Aus dem Wissensarchiv

Die Zwerge

Wesen & Handwerk Die Zwerge, Meisterschmiede der nordischen Mythologie

Fast alles, was die Götter mächtig macht, kommt aus einer Hand: der der Zwerge. Thors Hammer, Odins Speer und Ring, Freyjas Halsband, die Fessel des Wolfs – die glänzende Macht Asgards ruht auf der stillen Kunst der Zwerge im Dunkeln.

Zwerge (altnord. dvergar) sind kleine, meist unterirdisch lebende Wesen von unübertroffener Schmiede- und Zauberkunst. Sie wohnen in Stein und Erde, in der Welt Svartalfheim (oder Niðavellir, „Dunkelfeld“). Sonnenlicht ist ihnen gefährlich: In manchen Erzählungen erstarrt ein Zwerg zu Stein, wenn ihn das Tageslicht trifft – ein Motiv, das bis zu Tolkiens Trollen nachwirkt.

Herkunft: Maden im Leib des Urriesen

Die Zwerge entstanden auf drastische Weise. Snorri erzählt, sie seien zuerst als Maden im Fleisch des toten Urriesen Ymir gewachsen; die Götter gaben ihnen dann Verstand und Menschengestalt. Vier von ihnen – Nordri, Sudri, Austri und Vestri („Norden, Süden, Osten, Westen“) – halten seither die vier Ecken des Himmels, den aus Ymirs Schädel geformten. So sind die Zwerge von Anfang an in den Bau der Welt eingewoben.

Die Meister des Steins

Die Zwerge (dvergar) der nordischen Mythologie sind kunstfertige Wesen, die tief in Stein und Erde leben. Sie gelten als die größten Schmiede der neun Welten – Schöpfer der kostbarsten Schätze der Götter.

Aus dem Leib des Urriesen

Nach der Völuspá entstanden die Zwerge aus dem Fleisch oder Blut des Urriesen Ymir. Sie hausen in Felsen und unter der Erde – in der Welt Svartalfheim, die auch Nidavellir genannt wird.

Schöpfer der Götterschätze

Aus Zwergenhand stammen die berühmtesten Schätze: Thors Hammer Mjölnir, Odins Speer Gungnir und Ring Draupnir, Freyrs Eber und Schiff, Sifs goldenes Haar. Ohne die Zwerge wären die Götter weit ärmer.

Ein Volk mit eigenem Willen

Zwerge sind nicht einfach Diener der Götter – sie handeln, fordern, verlangen Lohn und wehren sich. Ihr Name steht im großen Zwergenkatalog der Völuspá; einige davon (Durin, Dvalinn) wurden über Tolkien weltberühmt.

Beleg: Die Herkunft der Zwerge und der Zwergenkatalog stehen in der Völuspá; ihre Schmiedewerke schildert Snorri (Skáldskaparmál).
Mythos-Check: Ob nordische Zwerge ursprünglich klein gedacht wurden, ist unsicher – die „Kleinheit" ist teils spätere Ausdeutung. Die scharfe Trennung von „Licht-" und „Schwarzalben" stammt vor allem von Snorri.
Der Zwergenkatalog. Die Völuspá enthält den berühmten Dvergatal, eine lange Aufzählung von Zwergennamen – darunter Durin, Dvalin, Fili, Kili, Nori, Thráin, Thorin, Gandalf und viele mehr. J. R. R. Tolkien entnahm diesem Katalog fast alle Zwergennamen des „Hobbit“ – und den Namen Gandalf gleich mit. Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Die Schmiede der Götterschätze

Ihren Ruhm verdanken die Zwerge ihrer Kunst. Die Söhne Ivaldis schufen Sifs Goldhaar, das Schiff Skidbladnir und Odins Speer Gungnir. Die Brüder Sindri und Brokkr schmiedeten im großen Wettstreit den Eber Gullinborsti, den Ring Draupnir und Thors Hammer Mjöllnir. Vier Zwerge (die Brísingar) fertigten Freyjas Halsband Brisingamen. Und aus sechs unmöglichen Dingen woben die Zwerge Gleipnir, das seidenweiche Band, das den Wolf Fenrir hält. Ohne die Zwerge wäre Asgard arm. Alles dazu im Überblick: die Schätze der Götter.

Mythos & Deutung. Die Zwerge sind das mythische Bild des Handwerks selbst – der Kunst, die im Verborgenen Wertvolles schafft. Sie sind nicht immer freundlich: Sie morden (den weisen Kvasir), sie hüten Gold eifersüchtig (der Zwerg Andvari und sein verfluchter Ring im Sigurd-Stoff). Aber ihre Gaben halten die Welt der Götter zusammen. Ein sehr altes Bild vom Wert der stillen, geschickten Hand – und, ganz nebenbei, passend zu einer Manufaktur, die Metall und Stein veredelt.

Naturschmuck und Anhänger von Glanz & Gravur
Was aus geschickter Hand entsteht – nordischer Schmuck und Zeichen in unserer Naturschmuck-Welt. Im Shop ansehen →
Aus Aachen, für den Norden. Wie die Zwerge veredeln wir Material von Hand – mit dem Laser statt dem Hammer. Schmuck und Zeichen in der Naturschmuck-Welt, Motivplatten unter den Schieferplatten. Zum Shop.

Weiterlesen bei uns

Die Schätze der Götter · Sindri & Brokkr · Ivaldi & seine Söhne · Die Riesen · Ymir.

Quellen & Literatur

Lieder-Edda: Völuspá (Dvergatal). Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning: Herkunft aus Ymir; Skáldskaparmál: die Schätze), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus dem Gebiet Wesen & Kreaturen

Alle Wesen & Kreaturen-Artikel →

Alben (Elfen)

Zwischen Göttern und Menschen wohnt ein drittes, halb verborgenes Geschlecht: die Alben – im Deutschen als „Elfen“ …

Weiterlesen →

Geri & Freki – Odins Wölfe

Zu Füßen des Göttervaters liegen zwei Wölfe: Geri und Freki – beide Namen bedeuten „der Gierige". In der Halle Walhall …

Weiterlesen →

Die Haehne des Ragnaroek – Gullinkambi, Fjalar und der russrote Hahn

Das Ende der Welt beginnt nicht mit Donner, sondern mit einem Hahnenschrei — und der ertoent gleich dreifach. Drei …

Weiterlesen →

Heidrun und Eikthyrnir: Met und Flüsse auf Walhalls Dach

Auf dem Dach der Totenhalle steht eine Ziege, und aus ihrem Euter fließt kein Milchtropfen, sondern klarer Met. Daneben …

Weiterlesen →