zwerg in seinem Felsen hortet. Andvari will einen einzigen Ring zurückbehalten, weil sich mit ihm sein Reichtum vermehren ließe. Loki nimmt auch ihn. Da verflucht der Zwerg den Ring: Er solle jedem, der ihn besitzt, den Tod bringen.
„Then Odin sent Loki into the Land of the Black Elves, and he came to the dwarf who is called Andvari, who was as a fish in the water.“Skáldskaparmál 39, Übersetzung Arthur Gilchrist Brodeur (1916, gemeinfrei)
Mit diesem Fluch beginnt die ganze Kette der Nibelungen- und Völsungenstoffe: Hreiðmarr wird von seinem Sohn Fáfnir erschlagen, Fáfnir wird zum Drachen, Sigurd tötet ihn. Mehr dazu unter Andvaris Fluchgold. Wichtig für unser Thema: Die Lieder-Edda kennt die gleiche Episode in der Prosaeinleitung zu den Reginsmál, erwähnt aber kein Svartalfheim. Dort sitzt Andvari in einem Wasserfall, dem Andvarafors, und Loki fängt ihn mit dem Netz der Meeresgöttin Rán. Die Ortsangabe „Svartalfheim“ ist also Snorris Zutat – oder sie stammt aus einer Vorlage, die wir nicht mehr kennen.
Fast jede moderne Darstellung zählt neun Welten auf, und Svartalfheim ist fast immer dabei. Die Quellen sind da zurückhaltender. Die Zahl Neun steht tatsächlich in den Eddaliedern: In der Vǫluspá (Strophe 2) erinnert sich die Seherin an „níu heima“, neun Welten, und in den Vafþrúðnismál (Strophe 43) rühmt sich der Riese, er sei durch neun Welten gekommen, bis hinab nach Niflhel. Auch Snorri kennt die Zahl: Odin gibt Hel nach der Gylfaginning Macht über neun Welten. Eine Liste mit Namen liefert aber keine einzige dieser Stellen.
Die Reihe, die heute als Kanon gilt – Asgard, Wanaheim, Alfheim, Midgard, Jötunheim, Muspelheim, Niflheim, Svartalfheim, Hel bzw. Helheim –, ist eine Zusammenstellung der Neuzeit. Sie sammelt Ortsnamen, die über verschiedene Quellen verstreut sind, und füllt die Zahl Neun damit auf. Manche Autoren setzen statt Svartalfheim Niðavellir ein, andere nehmen Hel und Niflheim getrennt oder zusammen. Ein mittelalterliches Vorbild für diese Liste gibt es nicht.
Was die Lieder über die Welt der Zwerge sagen, ist dabei gar nicht wenig – nur ohne Namen. In den Alvíssmál antwortet der Zwerg Alvíss auf Thors Frage nach seiner Herkunft, er wohne unter der Erde und habe seinen Platz unter dem Stein. In den Ragnarök-Strophen der Vǫluspá stöhnen die Zwerge „vor steinernen Thüren“, wie Simrock 1851 übersetzt – die Kundigen der Felswände. Und dieselbe Vǫluspá nennt im Norden die Niðavellir, die „dunklen Felder“ (eine andere Deutung ist „Felder des Neumonds“), wo ein goldener Saal für Sindris Geschlecht steht. Snorri greift das in der Gylfaginning auf und nennt den Saal auf den Niðafjǫll selbst „Sindri“ – dort sollen nach Ragnarök die guten Menschen wohnen.
Die Vorstellung von Zwergen im Stein ist also alt und gut belegt, der Weltname Svartalfheim dagegen schmal. Wenn du die gesamte Frage nach der Weltordnung vertiefen willst, empfehlen wir unseren Artikel über die neun Welten.
Jetzt wird es verzwickt. In Gylfaginning 17 beschreibt Snorri zwei Arten von Alben. Die ljósálfar, die Lichtalben, wohnen in Álfheimr und sind „schöner anzusehen als die Sonne“. Die dǫkkálfar, die Dunkelalben, „wohnen unten in der Erde“ und sind „schwärzer als Pech“. Sie seien den Lichtalben ungleich, im Aussehen und noch mehr in ihrem Wesen.
Nirgends sagt Snorri ausdrücklich, dass die Dunkelalben die Zwerge seien. Ebenso wenig erklärt er, ob die Dunkelalben (dǫkkálfar) und die Bewohner von Svartálfaheimr (svartálfar) dieselben sind. Logisch liegt beides nahe: Dunkelalben wohnen unter der Erde, Svartalfheim liegt „unten“, und wo immer Snorri Svartalfheim erwähnt, trifft man dort auf Zwerge. Aber zwischen „liegt nahe“ und „steht da“ bleibt eine Lücke.
