Zwischen Göttern und Menschen wohnt ein drittes, halb verborgenes Geschlecht: die Alben – im Deutschen als „Elfen“ bekannt. Sie sind licht und schön oder dunkel und erdverbunden, halb Segen, halb Gefahr, und sie haben von allen Wesen des Nordens am längsten überlebt.
Das Wort Alb (altnord. álfr, Plural álfar) steckt bis heute in Namen wie „Alptraum“ (der Alb, der sich nachts auf die Brust setzt) und in Vornamen wie Alfred („Albenrat“). In den Quellen erscheinen die Alben oft in einem Atemzug mit den Göttern – „Asen und Alben“ ist eine feste Formel der Edda.
Snorri unterscheidet zwei Arten: die Lichtalben (ljósálfar), die in der Welt Alfheim wohnen und „schöner als die Sonne“ sind, und die Dunkelalben (dökkálfar), die unter der Erde leben und „schwärzer als Pech“ sind. Interessant: Diese Dunkelalben verschwimmen in den Quellen fast mit den Zwergen – beide sind unterirdische, kunstreiche Wesen. Ob Snorri hier eine ältere Vorstellung sauber ordnet oder selbst systematisiert, ist in der Forschung umstritten.
Alfheim, die Welt der Lichtalben, gehört bezeichnenderweise dem Gott Freyr – er bekam sie als „Zahngeschenk“ zum ersten Zahn. Fruchtbarkeit, Licht und die Alben gehören also zusammen.
Die Alben (Alfar, Elfen) gehören zu den geheimnisvollsten Wesen der nordischen Mythologie. Sie stehen zwischen Göttern und Menschen – manchmal verehrt, manchmal gefürchtet – und sind mit Fruchtbarkeit, Ahnen und Schicksal verbunden.
Snorri unterscheidet Lichtalben (ljósálfar), „schöner als die Sonne", die in Alfheim wohnen, und Schwarzalben (dökkálfar), die unter der Erde leben. Diese klare Zweiteilung findet sich allerdings so nur bei ihm.
Ein eigenes Opferfest, das Álfablót, galt den Alben. Es wurde privat auf den Höfen gefeiert, oft im Herbst – so privat, dass ein durchreisender Skalde einst abgewiesen wurde, weil gerade das Álfablót stattfand. Die Alben gehörten zum Hausglauben.
Wer die Alben genau waren, ist nicht eindeutig: mal Naturgeister, mal vergöttlichte Ahnen, mal den Göttern nahe (Freyr herrscht über Alfheim). Diese Vieldeutigkeit macht sie zu einer der faszinierendsten Gestalten des Nordens.
Alben konnten Krankheit bringen (der „Albschuss“, elfenverursachtes Leiden) oder Glück und Fruchtbarkeit schenken. Diese Doppelnatur macht sie zu einem der lebendigsten Elemente des alten Glaubens – und zu einem, das die Christianisierung überdauerte: Als „Elfen“, „Wichte“ und „Huldufólk“ leben sie in der isländischen und skandinavischen Volkssage bis heute weiter, und über die Romantik und Tolkien sind sie zu den Elfen der modernen Fantasy geworden.

Freyr & Alfheim · Die Zwerge · Die neun Welten · Das Götter-Pantheon.
Lieder-Edda: Grímnismál (Alfheim/Freyr), Hávamál, Lokasenna („Asen und Alben“). Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Licht- und Dunkelalben), um 1220. Sigvatr Thordarson, Austrfararvisur (Álfablót). Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; Alaric Hall, Elves in Anglo-Saxon England (2007).
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