Zwerge (altnordisch dvergar) sind in der nordischen Mythologie Wesen aus Stein und Erde, die nach der Edda aus dem Leib des Urriesen Ymir hervorgingen und die größten Schätze der Götter schmiedeten: Mjölnir, Gungnir, Draupnir, Gleipnir. Sie tragen den Himmel, hüten verfluchtes Gold, ritzen Runen und meiden das Sonnenlicht. Wir zeigen dir, was wirklich in der Völuspá und bei Snorri steht, welche Zwergennamen die Edda kennt, was Tolkien daraus machte und warum ein Schädelstück aus Ribe den Zwerg als Krankheitsdämon zeigt.
Bevor es Menschen gab, gab es Zwerge. So jedenfalls erzählt es die Völuspá, das große Seherinnenlied am Anfang der Lieder-Edda. Die Götter haben gerade Sonne und Mond ihre Bahnen zugewiesen, sie haben Heiligtümer gebaut, Schmiedeessen errichtet, Schätze geschmiedet, Zangen und Werkzeug gemacht und auf der Wiese mit goldenen Spielsteinen gespielt. Dann setzen sie sich auf ihre Richterstühle und beraten, wer das Volk der Zwerge erschaffen soll. Erst danach, viele Strophen später, finden drei Götter am Strand zwei Baumstämme und machen daraus Ask und Embla, die ersten Menschen.
Diese Reihenfolge sagt viel. Zwerge sind in der nordischen Überlieferung keine Märchenfiguren, sondern Teil der Weltordnung: älter als die Menschen, unentbehrlich und unheimlich zugleich. Was die Quellen erzählen, ist weniger und merkwürdiger, als die Zipfelmützen-Tradition vermuten lässt.
Die älteste Spur steht in der Völuspá, Strophe 9 (in der gängigen Zählung nach dem Codex Regius). Die Götter fragen, wer die Schar der Zwerge schaffen soll, und zwar ór Brimis blóði ok ór Bláins leggjum – aus Brimirs Blut und aus Bláinns Knochen. Wer Brimir und Bláinn sind, sagt das Lied nicht. Viele Forscher halten beide für Beinamen des Urriesen Ymir; ganz sicher ist das nicht, Brimir taucht später in der Völuspá auch als Besitzer einer Bierhalle auf.
Strophe 10 nennt dann die ersten Zwerge mit Namen: Mótsognir (in manchen Ausgaben Móðsognir) wurde der mächtigste aller Zwerge, Durinn der zweite. Und sie machten, so das Lied, viele menschengleiche Gestalten in der Erde, wie Durinn es sagte. Ob damit weitere Zwerge oder schon Vorbilder der Menschen gemeint sind, lässt die Strophe offen.
Gut zweihundert Jahre nach der Niederschrift der ältesten Lieder, um 1220, bringt der Isländer Snorri Sturluson in seiner Prosa-Edda Ordnung in die Sache. In Gylfaginning 14 heißt es sinngemäß: Die Götter erinnerten sich, wie die Zwerge im Erdreich lebendig geworden waren, so wie Maden im Fleisch. Die Zwerge hatten zuerst Gestalt angenommen und Leben gewonnen im Fleisch Ymirs und waren damals Maden; durch den Beschluss der Götter aber bekamen sie menschlichen Verstand und Menschengestalt, und doch wohnen sie in der Erde und in Steinen (eigene Übertragung).
Ein drastisches Bild: Die Welt ist aus Ymirs Leichnam gebaut, Erde aus seinem Fleisch, Felsen aus seinen Knochen – und in diesem Fleisch wimmelt es. Die Zwerge sind buchstäblich Kinder der Erde. Dass sie später in Felsen wohnen und Erz bearbeiten, passt nahtlos.
Schon einige Kapitel vorher, in Gylfaginning 8, erzählt Snorri, wie die Söhne Burs aus Ymirs Schädel den Himmel formten und ihn über die Erde setzten, mit vier Zipfeln. Unter jede Ecke stellten sie einen Zwerg: Austri, Vestri, Norðri und Suðri – Osten, Westen, Norden, Süden.
