Die Alben (altnordisch álfar, Einzahl álfr) sind in der nordischen Mythologie ein übermenschliches Geschlecht, das in der Edda fast immer gemeinsam mit den Göttern genannt wird: „Asen und Alben“. Snorri Sturluson teilt sie im 13. Jahrhundert in strahlende Lichtalben in Álfheim und pechschwarze Dunkelalben unter der Erde. Daneben bezeugen Skaldendichtung und Sagas ein echtes Opfer, das Álfablót. Im Altenglischen machen Alben krank, im Deutschen drücken sie uns als Alb im Schlaf. Hier liest du, was die Quellen wirklich sagen.
Ein Herbstabend in Schweden, irgendwann um das Jahr 1019. Ein norwegischer Dichter ist mit seinen Begleitern unterwegs, nass, müde, hungrig. Er klopft an die Tür eines Hofes. Eine Frau steht in der Öffnung und lässt ihn nicht hinein: Drinnen sei man heidnisch, man fürchte den Zorn Odins – und man feiere gerade das Álfablót, das Opfer für die Alben. Der Dichter zieht weiter und macht aus der Abfuhr ein spöttisches Gedicht. Genau dieses Gedicht ist heute der älteste sichere Beleg dafür, dass Menschen im Norden den Alben tatsächlich geopfert haben.
Die Alben sind die vielleicht rätselhaftesten Wesen der nordischen Überlieferung. Sie stehen ständig neben den Göttern, bekommen aber fast keine eigenen Geschichten. Sie leben in einer der neun Welten, und doch weiß niemand genau, wie sie aussehen. Wir gehen den Spuren nach: durch die Lieder-Edda, durch Snorris Ordnungssystem, über isländische Hügel und angelsächsische Heilmittel bis zum deutschen Albtraum. Und wir trennen dabei, was alt belegt ist, was Snorri systematisiert hat und was erst die Neuzeit dazuerfunden hat.
Das altnordische álfr hat Geschwister in fast allen germanischen Sprachen: altenglisch ælf, mittelhochdeutsch alp oder alb. Die Sprachwissenschaft setzt dafür eine urgermanische Form *albiz beziehungsweise *alboz an. Woher das Wort kommt, ist dagegen offen. Die bekannteste Erklärung verbindet es mit einer indogermanischen Wurzel für „weiß, hell“, die auch im lateinischen albus steckt. Die Alben wären dann ursprünglich „die Weißen, die Leuchtenden“. Eine zweite, ältere These stellt sie neben die Ṛbhus der altindischen Veden, eine Gruppe kunstfertiger Halbgötter. Beide Deutungen sind möglich, keine ist bewiesen.
Viel sicherer sind die Spuren in Personennamen. Der angelsächsische König Alfred der Große heißt altenglisch Ælfrǣd, „Alben-Rat“. Dazu kommen Ælfric („Alben-Herrscher“), Ælfwine („Alben-Freund“) – dieselbe Bildung wie beim Langobardenkönig Alboin – und im Deutschen Alberich, der Zwergenkönig des Nibelungenlieds. Über das französische Auberon wurde aus Alberich schließlich Oberon, der Elfenkönig bei Shakespeare. Dass Eltern ihren Söhnen solche Namen gaben, zeigt: Die Alben galten als ehrenwerte, ja begehrenswerte Größe, nicht als Kobolde.
Wer die Lieder der Edda liest, stolpert immer wieder über dasselbe Wortpaar: æsir ok álfar, „Asen und Alben“. Es ist eine stabreimende Formel, so fest wie bei uns „Haus und Hof“. In der Þrymskviða kommt Loki ins Riesenreich, und der Riese Þrymr fragt ihn sofort (Str. 7, sinngemäß): „Wie steht es bei den Asen? Wie steht es bei den Alben?“ Die Völuspá verwendet dieselbe Doppelfrage in Strophe 48, wenn der Weltuntergang naht. In der Lokasenna sind beim Gelage des Meeresriesen Ægir „viele Asen und Alben“ versammelt, wie die Prosa-Einleitung sagt, und Loki beschimpft später die versammelten „Asen und Alben, die hier drinnen sind“.