Die Forschung geht mit dieser Lücke unterschiedlich um. Rudolf Simek, John Lindow und Andy Orchard halten es in ihren Nachschlagewerken für gut möglich, dass svartálfr und Zwerg einfach zwei Wörter für dieselbe Sache sind. Lindow weist zugleich darauf hin, dass offen bleibt, ob Snorri Dunkel- und Schwarzalben als eine Gruppe verstand. Alaric Hall, der sich in seiner Studie über Elfen im angelsächsischen England ausführlich mit den skandinavischen Belegen beschäftigt hat, sieht in der Gegenüberstellung von Licht- und Dunkelalben vor allem Snorris Systematisierung – möglicherweise beeinflusst vom christlichen Gegensatz zwischen guten und gefallenen Engeln. Für die ältere Dichtung sei diese saubere Zweiteilung nicht belegt.
Für eine gewisse Nähe von Alben und Zwergen gibt es tatsächlich Hinweise aus den Liedern selbst. Im sogenannten Dvergatal, dem Zwergenverzeichnis der Vǫluspá, tragen einige Zwerge Namen mit -álfr: Gandálfr, Vindálfr und ein schlichter Álfr. Aus genau dieser Liste hat sich übrigens J. R. R. Tolkien den Namen Gandalf und die Namen fast aller Zwerge im „Hobbit“ geholt.
Andererseits treten Alben und Zwerge in den Eddaliedern immer wieder als getrennte Gruppen auf. In der Hávamál (Strophe 143) ritzt Odin Runen für die Götter, Dáinn für die Alben, Dvalinn für die Zwerge. In den Alvíssmál werden Götter, Menschen, Riesen, Alben und Zwerge als eigene Sprechergruppen mit eigenen Wörtern für Erde, Himmel und Mond aufgeführt. Die formelhafte Verbindung „Asen und Alben“ (æsir ok álfar) steht in mehreren Liedern; die Zwerge stehen dort meist nicht dabei. Terry Gunnell hat deshalb gefragt, wie „elbisch“ die Alben der Lieder überhaupt waren; sinngemäß sieht er sie in der Dichtung eher an der Seite der Götter als an der Seite der Zwerge.
Unterm Strich ergibt sich ein Bild in drei Schichten. Die älteren Lieder kennen Alben und Zwerge meist als getrennte, gelegentlich überlappende Gruppen. Snorri ordnet im 13. Jahrhundert und erfindet dabei vielleicht die Gegenüberstellung von Licht und Dunkel, vielleicht übernimmt er sie aus einer verlorenen Tradition. Und die Moderne zieht daraus den Schluss: Schwarzalben gleich Dunkelalben gleich Zwerge. Dieser Schluss ist vertretbar, aber er bleibt eine Deutung. Alles Weitere zu Herkunft, Namen und Wesen der Zwerge – von den Maden im Fleisch des Urriesen bis zu den Krankheitsdämonen der Zaubersprüche – findest du in unserem großen Artikel über die Zwerge in der nordischen Mythologie.
Wenn Svartalfheim die Welt der Zwerge ist, lohnt ein Blick darauf, wie die Zwerge laut den Quellen überhaupt entstanden. Die Vǫluspá (Strophe 9) beschreibt, wie die Götter Rat halten, wer das Geschlecht der Zwerge schaffen solle, aus Brimirs Blut und Bláins Gliedern – zwei Namen, die man meist als Beinamen des Urriesen deutet.
„Da gingen die Berather zu den Richterstühlen, / Hochheilge Götter hielten Rath, / Wer schaffen sollte der Zwerge Geschlecht / Aus Brimirs Blut und blauen Gliedern.“Völuspá 9, Übersetzung Karl Simrock (1851, gemeinfrei); Simrock liest „Bláins“ als „blauen“
Snorri macht daraus in Gylfaginning 14 ein drastischeres Bild: Die Zwerge seien zuerst im Fleisch des getöteten Urriesen Ymir lebendig geworden, als Maden. Erst die Götter hätten ihnen Menschengestalt und Verstand gegeben. Sie wohnen seitdem in der Erde und in Steinen. In Gylfaginning 8 setzt er außerdem vier Zwerge – Austri, Vestri, Norðri und Suðri – unter die vier Ecken des Himmelsgewölbes, das aus Ymirs Schädel besteht. Die Zwerge gehören bei ihm von Anfang an zum Unten: zu Erde, Fels und dem Körper der Welt – Svartalfheim ist so gesehen das Innere der Welt selbst.