Die vier Namen stehen auch in der Zwergenliste der Völuspá (Strophe 11), dort allerdings ohne jede Aufgabe. Ob Snorri die Himmelsträger aus verlorener Überlieferung kannte oder aus den sprechenden Namen selbst eine Geschichte machte, bleibt offen. Für ein echtes, altes Bild spricht die Skaldendichtung: In der Sprache der Skalden heißt der Himmel unter anderem Last der Zwerge oder Helm von Austri. Snorri führt solche Umschreibungen, sogenannte Kenningar (bildhafte Ersatzbezeichnungen), in seinem Dichterlehrbuch Skáldskaparmál ausdrücklich auf.
Mitten in der Völuspá, zwischen Schöpfung und Menschenwerdung, steht eine Liste, die beim ersten Lesen fast komisch wirkt: das Dvergatal, der „Zwergenkatalog“. In den Strophen 11 bis 16 reiht die Seherin Name an Name, ohne Handlung, gut sechzig Zwerge lang. Ein Auszug: Nýi und Niði, Norðri und Suðri, Austri und Vestri, Alþjófr, Dvalinn, Bívurr, Bávurr, Bömburr, Nóri, Ánn, Ánarr, Ái, Mjöðvitnir. Dann Veigr und Gandálfr, Vindálfr, Þráinn, Þekkr und Þorinn, Þrór, Vitr und Litr. Später Fíli und Kíli, Fundinn, Náli, Hornbori, Lóni, Aurvangr, Eikinskjaldi. Und in Strophe 15 Draupnir, Dolgþrasir, Haugspori, Hlévangr, Glói, Dóri, Óri, Dúfr, Andvari, Skirfir, Virfir.
Viele dieser Namen sind sprechend. Dvalinn bedeutet etwa „der Zögernde“ oder „der Schlafende“, Alþjófr „Erzdieb“, Vitr „der Weise“, Hornbori vielleicht „Hornbohrer“, Eikinskjaldi „Eichenschild“. Viele Deutungen bleiben Raterei, wie schon Henry Adams Bellows 1923 offen anmerkte.
Strophe 14 gibt der Liste einen merkwürdigen Rahmen: Nun sei es Zeit, die Zwerge in Dvalinns Schar bis zu Lofarr aufzuzählen, jene, die vom Felsensaal aus zu den Sitzen von Aurvangar und nach Jöruvellir zogen. Eine Wanderung also, eine Art Ursprungssage eines Zwergenvolkes, von der wir sonst nichts wissen. Strophe 16 verspricht, Lofars Ahnenreihe bleibe in Erinnerung, solange Menschen leben – die Seherin sollte recht behalten.
Kamen dir Namen bekannt vor? Der Oxforder Philologe J. R. R. Tolkien nahm für seinen Roman Der Hobbit (1937) die Namen der Zwergengesellschaft fast vollständig aus dem Dvergatal: Thorin mit dem Beinamen Eichenschild, Dwalin, Fíli und Kíli, Bifur, Bofur und Bombur, Nori, Dori und Ori, Óin und Glóin, dazu Thráin und Thrór als Vater und Großvater Thorins und Durin als Stammvater. Selbst der Name seines Zauberers stammt von hier: Gandálfr ist in der Edda ein Zwerg, der Name lässt sich etwa als „Stab-Albe“ oder „Zauber-Albe“ verstehen.
Das ist Rezeption, keine Quelle: Tolkiens bärtige Bergwerkszwerge sagen nichts darüber, wie man sich im Norden des 10. Jahrhunderts Zwerge vorstellte. Der Tolkien-Forscher Tom Shippey hat diese Übernahmen in The Road to Middle-earth ausführlich beschrieben.