Auch in den Hávamál taucht das Paar auf. Odin rühmt sich in seiner Liederliste (Str. 159), er kenne „Asen und Alben“ allesamt genau. In der Strophe danach singt der Zwerg Þjóðrerir vor Dellings Tür den Asen Kraft und den Alben Gedeihen zu. Und schon in Strophe 143, wo es um die Verteilung der Runenkunde geht, heißt es: Odin bei den Asen, Dáinn bei den Alben. Dáinn ist sonst ein Zwergenname – ein erster Hinweis darauf, wie eng Alben und Zwerge zusammenhängen.
Was sagt uns diese Formel? Zunächst: Die Alben stehen auf derselben Ebene wie die Götter, nicht darunter. Sie bilden zusammen mit den Asen die Gemeinschaft der „oberen“ Mächte, denen Riesen und Menschen gegenüberstehen. Manche Forscher gehen noch weiter und vermuten, dass „Asen und Alben“ ursprünglich gar nicht zwei streng getrennte Gruppen meinte, sondern zwei Namen für ähnliche Wesen. Auffällig ist jedenfalls, dass die Alben in den Mythen kaum handeln. Sie sind Zuschauer, Gäste, Teil des Publikums. Ein eigenes Abenteuer der Alben erzählt die Edda nicht.
Ein schönes Detail liefert die Dichtersprache: Die Sonne heißt in mehreren Eddaliedern álfröðull, wörtlich etwa „Albenglanz“ oder „Albenscheibe“. Im Alvíssmál, einem Wissenswettstreit zwischen Thor und dem Zwerg Alvíss, werden für viele Dinge eigene Wörter „bei den Alben“ genannt, so wie es eigene Wörter bei Göttern, Riesen und Menschen gibt. Die Alben haben also ihre eigene Sprache – zumindest in der Vorstellung des Dichters.
Die bekannteste Beschreibung stammt nicht aus der Wikingerzeit, sondern von Snorri Sturluson, der um 1220 auf Island seine Prosa-Edda schrieb. In der Gylfaginning (Kap. 17) zählt er die Wohnorte im Himmel auf. Einer davon heißt Álfheimr, „Albenheim“. Dort wohnen die Ljósálfar, die Lichtalben. Sie seien, so Snorri, schöner anzusehen als die Sonne. Die Dökkálfar, die Dunkelalben, wohnten dagegen unten in der Erde. Sie seien ihnen ungleich an Aussehen und noch ungleicher in ihrem Wesen, und sie seien schwärzer als Pech.
Etwas später nennt Snorri den höchsten Himmel, Víðbláinn, und sagt, dort wohnten nach seinem Wissen jetzt nur Lichtalben. Dieser Satz klingt verdächtig nach christlicher Kosmologie: Engel in den oberen Himmeln, finstere Gestalten unter der Erde. Snorri war Christ, gebildet, belesen in lateinischer Gelehrsamkeit. Viele Forscher halten seine klare Zweiteilung deshalb für eine eigene Systematisierung, die das bunte, widersprüchliche Material der alten Lieder in eine übersichtliche Ordnung bringt – und dabei vom Gegensatz Engel–Dämon geprägt sein könnte.
Die neun Welten, wie man sie heute oft auf Bildern sieht, mit Álfheim als eigenem Reich, sind ebenfalls eine moderne Zusammenstellung. Die Edda nennt zwar „neun Welten“, zählt sie aber nirgends verbindlich auf. Álfheim taucht in der Lieder-Edda genau einmal auf – als Besitz eines Gottes.
