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Brisingamen – Freyjas Halsband

Kleinode Freyja mit dem Halsband Brisingamen

Das schönste Schmuckstück der Welt gehört der schönsten der Göttinnen: Brisingamen, das goldene Halsband der Freyja. Kein anderes Kleinod verbindet so eng Schönheit, Begehren und Macht – und keines hat eine so vielschichtige Geschichte.

Der Name Brísingamen setzt sich zusammen aus men („Halsschmuck, Kette“) und brísingr – womöglich „das Flammende, Glühende“ oder der Name der Zwergensippe der Brísingar. Wörtlich also: „der Halsschmuck der Brisinge“ oder „das flammende Geschmeide“. In der Dichtung ist es das Sinnbild von Freyjas strahlender Schönheit.

Der Erwerb: vier Zwerge und ein Preis

Die ausführlichste Geschichte steht in der Sörla þáttr (einer späten Erzählung der Flateyjarbók). Danach sah Freyja bei vier Zwergen – Alfrigg, Dvalinn, Berlingr und Grer – ein Halsband von unvergleichlicher Schönheit entstehen. Sie bot Gold und Silber, doch die Zwerge wollten einen anderen Preis: dass Freyja eine Nacht bei jedem von ihnen verbringe. So erwarb sie Brisingamen. Die späte, moralisierend-christliche Fassung zeichnet die heidnische Göttin bewusst in zweifelhaftem Licht – ein Punkt, den man beim Lesen mitdenken sollte.

Quelle & Vorsicht. Die Erwerbsgeschichte stammt aus der Sörla þáttr (14. Jh.), also aus christlicher Zeit – sie ist keine „reine“ heidnische Überlieferung, sondern literarisch gefärbt. Älter und knapper erwähnen Þrymskviða und Húsdrápa das Halsband. Standardwerk: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie.

Lokis Raub und Heimdalls Kampf

Wie fast jedes Kleinod zieht auch Brisingamen den Neid Lokis an. In einer Überlieferung stiehlt Loki das Halsband; der Wächter Heimdall stellt ihn. Beide verwandeln sich in Robben und kämpfen an einer Klippe im Meer um das Kleinod, bis Heimdall es der Göttin zurückgewinnt. Dieses Bild – zwei Götter als Robben, ringend um ein Stück Gold – gehört zu den eigenwilligsten der ganzen Mythologie und wird schon vom Skalden Úlfr Uggason in der Húsdrápa (10. Jh.) genannt.

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Brisingamen bei Thors Brautfahrt

Einen heiteren Auftritt hat das Halsband in der Þrymskviða: Als Thor sich als Freyja verkleidet, um seinen gestohlenen Hammer vom Riesen Thrym zurückzuholen, legt man ihm auch Brisingamen an – Teil der Brautverkleidung. Dass ausgerechnet der bärtige Donnergott mit Freyjas berühmtem Halsschmuck geschmückt wird, ist einer der komischsten Momente der Edda.

Mythos & Deutung. Brisingamen ist mehr als Schmuck: Als Attribut Freyjas verbindet es Schönheit mit Fruchtbarkeit und Macht. Manche Forscher sehen im „flammenden Halsband“ ein altes Sonnen- oder Himmelssymbol. Sicher ist: Ein herausragender Halsschmuck war in der Wikingerzeit reale Statusgabe – reich verzierte Perlenketten und goldene Colliers finden sich in vornehmen Frauengräbern. Das Kleinod der Göttin hatte also ein irdisches Vorbild.

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Quellen & Literatur

Sörla þáttr (Flateyjarbók, 14. Jh.: Erwerb des Halsbands). Lieder-Edda: Þrymskviða (Brautfahrt). Úlfr Uggason, Húsdrápa (10. Jh.: Heimdall und Loki als Robben). Snorri Sturluson, Prosa-Edda, um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).

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