Das schönste Schmuckstück der Welt gehört der schönsten der Göttinnen: Brisingamen, das goldene Halsband der Freyja. Kein anderes Kleinod verbindet so eng Schönheit, Begehren und Macht – und keines hat eine so vielschichtige Geschichte.
Der Name Brísingamen setzt sich zusammen aus men („Halsschmuck, Kette“) und brísingr – womöglich „das Flammende, Glühende“ oder der Name der Zwergensippe der Brísingar. Wörtlich also: „der Halsschmuck der Brisinge“ oder „das flammende Geschmeide“. In der Dichtung ist es das Sinnbild von Freyjas strahlender Schönheit.
Die ausführlichste Geschichte steht in der Sörla þáttr (einer späten Erzählung der Flateyjarbók). Danach sah Freyja bei vier Zwergen – Alfrigg, Dvalinn, Berlingr und Grer – ein Halsband von unvergleichlicher Schönheit entstehen. Sie bot Gold und Silber, doch die Zwerge wollten einen anderen Preis: dass Freyja eine Nacht bei jedem von ihnen verbringe. So erwarb sie Brisingamen. Die späte, moralisierend-christliche Fassung zeichnet die heidnische Göttin bewusst in zweifelhaftem Licht – ein Punkt, den man beim Lesen mitdenken sollte.
Brísingamen ist das berühmteste Kleinod der Göttin Freyja – ein kostbarer Halsschmuck von unvergleichlichem Glanz, Sinnbild ihrer Schönheit und ihrer Macht. Kein Schmuckstück der nordischen Mythologie ist bekannter.
Nach der Überlieferung schufen vier Zwerge den Brísingamen. Freyja gewann ihn – so erzählt es der Sörla þáttr – zu einem hohen Preis. Der Schmuck ist damit ein Werk der besten Handwerker der neun Welten, würdig einer Göttin.
Loki, der ewige Unruhestifter, stahl den Brísingamen. Heimdall stellte ihn – in einer Geschichte, in der sich beide in Robben verwandelten und um das Kleinod kämpften. So ist der Schmuck auch Anlass eines der eigenwilligsten Götterduelle.
Brísingamen steht für Schönheit, Begehren und den Wert kostbarer Handwerkskunst. Für ein Haus, das Schmuck und Gravur fertigt, ist er ein schönes Sinnbild – das Kleinod, das selbst Göttern den Atem raubte.
Wie fast jedes Kleinod zieht auch Brisingamen den Neid Lokis an. In einer Überlieferung stiehlt Loki das Halsband; der Wächter Heimdall stellt ihn. Beide verwandeln sich in Robben und kämpfen an einer Klippe im Meer um das Kleinod, bis Heimdall es der Göttin zurückgewinnt. Dieses Bild – zwei Götter als Robben, ringend um ein Stück Gold – gehört zu den eigenwilligsten der ganzen Mythologie und wird schon vom Skalden Úlfr Uggason in der Húsdrápa (10. Jh.) genannt.

Einen heiteren Auftritt hat das Halsband in der Þrymskviða: Als Thor sich als Freyja verkleidet, um seinen gestohlenen Hammer vom Riesen Thrym zurückzuholen, legt man ihm auch Brisingamen an – Teil der Brautverkleidung. Dass ausgerechnet der bärtige Donnergott mit Freyjas berühmtem Halsschmuck geschmückt wird, ist einer der komischsten Momente der Edda.
Alle Kleinode der Edda im Überblick · Freyja · Heimdall · Loki · Draupnir.
Sörla þáttr (Flateyjarbók, 14. Jh.: Erwerb des Halsbands). Lieder-Edda: Þrymskviða (Brautfahrt). Úlfr Uggason, Húsdrápa (10. Jh.: Heimdall und Loki als Robben). Snorri Sturluson, Prosa-Edda, um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).
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