Snorri verwendet noch ein drittes Wort: Svartálfar, Schwarzalben, und ihr Reich Svartálfaheimr. In der Geschichte von der Fesselung des Fenriswolfs schickt Odin den Boten Skírnir nach Svartálfaheim „zu einigen Zwergen“, die die Zauberfessel Gleipnir schmieden sollen. Und in der Erzählung vom Otterlösegeld reist Loki nach Svartálfaheim und trifft dort den Zwerg Andvari. Wer in Svartálfaheim wohnt, sind bei Snorri also: Zwerge.
Daraus ziehen viele Fachleute den Schluss, dass Schwarzalben und Zwerge bei Snorri schlicht dasselbe sind, und dass die Dunkelalben wahrscheinlich ebenfalls dazu gehören. Dafür sprechen auch die Edda-Lieder selbst: Der Zwerg Dáinn vertritt in den Hávamál die Alben, und Zwergennamen wie Gandálfr oder Vindálfr enthalten das Wort álfr. Dagegen spricht, dass Snorri die Zwerge an anderer Stelle eigenständig beschreibt – sie entstehen wie Maden im Fleisch des Urriesen Ymir – und die Dunkelalben dort nicht erwähnt. Die Debatte ist offen; mehr zu Svartálfaheim findest du in unserem Beitrag über Svartalfheim.
Die einzige Stelle der Lieder-Edda, die Álfheim nennt, steht im Grímnismál, Strophe 5. Odin zählt dort die Götterhallen auf und sagt, sinngemäß in eigener Übertragung: Álfheim gaben die Götter dem Freyr in Urzeiten als Zahngeschenk. Das tannfé, das „Zahngeld“, war im Norden eine Gabe an ein Kind, wenn ihm der erste Zahn durchbrach. Der junge Freyr bekam also eine ganze Welt geschenkt – und mit ihr offenbar die Herrschaft über die Alben.
Freyr gehört zu den Wanen, dem Göttergeschlecht der Fruchtbarkeit, des Wohlstands und der guten Ernte. Dass ausgerechnet er über die Alben gebietet, ist kein Zufall. Die Alben stehen in vielen Quellen für Gedeihen, für die Kraft des Hofes und der Felder. Manche Forscher haben deshalb vorgeschlagen, die Alben seien eng mit den Wanen verwandt oder sogar eine andere Bezeichnung für sie. Belegen lässt sich das nicht. Aber die Verbindung von Freyr, Fruchtbarkeit und Alben zieht sich durch die Überlieferung und passt zu dem, was wir vom Álfablót wissen.
Auch im Skírnismál, dem Lied von Freyrs Werbung um die Riesin Gerðr, klingt das an. Gerðr fragt Freyrs Boten Skírnir, ob er „von den Alben oder von den Asensöhnen oder von den weisen Wanen“ komme. Drei Gruppen in einem Atemzug – Alben, Asen, Wanen. Ob das drei verschiedene Völker sind oder eher dichterische Variation, lässt sich aus dieser Stelle allein nicht entscheiden.
Eine Figur verbindet die Alben mit dem Handwerk ganz unmittelbar: Völundr, der Wieland der deutschen Sage. In der Völundarkviða, einem der Heldenlieder der Edda, wird der Meisterschmied mehrfach als álfa ljóði und vísi álfa angesprochen – „Albenfürst“, „Anführer der Alben“. Das ist bemerkenswert, denn die Prosa-Einleitung nennt ihn und seine Brüder Söhne eines Finnenkönigs, also eher eines Menschen aus dem Norden.
Warum also „Fürst der Alben“? Darüber rätselt die Forschung seit über hundert Jahren. Manche sehen darin einen Hinweis, dass Völundr ursprünglich ein übernatürliches Wesen war. Andere lesen die Anrede als poetische Auszeichnung für seine überirdische Kunstfertigkeit. Wieder andere erinnern daran, dass kunstvolles Schmieden sonst eher die Sache der Zwerge ist – und damit wieder bei der Nähe von Alben und Zwergen landen. Für uns als Werkstatt hat die Stelle ihren eigenen Reiz: Im ältesten Lied über einen Schmied wird der beste Handwerker zum König der Alben erklärt. Das hören wir gern, auch wenn unser Laser deutlich weniger dramatisch arbeitet als Völundrs Esse.