Den größten Ruhm verdanken die Zwerge ihren Werkstücken. Die bekannteste Episode steht wieder in den Skáldskaparmál. Loki hat Sif, der Frau Thors, aus Bosheit das Haar abgeschoren. Um Thors Zorn zu entgehen, verspricht er Ersatz und geht zu den Zwergen, die Ívaldis Söhne heißen. Die schmieden drei Dinge: neues Haar aus Gold für Sif, das sofort anwächst, das Schiff Skíðblaðnir für Freyr, das immer Fahrtwind hat und sich wie ein Tuch zusammenfalten lässt, und den Speer Gungnir für Odin, der im Stoß nie innehält. Mehr dazu in unserem Beitrag über Ívaldi und seine Söhne.
Dann wettet Loki seinen Kopf mit dem Zwerg Brokkr, dessen Bruder könne keine drei ebenso guten Schätze schmieden. Der Bruder heißt je nach Handschrift und Ausgabe Sindri oder Eitri. Während der Arbeit muss Brokkr den Blasebalg treten, und Loki sticht ihn als Fliege dreimal. Heraus kommen der Eber Gullinbursti, der Ring Draupnir, von dem jede neunte Nacht acht gleich schwere Ringe abtropfen, und der Hammer Mjǫllnir, dessen Stiel durch die Fliegenattacke etwas zu kurz geraten ist. Die Götter erklären den Hammer zum besten Stück, Brokkr gewinnt die Wette – und weil Loki zwar seinen Kopf, nicht aber seinen Hals verpfändet hat, näht ihm der Zwerg zum Trost die Lippen zu. Die ganze Geschichte erzählen wir in Sindri & Brokkr.
Jetzt der entscheidende Punkt für unser Thema: In diesem Kapitel nennt Snorri keinen Ort. Weder die Söhne Ívaldis noch Brokkr und sein Bruder werden in Svartalfheim lokalisiert. Der Text spricht nur von der Schmiede. Wenn moderne Darstellungen schreiben, Mjǫllnir oder Gungnir seien „in Svartalfheim geschmiedet“, dann ist das eine naheliegende, aber ergänzte Verortung.
Ähnlich steht es um weitere berühmte Zwergenwerke:
Kein einziges dieser Stücke wird in den Quellen ausdrücklich in Svartalfheim gefertigt. Gesichert dort entsteht nur Gleipnir. Das ist kein Widerspruch, aber eine Mahnung zur Vorsicht: Die Gleichung „Svartalfheim = Göttergießerei“ ist ein modernes Gesamtbild, in dem sich mehrere Erzählungen bündeln.
Deutlich wird dafür der Charakter der Zwerge: Sie arbeiten nicht aus Freundlichkeit, sondern auf Bestellung, unter Zwang oder um eine Wette zu gewinnen. Andvari verflucht sein Gold, Fjalarr und Galarr ermorden Kvasir, Brokkr will Lokis Kopf.
Diese Härte passt zu dem, was die Lieder sonst über Zwerge sagen. Der Zwerg Alvíss will Thors Tochter Þrúðr heiraten; Thor hält ihn mit einem Wissenswettstreit bis zum Morgengrauen hin, und als die Sonne in den Saal scheint, ist der Zwerg erledigt – die Forschung liest das meist so, dass er zu Stein wird, auch wenn das Lied es nicht wörtlich sagt. Die Episode erzählen wir in Thrud & Alvíss. Das Licht ist für Zwerge gefährlich – Snorris „schwärzer als Pech“ passt dazu.
Für uns in der Werkstatt ist das ein ehrlicher Gedanke. Die Alten sahen im Schmied keinen gemütlichen Bastler, sondern jemanden, der mit Feuer, Stein und Metall umgeht und Dinge herstellt, die mächtiger sind als ihre Auftraggeber. Gute Arbeit hat ihren Preis – nur verwettet bei uns niemand seinen Kopf.
Svartalfheim ist eine Welt der Erzählung, nicht der Archäologie – die Hochachtung vor dem Schmied aber hat realen Hintergrund. Eisengewinnung aus Raseneisenerz, Schmiedetechniken wie das Damaszieren von Klingen und feinste Goldschmiedearbeit waren in der Wikingerzeit hochgeschätzte Fertigkeiten. Ein eindrucksvolles Zeugnis ist die Werkzeugkiste von Mästermyr auf Gotland, 1936 in einem Moor gefunden und meist in die späte Wikingerzeit datiert: Zangen, Hämmer, Feilen, Ambosse und Halbfabrikate eines Handwerkers, der Eisen, Bunt- und Edelmetall bearbeitete.
Ob die Vorstellung von schmiedenden Zwergen unmittelbar aus solchen Handwerkerkreisen stammt, lässt sich nicht beweisen. Die Forscherin Lotte Motz hat in ihrer Studie „The Wise One of the Mountain“ (1983) die Zwerge mit Berg, Handwerk und Wissen in Verbindung gebracht und Parallelen in anderen Kulturen gesucht. Anregend, aber nicht allgemein akzeptiert. Wie Wikinger tatsächlich schmiedeten, zeigt unser Beitrag über die Schmiedekunst der Wikinger.