Ihren größten Ruhm verdanken die Zwerge ihrer Kunst. Snorri erzählt im Skáldskaparmál die bekannteste Episode, und sie beginnt mit einer Gemeinheit: Loki schneidet der Göttin Sif das Haar ab. Thor droht ihm, jeden Knochen zu brechen, und Loki schwört, Ersatz zu beschaffen. Er geht zu den Zwergen, die man die Söhne Ivaldis nennt. Sie schmieden goldenes Haar, das auf Sifs Kopf anwächst wie echtes, dazu das Schiff Skíðblaðnir, das stets Fahrtwind hat und sich wie ein Tuch zusammenlegen lässt, und den Speer Gungnir für Odin.
Loki kann es nicht dabei belassen. Er wettet mit dem Zwerg Brokkr um seinen eigenen Kopf, dass dessen Bruder – bei Snorri heißt er Eitri, in manchen Ausgaben und in der populären Tradition Sindri – keine drei ebenso guten Stücke schmieden könne. Die Geschichte erzählen wir ausführlich bei Sindri und Brokkr. Kurz: Loki stört als Fliege das Blasen des Blasebalgs, dreimal, beim dritten Mal sticht er Brokkr zwischen die Augen. So entstehen der goldene Eber Gullinborsti, der Ring Draupnir, von dem jede neunte Nacht acht gleich schwere Ringe tropfen, und Mjölnir, dessen Stiel zu kurz geraten ist. Die Götter urteilen: Der Hammer ist das beste Stück, die Zwerge gewinnen.
Seinen Kopf behält Loki trotzdem. Er habe den Kopf verwettet, nicht den Hals, argumentiert er, und den dürfe Brokkr nicht anrühren. Der Zwerg näht ihm darauf mit einer Ahle und einem Riemen die Lippen zusammen.
Zwei weitere berühmte Stücke kommen aus anderen Quellen. Die Fessel Gleipnir, mit der die Götter den Wolf Fenrir binden, ließ Odin nach Gylfaginning 34 von Zwergen in Svartálfaheimr anfertigen, aus sechs Dingen: dem Lärm der Katzentritte, dem Bart der Frau, den Wurzeln des Berges, den Sehnen des Bären, dem Atem des Fisches und dem Speichel des Vogels. Und das Halsband Brísingamen gehört Freyja schon in den Eddaliedern; dass vier Zwerge es schmiedeten und Freyja für jedes Stück eine Nacht mit ihnen verbrachte, erzählt erst der Sörla þáttr in der Flateyjarbók aus dem späten 14. Jahrhundert. Die vier heißen dort Alfrigg, Dvalinn, Berlingr und Grérr.
| Werk | Schmied | Besitzer |
|---|---|---|
| Sifs Goldhaar | Söhne Ivaldis | Sif |
| Skíðblaðnir | Söhne Ivaldis | Freyr |
| Gungnir | Söhne Ivaldis | Odin |
| Gullinborsti | Eitri (Sindri) und Brokkr | Freyr |
| Draupnir | Eitri (Sindri) und Brokkr | Odin |
| Mjölnir | Eitri (Sindri) und Brokkr | Thor |
| Gleipnir | ungenannte Zwerge in Svartálfaheimr | die Götter (Fessel Fenrirs) |
| Brísingamen | Alfrigg, Dvalinn, Berlingr, Grérr (nur Sörla þáttr) | Freyja |
Ein eigenes Eddalied gehört ganz einem Zwerg: das Alvíssmál, „die Rede des Allweisen“. Der Zwerg Alvíss kommt, um eine Braut abzuholen, die ihm in Thors Abwesenheit versprochen wurde – Thors eigene Tochter. Thor findet ihn bleich wie eine Leiche. Alvíss sagt, er wohne unter der Erde, sein Haus stehe unter einem Stein.
Thor will die Ehe erlauben, wenn der Zwerg ihm Fragen beantwortet, und fragt Strophe um Strophe: Wie heißt die Erde bei Menschen, Asen, Riesen, Alben und Zwergen? Wie der Mond, der Wind, das Meer, das Bier? Alvíss weiß alles. Bei den Zwergen, sagt er etwa, heiße die Sonne Dvalins leika, „Dvalinns Gespielin“ oder „Dvalinns Betrügerin“ – ein schöner, unheimlicher Name für das Licht, das Zwergen gefährlich ist.