Zurück zu unserem Dichter vom Anfang. Er heißt Sigvatr Þórðarson, war Hofskalde des norwegischen Königs Óláfr Haraldsson und selbst Christ. Um 1019 reiste er im Auftrag seines Königs nach Västergötland zum Jarl Rögnvaldr. Von dieser Reise erzählt er in den Austrfararvísur, den „Ostfahrtsstrophen“. Mehrfach wird er abgewiesen. An einem Hof sagt ihm eine Frau, er solle nicht hereinkommen, man sei heidnisch und fürchte Odins Zorn; dann treibt sie ihn fort, denn drinnen werde Álfablót gehalten. Weitere Höfe lassen ihn ebenfalls nicht ein.
Was genau bei diesem Opfer geschah, sagt Sigvatr nicht. Er beschreibt nur die verschlossene Tür. Gerade das ist aufschlussreich: Das Álfablót war offenbar kein großes Kultfest am Tempel, sondern eine Sache des Hauses, der Familie, des Hofes. Fremde störten. Damit passt es gut zu dem, was wir über die Dísen und das Dísablót wissen, und zum allgemeinen Bild germanischer Opfer, das viel häuslicher war, als man oft denkt.
Die zweite berühmte Stelle steht in der Kormáks saga, einer Isländersaga aus dem 13. Jahrhundert. In Kapitel 22 ist ein Mann namens Þorvarðr im Zweikampf von Kormákr schwer verletzt worden. Er fragt die Seherin Þórdís, was ihm helfen könne. Ihre Antwort, sinngemäß: Nicht weit von hier liegt ein Hügel, in dem Alben wohnen. Nimm den Stier, den Kormákr getötet hat, röte mit seinem Blut die Außenseite des Hügels und bereite den Alben aus seinem Fleisch ein Mahl. Dann wirst du geheilt.
Hier haben wir also eine ganz andere Szene: kein Hof, sondern ein Hügel; kein Jahresfest, sondern ein Heilungsopfer im Notfall. Die Saga ist rund 250 Jahre jünger als die Ereignisse, die sie erzählt, und ein Literaturwerk. Ob man im 10. Jahrhundert wirklich so geopfert hat, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Aber die Vorstellung, dass Alben in Hügeln wohnen, Blut und Fleisch annehmen und Gesundheit schenken können, war im Island des 13. Jahrhunderts offenbar noch verständlich.
Ein dritter Mosaikstein: In der Überlieferung um den norwegischen Kleinkönig Óláfr Geirstaðaálfr, „Óláfr, der Alb von Geirstaðir“, heißt es, man habe dem toten König in seinem Grabhügel geopfert, um gute Jahre zu erbitten. Der Beiname verbindet einen verstorbenen Herrscher ausdrücklich mit den Alben. Viele Forscher sehen darin ein Indiz, dass Alben auch als Ahnen im Hügel verstanden werden konnten. Das ist eine Deutung, kein gesicherter Glaubenssatz – aber sie erklärt, warum Hügel, Ahnen und Fruchtbarkeit in den Quellen immer wieder zusammenfallen.
Der Blick nach England lohnt sich, weil die altenglischen Texte teils älter sind als die isländischen. Im Beowulf zählt der Dichter die Nachkommen Kains auf (V. 112): Riesen, ylfe – Alben – und Wiedergänger. Der christliche Autor sortiert die Alben also unter die Feinde Gottes. Zugleich kennt die altenglische Dichtung das Wort ælfscīene, „albenschön“. Es wird in der Bibeldichtung für Sara und für die Heldin Judith verwendet, also ausdrücklich als Lob für die Schönheit einer Frau. Alben waren in England demnach strahlend schön, aber unheimlich.
