Es ist die berühmteste Schmiedeszene des Nordens: zwei Zwergenbrüder, ein Wetteinsatz um Lokis Kopf und eine Fliege, die am Blasebalg sticht. Aus diesem Wettstreit gingen die drei mächtigsten Schätze der Götter hervor – darunter Thors Hammer.
Sindri (auch Eitri genannt) und sein Bruder Brokkr sind Meister-zwerge. Als Loki übermütig behauptete, niemand könne die Werke der Söhne Ivaldis übertreffen, wettete er seinen eigenen Kopf mit den beiden Brüdern. Die nahmen die Wette an.
Sindri legte nacheinander Gold, Schweinehaut und Eisen ins Feuer, sprach seine Zauber und verließ die Esse – während Brokkr unablässig den Blasebalg ziehen musste, ohne innezuhalten. Loki aber, der die Wette fürchtete, verwandelte sich in eine Fliege und versuchte, Brokkr zu stören: Er stach ihn in Hand, Hals und schließlich ins Augenlid, dass Blut den Blick verdunkelte.
Trotzdem gelangen drei Meisterwerke: der goldborstige Eber Gullinborsti für Freyr, der leuchtet und schneller läuft als jedes Pferd; der Ring Draupnir für Odin, von dem in jeder neunten Nacht acht gleiche Goldringe abtropfen; und der Hammer Mjöllnir für Thor. Weil Lokis letzter Stich Brokkr im entscheidenden Moment traf, geriet nur der Griff des Hammers etwas zu kurz – der einzige Makel des mächtigsten Kleinods der Welt.
„Da stach die Fliege ihm ins Auge,
und Blut troff auf das Werk –
doch der Hammer ward dennoch geschmiedet.“
— Bild nach Snorris Skáldskaparmál (Sinn nach Karl Simrock, 1851, gemeinfrei)
Die Götter erklärten Mjöllnir zum wertvollsten aller Schätze – denn er würde Asgard gegen die Riesen schützen. Loki hatte die Wette verloren, sein Kopf gehörte Brokkr. Doch mit einer Spitzfindigkeit entkam er: Der Kopf sei zwar verwettet, nicht aber der Hals – und ohne den Hals lasse sich der Kopf nicht abnehmen. Brokkr blieb nur, Lokis Lippen zu vernähen, damit er eine Weile schweige. So endet die Geschichte, wie so oft, mit Lokis List – und mit dem Hammer, der fortan die Welt der Götter beschützt.

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Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Skáldskaparmál: Sindri/Eitri, Brokkr, der Wettstreit, die drei Schätze), um 1220. Deutsche gemeinfreie Übersetzung: Karl Simrock, Die Edda (1851). Forschung: Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie; John Lindow, Norse Mythology (2001).