Am Ende steht Thors trockenes Lob: Nie habe er in einer Brust so viel altes Wissen gesehen. Aber mit großer List habe er ihn hingehalten. „Der Tag hat dich eingeholt, Zwerg, jetzt scheint die Sonne in den Saal“ (sinngemäß). Hier endet das Lied.
Keine Zwergengeschichte hat so lange Schatten geworfen wie die von Andvari. Erzählt wird sie in der Prosa und den Strophen des Eddaliedes Reginsmál und bei Snorri im Skáldskaparmál. Odin, Loki und Hœnir töten auf einer Wanderung einen Otter, der in Wahrheit Otr ist, der Sohn des Hreiðmarr. Als Buße verlangt der Vater, den Otterbalg innen mit Gold zu füllen und außen ganz damit zu bedecken.
Loki holt das Gold bei Andvari. Der Zwerg lebt in Gestalt eines Hechts in einem Wasserfall. Im Reginsmál fängt Loki ihn mit dem Netz der Meeresgöttin Rán, bei Snorri mit bloßen Händen. Andvari muss sein ganzes Gold herausgeben und will nur einen kleinen Ring behalten. Loki nimmt ihm auch den. Da verflucht der Zwerg Ring und Gold: Es solle jedem, der es besitzt, den Tod bringen.
Der Fluch wirkt. Hreiðmarr wird von seinem Sohn Fáfnir erschlagen, Fáfnir wird zum Drachen auf dem Schatz, Sigurd tötet ihn, und von dort zieht sich die Spur des Rings durch das Schicksal der Völsungen und Nibelungen. Die ganze Kette erzählen wir bei Sigurd. Andvari steht übrigens auch im Dvergatal – einer der wenigen Namen der Liste mit eigener Geschichte.
Zwerge sind in den Quellen keine Dienstboten der Götter. Sie handeln auf eigene Rechnung, und nicht immer zimperlich. Die Zwerge Fjalarr und Galarr erschlagen den weisen Kvasir, fangen sein Blut in drei Gefäßen auf, mischen es mit Honig und brauen den Dichtermet. Dann töten sie noch den Riesen Gillingr und dessen Frau. Erst als Gillings Sohn Suttungr sie auf einer Flutschäre aussetzt, geben sie den Met als Buße heraus. So erzählt es Snorri im Skáldskaparmál – und erklärt nebenbei, warum die Dichtung bei den Skalden auch „Schiff der Zwerge“ heißen kann: Sie hat ihnen das Leben gerettet.
Eine ganz andere Seite zeigt die Hávamál. In Strophe 143, mitten im Runenabschnitt (mehr dazu bei Rúnatal), heißt es sinngemäß: Odin schnitt die Runen für die Asen, Dáinn für die Alben, Dvalinn für die Zwerge, Ásviðr für die Riesen, und einige ritzte ich selbst. Jedes Volk der Welt hat also seinen eigenen Runenmeister, und für die Zwerge ist es Dvalinn. Er ist der vielleicht wichtigste Zwerg der Überlieferung: Er führt im Dvergatal eine Schar an, er gilt im Alvíssmál als Namensgeber der Sonne, und das Eddalied Fáfnismál nennt einige der Nornen „Töchter Dvalinns“. Ein Zwerg, der mit Schicksal, Runen und Sonnenlicht verbunden ist.
Weitere kleine, aber sprechende Szenen: Bei Baldrs Bestattung tritt Thor nach Gylfaginning 49 einen Zwerg namens Litr, der ihm vor die Füße läuft, ins brennende Schiff. In der Ynglinga saga lockt ein Zwerg, der bei Sonnenuntergang unter einem großen Stein sitzt, den schwedischen König Sveigðir in den Felsen; der König kommt nie zurück. Und beim Weltuntergang Ragnarök „stöhnen die Zwerge vor den Steintüren“, so die Völuspá.