Am deutlichsten wird die gefährliche Seite in den Heilbüchern. Das Leechbook des Bald aus dem 10. Jahrhundert kennt Mittel gegen ælfadl, die „Albenkrankheit“, und gegen wæterælfadl, eine „Wasser-Albenkrankheit“. In der Sammlung Lacnunga steht der berühmte Zauberspruch Wið færstice, „gegen plötzlichen Stich“. Darin wird ein stechender Schmerz bekämpft, der von einem Geschoss stammen könnte – ausdrücklich genannt werden der Schuss der ēse (Götter, verwandt mit den nordischen Asen), der Schuss der Alben und der Schuss der Hexen. Wieder dasselbe Paar wie in der Edda: Götter und Alben, diesmal als Verursacher von Krankheit.
Aus solchen Vorstellungen wurde später der „Elfenschuss“ (englisch elf-shot), vor allem in der schottischen Volksüberlieferung der frühen Neuzeit. Dort hielt man steinzeitliche Pfeilspitzen aus Feuerstein, die man auf Feldern fand, für Elfenpfeile, mit denen Mensch und Vieh krank geschossen würden. Wie direkt die frühneuzeitliche Vorstellung mit dem angelsächsischen Spruch zusammenhängt, ist in der Forschung umstritten. Mehr zur Heilkunde des Nordens findest du bei uns unter Medizin der Wikinger; ein verwandter Heilspruch vom Kontinent sind die Merseburger Zaubersprüche.
Im deutschen Sprachraum hat sich das alte Wort vor allem in der Nacht erhalten. Der Alb oder Alp ist im Volksglauben ein Wesen, das sich Schlafenden auf die Brust setzt und ihnen den Atem nimmt. Daher stammen „Albdruck“ und „Albtraum“. Die Schreibung mit b gilt seit der Rechtschreibreform als Hauptvariante, weil sie die Herkunft vom Alb zeigt; „Alptraum“ ist weiterhin zulässig. Der Alb war hier nichts Leuchtendes mehr, sondern ein nächtlicher Plagegeist – die gefährliche Seite der alten Alben hat im Süden überlebt, die strahlende kaum.
Das Wort „Elfe“ dagegen ist im Deutschen ein Rückkehrer. Es wurde im 18. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen, als Shakespeares „Sommernachtstraum“ und andere englische Texte ins Deutsche übertragen wurden. Johann Gottfried Herder machte wenig später aus dem dänischen ellerkonge, eigentlich „Elfenkönig“, den „Erlkönig“, den Goethe dann berühmt machte. Man könnte sagen: Der Erlkönig ist ein Übersetzungsfehler mit Weltkarriere. Die Brüder Grimm sammelten anschließend, was vom Alb- und Elfenglauben in Deutschland noch übrig war.
In Island hat sich der Glaube an übernatürliche Hügelbewohner besonders lebendig erhalten. Dort spricht man meist von álfar oder huldufólk, dem „verborgenen Volk“. In Volkssagen leben sie in Felsen und Hügeln, sehen aus wie Menschen, führen Höfe, halten Vieh und rächen sich, wenn man ihre Wohnstätten stört. Verwandte Gestalten findest du in Norwegen und Schweden in der Huldra. Mit den Landgeistern, den Landvættir, teilen sie die enge Bindung an einen bestimmten Ort.
Das Thema ist bis in die Gegenwart präsent. Bei Straßenbauprojekten kam es wiederholt zu Protesten, bei denen auch Rücksicht auf vermutete Elfenwohnstätten gefordert wurde, etwa im Lavafeld Gálgahraun bei Reykjavík in den 2010er-Jahren. Eine Umfrage des Volkskundlers Terry Gunnell von der Universität Island ergab 2007, dass nur ein kleiner Teil der Befragten fest an Elfen glaubt; ein deutlich größerer Teil wollte ihre Existenz aber auch nicht ausschließen. Wichtig ist der Abstand: Das neuzeitliche huldufólk ist Volksglaube, geprägt von Jahrhunderten christlicher Erzähltradition. Es ist nicht einfach das heidnische Álfablót von 1019 in moderner Kleidung, auch wenn die Linie der Hügelbewohner erstaunlich lang ist.