Warum hat ausgerechnet Snorri den Namen Svartalfheim? Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Snorri Sturluson (1179–1241) war Politiker, Gesetzessprecher und Gelehrter auf Island, und er schrieb mehr als 200 Jahre nach der offiziellen Christianisierung der Insel. Seine Edda ist ein Lehrbuch für Dichter, das alte Lieder, mündliche Überlieferung und eigene Systematik verbindet. Wo die Lieder nur andeuten, ordnet er; wo Lücken sind, schließt er sie manchmal. Mehr zu ihm in unserem Porträt Snorri Sturluson.
Svartálfaheimr kann also zweierlei sein. Entweder ein altes Wort, das zufällig nur in Snorris Werk überlebt hat – viele Überlieferungen sind nur über einen einzigen Zeugen erhalten. Oder eine Bildung Snorris selbst, nach dem Muster von Álfheimr, passend zu seiner Lehre von den Licht- und Dunkelalben. Beide Möglichkeiten werden diskutiert.
Heute kennen viele den Namen nicht aus der Edda, sondern aus dem Kino. In „Thor: The Dark World“ (2013) ist Svartalfheim eine verdunkelte, verwüstete Welt und die Heimat der Dunkelelfen unter ihrem Anführer Malekith. Die Zwerge dagegen hat Marvel in „Avengers: Infinity War“ (2018) nach Nidavellir verlegt, wo der riesenhafte Zwerg Eitri an einem Stern die Waffe Stormbreaker schmiedet. Hollywood hat das Quellenproblem damit auf seine Art gelöst: Dunkelalben und Zwerge bekommen je eine eigene Welt.
Mit der Edda hat das wenig zu tun. Snorri kennt keine Dunkelalben-Armee, keinen Malekith und keinen Zwerg von Riesengröße; und Svartalfheim ist bei ihm gerade der Ort, an dem man Zwerge antrifft. Welche Elemente aus den Marvel-Filmen auf alte Überlieferung zurückgehen und welche nicht, haben wir im Marvel-Thor-Faktencheck auseinandergenommen.
Svartalfheim ist das schönste Beispiel dafür, dass eine Welt auch dann groß sein kann, wenn die Quellen klein sind. Zwei Sätze bei Snorri, ein paar Strophen über Zwerge unter Steintüren und goldene Säle im Norden, dazu die großen Schmiedeerzählungen – mehr ist es nicht. Und doch trägt es eine ganze Vorstellungswelt: das Dunkel unter dem Fels, die Glut der Esse, Meister, die besser sind als ihre Auftraggeber. Male sie dir ruhig aus – aber wisse, wo der Pinsel der Quellen aufhört. So halten wir es auch in der Werkstatt: erst den Beleg prüfen, dann gestalten.

Was ist Svartalfheim in der nordischen Mythologie? Svartalfheim (altnordisch Svartálfaheimr, „Heim der Schwarzalben“) ist ein unterirdischer Ort, an dem nach Snorris Prosa-Edda Zwerge leben. Dorthin werden Skírnir wegen der Fessel Gleipnir und Loki wegen des Goldes von Andvari geschickt.
Ist Svartalfheim eine der neun Welten? In modernen Listen ja, in den mittelalterlichen Quellen nicht ausdrücklich. Die Eddalieder nennen neun Welten, aber keine Namen, und Svartalfheim kommt in ihnen gar nicht vor.
Sind Schwarzalben und Zwerge dasselbe? Wahrscheinlich, aber nicht sicher. An beiden Stellen, an denen Snorri Svartalfheim erwähnt, wohnen dort Zwerge; viele Forscher halten „Schwarzalbe“ und „Zwerg“ deshalb für Synonyme. Ausdrücklich gleichgesetzt werden sie in den Quellen nicht.
Wurde Mjölnir in Svartalfheim geschmiedet? Snorri erzählt die Entstehung von Mjǫllnir ausführlich, nennt dabei aber keinen Ort. Die Verlegung nach Svartalfheim ist eine spätere, naheliegende Ergänzung.
Wer lebt in Svartalfheim bei Marvel? In „Thor: The Dark World“ (2013) die Dunkelelfen um Malekith. Die Zwerge mit ihrem Schmied Eitri wohnen bei Marvel dagegen in Nidavellir – eine Aufteilung, die es in der Edda nicht gibt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Die Zwerge · Ivaldi & seine Söhne · Sindri & Brokkr · Die Alben (Elfen) · Die Schätze der Götter.
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