Snorri unterscheidet in Gylfaginning 17 zwei Arten von Alben: Lichtalben (ljósálfar), schöner als die Sonne, und Dunkelalben (dökkálfar), schwärzer als Pech, die unten in der Erde wohnen. Wenige Kapitel später schickt Odin den Boten Skírnir für Gleipnir „hinab nach Svartálfaheimr zu einigen Zwergen“. Und im Skáldskaparmál geht Loki nach Svartálfaheimr, um Andvari zu treffen. Bei Snorri wohnen die Zwerge also in der „Welt der Schwarzalben“.
Daraus haben viele Leser geschlossen: Schwarzalben, Dunkelalben und Zwerge sind bei Snorri dasselbe. Rudolf Simek hält diese Gleichsetzung in seinem Lexikon der germanischen Mythologie für wahrscheinlich. Andere sind vorsichtiger. Terry Gunnell und Alaric Hall (siehe auch unseren Beitrag zu den Alben) weisen darauf hin, dass die älteren Eddalieder Alben und Zwerge als zwei Gruppen nebeneinander nennen, etwa im Alvíssmál oder in der Hávamál-Strophe über die Runenmeister. Dort haben die Alben mit Dáinn einen eigenen Runenmeister, die Zwerge mit Dvalinn einen anderen.
Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen schon in den Namen. Im Dvergatal stehen Zwerge namens Gandálfr, Vindálfr und schlicht Álfr. Ein Zwerg mit „Albe“ im Namen – das zeigt, dass beide Vorstellungen eng verwandt waren. Möglicherweise hat der gelehrte Snorri eine fließendere ältere Vorstellung in ein Schema aus Licht und Dunkel gepresst – verbreitete Annahme, nicht beweisbar.
Bis hierhin stammt fast alles aus isländischen Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts. Ein Fund ist rund fünfhundert Jahre älter: 1973 fanden Archäologen in Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, ein Stück eines menschlichen Schädeldachs, etwa 6 mal 8,5 Zentimeter groß, mit einem gebohrten Loch und einer Runeninschrift. Datiert wird es um 725.
Die Inschrift beginnt mit drei Namen: Ulfr, Odin und Hō-Tīwr, wohl eine Form des Gottes Týr. Dann folgt eine Bitte um Hilfe gegen einen Schmerz oder ein Leiden – und an dieser Stelle steht ein Wort, das die Runologin Marie Stoklund 1996 als dvergr, „Zwerg“, las. Der Zwerg sei bezwungen, so ihre Lesung. Jackie Nordström hat das Fragment 2021 unter dem Digitalmikroskop neu untersucht und schlägt vor, dort stehe ein Paar: „gegen den Zwerg und die Zwergin“, ein männlich-weibliches Gegenstück wie in vielen Zaubersprüchen. Staffan Fridell hat ihr 2024 in der Lautfrage widersprochen, die Deutung als Zwergenpaar aber nicht verworfen. Die Lesung einzelner Runen bleibt umstritten.
Was der Ribe-Schädel zeigt, ist ein ganz anderer Zwerg als der Schmied der Göttersagen: ein Dämon, der Krankheit bringt oder die Krankheit selbst ist. Dazu passen Parallelen rund um die Nordsee. Im altenglischen Heilbuch Lacnunga steht ein Zauberspruch Wið dweorh, „gegen einen Zwerg“, gemeint ist wohl ein Fieber. Und 2015 fand ein Sondengänger bei Fakenham in Norfolk eine kleine Bleiplatte mit der altenglischen Runeninschrift dead is dwerg, „tot ist der Zwerg“ – vermutlich ein Heilamulett, datiert grob ins 8. bis 11. Jahrhundert.
Der älteste datierte Zwerg Skandinaviens ist also kein Schmied, sondern ein Plagegeist, gegen den man Odin und Týr zu Hilfe ruft.