Ehrlich gesagt: Es gibt keine einheitliche Antwort, und das ist kein Mangel unseres Wissens, sondern wahrscheinlich ein Merkmal des alten Glaubens selbst. Aus den Quellen lassen sich mehrere Schichten herausschälen. Erstens: Die Alben gehören in der Dichtung neben die Götter, als zweite Gruppe der übermenschlichen Mächte. Zweitens: Sie sind mit Freyr, den Wanen und dem Gedeihen von Hof und Feld verbunden. Drittens: Sie empfangen Opfer, im häuslichen Kreis oder am Hügel. Viertens: Sie können krank machen und heilen. Fünftens: Sie überschneiden sich mit den Zwergen und vielleicht mit den Ahnen im Grabhügel.
Alles Weitere – Licht gegen Dunkel, Gut gegen Böse, spitze Ohren und silberne Haare – ist entweder Snorris Ordnung, spätere Volkssage oder moderne Fantasy. J. R. R. Tolkien hat bewusst an die alten, menschengroßen, ehrfurchtgebietenden Alben angeknüpft, gerade als Gegenbild zu den winzigen Blumenfeen des 19. Jahrhunderts. Seine Elben sind eine literarische Schöpfung, aber eine, die näher an der Edda liegt als vieles, was danach kam.
Für uns in der Werkstatt sind die Alben ein dankbares und zugleich anspruchsvolles Motiv. Es gibt kein „echtes“ wikingerzeitliches Albenbild, kein Amulett mit Albengesicht, keine Rune nur für sie. Wer ein Stück mit Bezug zu den Alben möchte, greift daher besser auf das zurück, was belegt ist: die Formel „Asen und Alben“ in Runen, Freyr und Álfheim, die Sonne als álfröðull. Genau so arbeiten wir: lieber ein belegtes Wort auf Schiefer als ein erfundenes Symbol.

Was sind Alben in der nordischen Mythologie? Alben (altnordisch álfar) sind übermenschliche Wesen, die in der Edda meist gemeinsam mit den Göttern als „Asen und Alben“ genannt werden. Sie sind mit Freyr, Fruchtbarkeit und dem Hügel verbunden und erhielten eigene Opfer, das Álfablót.
Was ist der Unterschied zwischen Lichtalben und Dunkelalben? Nach Snorri Sturluson (um 1220) wohnen die Lichtalben in Álfheim und sind schöner als die Sonne, die Dunkelalben leben unter der Erde und sind schwärzer als Pech. Diese Zweiteilung kennt nur Snorri; in der Lieder-Edda heißen sie einfach Alben.
Sind Schwarzalben und Zwerge dasselbe? Sehr wahrscheinlich, zumindest bei Snorri: In Svartálfaheim, der Welt der Schwarzalben, wohnen in seinen Erzählungen Zwerge wie Andvari. Ob auch die Dunkelalben gemeint sind, ist in der Forschung umstritten.
Wer herrscht über Álfheim? Laut Grímnismál, Strophe 5, schenkten die Götter Álfheim dem Gott Freyr als Zahngeschenk für seinen ersten Zahn. Freyr gehört zu den Wanen, den Göttern der Fruchtbarkeit.
Was war das Álfablót? Ein Opfer für die Alben, das der Skalde Sigvatr Þórðarson um 1019 in Schweden erwähnt: Es wurde im Spätherbst auf dem Hof im privaten Kreis gefeiert, Fremde wurden abgewiesen. Die Kormáks saga beschreibt zudem ein Heilungsopfer an einem Albenhügel.
Woher kommt das Wort Albtraum? Vom Alb, einem Wesen des Volksglaubens, das sich nachts auf die Brust des Schlafenden setzt. Das Wort ist mit dem altnordischen álfr und dem altenglischen ælf verwandt.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Freyr & Alfheim · Die Zwerge · Die neun Welten · Das Götter-Pantheon.
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