Im deutschsprachigen Raum hat der Zwerg eine eigene, lange Karriere. Im Nibelungenlied (um 1200) hütet der Zwerg Alberich den Schatz der Nibelungen und besitzt eine Tarnkappe, die Siegfried ihm abnimmt – eine deutliche Verwandtschaft zur Andvari-Geschichte. Das mittelhochdeutsche Heldengedicht vom Zwergenkönig Laurin und seinem Rosengarten in Tirol stammt aus dem 13. Jahrhundert. Später werden Zwerge zu Bergmännlein, Wichteln und Hausgeistern; die Kölner Heinzelmännchen machte August Kopisch 1836 mit seinem Gedicht berühmt, und die sieben Zwerge in Grimms Schneewittchen (ab 1812) prägten das Bild für Generationen.
Zipfelmütze, Laterne und Gartenzwerg gehören in diese späte Linie, nicht in die Wikingerzeit.
In unserer Werkstatt in Alsdorf arbeiten wir mit dem Laser statt mit dem Hammer. Ein paar Ideen, die wir mit den Quellen vertreten können:
Wenn du so etwas umsetzen möchtest, schreib uns über die Wunschgravur. Schreibweise und Runenumschrift prüfen wir gemeinsam.

Woher kommen die Zwerge in der nordischen Mythologie? Nach der Völuspá schufen die Götter sie aus Brimirs Blut und Bláinns Knochen, wohl Namen des Urriesen Ymir. Snorri ergänzt, sie seien zuerst als Maden in Ymirs Fleisch entstanden und hätten dann von den Göttern Verstand und Menschengestalt erhalten.
Welche Zwergennamen stehen in der Edda? Das Dvergatal der Völuspá nennt rund sechzig Namen, darunter Mótsognir, Durinn, Dvalinn, Austri, Vestri, Norðri, Suðri, Þorinn, Fíli, Kíli, Gandálfr, Eikinskjaldi und Andvari. Die genaue Liste schwankt je nach Handschrift.
Was haben die Zwerge für die Götter geschmiedet? Unter anderem Thors Hammer Mjölnir, Odins Speer Gungnir und Ring Draupnir, Freyrs Eber Gullinborsti und Schiff Skíðblaðnir, Sifs Goldhaar und die Fessel Gleipnir. Brísingamen schmieden Zwerge erst in einer späten Erzählung des 14. Jahrhunderts.
Werden Zwerge im Sonnenlicht zu Stein? Das Alvíssmál endet damit, dass die Sonne den Zwerg Alvíss einholt; die Versteinerung wird aus der Parallele zur Riesin Hrímgerðr erschlossen, die ausdrücklich zu Stein wird. Ausgesprochen ist sie für den Zwerg nicht.
Sind Zwerge und Schwarzalben dasselbe? Bei Snorri wohnen die Zwerge in Svartálfaheimr, was eine Gleichsetzung nahelegt. Die älteren Eddalieder nennen Alben und Zwerge jedoch als getrennte Gruppen; die Frage ist in der Forschung offen.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Tolkien und die Edda · Die Schätze der Götter · Sindri & Brokkr · Ivaldi & seine Söhne · Die Riesen · Ymir.
Alle Wesen & Kreaturen-Artikel →
Zwischen Göttern und Menschen wohnt ein drittes, halb verborgenes Geschlecht: die Alben – im Deutschen als „Elfen“ …
Weiterlesen →Zu Füßen des Göttervaters liegen zwei Wölfe: Geri und Freki – beide Namen bedeuten „der Gierige". In der Halle Walhall …
Weiterlesen →Das Ende der Welt beginnt nicht mit Donner, sondern mit einem Hahnenschrei — und der ertönt gleich dreifach. Drei …
Weiterlesen →Auf dem Dach der Totenhalle steht eine Ziege, und aus ihrem Euter fließt kein Milchtropfen, sondern klarer Met. Daneben …
Weiterlesen →